Entstellte Namen - böse Absicht?

Wer von den seichten Gewässer des Rus-POP in die Tiefen der Wissenschaft vordringen möchte, findet hier sein Terrain. Literatur, Bildende Kunst, Musik, Kinematografie und alles was intellektuellen Background hat kann hier diskutiert werden.

Warum entsellen deutsche Journalisten deutsch klingende Namen der Russen

a) Aus Versehen
2
25%
b) absichtlich
3
38%
c) analhabet
3
38%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 8

germanisator

Entstellte Namen - böse Absicht?

Beitrag von germanisator »

Hallo,

ich studiere Medienwissenschaft als Magister (NF). Folgende Frage interessiert mich schon länger: Warum entstellen deutsche Medien deutsch kligende Namen der Russländer, obwohl eigentlich nichts einfacher für einen deutschen Journalisten sein kann als einen vertrauten deutschen Namen zu notieren. Das passiert mal auch bei Aktuell.ru. Man schreibt Wekselberg statt Wechselberg, Vainschtok statt Weinstock, Mitwol statt Mitwohl usw. Ich habe mal bei guter Gelegenheit an der Uni ein Experiment gestartet. Ich habe meine deutsche Kommilitonen gebeten, die Namen zu notieren, die ich ihnen diktiere. In der Arbeitsgruppe von 25 Studenten haben alle richtig geschrieben. Wie könnt ihr dieses Phänomen erklären. Sind es immer Tippfehler, sind die Journalisten analphabet oder wollen sie sich auf diese Weise unmissverständlich von den "Russen" distanzieren.
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Dietrich
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Beitrag von Dietrich »

Die meisten dieser Namen werden wohl "korrekt" aus dem russischen transkripiert worden sein, eben um keinen Fehler zu machen.
Mit einem Blick in den Pass von Herr Вексельберг oder Herr Митвол koennte es passieren, dass dort die Namen genau so geschrieben stehen.

Dies hat weniger mit der Vehuntzung durch die deustchen Journalisten, als durch die Schreibweise dieser Namen im kyrillischen zu tun.

Vielleicht heisst der Praesident auch in Wirklichkeit Puhtin....?

Oder vielleicht faengt der durch die Hochzeit angenommene Nachname meiner Frau auch mit 'H' an, genau wie meiner, und nicht mit 'Kh'.
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Zejtnot
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Beitrag von Zejtnot »

Journalisten müssen bei der Namensnennung - so sehen es die Statute aller Redaktionen vor - den Namen originalgetreu nennen. Wenn also ein Russe, den Namen Векселберг trägt, dann muss dieser Name auch als Wekselberg wiedergegeben werden - da dies die offizielle Transkription ist.

Da nicht einmal feststeht, wie der Familienname des deutscher Opas von Herrn Векселберг, der vor 100 Jahren nach Russland auswanderte, tatsächlich geschrieben wurde, besteht auch kein Grund automatisch von Wechselberg auszugehen.

Namen unterliegen nicht zwingend den heutigen Orthographieregeln. So wurden nach der Rechtschreibreform auch nicht alle Herrn und Frau "Heß" in "Hess" umbenannt. Dieser Verfahrensweise folgend kannst Du einen Herrn Wekselberg nicht einfach in Wechselberg umbenennen.
germanisator

Beitrag von germanisator »

Wechselberg hat keinen deutschen Opa, Mitwohl auch. Sie haben judische Opas :lol:
germanisator

Beitrag von germanisator »

Es sind nur zwei Beispiele. Es gibt aber zig andere Namen, wo es sich auf die Transkription leider nicht abschieben lässt. Übrigens was die wissenschaftliche Transkription anbetrifft, so sollte sie jeder Journalist, der in RF tätig ist, beherrschen (was auch recht simpel ist). Das haben wir mal im Seminar "Russland in den deutschen Medien" besprochen. Das Problem mit der Transkription besteht eben darin, dass es mehere Transkriptionen gibt. Damit kein Kauderwelsch entsteht und man die Entstellung von Wörtern vermeidet, verwenden deutsche Slavisten eine bestimmte Transkription. Diese Tabelle bekommt man bei jedem Slavistik Dozenten an jeder deutschen Uni. Wer richtig transkripiert, arbeitet professionel. Eine Hausarbeit mit willkürlicher Transkription wird zum Nachmachen zurückgegeben. Transkriptionsproblem besteht, doch es ist keine Entschuldigung für entstellte Namen, doch sicherlich ab und zu eine Erklärung.
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Beitrag von manuchka »

Wer sagt eigentlich, dass die von dir vorgeschlagene Schreibweise die einzig wahre und ultimativ richtige ist? Meier kann man ja auch Maier oder Meyer oder Mayer schreiben... und da es im Russischen die Kombi -chs- nicht gibt, wird eben ein -ks- draus. Man könnte den auch Wexelberg schreiben.. Und st wird im Russischen nun mal nicht scht gesprochen, sondern st, ebenso wie übrigens im Amerikanischen, weshalb man den Herrn Vainshtok eben so schreibt, wie es international (und nicht nur für den deutschen Geschmack) lesbar ist.
Du erntest, was du säst.
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Xottabych
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Beitrag von Xottabych »

Hallo Germanisator,

an "böse Absichten" glaube ich nicht; wie sollten die motiviert sein?

Ich glaube, die Hauptgründe für die mangelnde Professionalität, die Du feststellst, hast Du selbst schon genannt:
- verschiedene Transkriptionssysteme; die deutschen Regeln sind außerdem ziemlich ungeeignet, um fehlerfreies Hin- und Herübersetzen zu gewährleisten (ш und ж --> sch; з und с --> s ...); die englische Transkription ist einfach besser!
- abnehmende Qualität im Journalismus allgemein, z.B. wegen Outsourcing und Kostendruck:
http://www.zeit.de/2003/23/outsourcing
http://www.zeit.de/2005/38/Medien
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Dietrich
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Beitrag von Dietrich »

germanisator hat geschrieben:Es sind nur zwei Beispiele. Es gibt aber zig andere Namen, wo es sich auf die Transkription leider nicht abschieben lässt.
Deine Beispiele waren aber ausnahmslos alles durch Transkription nicht mehr eindeutige Namen. Und selbst bei Иванов kann man sich noch ueber Ivanov oder Iwanow streiten.
germanisator

Beitrag von germanisator »

Hallo,

ich behaupte nichts. Ich möchte lediglich die Meinungen der anderen wissen. Wenn sich brauchbare Resultate ergeben, könnte es zu meinem Untersuchungsgegenstand werden.

Ein Beispiel: Neulich wurde Генерал Каппель als General Kapell bezeichnet. Das war ungefähr vor einem Monat bei Aktuell.ru

Ich denke keiner wird abstreiten, dass da ein Problem besteht. Aus welchen auch immer Gründen. Meine Intention ist es, diese Gründe anzutasten und nach einer wissenschaftlichen (möglichen) Problemlösung zu suchen. In den Unikreisen Slavisten / Medienwissenschaftler wird darüber schon länger diskutiert. Ich sehe mich nach dem Abschuß bei einer Medien Consulting Firma. Dies könnte meine erste Spezialisierung sein. Das Problem betrifft nicht nur (prominente) Personen, sondern auch Firmen, Städte, Erholungsgebiete wo der Name auch ein Brand ist. Und wenn er immer wieder falsch oder anders dargestellt wird, stellt es unter Umständen ein großeß Problem für die betroffenen dar. z.B. der Wiedererkennungswert leidet, man findet es mit der Suchmaschine nicht usw.
germanisator

Beitrag von germanisator »

Dietrich hat geschrieben:
germanisator hat geschrieben:Es sind nur zwei Beispiele. Es gibt aber zig andere Namen, wo es sich auf die Transkription leider nicht abschieben lässt.
Deine Beispiele waren aber ausnahmslos alles durch Transkription nicht mehr eindeutige Namen. Und selbst bei Иванов kann man sich noch ueber Ivanov oder Iwanow streiten.
Nach deutscher Transkription ist Iwanow falsch. Ich habe bereits einige Hausarbeiten wegen solchen Ausrutschern zum Korregieren zurückbekommen.
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