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Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 15:23
von Heraklit
Hallo,

habe ein aktuelles Problem, daher ist mein erster Beitrag eine Frage.

Meine Freundin wohnt in Moskau, ich in Deutschland. Sie besitzt ein Schengen Visum (Multi, 1 Jahr, ausgestellt von Frankreich, Business)

Nun ist meine Freundin schwanger. Sie hat einen Horror vor der Entbindung in Moskau und möchte gerne in Deutschland entbinden. Das Schengen Visum ist bis nächstes Jahr gültig, daher dürfte sie theoretisch 90 Tage innerhalb einer 6-Monats Frist in Deutschland verbringen.

Nun ist mir klar, dass der Aufenthalt zwecks einer Entbindung nicht Sinn des Visums ist, das Visum aber nun mal da.

Meine Freundin plant im 8. Monat per Zug über Warschau einzureisen und bis 4 Wochen nach der Geburt hier zu bleiben. Innerhalb dieser 4 Wochen soll das Kind den deutschen Pass erhalten und vom russichen Konsulat in meiner Stadt in ihren Pass eingetragen werden. Somit kann sie mit dem Kind innerhalb dieser 90 Tage wieder ausreisen (soweit ich weiss kann ich wegen der Geburt sogar eine Verlängerung der 90 Tage erreichen, aber muss eigentlich gar nicht sein).

Künftig werden wir eher in Russland denn in Deutschland wohnen (meine Freudin kann kein Deutsch)

Hat jemand eine Idee wie die deutschen Behörden verfahren? Ist dieser Plan durchführbar?
Kann es sein, dass ihr bei der Einreise per Zug mit Hinweise auf die forgeschrittene Schwangerschaft an der polnischen Grenze die Einreise verweigert wird (gemäss $15 Aufenthaltsgesetz)?
Wer zahlt für die Geburt in Deutschland?

Wäre für Hilfe sehr dankbar!

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 15:39
von Dietrich
Heraklit hat geschrieben:Wer zahlt für die Geburt in Deutschland?
Du.
Eine normale Geburt kostet bereits ein paar Tausend Euro. Kommt ein Kaiserschnitt oder Komplikationen dazy, kann der Betrag in Tausendern auch schnell zweistellig werden.
Auch wenn deine Freundin eine Krankenversicherung fuer den Schengenraum hat, zahlt die i.A. nicht fuer die Geburt. Bzw. nur fuer absolute Fruehgeburten bei denen eine Ausreise dann nicht mehr moeglich war.

Einreisen werden sie euch lassen, denn ihr koennt ja immer behaupten, dass ihr die Geburt aus eigener Tasche bezahlen wollt.

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 16:00
von harald63
Wenn Du Deutscher und Vater des Kindes bist, sollten sich nach der Geburt auch einige Visafragen vereinfachen. Das Kind hat dann ja auch deutsche Staatsangehörigkeit und dadurch bekommt die Mutter auch ein gewisses Aufenthaltsrecht. Oder sehe ich da was ganz falsch?
Bezahlen musst, wie schon Dietrich sagte, du. Keine Reisekrankenversicherung bezahlt so was. Die Bezahlen im Prinzip nur "spontane" Krankheitsfälle.

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 17:07
von Heraklit
Hallo Dietrich und Harald,

danke für euren Beitrag. Das die Kosten wohlmöglich an mir hängen bleiben hatte ich schon befürchtet.

Ja ich bin Deutscher. Soweit ich weiss muss meine Freundin aber wieder ausreisen und einen Visumantrag (wegen Personensorge für ein minderjähriges deutsches Kind) in Russland stellen. Wobei ich davon ausgehe, dass es wieder ein Mulitvisum mit begrenzter (90 Tage innerhalb von 6 Monaten) Aufenthaltsdauer in Deutschland sein wird (Stimmt das?), bislang plant sie nicht nach Deutschland umzuziehen. Ich hingegen bleibe in Deutschland gemeldet. Wir planen uns gegenseitig zu "besuchen" bis wir uns für einen Ort entscheiden können.
Das mit dem Visum für sie wird möglicherweise verkompliziert durch meinen Status als bereits mit einer anderen Frau verheirateter Mann. Ich bin derzeit in Trennung lebend aber bis zur Geburt wird die Scheidung sicherlich nicht durch sein. Inwieweit das ein Problem sein wird habe ich noch gar nicht recherchiert.


Michael

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 17:41
von Dietrich
Was ein weiters Visum fuer deine Freundin betrifft, kann ich dir irgendwie so direkt nicht helfen.

Also wenn ich es richtig sehe, dann soll das Kind bei dir bleiben und auf der Grundlage soll dann die leibliche Mutter des Kindes ein Visum bekommen.

Ich weiss gar nicht, ob es ein solches Konstrukt ueberhaupt gibt... Zumindest in den Visaantraegen und auf der Webseite der deutschen Botschaft wird sowas nicht erwaehnt. Da solltest du dich mal bei der Botschaft direkt erkundigen.
Wenn es sowas gibt, dann muesste auf jeden Fall auch ein Jahresvisum (mit 90 Tagen Aufenthalt pro Halbjahr) moeglich sein.

Zum Thema Staatsangehoerigkeit ist die Sache klar:
Ein ab dem 01.01.1975 in einer Ehe geborenes Kind erwirbt die deutsche Staatsangehörigkeit über ein deutsches Elternteil.
Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet und ist nur der Vater deutscher Staatsangehöriger, so erwirbt nur ein nach dem 30. Juni 1993 geborenes Kind die deutsche Staatsangehörigkeit, vorausgesetzt, es liegt eine für den deutschen Rechtsbereich wirksame Vaterschaftsanerkennung oder Vaterschaftsfeststellung vor. Die Anerkennungserklärung muss abgegeben bzw. das Feststellungsverfahren eingeleitet sein, bevor das Kind das 23. Lebensjahr vollendet hat. Informationen zum genauen Prozedere erhalten Sie bei Wohnsitz im Ausland bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung.
Die Vaterschaft wirst du dann ja wohl anerkennen. Ausserdem solltet ihr das Sorgerecht fuer beide beantrage bzw. gemeinsames Sorgerecht festlegen.

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 19:29
von Oletsch
offtopic, aber trotzdem:

ich würde sehr gut überlegen, ob es sich lohnt, zum Schluß der Schwangerschaft eine weite Reise vorzunehmen, dazu noch mit dem Zug. Nicht umsonst weigern sich die meisten Fluglinien, Schwangeren in den letzten 6 SSWochen zu befördern. Viele Schwangeren überschätzen Möglichkeiten ihres Körpers, solange es ihnen gut geht, und es kann sich rasch ändern, auch durch Reisestreß bedingt. Das kann ich aus eigener, nicht sehr fröhlichen Erfahrung sagen.
Im allgemeinen sehen die Krankenhäuser in Russland zwar schon schlechter als deutsche aus; aber wenn man zahlt, bekommt man auch ein Einbettzimmer, normale Betreuung, und der Vater darf auch dabei sein. Und zahlen müsst ihr sowieso, in Deutschland bestimmt noch um einiger mehr.
Nur so als ein Denkanstoß.
In jedem Fall alles Gute für Deine Freundin und das Kind,

Gruß
Oletsch

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 19:36
von Zejtnot
Ich möchte noch einen Nachtrag zu Oletsch liefern: Ist sich Deine Freundin sicher, dass sie in einem Krankenhaus entbinden will, wo sie niemand versteht? Du schreibst, dass sie kein Deutsch spricht ... stell Dir vor, sie hat Schmerzen, kann aber nicht ausdrücken, was weh tut. (Auch wenn Du dabei bist ... Dir fehlen ein paar Organe, um alle weiblichen Phänomene verstehen zu können.)

Ich denke in diesem Fall ist vielleicht eine private russische Entbindungsklinik die bessere Wahl. So etwas kostet in Novosibirsk beispielsweise 1000 Euro und der Service ist sehr gut, hört man. (Sie drängen einen allenfalls zu zu vielen Vorsorgebehandlungen, die medizinisch nicht notwendig sind.)

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 19:52
von Zeppelin
Sorry, ich hatte erst jetzt Zeit, wieder hier hineinzuschauen.

Aber zu den Kosten für die Geburt sehe ich noch einen möglichen Ausweg, den man aber mit deiner KV vorab besprechen sollte.
Ich würde folgendes machen:
Sobald wie Möglich beim dt. Jugendamt die pränatale Vaterschaftsanerkennung machen lassen und mit dieser Urkunde zur KK gehen und fragen, ob die Kosten für die Geburt nicht von der (deiner) Familienversicherung übernommen werden können.
Das Argument scheint zunächst ungewöhnlich, aber zumindest ist es nicht einsichtig, warum stets die KV der Mutter die Entbindungskosten tragen soll. Schließlich dient die Entbindung mindestens in gleichem Maßen dem Wohle Deines Kindes, welches ab den ersten Atemzug Anspruch auf Mitversicherung (Familienversicherung) in Deiner KV hat.
Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass selbst pränatale Untersuchungen des Kindes, die ja nur mittels der Schwangeren Frau möglich sind in die Zuständigkeit Deiner KV als Vater fallen!
Eine schwangere Frau ist schließlich nicht krank. Wäre sie es, müsste ihre Reise-KV dafür aufkommen. Aber die Vorsorgeuntersuchungen gelten nun mal dem Kinde! Und so sollte es in der Konstellation eines unverheirateten Elternpaares durchaus drin sein, das die KV des dt. Kindesvaters eben auch die Entbindungskosten übernimmt.
Denn selbst im Falle von Komplikationen, hat die Mutter ja schon die leiblichen Konsequenzen zu tragen, die aber im allerüberwiegendsten Teil der Fälle dazu dienen das Kind lebend und gesund zur Welt zu bringen

Ich kann mich nicht dafür verbürgen, aber ich meine, mal von einem vergleichbaren Fall gelesen zu haben, wo der dt. Kindesvater bei der Techniker Krankenkasse dies erreichen konnte.
Hiermit will ich keineswegs für die TK werben, aber sie kann es sich angesichts der Einkommen ihrer Mitglieder schlichtweg leisten etwas kulanter zu sein, als viele andere.

****
Eben sehe ich, dass inzwischen noch Beiträge von Oletsch und Zejtnot gekommen sind, während ich hier schrieb.

Dazu Folgendes: Es mag in Einzelfällen bedenklich sein, als Hochschwangere noch eine anstengende Reise zu unternehmen. Aber zumindest im Umfeld meiner Familie waren allen Frauen bis zur Geburt absolut fit und haben sich weit größeren Belastungen ausgesetzt ohne, dass etwas passiert wäre.
Und die Wahl der Eisenbahn ist ja mit einem Flug nicht zu vergleichen.

Sprache ist auch nicht unbedingt ein Problem, da es in vielen Krankenhäusern hier sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Personal relativ viele russ. Muttersprachler/-innen gibt.

Wenn Du Interesse hast, kann ich mal für Dich recherchieren, wo man in D eine Geburt in russ. Sprache machen könnte.

Meine größte Sorge in Eurem Fall wären nicht unbedingt die russ. Krankenhäuser als solche, sondern die zahllosen Medikamentenplagiate, die nach meinem Kenntnisstand auf dem russ. Markt im Umlauf sind. Und Berichte darüber, an denen ich nicht zweifeln muss, habe ich wirklich aus erster Hand.


Gruß,
Zeppelin

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 20:12
von Heraklit
Zejtnot und Oletsch,

vielen Dank für eure Beiträge. Ich denke für sie spielt auch eine Rolle dass sie gerne mich bei der Geburt in der Nähe hätte, ich kann beruflich jedoch nicht mehrere Wochen in Russland auf die Geburt warten. Ausserdem habe ich noch weitere Kinder aus erster Ehe, da packt mich zu schnell die Sehnsucht.
Sie liebt Zugfahrten, möglicherweise wird der Stress daher nicht so gross.

Sie spricht gut Englisch, das wird mit Sicherheit im Krankenhaus helfen.

Was Zeppelin erwähnte ist auch genau das, was sie mir erzählte. Sie hat Angst, dass man ihr in Russland "gefälschte" Medikamente verabreicht bzw verkauft. Sie möchte bereits jetzt die Vitamintabletten von mir mitgebracht bekommen.

Zeppelin, herzlichen Dank für die Info. Da ich privat versichert bin scheint diese Möglichkeit für mich eher nicht drin zu sein. In Anbetracht der wachsenden Anzahl derer die wirtschaftlich abhängig von mir sind, war das im nachhinein die falsche Entscheidung eines ehemals sparsamen Junggesellen. :(
Wie kann man denn in Erfahrung bringen wo in Deutschland eine Geburt in russisch möglich ist?

Re: Geburt in Deutschland mit Schengen Multivisum?

Verfasst: 28 Apr 2008, 22:03
von Zeppelin
Heraklit hat geschrieben:... Wie kann man denn in Erfahrung bringen wo in Deutschland eine Geburt in russisch möglich ist?
Habe inzwischen Rücksprache mit jemandem gehalten, dessen ehem. weißrussische Frau inzwischen eine dt. Aprobation als Ärztin für Chirurgie und Anästhesie hat. Sie Arbeitet in einem Krankenhaus irgendwo im Ruhrpott und will sich mal umhören, ob es irgendwo in D. auch Bekannte von ihr gibt, die als Geburtshelfer/-innen in öff. Krankenhäusern arbeiten.

Ansonsten ist die Chance recht groß, an den Berliner Kliniken entspr. Personal zu finden.
Die Prio würde ich da auf die Charite und das Krankenhaus Berlin-Friedrichshain setzen. Möglich wären auch das Klinikum Berlin-Buch und Berlin-Köpenick. Die findest Du alle im www und solltest sie mal anmailen.

Gruß,
Z.