Deutsche liebt Russen in Portugal
Verfasst: 06 Okt 2007, 18:12
(vorab: hab meine Vorstellung gestern abend vorbereitet und sie ist länger geraten, als gedacht ... wer also die Geduld verliert, möge mir verzeihen und gleich zum Ende gehen ....)
Previet @ all!
Hab hier schon einige Male reingekuckt, aber für mich NOCH nicht was WIRKLICH Brauchbares gefunden – das liegt nicht an diesem Forum mit seinen überaus NETTEN Teilnehmern, sondern mehr an mir.
Mich interessieren die Themen wie Leben in Deutschland mit Russen oder Leben in Russland als Deutscher nicht so sehr - da ich als Deutsche seit 11 Jahren in Portugal lebe, allerdings eben – daher nun doch mein Interesse an euch - seit 2 Jahren mit einem Russen zusammen!
Mir fehlen mehr Infos wie
- Was macht denn nun den Reiz der anderen Nation aus? Ich muss sagen, dass ich Russland schon immer mochte, sozusagen aus der Ferne ein klein wenig Sehnsucht hatte – aber mich hat es dann eben mehr nach Westen als nach Osten verschlagen. Seit ich meinen Vladimir kenne, bin ich in meiner vorher eher schwammigen Meinung über „DIE RUSSEN“ weiter positiv bestärkt worden.
- Will ja nun nicht heißen, dass bei uns immer alles eitel Sonnenschein ist – da fliegen schon die Fetzen! PUH!!! Ich bin es bisher nicht gewohnt gewesen, in manchen Dingen eben eine FRAU zu sein – und nicht unbedingt PARTNER. Nicht dass ich mich unterdrückt fühle – gar nicht, aber manchmal werde ich eben vorher nicht gefragt, wenn der Herr Russe 10 Leute zum Abendessen einlädt, wo ich doch lieber einen Abend in trauter Zweisamkeit auf dem Sofa verbringen würde .... Zum Glück kocht er besser bzw. versierter als ich und übernimmt diesen Part dann auch allein (wenn auch die Küche hinterher aussieht wie nach einer Explosion, und Herr Russe die Reinigung derselben nicht zu seinen Pflichten zählt ....) Na, dafür strahlt er immer übers ganze Gesicht, wenn ich sein Essen mit absoluter Hingabe verzehre! So habe ich mit Hilfe seiner Kochkunst innerhalb von zwei Jahren sage und schreibe 25 Kilo zugenommen (er kocht halt zuuuu gut!!! und ich esse einfach immer ZUVIEL!) – was er mir nicht mal übel nimmt – im Gegenteil, er meint, ich sei die schönste Frau der Welt (will ihm mal glauben ...) – Also – wie ist das nun als „gemischtes“ Liebespaar (hatte allerdings vorher auch schon mal einen holländischen und einen italienischen Freund, bin also eh nicht soooo drauf aus, die Unterschiede herauszufinden, von denen ich glaube, dass sie eh nicht wirklich existieren, schau dir die PERSON an, darauf kommts an).
- Ich habe noch nie einen Nationalstolz besessen (will mal die Zeit vor der Pubertät ausklammern, wo man immer den Eltern oder anderen Vorbildern nachplappert). Konnte mir keiner einreden, dass ich auch noch stolz sein soll auf eine Nation, deren meine eigenen Großeltern möglicherweise( ? Hat ja niemand aus der Familie über die Zeit offen mit mir gesprochen ... im Gegenteil – auf direkte Fragen meinerseits wurde eisig geschwiegen bzw. mir bedeutet, ich sei zu klein zu doof zu sonst was) an irgendwelchen miesen Massakern (wie viele Russen wurden im Krieg umgebracht?) beteiligt waren. Aber nicht nur das: Ich habe mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr wohl „als Deutsche“ gefühlt. Es war mir eigentlich immer egal gewesen, woher jemand kommt (nur irgendwann war es mir peinlich, woher ICH komme ...). Ich denke immer, man muß die Person sehen – und kann möglicherweise gewisse Eigenheiten, die aus der Umgebung, wo diese Person aufgewachsen ist, resultieren, dann besser nachvollziehen. Aber darauf lege ich nicht so viel Gewicht. Vielleicht habe ich einfach den Umkehrschluß gezogen, denn ich wollte nicht mit den „typischen“ deutschen Eigenheiten wie „Arroganz und Überheblichkeit“, „Besserwisserei“, „Humorlosigkeit“ etc. in Verbindung gebracht werden und versuchte so wohl im Gegenzug auch bei allen mir bekannten Türken, Italienern, Afghanen und weiß nicht was die denen angehängten gängigen Vorurteile zu ignorieren.
- Mein Vladimir ist da schon ein wenig anders. Nicht, dass er mich als humorloses, arrogantes, besserwissendes deutsches Fräulein sieht – nö, dazu habe ich eine ganze Menge zuviel an Humor und zu wenig an Arroganz, aber manchmal .... Klar, er sieht in mir in erster Linie die Frau, in die er sogar mehrere Jahre heimlich aus der nahen Ferne verliebt war (da ich noch verheiratet war) und die er nun ganz für sich hat und lieben darf soviel er will. Und wenn ich ihm dann mal auf die Nerven gehe, sagt er „typisch deutsch“ und ich glaube, er meint das oft auch so. Nun muß ich hinzufügen, dass ich mich seit einigen Jahren hier in Portugal sehr darüber amüsiere, dass die Portugiesen zwar merken, dass ich Ausländerin bin, mich aber schon seit langem überhaupt nicht mehr für eine Deutsche halten. Eben, weil mir diese „typisch deutschen“ Eigenheiten zum Großteil fehlen. Ich wurde schon für alles Mögliche gehalten – das schönste Ergebnis war natürlich: Russin! Das hab ich meinem Vladimir gleich erzählt und er hat sich gefreut!
- Monatelang habe ich meiner Mutter verheimlicht, dass ich einen neuen Freund hatte. Ich kannte ihre Antwort schon im Voraus und hatte erstmal keinen Bock, mir meine gute Laune vermiesen zu lassen. Aber irgendwie hatte sie dann – obwohl wir über 2.000 km entfernt leben – spitz gekriegt, dass ich mich seit Wochen schon am Telefon so glücklich und ausgelassen anhörte und sie „wusste“ (wie Mütter das halt so wissen ...), dass ich verliebt war. Sie fragte dann mal beiläufig, ein Deutscher? Ein Portugiese? Ich verneinte und sie lachte nur – na – solange es kein RUSSE ist .... hahahaha!!! Ich habs ja gewusst! Aber es kam NOCH besser – ich sagte, doch es IST aber ein Russe .... Und sie war ehrlich entsetzt und jammerte „Wie kannst du mir das antun, ein Russe hat meinen Vater erschossen!“ – ja ihr Vater fiel in Stalingrad, als sie gerade 4 Jahre alt war. Ich sag ja, ich kannte ihre Antwort.
- Hab ihr trotzdem fest geantwortet: Vielleicht hat DEIN Vater Vovas Opa erschossen? Nun, dieses Telefonat beendeten wir bald und sprachen beim Nächsten mit weniger Emotionen. Ich erklärte ihr, was Vova mir bedeutet, und wie viel er für mich macht – was bisher kein Mann bisher für mich machte (z.B. Reifen wechseln, die deutschen Männer haben mir alle beigebracht, wie ich sie selber wechseln kann – vielen DANK an dieser Stelle, aber ich LASSE lieber wechseln! Auf Emanzipation lege ich eh keinen großen Wert – solange MANN mir meine Freiheiten lässt, und das hat Vova sehr wohl raus! Dafür übernehme ich dann schon auch mal, wenn ich auch diese Arbeit nicht besonders mag, den Abwasch ...)
- Als meine Mutter Vova das erste Mal sah, war sie sofort hellauf begeistert, von diesem „feschen“ Mann (sie wohnt in Bayern) – ja, er ist schon ein hübscher und außerdem auch ganz Gentleman! Seither findet sie es wohl auch ganz witzig, dass ich „ausgerechnet“ mit einem Russen zusammen lebe ...
- Schade, dass die beiden sich nicht gut verständigen können –auch bei Vova und mir ist es etwas schwierig. Wir sprechen portugiesisch und das mal mehr mal weniger gut. Zwischendurch stellen wir immer mal wieder fest, dann nämlich wenn uns der portugiesische Wortschatz ausgeht, dass es eine ganze Menge gemeinsamer Worte gibt im russisch-deutschen Wortgebrauch.
- Und auch in der Kochkunst. Eines Abends kam ich erschöpft von der Arbeit nach hause, und war gespannt auf die bereits frühmorgens angekündigte „große Überraschung“, die er EXTRA für mich kochen wollte – eine Spezialität aus Ukraine-Weißrußland-Rußland. Als ich die grau-braune Pampe sah, sagte ich sofort, ah, das macht meine Mama auch immer – was er mir nicht glauben wollte. Als das Essen endlich vor mir stand, sagte ich nur, es fehle das Apfelkompott (er nimmt Sahne). Ja, Kartoffelpuffer hat meine Mama oft gemacht! Und seine schmeckten GANZ GENAUSO!!! Ich sag euch, das Gesicht von Vova war klasse! Er dachte, ich veräpple ihn mal wieder .... bis ich ihm aus einem DEUTSCHEN Kochbuch ein Kartoffelpuffer-Rezept heraussuchte ....
- Was mir zu knabbern gibt, ist, dass ich nicht mit ihm über unsere Beziehung sprechen kann. Bei uns fliegen in regelmäßigen Abständen echt die Fetzen – wir haben schon Geschirr nacheinander geschmissen! Wir fanden es beide toll – welche Befreiung! Und dann mussten wir jedes Mal, als wir die Scherben sahen und dann uns anblickten, sofort schallend lachen! Die Versöhnung lässt also nie lange auf sich warten – aber das Problem ist ja damit nicht behoben. Nun bin ich von DEUTSCHEN Ex-Partnern durchaus stundenlanges Diskutieren über das Warum und Weshalb und Was-können-wir-ändern gewohnt – was ich ja in der Ausführlichkeit mit meinem Vova nicht unbedingt brauche. Aber das GARNICHT-sprechen finde ich dann doch wieder komisch ... Liegts am „Russen“? An Vova allein??? Mir war nur aufgefallen, dass einige unserer Freundes-Paare (Ukrainer, Russen) Männer- und Frauensachen irgendwie mehr trennen als ich das von deutschen Paaren kenne. Hm.
- Ja, was schreibe ich da soviel?
- Wißt ihr, was ich von euch eigentlich nur wissen wollte? Ich habe gerade die Möglichkeit, einen Tante-Emma-Laden mit russischen Lebensmitteln zu übernehmen. Da hier in Portugal seit einigen Jahren eine deutliche Anzahl an – ich nenne sie mal der Einfachheit halber so – „Ex-Sowjetunionlern“ lebt, wird so ein Laden bestimmt nicht schlecht laufen. Die „Grundprodukte“ gibt es hier ohnehin von den diversen Großhändlern zu kaufen. Da ich aber ja nun keine Ahnung habe, was Ex-Sowjetunionler im Ausland so vermissen, wende ich mich an euch: was könnte ich als „Schmankerl“ noch anbieten, was es hier noch nicht zu kaufen gibt (Vodka, eingelegte Gurken, Tomaten, Kren / Meerrettich, diverse Joghurt-Produkte – mit deren Hilfe ich übrigens seit regelmäßigem Gebrauch in den letzten 2 Monaten von den vorher erwähnten 25 FÜNF Kilo verloren habe! – geräucherter Fisch, Bier, ...). Bitte nicht nur Lebensmittel erwähnen sondern evtl. auch spezielle Bücher oder Zeitschriften oder Filme / Musik ...
Na, dafür, dass ich mich nur KURZ vorstellen wollte, ist das doch ganz beachtlich! Vielen Dank all denen, die sich durch meinen Text durchackern ....
Ich bin übrigens gerade am Anfang, Russisch zu lernen, quäle mich nun seit einem Monat damit, dieses (verdammte) Alphabet in meinen Schädel zu kriegen! Wird wohl noch ne Weile dauern aber ich glaube, dass ich damit die größte Hürde hinter mich bringe. Alles andere kenne ich schon von anderen Sprachen, die ich gelernt habe.
Viele Grüße, Heike
Previet @ all!
Hab hier schon einige Male reingekuckt, aber für mich NOCH nicht was WIRKLICH Brauchbares gefunden – das liegt nicht an diesem Forum mit seinen überaus NETTEN Teilnehmern, sondern mehr an mir.
Mich interessieren die Themen wie Leben in Deutschland mit Russen oder Leben in Russland als Deutscher nicht so sehr - da ich als Deutsche seit 11 Jahren in Portugal lebe, allerdings eben – daher nun doch mein Interesse an euch - seit 2 Jahren mit einem Russen zusammen!
Mir fehlen mehr Infos wie
- Was macht denn nun den Reiz der anderen Nation aus? Ich muss sagen, dass ich Russland schon immer mochte, sozusagen aus der Ferne ein klein wenig Sehnsucht hatte – aber mich hat es dann eben mehr nach Westen als nach Osten verschlagen. Seit ich meinen Vladimir kenne, bin ich in meiner vorher eher schwammigen Meinung über „DIE RUSSEN“ weiter positiv bestärkt worden.
- Will ja nun nicht heißen, dass bei uns immer alles eitel Sonnenschein ist – da fliegen schon die Fetzen! PUH!!! Ich bin es bisher nicht gewohnt gewesen, in manchen Dingen eben eine FRAU zu sein – und nicht unbedingt PARTNER. Nicht dass ich mich unterdrückt fühle – gar nicht, aber manchmal werde ich eben vorher nicht gefragt, wenn der Herr Russe 10 Leute zum Abendessen einlädt, wo ich doch lieber einen Abend in trauter Zweisamkeit auf dem Sofa verbringen würde .... Zum Glück kocht er besser bzw. versierter als ich und übernimmt diesen Part dann auch allein (wenn auch die Küche hinterher aussieht wie nach einer Explosion, und Herr Russe die Reinigung derselben nicht zu seinen Pflichten zählt ....) Na, dafür strahlt er immer übers ganze Gesicht, wenn ich sein Essen mit absoluter Hingabe verzehre! So habe ich mit Hilfe seiner Kochkunst innerhalb von zwei Jahren sage und schreibe 25 Kilo zugenommen (er kocht halt zuuuu gut!!! und ich esse einfach immer ZUVIEL!) – was er mir nicht mal übel nimmt – im Gegenteil, er meint, ich sei die schönste Frau der Welt (will ihm mal glauben ...) – Also – wie ist das nun als „gemischtes“ Liebespaar (hatte allerdings vorher auch schon mal einen holländischen und einen italienischen Freund, bin also eh nicht soooo drauf aus, die Unterschiede herauszufinden, von denen ich glaube, dass sie eh nicht wirklich existieren, schau dir die PERSON an, darauf kommts an).
- Ich habe noch nie einen Nationalstolz besessen (will mal die Zeit vor der Pubertät ausklammern, wo man immer den Eltern oder anderen Vorbildern nachplappert). Konnte mir keiner einreden, dass ich auch noch stolz sein soll auf eine Nation, deren meine eigenen Großeltern möglicherweise( ? Hat ja niemand aus der Familie über die Zeit offen mit mir gesprochen ... im Gegenteil – auf direkte Fragen meinerseits wurde eisig geschwiegen bzw. mir bedeutet, ich sei zu klein zu doof zu sonst was) an irgendwelchen miesen Massakern (wie viele Russen wurden im Krieg umgebracht?) beteiligt waren. Aber nicht nur das: Ich habe mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr wohl „als Deutsche“ gefühlt. Es war mir eigentlich immer egal gewesen, woher jemand kommt (nur irgendwann war es mir peinlich, woher ICH komme ...). Ich denke immer, man muß die Person sehen – und kann möglicherweise gewisse Eigenheiten, die aus der Umgebung, wo diese Person aufgewachsen ist, resultieren, dann besser nachvollziehen. Aber darauf lege ich nicht so viel Gewicht. Vielleicht habe ich einfach den Umkehrschluß gezogen, denn ich wollte nicht mit den „typischen“ deutschen Eigenheiten wie „Arroganz und Überheblichkeit“, „Besserwisserei“, „Humorlosigkeit“ etc. in Verbindung gebracht werden und versuchte so wohl im Gegenzug auch bei allen mir bekannten Türken, Italienern, Afghanen und weiß nicht was die denen angehängten gängigen Vorurteile zu ignorieren.
- Mein Vladimir ist da schon ein wenig anders. Nicht, dass er mich als humorloses, arrogantes, besserwissendes deutsches Fräulein sieht – nö, dazu habe ich eine ganze Menge zuviel an Humor und zu wenig an Arroganz, aber manchmal .... Klar, er sieht in mir in erster Linie die Frau, in die er sogar mehrere Jahre heimlich aus der nahen Ferne verliebt war (da ich noch verheiratet war) und die er nun ganz für sich hat und lieben darf soviel er will. Und wenn ich ihm dann mal auf die Nerven gehe, sagt er „typisch deutsch“ und ich glaube, er meint das oft auch so. Nun muß ich hinzufügen, dass ich mich seit einigen Jahren hier in Portugal sehr darüber amüsiere, dass die Portugiesen zwar merken, dass ich Ausländerin bin, mich aber schon seit langem überhaupt nicht mehr für eine Deutsche halten. Eben, weil mir diese „typisch deutschen“ Eigenheiten zum Großteil fehlen. Ich wurde schon für alles Mögliche gehalten – das schönste Ergebnis war natürlich: Russin! Das hab ich meinem Vladimir gleich erzählt und er hat sich gefreut!
- Monatelang habe ich meiner Mutter verheimlicht, dass ich einen neuen Freund hatte. Ich kannte ihre Antwort schon im Voraus und hatte erstmal keinen Bock, mir meine gute Laune vermiesen zu lassen. Aber irgendwie hatte sie dann – obwohl wir über 2.000 km entfernt leben – spitz gekriegt, dass ich mich seit Wochen schon am Telefon so glücklich und ausgelassen anhörte und sie „wusste“ (wie Mütter das halt so wissen ...), dass ich verliebt war. Sie fragte dann mal beiläufig, ein Deutscher? Ein Portugiese? Ich verneinte und sie lachte nur – na – solange es kein RUSSE ist .... hahahaha!!! Ich habs ja gewusst! Aber es kam NOCH besser – ich sagte, doch es IST aber ein Russe .... Und sie war ehrlich entsetzt und jammerte „Wie kannst du mir das antun, ein Russe hat meinen Vater erschossen!“ – ja ihr Vater fiel in Stalingrad, als sie gerade 4 Jahre alt war. Ich sag ja, ich kannte ihre Antwort.
- Hab ihr trotzdem fest geantwortet: Vielleicht hat DEIN Vater Vovas Opa erschossen? Nun, dieses Telefonat beendeten wir bald und sprachen beim Nächsten mit weniger Emotionen. Ich erklärte ihr, was Vova mir bedeutet, und wie viel er für mich macht – was bisher kein Mann bisher für mich machte (z.B. Reifen wechseln, die deutschen Männer haben mir alle beigebracht, wie ich sie selber wechseln kann – vielen DANK an dieser Stelle, aber ich LASSE lieber wechseln! Auf Emanzipation lege ich eh keinen großen Wert – solange MANN mir meine Freiheiten lässt, und das hat Vova sehr wohl raus! Dafür übernehme ich dann schon auch mal, wenn ich auch diese Arbeit nicht besonders mag, den Abwasch ...)
- Als meine Mutter Vova das erste Mal sah, war sie sofort hellauf begeistert, von diesem „feschen“ Mann (sie wohnt in Bayern) – ja, er ist schon ein hübscher und außerdem auch ganz Gentleman! Seither findet sie es wohl auch ganz witzig, dass ich „ausgerechnet“ mit einem Russen zusammen lebe ...
- Schade, dass die beiden sich nicht gut verständigen können –auch bei Vova und mir ist es etwas schwierig. Wir sprechen portugiesisch und das mal mehr mal weniger gut. Zwischendurch stellen wir immer mal wieder fest, dann nämlich wenn uns der portugiesische Wortschatz ausgeht, dass es eine ganze Menge gemeinsamer Worte gibt im russisch-deutschen Wortgebrauch.
- Und auch in der Kochkunst. Eines Abends kam ich erschöpft von der Arbeit nach hause, und war gespannt auf die bereits frühmorgens angekündigte „große Überraschung“, die er EXTRA für mich kochen wollte – eine Spezialität aus Ukraine-Weißrußland-Rußland. Als ich die grau-braune Pampe sah, sagte ich sofort, ah, das macht meine Mama auch immer – was er mir nicht glauben wollte. Als das Essen endlich vor mir stand, sagte ich nur, es fehle das Apfelkompott (er nimmt Sahne). Ja, Kartoffelpuffer hat meine Mama oft gemacht! Und seine schmeckten GANZ GENAUSO!!! Ich sag euch, das Gesicht von Vova war klasse! Er dachte, ich veräpple ihn mal wieder .... bis ich ihm aus einem DEUTSCHEN Kochbuch ein Kartoffelpuffer-Rezept heraussuchte ....
- Was mir zu knabbern gibt, ist, dass ich nicht mit ihm über unsere Beziehung sprechen kann. Bei uns fliegen in regelmäßigen Abständen echt die Fetzen – wir haben schon Geschirr nacheinander geschmissen! Wir fanden es beide toll – welche Befreiung! Und dann mussten wir jedes Mal, als wir die Scherben sahen und dann uns anblickten, sofort schallend lachen! Die Versöhnung lässt also nie lange auf sich warten – aber das Problem ist ja damit nicht behoben. Nun bin ich von DEUTSCHEN Ex-Partnern durchaus stundenlanges Diskutieren über das Warum und Weshalb und Was-können-wir-ändern gewohnt – was ich ja in der Ausführlichkeit mit meinem Vova nicht unbedingt brauche. Aber das GARNICHT-sprechen finde ich dann doch wieder komisch ... Liegts am „Russen“? An Vova allein??? Mir war nur aufgefallen, dass einige unserer Freundes-Paare (Ukrainer, Russen) Männer- und Frauensachen irgendwie mehr trennen als ich das von deutschen Paaren kenne. Hm.
- Ja, was schreibe ich da soviel?
- Wißt ihr, was ich von euch eigentlich nur wissen wollte? Ich habe gerade die Möglichkeit, einen Tante-Emma-Laden mit russischen Lebensmitteln zu übernehmen. Da hier in Portugal seit einigen Jahren eine deutliche Anzahl an – ich nenne sie mal der Einfachheit halber so – „Ex-Sowjetunionlern“ lebt, wird so ein Laden bestimmt nicht schlecht laufen. Die „Grundprodukte“ gibt es hier ohnehin von den diversen Großhändlern zu kaufen. Da ich aber ja nun keine Ahnung habe, was Ex-Sowjetunionler im Ausland so vermissen, wende ich mich an euch: was könnte ich als „Schmankerl“ noch anbieten, was es hier noch nicht zu kaufen gibt (Vodka, eingelegte Gurken, Tomaten, Kren / Meerrettich, diverse Joghurt-Produkte – mit deren Hilfe ich übrigens seit regelmäßigem Gebrauch in den letzten 2 Monaten von den vorher erwähnten 25 FÜNF Kilo verloren habe! – geräucherter Fisch, Bier, ...). Bitte nicht nur Lebensmittel erwähnen sondern evtl. auch spezielle Bücher oder Zeitschriften oder Filme / Musik ...
Na, dafür, dass ich mich nur KURZ vorstellen wollte, ist das doch ganz beachtlich! Vielen Dank all denen, die sich durch meinen Text durchackern ....
Ich bin übrigens gerade am Anfang, Russisch zu lernen, quäle mich nun seit einem Monat damit, dieses (verdammte) Alphabet in meinen Schädel zu kriegen! Wird wohl noch ne Weile dauern aber ich glaube, dass ich damit die größte Hürde hinter mich bringe. Alles andere kenne ich schon von anderen Sprachen, die ich gelernt habe.
Viele Grüße, Heike