Vielleicht kann sich manch einer von euch noch an meine Anfragen vom Dezember erinnern, ich hatte dort angekündigt dass ich in Russland heiraten will. Das ist mittlerweile auch geschehen. Ich weiß nicht ob mein folgender Erlebnisbericht (denn es war wirklich ein Erlebnis) hier richtig positioniert ist. Falls nicht bitte ich um Entschuldigung und entsprechendes Verschieben
Also zuerst zu den Vorrausetzungen.
Ich bin 30 Jahre alt, deutscher und war noch nie verheiratet, und habe auch keine Kinder. Ich bin promoviert, aber führe den Titel in keinen Dokumenten. Beruflich und finanziell kann ich mich als gesichert bezeichnen.
Nun zu meiner Frau. Sie ist ein Jahr älter als ich, hat eine 11 jährige Tochter und ist wohnlich in Moskau gemeldet. Bis vor kurzem hat sie einen Job als Verkäuferin in einer Parfümerie gehabt. Sie ist geschieden, jedoch für die Tochter liegt kein Sorgerechtsurteil vor. Obwohl der Vater keinen Unterhalt zahlt, und sich auch in der Ukraine aufhält, kann sie trotzdem nicht alleine über das Schicksal des Kindes entscheiden.
Meine Frau ist in Saransk geboren, und ihre Eltern wohnen auch heute noch dort.
Wir haben uns Ende Dezember entschieden heiraten zu wollen. Nachdem die Variante der Heirat in Dänemark nicht mehr der Königsweg ist, und mein Standesamt nicht gerade ein Muster an Kompetenz ist, haben wir uns entschieden in Russland zu heiraten. Da sie in Moskau gemeldet ist wäre das ZAGS 4 in Moskau für uns verantwortlich gewesen.
Meine Frau ist folglich dort vorstellig geworden und hat nachgefragt welche Dokumente wir benötigen, und ob meine Anwesenheit zur „Aufgebotsstellung“ notwendig sei.
Man wollte folgende Dokumente haben.
Von der Braut:
Passkopie, Geburtsurkunde, Scheidungsurteil
Von mir: Passkopie, Ledigkeitsbescheinigung, Geburtsurkunde, natürlich alles übersetzt und apostilliert.
Eine Aufgebotsstellung in meiner Abwesenheit wäre im Falle einer notariellen Vollmacht meinerseits kein Problem.
Meine Gemeinde hat mir eine Meldebescheinigung ausgestellt aus der auch mein Familienstand (nämlich ledig) draus hervorgeht.
Es war für mich nicht schwer alle Dokumente zu besorgen.
In der zweiten Januarwoche bin ich dann nach Moskau geflogen
Da ich am Wochenende angereist bin sind wir zuerst mit dem Nachtzug nach Saransk zu ihren Eltern gefahren. Dort hat mir dann meine jetzige Schwiegermutter gesagt, dass wir auch in Saransk heiraten könnten.
Ich wollte es nicht wirklich glauben, und so sind wir mit allen für Moskau vorgesehen Dokumenten aufs dortige ZAGS gegangen.
Die Beamtin war nicht wirklich freundlich, hat aber keine Probleme gesehen. Ich musste lediglich noch eine Kopie meines Visums abgeben, danach hatten wir alle Hürden gemeistert.
Wir hätten schon in kurzer Zeit einen Termin bekommen können, was aber bei mir aus beruflichen Gründen nicht möglich war. Ich habe dann mehrere für mich optimale Termine vorgeschlagen. Wir haben uns dann auf den 11. März geeinigt.
Am 07. März war ich dann wieder in Saransk. Sicherheitshalber habe ich mich ordnungsgemäß registrieren lassen. (Interessanterweise auf der Post
Samstags haben wir noch einmal nachgefragt ob denn auch alles klar wäre mit unserer Hochzeit.
Am Montag haben wir uns die Dienstleistungen bezüglich der Zeremonie ausgesucht. Da ich nicht (und meine Frau auch nicht) auf Folklore stehen, haben wir eine einfache Variante gewählt.
Wir haben für Trauung, Streicher Ensemble, Sektempfang, Konfekt, 12 Profifotos insgesamt 1400 Rubel bezahlt.
Man muss vielleicht noch erwähnen, dass Saransk ein ganz neues Standesamt hat, welches bezüglich Ambiente sehr gut mit gehobenen deutschen Ansprüchen mithalten kann.
Am Dienstag war es dann soweit.
Auf dem Standesamt wurden wir von einer Art Zeremonienmeisterin in Empfang genommen. Die Trauung war natürlich vollständig in Russisch. Ein Dolmetscher war NICHT vorhanden, und ich verstehe auch nur einzelne Wörter im russischen. Außerdem hat niemand nach meinen Papieren gefragt, und ich musste mich zu keinem Zeitpunkt ausweisen. Meine Frau hat mir durch vorher vereinbarte Zeichen klargemacht wann ich ein deutliches “Da“ zu sagen habe.
Wir haben dann eine russische Heiratsurkunde erhalten, die auf der Rückseite noch einmal in Mordowinisch abgedruckt war.
Es war wirklich ein sehr schönes Ereignis, und auch der anschließende Restaurant besuch war sein Geld zu 100% wert.
Am nächsten Tag haben wir uns auf den Weg gemacht die Heiratsurkunde apostillieren zu lassen.
Da musste ich ein bisschen aufpassen, da meine Gastgeber unter apostillieren was anderes verstanden haben als ich. Beinahe hätte ich einen seltsamen Stempel in meinem Reisepass gehabt, aus dem hervorgehen soll, dass ich verheiratet bin.
Jedoch ist es mir irgendwann gelungen den Beteiligten klar zu machen, was die Funktion einer Apostille ist. Die übergeordnete Behörde war auch recht schnell ausgemacht (Saransk ist die Hauptstadt der Mordowinischen Republik), und nach der Überweisung von 300 Rubel auf der nächsten Bank hatte ich meine Apostille.
Mittlerweile bin ich wieder zurück in Deutschland.
Die nächsten Schritte sind - glaube ich zumindest - klar:
Visum für Familienzusammenführung.
Ich habe natürlich auf der Homepage der Botschaft und in eurem tollen Forum alle Informationen gefunden über die benötigten Dokumente. Habe aber trotzdem noch ein paar Fragen an die Profis:
Meine Frau muss ja ihre Deutschkenntnisse nachweisen. Die Prüfung beim Goetheinstitut ist am 23. April, jedoch wird sie die Ergebnisse erst 4 Wochen !!!!! später erfahren. Die Anmeldung zur Prüfung ist ab dem 08. April möglich, und sie muss auch sofort die Prüfungsgebühr bezahlen.
Haltet ihr es für möglich, dass man das Visum Verfahren in Gang bringen kann, mit einer Bescheinigung über die Anmeldung?
Soweit ich das Procedere verstanden haben, werden die Dokumente sowie so zuerst nach Deutschland zu meiner Ausländerbehörde geschickt. Es wäre also noch reichlich Zeit Dokumente (die auch nichts mit meiner Person zu tun haben) nachzureichen.
Ich bin auf eure Antworten gespannt.
Viele Grüsse
pimpim



