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Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 25 Jul 2007, 17:30
von jos86
Hallo,
meine Freundin und ich überlegen eventuell eine Reise von St. Petersburg nach Moskau zu unternehmen. Einen Teil der Strecke wollten wir auch mit dem Fahrrad zurücklegen, um die Reise intensiver zu erleben.
Jetzt sind von verschiedenen Seiten Bedenken bezüglich unserer Sicherheit geäußert worden. Meine Freundin spricht sehr sehr wenig russisch und ich beherrsche die Sprache überhaupt gar nicht. Nach unseren Informationen soll mal selbst in den großen Städten mit russisch nicht weit kommen, weswegen wohl auf dem Land noch weniger Englisch gesprochen wird. Des weiteren haben wir bedenken, ob man unterwegs ohne weiteres Übernachtugsmöglichkeiten findet oder ob es eventuell möglich wäre im Freien zu zelten.
Wenn irgendjemand Erfahrung bezüglich der Themen Sicherheit sowie Englischkenntnisee hat wäre ich ihm/ihr sehr dankbar, wenn sie sich kurz zu den beiden Punkten äußern würden.
Vielen Dank schonmal im Vorraus!
Schönen Gruß aus Hamburg,
Jan
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 26 Jul 2007, 07:33
von Zejtnot
jos86 hat geschrieben:Jetzt sind von verschiedenen Seiten Bedenken bezüglich unserer Sicherheit geäußert worden. Des weiteren haben wir bedenken, ob man unterwegs ohne weiteres Übernachtugsmöglichkeiten findet oder ob es eventuell möglich wäre im Freien zu zelten.
Also das Thema Sicherheit haben wir hier schon oft diskutiert - und jeder sieht es anders. Meine persönliche Meinung: Alles kein Problem, wenn man die Grundregeln beachtet. Nicht dort zelten, wo 100 Meter weiter eine betrunkene Jugendgruppe feiert. Nicht direkt dort zelten, wo andere dubiose Leute auftauen könnten (neben Fernstraßen, am Stadtrand, ...)
Im Grunde wollte ich auch mal immer mit dem Rad durch Russland fahren, aber nicht zelten, sondern in den Dörfern bei irgendwelchen Omas für ein paar Euro unterkommen. Oder im Garten dort für ein paar Euro mein Zelt aufschlagen. Das klappt meist (habe ich als Backpacker schon gemacht) und ist interessant.
Ansonsten habe ich oft an Seen oder in Wäldern gezeltet - immer ohne Probleme.
Die Frage ist, ob es Spaß macht, die von Euch gewählte Strecke mit dem Rad zu fahren. Die Fernstraße zwischen Moskau und Petersburg ist natürlich gut asphaltiert - aber angesichts des Fahrstils der PKWs und LKWs würde ich dort nicht langradeln wollen. Ein Straßennetz fernab der Trassen gibt es nicht so, wie man es in Deutschland kennt. Die Dörfer sind meist mit den Fernstraßen verbunden, nicht aber untereinander. Wenn untereinander - dann häufig nur mit Schotterpisten (zeitraubend und staubig).
Nach unseren Informationen soll mal selbst in den großen Städten mit russisch nicht weit kommen, weswegen wohl auf dem Land noch weniger Englisch gesprochen wird.
Mit russisch kommt man schon weit.

Nee, ist klar, was Du meinst. In der Tat: Auf dem Land spricht niemand Englisch. Schon allein deswegen, weil alle gebildeten Jugendlichen längst vom Land in die Stadt umgezogen sind. Und die Babuschkas können kein Englisch, woher auch?!
In Moskau und Petersburg kommt man mit Englisch irgendwie durch, wenn auch nicht so einfach wie in Berlin, Paris oder Prag. Man muss damit rechnen, hier und da mehr zu bezahlen - im Taxi, etc.
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 26 Jul 2007, 10:26
von fremantle
Also ich kenn die Trasse nur aus dem Fernlinienbus und kann mir kaum vorstellen, dass es dort Vergnügen Geschweigen denn Entspannung bereitet, in dieser Staub-/ Bleiwolke auf dem Fahrrad zu sitzen. Hast Du lust, alle 5 Minuten ein Lautes Hupen genau neben Dir zu vernehmen, weil russische Autofahrer Fahrradfahrer offensichtlich als belästigung empfinden bzw, ein Fahrrad als ein Vergnügunsspielzeug für den Wald halten? Ich kenne eigentlich in Piter nur ein paar junge Leute, die das anders sehen, so wie wir in Dtl. Und die sind bei weitem in der Minderheit. Leider. Aber es wandelt sich.
Vor 2 Wochen habe ich auf dem Flug nach Petersburg eine Familie kennengelernt, die Gepäck ihre Räder dabei hatten und ihr Ziel Tallinn war. Ich weiss nicht, in wie fern sie's genossen haben, da ich sie leider nur vor dem Abenteuer kennengelernt habe.
Bzgl. der Weg- und Straßensituation kann ich mich nur Zejtnot anschliessen.
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 27 Jul 2007, 00:38
von Paiper
Beim russ. Überlandverkehr halte ich Radeln für Selbstmord.
Auf der Fernstraße Peterburg-Moskau wirst Du die Route nicht überleben. (Das klingt drastisch, ist aber IMO so.)
Also einerseits ist der Fahrstil nicht mit dem unseren zu vergleichen, es habe es erlebt, wie Westeuropäer wirklich Angst bekamen. Andrerseits sind noch immer viele LKWs aus Sowjet-Zeiten unterwegs und die lassen was raus! (Bin vor einigen Wochen am MKAD im Stau gestanden und es stinkt wirklich und da keine Klimaanlage waren die Fenster offen und mein weißes T-Shirt war nachher dunkelgrau. (Das ist nicht übertrieben!))
Abseits der Fernstraße wird das Radeln auch kein Vergnügen sein. Es wird kaum brauchbare Straßen geben.
lg Paiper
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 27 Jul 2007, 07:04
von Zejtnot
fremantle hat geschrieben:Ich kenne eigentlich in Piter nur ein paar junge Leute, die das anders sehen, so wie wir in Dtl.
Stimmt, da gibt es doch wohl einen Radfahrer-Verein. Bei Bedarf kann ich mal deren Nummer raussuchen.
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 06 Aug 2007, 13:55
von Andy
Hallo,
mal abgesehen von allen obigen Argumenten - die Strecke Moskau-Petersburg ist ziemlich oede und fuer Fahrradfahrer bestimmt ziemlich langweilig. Und dazu der wahnsinnige Verkehr !! Ausserdem sind einige Abschnitte autobahnaehnlich ausgebaut und fuer Fahrraeder wahrscheinlich verboten. Alternative Routen oder Fahrradwege gibt es nicht. Warum fahrt Ihr nicht durch Karelien? Finde ich viel schoener, gibt wenig Verkehr und die Leute sind irgendwie aufgeschlossener.
Natuerlich ist eine Fahrradtour in Russland sehr gefaehrlich. Vor allem fuer Frauen!!! Ich habe selber schon in der Naehe von Moskau kaukasische Wegelagerer erlebt, die versuchen Autos anzuhalten und auszurauben. Als Autofahrer kann man meist fliehen, als Fahhradfahrer bist Du Freiwild!!
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 06 Aug 2007, 15:43
von Zejtnot
Andy hat geschrieben:Natuerlich ist eine Fahrradtour in Russland sehr gefaehrlich. Vor allem fuer Frauen!!! Ich habe selber schon in der Naehe von Moskau kaukasische Wegelagerer erlebt, die versuchen Autos anzuhalten und auszurauben. Als Autofahrer kann man meist fliehen, als Fahhradfahrer bist Du Freiwild!!
Also Ausrauben und Vergewaltigen sind aber unterschiedliche Sachen?! Ich denke Frauen leben eher ungefährlicher - weil da mehr Respekt da ist, auch bei den Kaukasiern. (So meine Erfahrung.)
Ich fahre hier auch Rad und wurde nie auf dem Rad ausgeraubt.
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 06 Aug 2007, 16:55
von fremantle
Also von den Kaukasischen Wegelagerern habe ich bisher nur Märchen über drei Ecken gehört, aber niemanden, den es wirklich so ergangen wäre - zu mindest in Piter + Nordwest. Anders aber wurde mir von meinem Schwiegervater dringenst abgeraten, zwischen perm und Ekat mit dem Auto zu fahren -da kann einem wohl alles passieren, meinte er - nicht unbedingt nur durch Kaukasier, sondern auch durch Landbanditen aus der Region. Er hat übrigens in Perm einen job, wo er direkten einblick in solche Fälle hat, ist in so fern wohl äußerst glaubhaft.
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 06 Aug 2007, 17:24
von Andy
Zejtnot, Du bist ein Optimist

Ich habe aber schon zuviel schlimme Sachen in Russland erlebt, zu viele Tote ... ich bin inzwischen Pessimist :(
Re: Mit dem Fahrrad von St. Peter nach Moskau
Verfasst: 10 Aug 2007, 07:00
von Zejtnot
Andy hat geschrieben:Zejtnot, Du bist ein Optimist

Ich habe aber schon zuviel schlimme Sachen in Russland erlebt, zu viele Tote ... ich bin inzwischen Pessimist :(
Nicht wirklich. Ich bin über die Jahre in Russland auch vorsichtiger geworden und ich achte auf Kleinigkeiten, die ich früher nicht bemerkt hätte, nur um allen Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Aber dennoch bin ich gegen Panikmache, vor allem "Vergewaltigung" und pauschales "Ausrauben am Stadtrand". Ich kenne viele Leute in Russland, auch Leute aus gefährlichen Stadtbezirken Moskaus und Novosibirsks. Eine Vergewaltigung ist mir noch nie zu Ohren gekommen. (Will nicht ausschließen, dass das passiert - aber brutal gesagt: Prostituierte sind zu billig, um eine Vergewaltigung zu riskieren. Zumal mit Vergewaltigern bei der Polizei und im Knast wahrscheinlich nicht zimperlich umgegangen wird.)