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Wie sieht man in Russland eigentlich die Deutschen?
Verfasst: 02 Mär 2007, 22:16
von Sanja
hallöchen,
hätte mal die ein oder andere Meinung gehört. Wenn man hier(ich kann jetzt wohl nur von meiner Ecke in DE sprechen) Symphatie für Russland kundtut oder gar erwähnt, daß man russich lernt, erntet man gewiß schiefe Blicke oder Komentare, wie "was die uns alles angetan haben!" aber auch bei der jüngeren Generation bleibt oft kein gutes Wort, weil es leider oft Probleme mit Aussiedlern gibt.
Wie sieht man in Russland eigenlich die Deutschen?
Verfasst: 02 Mär 2007, 22:50
von Aetschi
Also ich hab eigentlich nie wasnegatives hier erlebt in 10 Jahren.
Kommt aber wahrscheinlich drauf an wie man sich hier bewegt.
Verfasst: 03 Mär 2007, 00:00
von Sanja
Das freut mich. :P Kann mich noch an das Gespräch mit jemanden der ausgesiedelt ist erinnern, er war sehr unglücklich und meinte, dort wäre er immer nur der "Deutsche" gewesen, und hier immer nur der "Russe".
Aber eigentlich dachte ich, daß doch noch einiges an Groll aus der Kriegsgeneration gehegt würde, oder sich Mißmut über die "ständig nörgelnden Deutschen Exportweltmeister" regt.
Verfasst: 03 Mär 2007, 10:24
von zimdriver
Im Prinzip mögen "sie" uns sehr. Unverständnis ernten die Deutschen, wenn es z.B. um die Versicherungen für Autos (Klau auf Bestellung), Hunde- und andere Witzsteuern, Sozialhilfe und staatlich bezahlte Wohnungen geht. Bewundert werden die Deutschen für vieles, allem voran für Autos und Fußball. Ärger hatte ich noch nie.
Verfasst: 03 Mär 2007, 18:12
von Zeppelin
Also, ich war zwar bislang nur einmal für mehrere Wochen dort, aber diese waren sehr intensiv.
Zumal es darum ging, mich endlich mal leibhaftig der Familie und Verwandschaft / Bekanntschaft meiner Frau vorzustellen, hatte ich mich nicht unbeding auf positive Erfahrungen eingestellt, bzw. war darauf eingestellt, dass die mir ganz schön auf den Zahn fühlen würden.
Immerhin gibt es ja auch eine Reihe von Geschichten, wo es den Frauen von dort, die ins westliche Ausland gehen, manchmal recht übel ergeht.
Aber zum meiner eigenen Überraschung und Erleichterung wurde ich nicht nur von den Angehörigen sehr liebevoll behandelt, sondern auch von völlig fremden Leuten auf der Straße, auf dem Marklplatz oder sonstwo.
Selbst bei der Meldebehörde wurde ich sehr zuvorkommen behandelt - im Gegensatz zu all den anderen Ausländern, die dort in langer Schlange standen.
Wie man über DIE DEUTSCHEN insgesamt denkt, konnte ich dennoch nicht ergründen. Aber ich glaube, dass man die heutigen Generationen nicht als Verantwortliche für die Naziverbrechen sieht.
Und selbst ehemals in der DDR stationierte Militärangehörige, die hier bestimmt nicht gern gelitten waren, berichten überwiegend schwärmend von dieser Zeit.
Und das Bild der Rusländer/innen in D sehe ich auch wesentlich differenzierter und behaupte - entgegen der allgemeinen Meinung - dass deren Ansehen gar nicht so schlecht ist. Kommt halt darauf an, wie sie sich einfügen und in der Öffentlichkeit benehmen.
Zeppelin
Re: Sprachliche Unterschiede russisch/*russländisch
Verfasst: 05 Mär 2007, 09:59
von Zejtnot
Zum Thema: Deutsche haben in Russland ein prima Image. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, gutes Bier, gute Autos. Nur die Mädels kommen schlecht weg, wären nicht hübsch und weiblich (bitte keine Diskussion dazu, hatten wir schon x-mal).
Ich wurde in vier Jahren zweimal in der Marschrutka angeblöfft: "Hier wird Russisch gesprochen!" Und oft hört man - aber mehr aus Scherz - die unlogischen Worte: "Hitler kaputt!"
Verfasst: 07 Mär 2007, 10:33
von Glider
1. Also mal rein von meinem Sprachgefühl:
a. Ich bin Deutscher - und nicht Deutschländer(das sind Würstchen, vielleicht auch arme).
b. Ich habe die deutsche Staatsangehörigkeit - und nicht die der BRD.
2. Zur eigentlichen Frage:
Während ich erleben konnte, wie Russen in Deutschland teilweise recht reserviert entgegengetreten wird (Krieg, Vertreibung, Vergewaltigungsgeschichten nach dem Krieg und bei Vorrücken der Roten Armee), teilweise Russen hier als "Exoten" betrachtet werden, weil es Ignoranten gibt, die Russland mit Sibirien gleichsetzen und da tobt ja bekanntermassen der russische Bär (denkt mal an den Bären, mit dem früher die SU und Heute Russland dargestellt werden),
läuft es für mich in Russland wesentlich angenehmer, als man mir dort (nicht nur in der Verwandtschaft) mit freundlichem Interesse begegnet.
Das deutsche Organisiertsein wird im Allgemeinen positiv bewertet, Auswüchse wie der dubiose "grüne Punkt" mit Humor belächelt.
Verfasst: 07 Mär 2007, 20:46
von Zeppelin
Glider hat geschrieben:Zur eigentlichen Frage:
Während ich erleben konnte, wie Russen in Deutschland teilweise recht reserviert entgegengetreten wird (Krieg, Vertreibung, Vergewaltigungsgeschichten nach dem Krieg und bei Vorrücken der Roten Armee), teilweise Russen hier als "Exoten" betrachtet werden, weil es Ignoranten gibt, die Russland mit Sibirien gleichsetzen und da tobt ja bekanntermassen der russische Bär (denkt mal an den Bären, mit dem früher die SU und Heute Russland dargestellt werden),
läuft es für mich in Russland wesentlich angenehmer, als man mir dort (nicht nur in der Verwandtschaft) mit freundlichem Interesse begegnet.
Das deutsche Organisiertsein wird im Allgemeinen positiv bewertet, Auswüchse wie der dubiose "grüne Punkt" mit Humor belächelt.
All dies kann ich 100 Pro bestätigen:
Es gibt in D massive Ressentiments gegen alles was irgendwie mit russ... zu tun hat. Deshalb tut man sich hier einen Gefallen, seinen - durchaus geachteten - Patritismus nicht als persönliches Aushängeschild zu benutzen.
Rückt man hingegen erst nach dem ersten Eindruck mit seiner Herkunft heraus, hat man die Punkte schon mal auf dem eigenen Konto.
Umgekehrt scheint es mir anders.
Aus diversen Gründen hat man offenbar trotz aller Kriegsverbrechen usw. so eine Art Bonus als Dt'er in RUS. Man wird mit Neugier und Interesse aufgenommen und gleichzeitig behandelt, wie jemand, der Fürsorge nötig hat.
Haarig wird es aber, wenn es um Politik, Organisation und Präzision geht oder wenn man davon ausgeht, dass das hiesige das 'Normale' wäre...
Verfasst: 12 Mär 2007, 13:47
von Simone
Wann beschäftigt Ihr Euch mal mit der eigentlichen Frage: Was denken die Russen über die Deutschen?
Ich kann nur wiedergeben, was ICH erlebe als Deutsche in Russland. Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden - sowohl in meiner privaten als auch in meiner Arbeitsumgebung (deutsche Firma mit ca. 2000 MA, davon ca. 40 Deutsche). Der Russe ist Fremden gegenüber häufig zurückhaltend, doch wenn man Russisch spricht und ein Lächeln investiert, kann es vorkommen, daß man schnell ins Gespräch kommt.
Dabei erlebe ich oft, daß bei der Anwort auf die Frage: Wo kommst Du her? unsere Heimat über den grünen Klee gelobt wird - etwas wie folgt:
Deutschland = Sauberkeit, Ordnung, Fleiß, zuverlässige Technik (Autos), hohe Qualität (die ihren Preis hat)
In der Arbeit loben meine Kollegen die Deutschen - vor allem in der Rolle als Vorgesetzte. Sie schaffen sich nicht ihr eigenes Reich von Gleichgeschalteten, die einzig und allein die persönlichen Interessen des Chefs schützen und durchsetzen. Sie gelten als gerecht, strukturiert, zielorientiert und auch mitarbeiterorientiert. Jedoch müssen viele Deutsche noch lernen, daß der Russe auf einen anderen Weg und mit anderer Durchschnitts-Geschwindigkeit (langsam starten und zum Schluß mit Turbo) zum Ergebnis kommt.
Insgesamt kann ich sagen, daß die Russen mich bisher (seit 4,5 J.) niemals negativ auf meine Herkunft angesprochen oder deshalb schlecht behandelt haben - unabhängig von ihrem Alter und ihrer eigenen Lebensgeschichte. Ich finde das fantastisch in Anbetracht der Geschichte und der Greuel-Taten der Deutschen im 2. WK.
Da habe ich mit Polen und Israelis schon ganz andere und sehr bittere Erfahrungen machen müssen.
Kurzum, wir Deutschen* sind in Russland sehr willkommen. Ich glaube, daß kann man umgedreht so nicht behaupten.
PS: *Ostdeutsche gelten sogar oft als наши!
Verfasst: 12 Mär 2007, 15:06
von Dietrich
Simone hat geschrieben:
PS: *Ostdeutsche gelten sogar oft als наши!
Was ja auch mit der Sicht vieler Westdeutscher uebereinstimmt!