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Er und Sie - verschd. Religionen ?

Verfasst: 28 Nov 2006, 00:17
von michl
Ein herzliches Hallo an alle !

Ich lese schon seit einiger Zeit in diesem wirklich sehr sehr guten Forum herum. Heute möchte ich mich gerne auch einmal an die Community wenden. Vielleicht hatte jemand ein ähnliches Problem ... und eine Lösung dafür gefunden.

Kurze Vorgeschichte: Ich komme aus Österreich und meine Freundin ist aus Russland. Wir kennen uns seit etwa 3 Jahren, sind seit diesem Sommer ein Paar - auf Basis Fernbeziehung leider :-(

Es passt alles in dieser Beziehung, wie noch nie zuvor in einer ... aber wir haben ein Hindernis. Ich bin Katholik und sie Muslimin.
Das Problem dabei: Welche Religion werden die Kinder haben ?? (Bitte keine Ratschläge, dass darüber zu früh gesprochen wird !!!)

Ihre Familie legt viel Wert auf Traditionen, möchte ihre Enkel natürlich muslimischen Glaubens sehen. Meine Familie widerrum setzt auch voraus, dass die Kinder katholisch werden. Sie werden schon um die Hochzeitsfeier umfallen, da (wenn es reif ist und beide bereit sind) in Russland geheiratet wird ... und dann auch noch keine Taufe.

Meine Freundin möchte nicht, dass unsere Kinder Christen werden, ich nicht unbedingt, dass sie muslimisch werden (... in meiner Umgebung gibt es so gut wie keine Moslems -> würden meine Kinder dann von anderen Kinder "ausgestossen" werden, weil sie einen anderen Glauben haben ? - Kinder können sooo grausam sein)
... ich kann aber auch nicht wirklich einen Gefallen daran finden, dass Kinder keinen Glauben haben.

... ich weiß, es passt vielleicht nicht unbedingt hier her, aber vielleicht hat jemand von EUCH schon solche Erfahrungen gemacht und könnte uns dann über diese Erfahrungen zu berichten.

Mein Herz wäre gebrochen, wenn es "nur" an dieser Frage scheitert !


... würde mich echt über Antworten freuen ...

Michl

Verfasst: 28 Nov 2006, 02:20
von Monzi
puuuh... ein schweres Problem.

Kurz mein Hintergrund: Ich bin ein (nicht wirklich gläubiger) Katholik, meine Freundin und die Kinder sind griechisch-orthodox, ist aber wirklich kein großes Problem. Und für die Kinder ist es ein Heidenspaß 2 Mal Weihnachten zu feiern. ;-)

Am einfachsten wäre natürlich, den Kindern die freie Wahl zu lassen, aber dazu sollten sie eine gewisse geistige Reife (so um die 14?) haben. So lange möchtet ihr aber sicherlich nicht warten.

Die andere Alternative wäre, beide Elemente in die Erziehung einfliessen zu lassen. Christliche Feste wie Ostern, Pfingsten oder Weihnachten zelebrieren, aber auch Ramadan ehren. Vielleicht nicht 5 Mal am Tag in der Moschee den Koran vorbeten zu lassen und dann jeden Sonntag in die Kirche.

Zumindestens in meiner Gegend (Oberfranken) spielen religiöse Unterschiede eine eher untergeordnete Rolle, ihr solltet es auch nicht absolut überspitzen. Freue dich lieber daran, was du hast: Das beste aus zwei Kulturkreisen! :-)

Verfasst: 28 Nov 2006, 10:29
von harald63
Religion ist aber nicht einfach nur Kultur. Wenn beide ihre Religion ernst nehmen, kann man nicht einfach einen Mischmasch machen. Heutzutage ist es hier für uns kaum noch ein Problem, da Religion oft eher folkloristisch wahrgenommen wird. Aber vor 40 Jahren konnte es schon noch schwierig sein, wenn ein Katholik eine Protestantin heiraten wollte.
Wenn beide ihre Religion ernst nehmen, bliebe eigentlich nur, den Kindern die freie Wahl zu lassen. Aber auch sowas "verbietet" ja die eigene REligion, die Kinder dem Nichtglauben anheim fallen zu lassen.
Fazit: Wenn beide mit der Religion des anderen Probleme hat, dann lasst es besser sein.

Verfasst: 28 Nov 2006, 11:01
von Dietrich
Hallo Michl,

ich wuerde zuerst einmal an die Kinder denken. Ihr lebt in Deutschland und wenn ich das Verhaeltnis der Religionen in den naechsten 20-30 Jahren versuche zu schaetzen, so werden sie als Muslime doch wesentlich mehr Probleme haben, als als Katholiken. Zumindest in D.
Ihr werdet aufgrund eurer unterschiedlichen Religionen in eurer Beziehung viele Kompromisse schliessen muessen. Besonders weil ja auch noch ihre (und deine) Verwandschaft immer beachtet werden will. Und deshalb sollte auch die Sache mit den Kindern vorher mal zwischen euch besprochen werden. Ich wuerde an deiner Stelle auf einer neutralen Erziehung bestehen. Gerade weil die Unterschiede so gross und die Muslimen in der Hinsicht so wenig Kompromissbereit sind.
Wenn deine Frau das nicht verstehen kann und sich bereits dieser Punkt nicht klaeren laesst, so wird es auch in Zukunft noch sehr viele Punkte geben, die keinen Kompromiss zulassen. Und dann, so sehe ich es, wird es wenig Sinn mit euch beiden haben.

Denn wenn sich schon in der angeblich so westlich orientierten Tuerkei hunderttausende finden um gegen einen Freundschaftsbesuch des Papstes zu protestieren und sich dort sogar oeffentlich Stimmen vernehmen lassen, die den Tod des Papstes fordern, so glaube ich nicht an eine "Freundschaft" zwischen Christen und Muslimen in den naechsten 20 Jahren....

Verfasst: 28 Nov 2006, 11:11
von Kultgrieche
Hi Michl,
aus welchem Teil Russland stammt Deine Zukünftige? Wolgaregion oder Nordkaukasus? Das kann schon in der Art, wie der Islam dort gelebt wird, einen großen Unterschied bedeuten?
Wie behandelt denn Dein zukünftiger Schwiegervater seine Ehefrau?

Verfasst: 28 Nov 2006, 13:56
von Zeppelin
Hmmm...
Das ist wirklich eine blöde Konstellation, wenn die Religion so verschieden und jeweils von so großer Bedeutung ist. Und für mich wäre das ein sehr ernster Grund, mir ganz genau zu überlegen, ob so eine Verbindung auch wirklich dauerhafte Chancen hat.

Bei uns ist die Situation deutlich entspannter, aber selbst dabei gibt es manchmal latente Spannungen.
Ich bin zwar nicht getauft worden, aber gleichwohl sehr durch protestanische Wertvorstellung geprägt. Meine Frau kommt aus der Wolgaregion (Kazan') und ist dort sowohl unter aufgeklärt-muslimischem als auch russ.-orthodoxem Einfluss aufgewachsen. Allerdings wird kaum eine der Religionen wirklich ernsthaft gelebt.
Allerdings wird der Ton zwischen uns manchmal etwas schärfer, wenn ich mein geringes Verständnis für andere Familienmitglieder zum Ausdruck bringe, die so richtig muslimisch orientiert sind. Dies betrifft insbesondere die Schwester meiner Frau und deren Mann.
Da steht meine Frau dann zwischen Baum und Borke und sieht sich i.d.R. veranlasst, ihre Schwester vor mir verteidigen zu müssen - und meint dabei auch gleichzeitig ihre beste Freundin, die sehr überzeugte Muslima ist.

Klasse! Dann haben wir den Salat: Preussische und tatarische Standfestigkeit prallen auf einander und das kann ein ganz schönes "Gemetzel" geben. Da zeigt sich dann schon, dass meine Liebste eine waschechte Nachfahrin der legendären "goldenen Horden" ist. :wink:

Hinsichtlich der Erziehung unserer (noch nicht vorhandenen) Kinder sehen wir beide allerdings keine Probleme, da uns die Religionen nicht wirklich etwas bedeuten - schon gar nicht die damit verbundenen Rituale.
Nur bin ich schon jetzt auf die widerwärtigen Provokationesversuche meines Schwagers und dessen Anhangs gespannt, wenn dann mal Familienbesuche stattfinden werden und unsere Kinder zum Spielball idiotischer Debatten werden dürften, wogegen ich mich natürlich strikt verwahre. :reiter:

Ich denke, es ist wie mit allen anderen guten Vorsätzen auch: Man kann sich noch so gut im Vorfeld mit einem Problem auseinandersetzen und meinen, es damit im Griff behalten zu können. Aber letzlich trifft einen der Schlag aus einer völlig unerwarteten Ecke - zumal man eben nur sehr begrenzten Einfluss auf das Verhalten anderer hat.

Abzuwägen gilt es daher m.E. die zweifellosen Vorzüge einer bikulturellen Ehe / Familie mit den höheren Belastungen die immer damit entstehen.
Für uns überwiegt ersteres, aber dabei kommt uns eben auch erleichternd entgegen, dass der soziokulturelle Druck aus unserer Umgebung denkbar geringfügig ist.
Im Zweifelsfalle würde ich allerdings auf Eltern, Geschwister etc. keine Rücksicht nehmen sondern zu meiner Frau stehen. Aber auch dabei besteht die Besonderheit, dass ich - bedingt durch die Ereignisse der dt. Wiedervereinigung und fundamental konträrer Ansichten zwischen mir und meiner Familie zum davor und danach - vor etwa zehn Jahren sämtliche Verbindungen hatte abbrechen müssen.
Das ging so bis Anfang dieses Jahres und meine Familie erfuhr erst Jahre nach unserer Heirat von der Existenz meiner Frau, die dann allerdings auch die angemessene Beliebtheit erworben hat.

Andersherum war es aber von vornherein so, dass die Eltern meiner Frau mich sehr herzlich aufgnommen haben, was ich gar nicht mal vorauszusetzen wagte. (Zum einen hatte die Familie sowohl durch die Nazis als auch durch Stalin enorm viele Opfer zu beklagen und zum anderen besteht ein nicht geringer Altersunterschied zwischen meiner Frau und mir, meine Schwiegereltern wurden vor die vollendete Tatsache gestellt, dass wir heiraten würden, ohne je von mir vorher gehört zu haben und konnten noch nicht einmal dabei sein.) Da hatte ich erst einmal erwartet, mindestens mit einer eisigen Miene empfangen zu werden.
Aber das totale Gegenteil war zu meinem Erstaunen der Fall. Da hatte ich aber auch noch keine praktischen Erfahrungen damit, wie hoch der Wert der Familie in diesem Kulturkreis im Verhältnis zu allem anderen geschätzt wird.

Ob Dir, Michl, dies alles weiter helfen wird, weiß ich natürlich nicht zu sagen, aber ich hoffe es zumindest.
Ich bin kein Anhänger der These, dass die Liebe in einer Beziehung ohnehin über kurz oder lang verfliegen oder durch andere Dinge überlagert werden würde. Aber es gibt eben Umstände, unter denen stärkere Bindungen an andere Dinge im Leben zunächst gar nicht in ihrer gesamten Tragweite erfasst werden, bis sie einen dann letztlich doch einholen.
Danach sah mir Deine Fragestellung zunächst mal aus.

lG
Zeppelin

Verfasst: 28 Nov 2006, 16:41
von Oletsch
Schwierig, Michl. Aber nicht unmöglich, daran soll doch die Beziehung nicht scheitern, wenn alles sonst gut klappt. Ich würde versuchen, mit der Frau einig zu werden, dass man die Kinder neutral erzieht und sie dann später wählen dürfen. Wenn ihr beide damit einverstanden seid, ist es am wichtigsten, weil das eure persönliche Familiengeschichte ist, und die Verwandten können zwar ihre Meinungen haben, aber nicht für Euch entscheiden.

Gruß
Oletsch

Verfasst: 28 Nov 2006, 17:09
von russian_juliette
Michl, fangen wir ganz am Anfang an: Eine Muslima DARF einen Christen NICHT heiraten. Wenn sie das doch tut und dich heiratet, dann ist ihr die Religion doch nicht so wichtig, dann können auch eure Kinder christlich erzeugt werden.

Verfasst: 28 Nov 2006, 17:15
von russian_juliette
Oletsch hat geschrieben:Schwierig, Michl. Aber nicht unmöglich, daran soll doch die Beziehung nicht scheitern, wenn alles sonst gut klappt. Ich würde versuchen, mit der Frau einig zu werden, dass man die Kinder neutral erzieht und sie dann später wählen dürfen. Wenn ihr beide damit einverstanden seid, ist es am wichtigsten, weil das eure persönliche Familiengeschichte ist, und die Verwandten können zwar ihre Meinungen haben, aber nicht für Euch entscheiden.

Gruß
Oletsch
Das Problem ist, dass die beiden Religionen sich grundsätzlich unterscheiden, nur ein Beispiel: Weihnachten zu feiern ist eine große Sünde im Islam, aber eine Selbstverständlichkeit bei den Christen. Wie bitte schön soll man da die Kinder neutral erziehen.

Ich und mein Mann haben auch vershiedene Religionen: russisch-ortodox und katholisch - wir sind aber trotzdem beide Christen, ds ist der gleiche Glaube an die Dreifaltigkeit des Gottlichen usw. Wir feiern zwar zweimal Weihnachten und so, das ist aber doch kein Problem.

Re: Er und Sie - verschd. Religionen ?

Verfasst: 28 Nov 2006, 17:28
von russian_juliette
michl hat geschrieben:
Ihre Familie legt viel Wert auf Traditionen, möchte ihre Enkel natürlich muslimischen Glaubens sehen. Meine Familie widerrum setzt auch voraus, dass die Kinder katholisch werden.


Michl
Ich will dich ja nicht entmutigen, aber das klingt echt nach unendlich viel Krach und Stress in den beiden Familien. Ich würde mich auf so etwas einlassen, nur wenn das wirklich Liebe ist :) Dann lohnt sich das :)

Und hier noch eine Geschichte, ich glaube jedenfalls nicht, dass das etwas für dich wäre, nur so eine Geschichte aus eigener Erfahrung: Meine gute Freundin-Muslima kommt aus einer religiöser Familie und ist wirklich gläubig. Sie verliebte sich in einen Katholiken, er sich in sie auch. Ihre Familie hat ihr verboten einen Nichtmuslim zu heiraten, so hat er einfach in einer Mosche die Schachada ausgesprochen und is muslim geworden :)
Sie sind schon 3 Jahre verheiratet, so wie ich das mitkriege, alles läuft einfach super. Aber wie gesagt, ihr Mann war ohnehin nicht wirklich gläubig, deshalb akzeptierte er solche Lösung