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praktische Sozailarbeit / NGOs in Moskau
Verfasst: 15 Feb 2008, 10:59
von manuchka
suwu hat geschrieben:... wir fragen uns gerade, was wir in der praktischen Sozialarbeit mit russischen Excel-Kenntnissen und dem Wissen über die Geschichte der Wissenschaft anfangen sollen. Doch vielleicht erklärt sich das noch in den nächsten vier Monaten.
Sagen wir mal so - Studium in Russland ist generell (und das sage ich aus eigener Erfahrung) sehr theorielastig und wenig praxisorientiert. Das werdet ihr noch feststellen. Bei den allermeisten Studiengängen ist das erste Jahr im Prinzip auch nur allgemeines Blabla wie Philosophie, Geschichte, Sport und eine Fremdsprache, das nichts oder wenig mit dem eigentlichen Studienfach zu tun hat. Das wäre eigentlich was für eine 12. Klasse in der Schule, aber die gibt es hier nicht.
Fachlich mag die Ausbildung zumindest in eurem Fall derzeit nicht soooo nützlich erscheinen, aber a) erstmal abwarten, was da noch kommt, b) vielleicht könnt ihr durch euer feedback dazu beitragen, dass es für zukünftige Studenten besser wird und c) die Erfahrung eine Jahres (oder wie lange seid ihr hier?) in Russland ist wertvoll, die kann euch keiner nehmen.
PS: Habe ich aus deinem Beitrag richtig verstanden, dass ihr Sozialpädagogen seid oder werden wollt? Wenn nicht, welches Fachgebiet ist das eure?
Re: neue dt.russ. Moskau-Studenten suchen Küchenkram
Verfasst: 15 Feb 2008, 12:53
von suwu
Zuallererst: Wir sind nicht an der MGU, sondern an der MosGU. (Ich komme mit den Abkürzungen noch nicht klar) = private Moskauer Humanistische Universität mit recht schönem grünen Campus und großem Park um die Ecke.
Die Sache ist, dass es kein "einfaches" Studium ist oder ein Austauschsemester, sondern ein neu konzipierter russisch-deutscher Masterstudiengang. Dafür hätte ich erwartet, dass der Lehrplan zumindest etwas von dem allgemeinen abweicht oder man zumindest Fächer hat, die bei den Studenten hier im Hauptstudium unterrichtet werden.
Wir sind eine sehr bunt gemischte Gruppe im Alter von 26 bis 39, was das Ganze interessant macht. Zwei Slawistikstudenten (aus Österreich und Dt.), eine polnische Ethnoligin, eine russlanddeutsche studierte Sozialarbeiterin ohne, eine russische mit Erfahrung (samt 5 Jahren in Dt.) und eine deutsche ebenso mit praktischer Erfahrung, zuletzt eine dt. Kulturwissenschaftlerin und eine Kommunikationswirtin mit Erfahrungen in sozialer Projektarbeit.
Einige haben bereits in Russland/Moskau studiert und alle haben längere Zeit hier verbracht.
Dazu kommen noch drei russische Studenten, die nicht mit uns im Wohnheim wohnen, sondern aus Moskau kommen. Zwei arbeiten hier an der Uni. Heute Abend haben wir einen gemeinsamen Abend anberaumt um mal zu reden, wie wir vorgehen, um unsere Wünsche in das Studium einzubringen.
Insgesamt werden wir bis Juni in Moskau studieren und ab September dann ein Jahr in Berlin an der ASFH.
Was wir danach machen? Einen Job suchen in der Sozialarbeit oder sozialen Projektarbeit oder ..... Pasmotrim. Wer weiss das schon so genau.
Übrigens...wenn jemand von Euch Kontakte zu NGOs hier in Moskau hat, würden wir uns über Kontakte freuen, weil wir vorhaben, uns selbstinitiativ ein wenig Praxis oder Infos aus der Praxis zu holen. Danke.
Re: neue dt.russ. Moskau-Studenten suchen Küchenkram
Verfasst: 15 Feb 2008, 15:42
von manuchka
Zum Thema NGOs - wenn ihr neben dem Studium Zeit und Lust habt, Sozialarbeit zu unterstützen - es gibt da einen Freiwilligendienst namens "Miloserdie" (Barmherzigkeit), den die Sozialkommission der orth. Kirche organisiert. Man muss nicht gläubig sein, um da mitmachen zu können, Leute werden immer gebraucht. Tätigkeitsfeld ist weit gestreut, Altenheime, Kinderheime, Krankenhäuser, hilfsbedürftige Leute zu Hause, Obdachlose etc.
Ich helf da gelegentlich, soweit meine Zeit das zulässt, es gibt regelmäßige Freiwilligentreffen (die haben aber dann schon einen christlichen Anstrich, was ja auch logisch ist).
Homepage:
http://www.miloserdie.ru/
Tel. 972 97 02
Re: neue dt.russ. Moskau-Studenten suchen Küchenkram
Verfasst: 16 Feb 2008, 17:52
von suwu
Danke.
Wir haben gestern erfahren, dass doch ein paar Besuche bei sozialen Organisationen geplant sind und es die Möglichkeit geben soll, auch Praktika zu machen....was in der Kürze unserer Aufenthaltszeit aber insgesamt wohl eher schwierig ist.
Ich kann ja im Anschluss berichten.
Miloserdie werd ich mir erst einmal online anschauen.
manuchka hat geschrieben:Ich helf da gelegentlich, soweit meine Zeit das zulässt
Was hast du genau gemacht und wie war dein persönlicher Eindruck?
Vielleicht sollten wir hier nen anderes Thema aufmachen, weil es nicht wirklich mehr etwas mit Küchengeräten zu tun hat. "lach"
Re: praktische Sozailarbeit / NGOs in Moskau
Verfasst: 18 Feb 2008, 13:42
von manuchka
Ich bin noch nicht so lange dabei, das mal zu Beginn. Außerdem ist mein Zeitrahmen begrenzt, sonst würde ich da auch mehr machen. Ich hab einmal pro Woche einer alten Dame im Haushalt geholfen, solange sie das wollte, zu Neujahr habe ich einmal Fahrdienst für ein behindertes Mädchen gemacht. Jetzt fahre ich demnächst zwei Wochen weg, deshalb hab ich mir noch keine neue dauerhafte Aufgabe gesucht, aber vielleicht helfe ich demnächst mal in einem Kinderheim, mal sehen.
Mir gefällt da vor allem, dass sich junge Leute engagieren und eben nicht nur drauf schauen, wie und wo sie dicke Kohle verdienen können, sondern helfen, wo Not ist und wo - anders als in DE - die Leute eben nicht auf staatliche o.ä. Hilfe hoffen können. Wer freiwilliger Helfer werden will, kommt donnerstags oder sonntags zu einem festen Treffpunkt (Kirche im 1. Städtischen Krankenhaus am Leninskij Prospekt), füllt einen kleinen Fragebogen aus - Kontaktdaten, wo (in welchem Moskauer Bezirk) man vorrangig helfen kann bzw. möchte und in welchem Bereich. Für jeden Moskauer Bezirk gibt es einen Koordinator (auch ein Freiwilliger). "Leitzentrale" ist die Sozialkommission der orth. Kirche, dort können Leute anrufen und Hilfegesuche aufgeben. Diese werden an die Koordinatoren weitergeleitet, und die kontaktieren wiederum die Freiwilligen ihres Bezirks. Außerdem gibt es ein Freiwilligenforum, wo ebenfalls Hilfegesuche veröffentlicht werden, und wer sich angesprochen fühlt, wendet sich wegen Details an die jeweilige Kontaktperson. Leute werden überall gebraucht, deswegen kann jeder sich irgendwo einbringen. Nicht jeder hat immer und regelmäßig Zeit, es gibt auch Einzelaufträge, die man wahrnehmen kann. Manche möchten mit Kindern zu tun haben, manche lieber mit alten Leuten oder Behinderten. Für jeden findet sich eine Aufgabe. In Moskau sind viele Krankenhäuser, Altenheime, Kinderheime und ähnliche Einrichtungen auf Freiwillige angewiesen, weil es hinten und vorne an Pflegepersonal mangelt. Wer sich nicht an die Pflege herantraut, kann beim Putzen helfen oder einfach mit den Leuten, die in den Einrichtungen liegen, sprechen, spazieren, spielen, den Rollstuhl mal auf den Balkon oder in den Park schieben... viele haben niemanden, der das mit ihnen macht.
Die Organisation ist nicht perfekt, das kann man aber auch noch nicht erwarten. Ich weiß nicht, wie lange es "Miloserdie" schon gibt, also als Initiative der Kirche. Der Freiwilligendienst scheint noch nicht so alt zu sein, und es fehlt auch an Erfahrung. Einmal oder zweimal pro Woche gibt es die Freiwilligentreffen, das ist wichtig, um sich Rat zu holen, sich auszutauschen etc. Immerhin kommen jede Woche neue Leute dazu, und selbst wenn die Hilfe derzeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so ist es doch ein guter Anfang. Ich möchte das gern unterstützen, auch wenn es nur eingeschränkt möglich ist.
Re: praktische Sozailarbeit / NGOs in Moskau
Verfasst: 18 Feb 2008, 15:08
von pravda
Hi,
Ich arbeite selbst bei einer NGO und kenne einige andere.
- Da gäbe es das Heilpädagogische Zentrum. Dort werden behinderte Kinder betreut. Das ganze ist, laut Aussagen einiger Freunde, die dort arbeiten, sowas wie ein Vorzeigeobjekt. Dennoch werden Freiwillige benötigt, die dort helfen.
- Wer sich eher politisch betätigen will und im Büro zuhause ist, für den wäre evtl. Memorial etwas, eine Menschenrechtsorganisation mit mehreren Zentralen in Russland, auch in Moskau.
- Dann das Holocaust Zentrum (meine Arbeitsstelle). Eine in Russland einmalige Organisation. Auch hauptsächlich Bürotätigkeiten.
- Es gibt noch eine Schule für tschetschenische Kinder, wo Englisch unterrichtet wird. Das ist einmal in der Woche aber man sollte sich da für mindestens ein halbes Jahr verpflichten weil man den Kindern keine ständigen Wechsel zumuten kann.
- Sostradanje: Praktisch gesehen hilft man da Babushkas bei Hausbesuchen im Alltag, beim Einkaufen etc. ca. einmal die Woche/ 2te Woche
Fals ihr spezielle weitere Fragen habt, dann fragt.