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vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 20 Jun 2007, 19:21
von berkut
Als spaetgeborener deutscher stellt sich mir immer wieder die frage danach, wie ich den krieg gegen die UdSSR in mein gewissen einbauen kann- damit umzugehen lerne, ohne in schwermut zu verfallen.
In der letzten "Zeit" war ein sehr eindringlicher artikel betreffend dieses themas.
Ich werde versuchen einmal in wolgograd am mamajew huegel um vergebung bitten zu koennen. Doch diese schuld, die ich ganz persoenlich mit mir trage und empfinde ist nicht auszuloeschen. An keinem ort der welt ?

-leningrad
-murmansk
-smolensk
-kursk
-demjansk
-babir jar
-charkow

schuld
ohne ende ?

Wie geht ihr damit um ? Stellt sich die frage ueberhaupt ? Oder bin ich einfach zu tief in die historie eingetaucht-ist die zahl von 27'000'000 toten der UdSSR ueberhaupt erfassbar, irgendwie vorstellbar ?

Ich danke den vielen russischen menschen, die mir ohne vorbehalte und in freundschaft begegnen und bewundere die grossherzigkeit die sie zu diesem handeln befaehigt.

Wie sieht man als Mensch aus der ex-UdSSR dieses thema ?

In anderen laendern wurde ich angefeindet- italien,frankreich,GB !? Das tat weh-ja.
Dort ist zu oft, nach wie vor nichts vergessen, verziehen.

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 20 Jun 2007, 20:51
von Zeppelin
berkut hat geschrieben:Als spaetgeborener deutscher ...

schuld
ohne ende ?

Wie geht ihr damit um ? Stellt sich die frage ueberhaupt ? Oder bin ich einfach zu tief in die historie eingetaucht-ist die zahl von 27'000'000 toten der UdSSR ueberhaupt erfassbar, irgendwie vorstellbar ?

Ich danke den vielen russischen menschen, die mir ohne vorbehalte und in freundschaft begegnen und bewundere die grossherzigkeit die sie zu diesem handeln befaehigt.

Wie sieht man als Mensch aus der ex-UdSSR dieses thema ?

In anderen laendern wurde ich angefeindet- italien,frankreich,GB !? Das tat weh-ja.
Dort ist zu oft, nach wie vor nichts vergessen, verziehen.
Ich denke, es gibt da riesige Unterschiede, was die Bewertungen des geschichtlichen Erbes , welches uns von den vorigen Generationen aufgeladen wurde, aus der Sicht verschiedener Nationalitäten anbelangt.
Wenn mich briten, Italiener oder Franzosen oder Niederländer da versuchen blöde anzumachen, geht mir dies ziemlich am A**** vorbei. Die haben aus Gründen der Vrmachtkonkurrenz in Europa da mehr oder weniger aktiv gut dran mitgemischt und die Nazis hinsichtlich ihrer "Ostpolitik" durchaus unterstützt.
Anders sieht es da schon gegenüber RUS, PL, dem heutigen Tschechien usw. aus.

Für meine Vorgängergenerationen schäme ich mich insofern, als sie sich bei all ihrem "Selbstbewusstsein" als totale "Schlappschwänze" erwiesen haben, die sich mehr oder weniger aktiv zu Werkzeugen der Nazis machen ließen.
Nicht anders war es aber mit den Opfern Stalins. Letzlich hat sich in diesem fürchterlichen Krieg doch nur Kanonenfutter und Kanonenfutter gegenseitig abgeschlachtet.
Beide Seiten sind brav dem Druck der Gewalt ihrer Diktatoren gefolgt und hatten am Ende nur noch das Blut der anderen an den Händen und die ewige Schuld im Gewissen ihrer Nachfolgegenerationen, dass sie den Diktatoren nicht widerstanden haben.


Doch der Autor dieses ZEIT-Artikels scheint sich offenbar nur in Pathos wälzen zu wollen. Und dies macht das Blatt für mich schon seit langem unlesbar!

Generation Teletubbys?

Gruß,
Zeppelin

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 20 Jun 2007, 21:25
von MpaK
Beide Seiten sind brav dem Druck der Gewalt ihrer Diktatoren gefolgt und hatten am Ende nur noch das Blut der anderen an den Händen und die ewige Schuld im Gewissen ihrer Nachfolgegenerationen, dass sie den Diktatoren nicht widerstanden haben.
Wie viele russische Kriegsveteranen kennst du, um zu behaupten, dass sie für Stalin gekämpft haben? Es ist vielleicht für dich gar nicht vorstellbar, aber die Menschen haben für ihr Land, Familien und Zukunft der Kinder gekämpft. Insofern finde ich dumm zu behaupten, sie hätten dem Willen des Diktators gefolgt. Deswegen müssen sowejtische Soldaten gar keine Schuldgefühle gegenüber anderen empfinden. Schliesslich ausgerechnet sie haben vielen Völkern überhaupt eine Zukunft ermöglicht. Falls du daran nicht glaubst, so solltest du mal die Videomaterialien von damals angucken um festzustellen wie die Sowjets in den befreiten Ländern empfangen wurden.
@ berkut
Wer sich anfeinden will ist selber Schuld, und macht sich damit nur das Leben schwerer. Dafür gibts es im Russischen ein Sprichwort: На обиженных воду возят... Und was Schuldgefühle angeht, so bist weder du noch jemand anders hier dafür verantwortlich, was damals vorgefallen ist. Es muß für alle Nationen eine Lektion gewesen sein, was eine Diktatur anrichten kann...

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 20 Jun 2007, 21:58
von papasha
jeder soldat kämpfte für sein vaterland, ideologien hin oder her. stalin und hitler wollten krieg, hitler war der dumme und fing an, dadurch ist der historisch ungeschulte deutsche immer in zugzwang. ehre gebührt jedem soldaten, egal auf welcher seite, denn sie waren die arme schweine...

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 20 Jun 2007, 22:51
von 7punkt
MpaK hat geschrieben:
Beide Seiten sind brav dem Druck der Gewalt ihrer Diktatoren gefolgt und hatten am Ende nur noch das Blut der anderen an den Händen und die ewige Schuld im Gewissen ihrer Nachfolgegenerationen, dass sie den Diktatoren nicht widerstanden haben.
..... die Menschen haben für ihr Land, Familien und Zukunft der Kinder gekämpft. Insofern finde ich dumm zu behaupten, sie hätten dem Willen des Diktators gefolgt. Deswegen müssen sowejtische Soldaten gar keine Schuldgefühle gegenüber anderen empfinden. Schliesslich ausgerechnet sie haben vielen Völkern überhaupt eine Zukunft ermöglicht...
Stimme ich MpaK voellig zu. Die Heimat zu verteidigen heisst gar nicht dem Druck der Gewalt des Diktators folgen. Und Heimatverteidiger duerfen es sich leisten keine Schuld gegen Eroberer zu empfinden.

7punkt

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 20 Jun 2007, 23:10
von Xottabych
MpaK hat geschrieben:...Videomaterialien von damals angucken um festzustellen wie die Sowjets in den befreiten Ländern empfangen wurden.
Das würde ich eher mit Vorsicht genießen, Stichwort Quellenkritik.

Allgemein: Die Geschichtsschreibung ist, gerade was die betreffende Zeit angeht, ziemlich politisiert. Dementsprechend wird sie auch in den verschiendenen Ländern ausgelegt. Meiner Erfahrung nach ist es ziemlich schwierig, hier eine gemeinsame Sprache zu finden, zumal gerade der Große Vaterländische in Russland zuweilen eine Art heilige Kuh zu sein scheint.

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 21 Jun 2007, 00:11
von Saboteur
Also ich fühle mich nicht schuldig oder so. Warum auch? Ich in dieser Zeit nicht gelebt und diese Zeit ist Geschichte. Was ich an den Deutschen von damals so arm finde ist noch nichtmal dass sie dem sogenannten Führer so erlegen waren sondern dass keiner den Arsch in der Hose hatte auch dazu zu stehen dass er vielleicht einen Fehler gemacht hat und selbst Nazi ist/war bzw. doch einges gewusst hat. Jeder kann Fehler machen aber dann sollte man auch dazu stehen.

Wir können immer noch froh sein dass die Russen bei uns nicht so gewütet haben wie die Wehrmacht/SS/Waffen SS in Osteuropa...

http://www.shoa.de/content/view/216/40/

papasha hat geschrieben:ehre gebührt jedem soldaten, egal auf welcher seite, denn sie waren die arme schweine...
das sehe ich ganz und garnicht so... mit einigen habe ich Mitleid aber den Verbrechern gehört ein Dreck!

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 21 Jun 2007, 00:39
von papasha
unsere generation ist überhaupt nicht im recht zu urteilen, da wir nicht im geringsten in der lage sind, nachzuvollziehen, wieso eine ganze nation freiwillig ins verderben lief. wir haben nur die pflicht, dafür zu sorgen, dass sowas nie wieder passiert.
dein link ist leider sehr hanebüchen und vorurteilsbehaftet.warum? die wehrmacht war eine reguläre armee. sicher gab es vorfälle, aber nicht in dem ausmaße wie es einem heute versucht wird weisszumachen. eine armee hat zu kämpfen und keine verbrechen zu begehen. die verbrecher hiessen u.a. einsatzgruppen und nkwd. die hatten weder in dt. noch in der su, geschweige denn global den status einer regulären armee. selbst bei der ss ist historisch zu differenzieren, aber in dt. schwer möglich, da jede historische tatsache mit der emotionalen keule bekämpft wird. ebenso ist die partisanenverfolgung und geiselerschiessung, bedingt durch vorherige partisanenattentate, nach haager landkriegsordnung/genfer konvention legitim, da partisanen in ziviler kleidung kämpfen und somit nicht als kombatanten erkennbar sind.

nur mal am rande: während der nürnberger prozesse wurden ca. 3000 wehrmachtsangehörige wegen erwiesener kriegsverbrechen verurteilt. 3000 von 8millionen wehrmachtsangehörigen. und das, obwohl dieses tribunal undemokratisch und unrechtstaatlich war.

verbrechen verübte jede armee. doch wird darüber berichtet?es wird, aber immer unter dem dogma, dass die wehrmacht als das böse, zuerst angefangen hat. dies ist jedoch keine basis für historisch korrekte geschichtsforschung, dies ist kindergarten im stile von: du hast angefangen, du bist schuld- nee, du, du warst viel schlimmer...

aber wie auch immer, dieses thema ist schnee von vorgestern...

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 21 Jun 2007, 10:40
von manuchka
Zum Thema Wehrmacht stimme ich papasha zu, da muss man sicher differenzieren. Im Dorf, in dem mein Schwiegervater lebte (er war damals ein kleiner Junge), hat sich eine Einheit der Wahrmacht niedergelassen, die sich absolut ordentlich und vorbildlich verhalten und den Bewohnern sogar geholfen hat. Das Nachbardorf hatte weniger Glück, dort war eine Einheit der Waffen-SS - das Dorf gibt es nicht mehr, wurde niedergebrannt mit Mann und Maus.
Nicht alle deutschen Soldaten waren Schweine, wahrscheinlich waren die Schweine sogar in der Unterzahl. Aber das macht den Krieg nicht weniger verwerflich, den Deutschland da angezettelt hat.

Re: vernichtungskrieg 1941-45

Verfasst: 21 Jun 2007, 14:34
von fremantle
Ich stimme Dir vollkommen zu, und auch papasha. Bis auf einen Punkt: Nicht Deutschland, sondern dessen Regierung unter Hitler hat ihn gemeinsam mit Stalins Regierung angezettelt. Immerhin haben sie sich schon vorher abgesprochen, wie sie Osteuropa unter sich aufteilen.