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In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 30 Jan 2008, 01:22
von nerula
Hallo, liebe Forumsmitglieder,
in diesem Unterforum möchte ich einen Austausch von Erfahrungen und Meinungen anregen, die mit deutsch-russischen Ehen und Partnerschaften verbunden sind. Klar, daß jeder Mensch anders ist. Und trotzdem denke ich, gibt es genügend Unterschiede und Berührungspunkte, die bei (fast) jeder bi-nationalen Beziehung ähnlich sind.
Typische Vorurteile: russische Frauen sind hochemotional, anschmiegsam, beruflich überqualifiziert, häuslich, abhängig von dem Partner, u. s.w.
Deutsche Männer sind kalt, emotionslos, karriereorientiert, nicht fächig, Bedürfnisse ihrer Partneririn zu verstehen, streng ordnungsfixiert u.s.w.

Wie sieht ihr das?
Hat schon jemand irgendwo Statistiken über die Scheidungsraten bei deutsch-russischen Ehen gelesen?

Bis bald.

[Admin: Thread wurde "aufgeraeumt". <- Wollte Manu so! ]

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 31 Jan 2008, 13:03
von Paulchen
nerula hat geschrieben: streng ordnungsfixiert
das wäre super, wenn das meine Frau von mir dächte Bild

Ich glaube ja, dass es bei den genannten Kriterien grundsätzlich mehr um solche der typischen Rollenbilder handelt und veilleicht sind die bei denen die sich über die Deutsch-Russische Grenze hinweg finden stärker ausgeprägt als bei anderen?!

Nein, um es noch überspitzter oder kätzerischer zu formulieren will ich es mal so sagen:
Bei den meisten Russen ist das traditionelle Rollen- und Familienbild viel stärker verankert als bei den meisten Deutschen. Vielleicht wollen aber einige Russen(-innen) ein wenig weg davon. Bei den Deutschen ist es genau umgekehrt. Da ist das Rollen- und vorallem Familienbild weitgehend verlorgen gegangen und vielleicht wollen einige Deutsche(-innen 8) ) wieder etwas mehr davon. Und diese Schnittmenge, die trifft sich dann irgendwie weil sie voneinander fasziniert sind...und schwupps sind sie verheiratet und erfreuen sich daran nun von beidem die richtige Dosis zu haben :)

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 31 Jan 2008, 13:43
von achim
Deine Erklärung gefällt mir prima!

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 31 Jan 2008, 23:04
von nerula
Paulchen hat geschrieben: Bei den meisten Russen ist das traditionelle Rollen- und Familienbild viel stärker verankert als bei den meisten Deutschen.
Diese Aussage ist für mich, ehrlich gesagt, wenig aussagend. Was meinst Du unterm "traditionellen Rollen- und Familienbild" bei Russen? Und inwiefern unterscheidet es sich von dem deutschen?

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 01 Feb 2008, 16:25
von Paulchen
Ich kann da natürlich nur auf meine Eindrücke und Erlebnisse zurückgreifen, Nerula, entschuldige daher bitte, wenn sich das nicht mit Deinen Erkenntnissen deckt.

Ich sehe in Russland und vorallem bei meiner russischen angeheirateten Verwandtschaft eine viel stärkere familiäre Bindung als ich das aus Deutschland kenne. Man verbringt mehr Zeit mit den Geschwistern, Eltern, Großeltern, Tanten, Onkels. Hier in Deutschland besucht man sich vielleicht ab und an oder telefoniert, aber jeder lebt sein eigenes Leben. In RUS fühlt man sich auch für die anderen verantwortlich.

Und was die Rollenverteilung anbelangt sind die Russischen Frauen mehr Frauen und die Russischen Männer mehr Männer im Sinne traditioneller Vortstellungen. Soll heißen, die Männer haben zB aus der Küche fern zu bleiben und gehen besser das Holz hacken, das Auto reparieren und vorallem das Geld verdienen. Die Frauen haben 1000x mehr Geduld mit der Kindererziehung, sollen aber möglichst nicht das Auto fahren oder dem fremden Mann auf der Straße ihre Meinung sagen, wenn der ihr Nachpfeift. Das erledigt ihr Mann, und zwar möglichst nachhaltig. Usw. usw. Klingt nach Klischee ist es aus auch und ist aber zugleich ein Großteil der von mir beobachteten Wirklichkeit.

Und diese Mischung aus deutschund russisch, die finde ich einfach perfekt :)

Verstehst Du was ich meine? ...

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 01 Feb 2008, 16:55
von Dietrich
Paulchen hat geschrieben:Die Frauen haben 1000x mehr Geduld mit der Kindererziehung,
Aber auch nur im Gegensatz zu den russischen Maennern, die sich teilweise mehr um ihr Auto als ums Kind kuemmern.
Was ich sonst teilweise so an keifenden russischen Muettern auf den Spielplaetzen sehe und hoeren, das kann in Deutschland nicht viel schlimmer sein.

Und dieses Familien-Aufeinander-Hocken ist auch teilweise durch die Wohnsituation bedingt. Russische Kinder ziehen bestimmt genauso gerne von zuhause aus wie deutsche. Aber Wohnungspreise um die 150.000 Dollar und Mieten jenseits von gut und boese verhindern dies eben recht oft.

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 01 Feb 2008, 18:32
von Paulchen
Dietrich hat geschrieben: Russische Kinder ziehen bestimmt genauso gerne von zuhause aus wie deutsche.
Wie gesagt, ich kenne nur die Verwandtschaft und noch ein paar Freunde und Nachbarn dazu. Und da hab ich nicht den Eindruck, dass es nur am Geld liegen würde dass man "aufeinanderhockt". Der Drang nach totaler Individueller Selbstverwirklichung scheint mir einfach nicht so stark wie bei den meisten Deutschen. Das geht ja oft so weit, dass man eben überhaupt keine Familie und Kinder will, weil man um die Freiheit, den erreichten Luxusgrad usw. Angst hat. Die Russen die ich kenne, für die ist alle die Familie das wichtigste und höchste.

Was die Gründe dafür sind steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Sicher ist diese Mentalität auxh einer seit jeher unsichereren Versorgungs- und Anspruchssituation gegenüber dem Staat geschuldet und das könnte sich ja durchaus ändern. Aber woher es auch immer kommt, es ist (noch) in den einzelnen verankert und spürbar.

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 03 Feb 2008, 14:36
von Zeppelin
nerula hat geschrieben:Diese Aussage ist für mich, ehrlich gesagt, wenig aussagend. Was meinst Du unterm "traditionellen Rollen- und Familienbild" bei Russen? Und inwiefern unterscheidet es sich von dem deutschen?
Ich bin da zwar nicht direkt angesprochen, würde mich aber Paulchens Ausssage hinsichtlich traditioneller Rollenbilder durchaus anschließen.
Als ich z.B. meiner Frau den Heiratsantrag gemacht habe, war ich mir in keinster Weise darüber bewusst, welch tiefgreifende Bedeutung dies für sie haben würde..

Diese Kombination von völliger Hingabe und gleichzeitiger Vereinnahmung habe ich erst mal verarbeiten müssen. So eine Konstellation hatte ich vorher nicht erlebt und auch nicht für wahrscheinlich gehalten.
Es hat sich dann mit der Zeit herausgestellt, dass wir aus völlig verschiedenen Perspektivan an unser gemeinsames Leben herangegangen waren.

Für mich ist es in keiner Weise ein Statussymbol verheiratet zu sein, aber für mein Frau ist es dies (m.E. völlig grundlos) offenkundig durchaus der Fall. Ich bin zwar jeden Tag froh, dieses wunderbare Wesen erleben zu dürfen, aber ich verspüre keinerlei Bedüfnis, dies gegenüber Aussenstehenden als Wertkriterium heraushängen zu lassen.
;)

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 03 Feb 2008, 18:21
von nerula
Hallo, Zeppelin,

zu deinem Schreiben fallen mir ein paar Fragen ein, und zwar: hat deine Frau außer Dir/Familie eigene persönliche Interessen, Hobbys, denen sie leidenschaftlich nachgeht, eine Arbeit, die ihr permanent Freude bereitet? Was ich damit ausdrücken will, ist - in welcher Tätigkeit entwickelt sie sich selbst, als Persönlichkeit, außer Ehefrau-Dasein. Wer steht im Mittelpunkt ihres Lebens - Du oder Ihr, als Paar?
Was meint sie zu ihrer Integration in Deutschland - versteht sie die deutsche Mentalität gut? Und zum Schluß, wie sieht sie die deutschen Frauen?

Gruß, nerula

Re: In guten, wie in schlechten Zeiten

Verfasst: 03 Feb 2008, 19:31
von Zeppelin
Hallo nerula,
meine Frau hat sehr wohl ihre eigenen Vorstellungen, Lebensinhalte, Aufgabenbereiche etc. durch die sie auch enorme Anerkennung und Bestätigung erfährt - und dies weitestgehend unabhängig von mir.
Das ist auch enorm wichtig für sie (ebenso wie für mich) und wenn sie mir von ihren kleineren und größeren Erfolgen berichtet, kann ich mich um so mehr freuen, dass sie das ohne mich schafft.
Gleichzeitig bestätigt es mich aber auch darin, dass meine Hinweise und Ratschläge auf die hiesiegen Gepflogenheiten recht hilfreich gewesen sein dürften.

Wir haben uns übrigens vor dem Hintergrund kennengelernt, dass meine Liebste ohnehin fest entschlossen war, zumindest für ein weiteres Studium hier nach D zu kommen. Ich musste sie also keineswegs "importieren". ;)
Diese Verantwortung wäre ich auch nicht eingegangen, zumal sie erst 21 war, als wir uns erstmals gesehen hatten. Da hatte sie aber auch schon diverse Deutschlanderfahrungen, die nicht nur die besten Seiten unsres Landes und unserer Kultur repäsentierten.

Doch selbst ein Au-Pair-Jahr bei einer megaarroganten verarmten Adelsfamilie in der Nähe von Starnberg hatte sie nicht von ihrer Neugier auf unser Land abbringen können.
Da hatte sie sich durchgeboxt und sich wohl insgeheim zur Maxime gemacht, denen irgendwie mal heimzuzahlen, was sie durchmachen musste.

Seit meine Frau hier ist, studiert sie Jura und hat dabei einen guten Job an ihrer Fakultät im Prüfungsamt sowie einen weiteren in einer renomierten Anwaltskanzlei. Dort, sowie als Fachschaftsrätin, erfährt sie allgemeine Anerkennung und Wertschätzung, was ihr offenkundig ziemliche Genugtuung bereitet.

Über die hiesigen Frauen reden wir oft miteinader, wobei unser geminsames Urteil eher kritisch ausfällt.
Meine Frau versteht nicht, weshalb sie öfters gerade von Frauen angefeindet wird. - Es kann an ihrem Erfolg, ihrer Attraktivität, ihrer Leistungsfähigkeit, an ihem sympathischen Lächeln liegen. Ich würde das als schlichten Neid bezeichnen oder auch an Mangel an Ehrgeiz ihrer Neiderinnen.

Allerdings würde ich letzteres nicht auf ihre Herkunft zurückführen, sondern auf eher einige natürliche und soziale Mitgiften, die sie eben hat. :D (Thema "Problemzonen" etc.)

Unterm Strich würde ich aber sagen, dass es ein besonderes Durchhaltevermögen und eine hier selten gewordene Demut sind, die es meiner Frau leicht machten, sich hier schnell zuhause zu fühlen.

Ich bin wirklich sehr stolz auf sie, bzw. darauf, dass sie es mit mir aushält. ;)