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Einfacher Sachverhalt kompliziert erklärt

Verfasst: 29 Aug 2006, 05:07
von slammo
Hallo!
Nach meiner frischen Registrierung möchte ich euch direkt mit einer meiner Stärken bekannt machen: einfache Sachverhalte kompliziert zu erklären. :lol:
Ich (Marcel, 22) plane mit Michael (24) für den Sommer 2008 eine Reise in die Baikalregion. Nun wird jeder denken "toll, ist ja was ganz besonderes, was interessiert uns das?".
In einer Kurzschlussreaktion und der Abwägung zwischen Flugzeug und Transsib haben wir uns für eine entspannte 12000 km-Autofahrt entschieden.

Unser Vorhaben wird aber höchstwahrscheinlich an diversen Dingen scheitern:
1. Ausser "Hallo", "Tschüss" und "jechat na maschyni" sind meine Russischkenntnisse nicht vorhanden. 8)
2. Keine Ahnung was uns der Spaß kosten wird. (Kraftstoff, Lebensmittel, "Strafen" etc.)
3. Wenn uns der Motor platzt sitzen wir in der Taiga...kombiniert mit Punkt 1.

Selbstverständlich habe ich im Netz schon nach irgendwelchen Reiseberichten gesucht...leider erfolglos. Hintergrundwissen zum Thema Fernreise haben wir nur aus Richtung Sahara und das auch nur mit dem Motorrad.

Hat jemand soetwas schon durchgeführt, ist gescheitert oder hat die Idee wieder verworfen?

Danke schonmal,
Marcel

Re: Einfacher Sachverhalt kompliziert erklärt

Verfasst: 29 Aug 2006, 10:45
von manuchka
slammo hat geschrieben:... Sommer 2008 eine Reise in die Baikalregion... In einer Kurzschlussreaktion und der Abwägung zwischen Flugzeug und Transsib haben wir uns für eine entspannte 12000 km-Autofahrt entschieden.

Unser Vorhaben wird aber höchstwahrscheinlich an diversen Dingen scheitern:
1. Ausser "Hallo", "Tschüss" und "jechat na maschyni" sind meine Russischkenntnisse nicht vorhanden. 8)
2. Keine Ahnung was uns der Spaß kosten wird. (Kraftstoff, Lebensmittel, "Strafen" etc.)
3. Wenn uns der Motor platzt sitzen wir in der Taiga...kombiniert mit Punkt 1.
Hallo Marcel,
Hut ab, das klingt ja abenteuerlich, und es könnten in der Tat einige Schwierigkeiten auf euch zukommen.
Da ihr das Ganze aber erst in zwei Jahren vorhabt, kann man Punkt 1 ja noch ändern. Zu Punkt 2 lässt sich schlecht was sagen, da die Preise in zwei Jahren sicher auch nicht mehr die gleichen sein werden wie jetzt. Punkt 3 - tja. Wenn ihr auf den Hauptstraßen bleibt, kommt schon auch mal jemand vorbei, der euch helfen kann, selbst wenn ihr euch nur mit Händen und Füßen verständigen könnt.
Insgesamt würde ich eher abraten. Es ist schade ums Auto, und das Autofahren mach in Russland auch nicht soo viel Spaß, sondern ist eher stressig (Chaos im Straßenverkehr, schlechte Straßen mit meist fehlender Markierung und Beluchtung). Das iwrd also eher anstrengend als ein Genuss, zumal ich auch nicht alleine oder zu zweit durch Polen und Weißrussland fahren möchte. Ich an eurer Stelle würde einen Billigflug nach Moskau buchen und von da aus mit der Transsib weiterfahren, das dürfte preislich viel günstiger sein, da Bahnfahren hier wenig kostet, vor allem, wenn man die Tickets hier vor Ort und ein bisschen im Voraus kauft oder kaufen lässt, und ihr könnt in Ruhe das Land angucken und Leute kennenlernen. Ehrlich, da habt ihr mehr davon.

Manu

Verfasst: 29 Aug 2006, 13:41
von slammo
Hallo Manu,

danke für die schnelle Antwort.
Wie gesagt, Transsib war auch unser erster Gedanke. Haben wir aber verworfen. Begründung: das kann ja jeder. :D
Polen und Weißrussland...okay...vielleicht erinnert sich jemand an die Sahara-Geiseln von 2003. Michaels Vater hat darüber ein Buch geschrieben. :P http://www.amazon.de/gp/product/3933385 ... e&n=299956

Schlimmer als in der Sahara kann es doch nicht sein...
Du siehst also, es soll schon ruhig abenteurlich werden. :wink:

Hauptproblem ist im Moment, dass wir kein brauchbares Kartenmaterial der Strecke haben. Als Kontakte entlang der Route hätten wir 2 Tanten von Arbeitkollegen...jeweils in Krasnojarsk und Irkutsk. Von NRW bis Krasnojarsk ohne festen Zielpunkt oder Möglichkeit vielleicht für eine Nacht nicht im Dachzelt schlafen zu müssen ist natürlich auch nicht so toll...

Marcel

Verfasst: 29 Aug 2006, 15:49
von Zejtnot
Also Zelten würde ich nie, keine Ahnung, welcher besoffene Dörfler da vorbeikommt. Ansonsten ist die Straße von Moskau bis Kemerowo einfach nur langweilig. Dörfer, Birken und kaum Kurven. Ob man das am dritten Tag noch spannend findet? Ab Kemerowo wird es etwas abwechslungsreicher. Etwas!

Entlang der Hauptstraße wäre eine Reparatur nicht so kompliziert. Fahrt aber mit einem etwas weiter verbreiteten Autotyp ... am Besten wäre natürlich ein oller Lada. Den kann hier jeder reparieren. Und der wird auch nicht so schnell geklaut.

Karten sind für so eine Fahrt nicht so kompliziert, bekommt ihr in Moskau.

Benzin - Super kostet im Moment knapp 20 Rubel, also 60 Cent.

ABER IM ERNST: Fahrt zur Nordküste vom Baikal, mit der BAM - da habt ihr auch etwas, "was nicht jeder macht"!

Verfasst: 29 Aug 2006, 16:03
von manuchka
slammo hat geschrieben: Wie gesagt, Transsib war auch unser erster Gedanke. Haben wir aber verworfen. Begründung: das kann ja jeder. :D
Na wenn ihr meint... komischerweise wenden sich auch viele Transsibreisende an das Forum, um Tipps und Ratschläge einzuholen. Scheint also auch nicht so die 08-15-Aktion zu sein.
slammo hat geschrieben: Hauptproblem ist im Moment, dass wir kein brauchbares Kartenmaterial der Strecke haben. ... Von NRW bis Krasnojarsk ohne festen Zielpunkt oder Möglichkeit vielleicht für eine Nacht nicht im Dachzelt schlafen zu müssen ist natürlich auch nicht so toll...
Ich verstehe nicht so ganz, warum ihr euch darum jetzt schon Gedanken macht, wenn ihr erst 2008 im Sommer fahren wollt. Ganz so hartgesotten seid ihr also nicht. Aber ich fürchte, da kann euch im Moment keiner helfen. Selbst wenn ich euch jetzt Karten besorge - sind die denn in 2 Jahren noch aktuell? Selbst wenn ich euch jetzt eine Übernachtungsmöglichkeit anbiete - weiß ich denn, wo ich in 2 Jahren bin?
Ich schlage darum vor, dass ihr euch einen guten Reiseführer besorgt und den ausgiebig studiert, um zu wissen, wo ihr hinwollt, was ihr unterwegs anschauen wollt und ob sich der Krampf mit der langen Autotour wirklich lohnt. Und dann, wenn ihr es euch noch nicht anders überlegt habt, stellt ihr 3-4 Monate vor dem geplanten Start die konkreten Fragen. In der Zwischenzeit lest ihr noch ein bißchen im Forum herum, findet heraus, wie das mit den Visa und der Registrierung läuft und was man beim Grenzübertritt mit Auto noch so zu beachten hat (geht es z.B. kaputt und bleibt im Land, wird Einfuhrzoll fällig). Und nebenbei macht ihr einen Sprachkurs - oder gehören fehlende Russischkenntnisse mit zum Abenteuerurlaub? :wink:

Gruß,
Manu

PS: Wenn du nur ein bißchen Nervenkitzel willst, würde ich mir was anderes überlegen. Den Hinweis auf die Sahara-Geiseln und die Bemerkung "schlimmer kann es doch nicht sein" finde ich da bissel merkwürdig. Man kann sicher nicht erwarten, dass solche "Abenteuer" immer glimpflich abgehen. Aber bitte, wer nicht hören will, muss fühlen, und wenn es "nur" ein bewaffneter Überfall irgendwo in der Pampa ist.

Verfasst: 29 Aug 2006, 17:41
von Xottabych
Zejtnot hat geschrieben:Also Zelten würde ich nie, keine Ahnung, welcher besoffene Dörfler da vorbeikommt.
Hallo Zejtnot,

ich habe mit Zelten in Russland selbst noch keine Erfahrungen sammeln können; aber hältst Du das wirklich für eine so ernstzunehmende Gefahr, dass Du vom Zelten allgemein ganz abzuraten möchtest? Das kann ich mir kaum vorstellen...

Verfasst: 30 Aug 2006, 00:11
von slammo
Nabend.
Naja, ich finde nicht dass eine ordentliche Planung etwas mit fehlernder Hartgesottenheit zu tun hat. Ich möchte an den Baikalsee und nicht nach Mallorca.

Ich hab auch garnicht nach Durchführbarkeit gefragt, unsere Entscheidung steht ja schon fest. :lol:

manuchka, ändern sich in 3 Jahren wirklich so grundlegend die Straßen? Man wird ja wohl bis 2008 keine 6-spurige Autobahn über den Ural bauen. Ausserdem kann ich mir doch wohl nicht spontan in Moskau überlegen wo ich denn langfahren möchte. Kontakte entlang der Strecke hätten sich dann auch erledigt.

Fahrzeug wird übrigens ein Lada Niva.

Verfasst: 30 Aug 2006, 08:06
von Zejtnot
manuchka hat geschrieben:Selbst wenn ich euch jetzt Karten besorge - sind die denn in 2 Jahren noch aktuell?
Bekommst Du heutzutage Karten (von Moskau Stadt abgesehen), die jünger als 10 Jahre sind? Also die Karten von Sibirien, die verkauft werden, sind zwar 2006 gedruckt, aber mit Daten von 1989 - scheint mir. Ortsumgehungen (jaaa, gibt es hier!) - fehlen! Neue Brücken - fehlen!

Insofern: heute oder in zwei Jahren kaufen ist piepegal.

Aber ich verstehe, was Du meinst.
waldmeister hat geschrieben:ich habe mit Zelten in Russland selbst noch keine Erfahrungen sammeln können; aber hältst Du das wirklich für eine so ernstzunehmende Gefahr, dass Du vom Zelten allgemein ganz abzuraten möchtest? Das kann ich mir kaum vorstellen...
Sagen wir es so: Im Altai, an abgelegenen Seen, etc. zelte ich auch - nicht selten. ABER: Ich würde mich nicht unbedingt mit einem Auto mit westlichem Kennzeichen neben der Trasse Moskau-Chita plazieren - da hätte ich leichte Bedenken. Keine Ahnung, sagt mir mein Gefühl.
slammo hat geschrieben:Ich möchte an den Baikalsee und nicht nach Mallorca.
Vom Visums- und Zollkram abgesehen, sehe ich da dennoch wenige Unterschiede. Also es ist ja nicht so, dass Russland soooo anders ist als Spanien!
slammo hat geschrieben:Man wird ja wohl bis 2008 keine 6-spurige Autobahn über den Ural bauen.
Über den Ural nicht gerade, aber durch Moskau, rund um Jekaterinburg und Novosibirsk besteht die Möglichkeit durchaus!
slammo hat geschrieben:Ausserdem kann ich mir doch wohl nicht spontan in Moskau überlegen wo ich denn langfahren möchte.
Warum nicht? Legst Du bei einer Fahrt durch München zwei Jahre vorher die Strecke fest? Woher weißt Du denn heute, wo in den nächsten zwei Jahren in Moskau neue Straßen gebaut werden (und da werden eine Menge gebaut), wo Baustellen sind, wo Staus sind, ...?

Ich gebe Dir Recht, vieles kann man (und sollte man vielleicht auch) gut vorbereiten. Aber die Strecke durch Moskau ganz bestimmt nicht!
slammo hat geschrieben:Kontakte entlang der Strecke hätten sich dann auch erledigt.
Warum? Willst Du vorher irgendwelche Termine ausmachen?
slammo hat geschrieben:Fahrzeug wird übrigens ein Lada Niva.
Sehr gute Entscheidung, wenn Du die Hauptstraßen verlassen willst. Wenn Du aber durchheizen willst, wird es nervig. Wie schon erwähnt: zwischen Omsk und Novosibirsk gibt es beispielsweise nur drei, vier Kurven auf 800 km - das wird im langsamen Niva schön öde!

Verfasst: 30 Aug 2006, 10:06
von manuchka
slammo hat geschrieben:Naja, ich finde nicht dass eine ordentliche Planung etwas mit fehlernder Hartgesottenheit zu tun hat. manuchka, ... Ausserdem kann ich mir doch wohl nicht spontan in Moskau überlegen wo ich denn langfahren möchte. Kontakte entlang der Strecke hätten sich dann auch erledigt.
Ordentliche Planung heißt für mich, dass man eine Sache vernünftig anpackt und nicht das Pferd von hinten aufzäumt. Zwei Jahre vorher ist das, wie ich schon gesagt habe, ein Sprachkurs und das Sammeln allgemeiner Infos und nicht die konkrete Streckenplanung oder Terminabsprache mit möglichen Kontaktpersonen. 3-4 Monate vor eurer Tour kannst du gern noch mal wegen Kontakten an der Strecke fragen, bis dahin fließt noch viel Wasser die Wolga runter, und ich sag es nochmal: Keiner weiß, was morgen ist, geschweige denn in zwei Jahren.

Verfasst: 30 Aug 2006, 12:08
von slammo
Also irgendwie hab ich den Eindruck dass mich Niemand versteht. :wink:
Ich möchte natürlich nicht die Fahrt durch Moskau planen. :D
Wenn ich in Moskau eine Karte kaufe, müsste ich VOR ORT die Strecke nach Irkutsk festlegen. Das wäre doch wohl wirklich etwas spät. Wenn ich nichtmal die grobe Wegstrecke kenne, wie lange soll ich mich denn in Deutschland abmelden? Pauschal 3 Jahre?
Zum Thema Kontakte ist meine Intention: Wenn ich die Tante X aus Y besuchen kann, plane ich die Strecke natürlich so dass ich diesen Ort besuche. Und ich kann doch nun wirklich nicht in Moskau in ein Internetcafe gehen, mal kurz im Forum vorbeischauen und sagen "och, dann machen wir doch mal kurz einen 300km-Umweg um den und den zu besuchen".