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Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 11:32
von Simone
In Deutschland wie in ganz Europa entwickeln sich die Energiepreise zur großen Gefahr der Wirtschaft. Benzin-und Dieselpreise laufen davon, der Gaspreis soll im Sommer um 19% steigen. Diese Teuerung wird sich nach Expertenmeinung
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/28 ... 76,00.html noch intensiver fortsetzen. Die Wirtschaft und die Regierungen sind darauf nicht vorbereitet, denn nach wie vor basiert der Großteil unserer Energie auf Öl und Gas. Diese Abhängigkeit kann sehr gefährlich werden.
Hans-Josef Fell, B90/Grüne MdB: Das wahre Ausmaß des Problems wurde verschleiert. Dahinter stecken natürlich Interessen. Ein Ölkonzern wird nicht das Signal geben, dass er immer weniger Erdöl hat. Denn damit würden die Menschen erkennen: Ach, das wird ja wahrscheinlich immer teurer, da verabschiede ich mich, da baue ich mir einen Sonnenkollektor aufs Dach, fahre Pflanzenölauto oder wende mich anders vom Erdöl ab. Dies ist nicht im Interesse der Konzerne.
Prof. Claudia Kemfert, Dt. Institut f. Wirtschaftsforschung: Ja wir müssen dringend weg vom Öl, es ist wirklich mehr als Zeit, dass wir wegkommen vom Öl, wir müssen die Ausgaben in die Erforschung alternativer Energietechniken deutlich erhöhen, die sind in der Vergangenheit vermindert worden - auch das ist im Grunde genommen ein Skandal. Das Öl geht zu Ende – und keiner ist vorbereitet. Weder die Regierung, noch die Autoindustrie. Die Folge: weiter steigende Preise. Der Verbraucher muss zahlen.
In Russland sind die größten Preistreiber die Lebensmittel und diese Entwicklung ist auch ein brandgefährlich für die Stabilität des Landes und die wirtschaftliche Entwicklung (Lohninflation, Stichwort: Holländische Krankheit). Nun sollen laut TAZ
http://www.taz.de/1/politik/europa/arti ... ugsschein/ sogar Bezugsscheine für Lebensmittel an Arme verteilt werden.
Wohin steuern wir? Erdöl- oder Lebensmittelkrise?
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 11:40
von Michael
Solange Rohöl, Gas und neuerdings ja sogar auch Lebensmittel den Spekulanten, die aus Geld Geld machen wollen, ausgesetzt ist, steuern wir auf eine massive Krise in beiden Bereichen hin.
Schau Dir nur an, was da momentan mit der Milch in Deutschland abgeht. Die Bauern bekommen für Ihr Naturprodukt gerade einmal 40 Cent pro Liter. Und Du zahlst dann 1,10 Euro im Laden ? 70 Cent für Veredlung

??
Ich glaube das wird noch ganz lustig. Oder eben nicht.
Michael
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 14:37
von Dave
Dass Erdöl, -gas und dessen Endprodukte preislich markant steigen wird/werden, haben ALLE gewusst.
Die Nummer mit "Erstaunt sein" zieht nicht.
Wer aber - mit diesem Wissen - gleichzeitig einen Ausstieg aus der Atomenergie vollzieht, Agrarräume
zugunsten von Biosprit-Monokulturen verkleinert, ist schon oberdeppert, oder schlicht grüner als blöd.
Die Bombe wird platzen... Viel Spass.
Dave
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 15:12
von Sibirier
Ich tanke immer für 10 Euro....

Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 15:26
von manuchka
Dave - nichts hinzuzufügen.
![genau [genau]](./images/smilies/genau.gif)
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 15:37
von Michael
Dave, das mit dem Erdöl und Erdgas, ist schon klar.
Aber das mit den Flächen für den Biosprit, über die Brücke gehe ich nicht. Und dafür gibt es einen einfachen Grund.
Die EU subventioniert die Stillegung von Flächen, damit da gar nichts angebaut wird. Fläche gibt es genug.
Es ist nur ein Vorwand, dass Pflanzen für Biosprit und Biogas angebaut werden und deshalb die Lebensmittel verteuert werden. Das ist nur die halbe Wahrheit. Oder was hat der Preis für Reis mit dem Biospritanbau in Europa zu tun ?
Na und Atomausstieg, ist glaube ich ein Thema, über das man lange streiten und anderer Meinung sein kann.
Ich persönlich bin zwar nicht unbedingt grün, aber dennoch für den Atomausstieg. Zumindest wir keine Ahnung davon haben, wie das Zeug endgültig gelagert werden soll. Wir haben diese Technik nicht annähernd im Griff. Weder während der Produktion noch während der Entsorgungsphase. Vattenfall hat es hinlänglich bewiesen. In Deutschland und auch in Schweden.
Michael
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 16:14
von Xottabych
Michael,
der Anbau von Biosprit-Pflanzen in Europa ist nicht das Problem. Hier geht es um die Regionen Afrika, Lateinamerika und Südostasien. Aufgrund des interntionalen Handels besteht allerdings eine Verbindung zwischen dem, was wir verheizen/verstromen/tanken, und dem, was in den entsprechenden Ländern angebaut wird. Man kann die Sache nicht nur isoliert für Europa betrachten.
Nehmen wir zum Beispiel Rapsöl: Durch den Preisanstieg für Erdöl steigt der Anreiz, mit dem billigeren biogenen Brennstoff zu substituieren. Also wird der deutsche Raps schon seit einigen Jahren nicht mehr zu Speiseöl, sondern zu Biodiesel verarbeitet. Die Lebensmittelindustrie benötigt aber Speiseöl (Schokolade etc.). Folge: Statt Rapsöl wird dort nun Palmöl verarbeitet. Ölpalmen gedeihen aber nicht in Europa, sondern werden vor allem in Indonesien und Malaysia angebaut. Folge der gestiegenen Nachfrage nach Palmöl: In Südostasien werden entweder a) weniger Lebensmittel produziert, dafür mehr biogene Brennstoffe, womit die Lebensmittelpreise steigen; und/oder b) werden neue Produktionsflächen erschlossen, was pratisch immer mit enormen CO2-Emissionen verbunden ist (da es sich bei den entsprechenden Flächen um Wald handelt), und außerdem noch einige andere gravierende Folgen nach sich zieht.
Ähnliche Abwägungskonflikte gibt es in Lateinamerika wegen Soja. In Brasilien ginbt's schon eine Pipeline für Bioethanol. In Ländern wie dem Sudan ist es Jatropha usw...
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 28 Mai 2008, 17:02
von Michael
Logischer Weise wollen die Bauern ihre Produkte dahin verkaufen, wo Sie am meisten Geld dafür bekommen. Kann Ihnen auch keiner verdenken.
Beim Raps verhält es sich aber zum Beispiel so, daß die Raffineriekapazitäten noch nicht einmal zu 50 % ausreichen, um aus Raps Biodiesel herzustellen. In so fern hinkt Dein Beispiel etwas. Es gibt auch reichlich Rapsöl auf dem Markt. Nur ist dieses teurer als Palm - und Kokosöl. Und das ist einer der Hauptgründe, warum die Lebensmittelindustrie darauf umgestiegen ist.
Trotzdem gebe ich Dir recht, dass hier ein Problem lauert und zwar ein gewaltiges. Jedoch ist es momentan für mich nur eine Spekulationsblase. Nehme das Beispiel Milch, Anfang des Jahres sind die Preise angezogen, weil es angeblich nicht genügend Milch auf dem Markt war. Südostasien brauchte auf einmel Kondensmilch...... Und nur beim Produzenten kommt nichts an ? Jetzt stellen sich die Produzenten auf die Hinterbeine und düngen mit der Milch lieber die Felder, als zu verkaufen. Laut verarbeitender Milchwirtschaft sind aber keine Engpässe zu erwarten... Das passt doch alles vorne und hinten nicht.
Aber das nur mal am Rande. Ich vertrete nach wie vor die Meinung, dass es noch genügend Anbaukapazitäten gibt, um Biokraftstoffe und Lebensmittel herzustellen. Nur eben so lange Brachland subventioniert wird, macht man besser nichts und kassiert Geld. Wir haben ein völlig falsche Subventionspolitik. Die sollten gar keine Subventionen zahlen, dann reguliert sich der Markt auch von alleine.
Michael
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 29 Mai 2008, 00:47
von Bephep
Dave schreibt
Dass Erdöl, -gas und dessen Endprodukte preislich markant steigen wird/werden, haben ALLE gewusst.
Die Nummer mit "Erstaunt sein" zieht nicht.
Wer aber - mit diesem Wissen - gleichzeitig einen Ausstieg aus der Atomenergie vollzieht, Agrarräume
zugunsten von Biosprit-Monokulturen verkleinert, ist schon oberdeppert, oder schlicht grüner als blöd.
Leider vollkommen richtig.
Alle versuche mit Biosprit,Wasserstoffautos und und .... haben nicht die grosse Einsparmoeglichkeit gebracht.
Und die Möglichkeit,als Oelsparpotential Hybridautos mit Oel/Elektro scheitert dann an dem fehlenden Strom.
Man stelle sich vor nur zehn Millionen Autos werden Nachts aufgeladen.
Simone
Wohin steuern wir? Erdöl- oder Lebensmittelkrise?
In DE in beide Krisen.Wenn hier in DE im naechsten Jahr die Heizungsabrechnungen kommen,dann gibt es viel Aerger.
Und nach den Wahlergebnissen in Schleswig/Holsrein auch politische Probleme.
Fuer RU,das grosse Mengen Lebensmittel importieren muss wird es auch steigende Preise und damit grosse Probleme geben.
Ausserdem bin ich hier in DE der Meinung das die Politiker ratlos sind und nicht Wissen wie sie mit der Krise umgehen sollen.
Re: Preisschocks - Gefahr für die Stabilität
Verfasst: 29 Mai 2008, 10:20
von manuchka
Mal offtopic:
Simone hat geschrieben:Wohin steuern wir? Erdöl- oder Lebensmittelkrise?
Simone, willst du das eigentlich überhaupt wissen?

Und was sagst du denn dazu?