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"Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 01:24
von Naila
Hallo,
entschuldigung, daß ich zu einem schon da gewesenen Thema Stellung nehmen möchte. Ich würde aber gerne da noch andere Aspekte betrachten. Viele von Euch finden das Wort "Rußländer" befremdlich oder komisch, ich als ehmalige Russin aber absolut korrekt. Und ganz besonders nervt mich in letzter Zeit, wenn die deutschen Medien über "Kasachen" berichten. Dabei werden Leute gezeigt, die mit Kasachen nichts zu tun haben könnten von ihrer Herkunft her, Russen z. B.. Richtig wäre zu sagen "Kasachstaner". Für die über 100 Völker der russischen Föderation ist ihre Herkunft enorm wichtig, sie wollen nicht als Russen bezeichnet werden, ebenso wie die Russen in Kasachstan wollen nicht "Kasachen" genannt werden. Ist es von den deutschen Medien zu viel verlangt, wenn sie diesen Aspekt berücksichtigen würden? Es ist übrigens nicht ganz wahr, daß die Deutschen zwischen Staatsbürgerschaft und Abstammung nicht unterscheiden. Auf dem Papier vielleicht. Aber im Leben? Ich meine, im öffentlichen Leben. Wenn einer nicht in DE geborene zum Verbrecher wird, auch wenn er seit 50 Jahren einen deutschen Paß hat, da wird seine Herkunft in allen Einzellheiten dargestellt. Genauso, wenn jemand positiv berühmt geworden ist. Da wird nicht gesagt: "Sie sind Deutscher, der aber nicht vom Anfang an in DE gelebt hat". Nein, da wird gesagt, sie haben seit 25 Jahren einen deutschen Paß. Warum kann man diesen Menschen nicht einfach Deutscher nennen? Und wenn dieser Mensch sich selbst als Deutscher bezeichnet, dann wird geschmunzelt. Wenn es nur Deutsche und Ausländer geben würde, dann wäre es logisch, aber es gibt auch noch Leute mit Migrationshintergrund. Wozu hat man sie nötig? Man hat sie nötig im deutschen Sprachgebrauch! Man kann doch keine Parallellen ziehen zwischen Bayern und Preußen und Uiguren, Russen, Kalmyken usw. Denn letztere sind große Ethnien mit einer völlig unterschiedlicher Kultur. Und auch nationalen Sprachen (und nicht etwa Dialekten), die zu unterschiedlichen Sprachgruppen gehören können. Zum Beispiel, Georgisch ist eine Sprache für sich, gehört zu keiner Gruppe und hat sogar ihre eigene Schrift. Die Völker vermischen sich auch gar nicht so stark in Rußland oder in anderen Ex- Sowjetrepubliken, wie man denkt. Es ist immer noch so, daß Mischehen etwas Außergewöhnliches sind. Wenn ein Armenier eine Russin heiratet, dann ist es eine Mischehe. Ich glaube nicht, daß das so für eine Ehe zwischen einem aus Hessen und einer aus Rheinland-Pfalz gilt. Wie gefällt Euch das Wort "Migrationshintergrund?" Als ich eingebürgert wurde, hieß man "Deutscher", auch wenn man aus Afrika stammte. Für mich war die Einbürgerung viel mehr, als nur ein Papier zu haben, ich dachte, ich habe mich nun bewußt für dieses Land entschieden, jetzt gehöre ich dazu usw. Nach Jahren hat sich herausgestellt, daß ich nicht dazu gehören kann aufgrund einer anderen Statistik, die mich erfaßt. Und sollte ich ein Kind klriegen, hätte dieses arme Kind auch einen Migrationshintergrund, auch wenn es einen schon immer deutschen Vater hätte und niergendwohin emigrieren würde.
Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 10:44
von harald63
Solche sprachlichen Ungenauigkeiten gibt es vielerorts. Die Briten sind für die meisten "Engländer", wie überhaupt das ganze Land für vile "England" heisst. Und eigentlich sind die Nordiren keine Briten, weil sie ja nicht auf der Insel Großbritannien leben... Es sind eben Bürger des Vereinigten Königreichs von..., aber wer sagt das schon. Und für die Schweizer sind wir alle Schwaben, egal wo wir her sind

Das Wort "Migrationshintergrund" ist eigentlich nur was für die Statistik. Da darunter Leute fallen wie der Flüchtling aus sonstwo, der kein Wort Deutsch kann, als auch Kinder, hier geboren, ein Elternteil Ausländer, komplett hier sozialisiert, kann man damit nichts anfangen.
Meine Kids sind halbe Japaner. Meine Ex hat sich aber immer geweigert, die Kinder zweisprachig zu erziehen. Sie sind hier aufgewachsen. Rein sozial/kulturell betrachtet bin ich als zugezogener Südbadener hier in Karlsruhe mehr Migrant als meine Kinder

Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 11:07
von Naila
harald63 hat geschrieben:Solche sprachlichen Ungenauigkeiten gibt es vielerorts. Die Briten sind für die meisten "Engländer", wie überhaupt das ganze Land für vile "England" heisst. Und eigentlich sind die Nordiren keine Briten, weil sie ja nicht auf der Insel Großbritannien leben... Es sind eben Bürger des Vereinigten Königreichs von..., aber wer sagt das schon. Und für die Schweizer sind wir alle Schwaben, egal wo wir her sind

Das Wort "Migrationshintergrund" ist eigentlich nur was für die Statistik. Da darunter Leute fallen wie der Flüchtling aus sonstwo, der kein Wort Deutsch kann, als auch Kinder, hier geboren, ein Elternteil Ausländer, komplett hier sozialisiert, kann man damit nichts anfangen.
Meine Kids sind halbe Japaner. Meine Ex hat sich aber immer geweigert, die Kinder zweisprachig zu erziehen. Sie sind hier aufgewachsen. Rein sozial/kulturell betrachtet bin ich als zugezogener Südbadener hier in Karlsruhe mehr Migrant als meine Kinder

Na eben nicht ein Teil Ausländer, sondern, beide Eltern eines solchen Kindes können bei seiner Geburt über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügen. Es ist nur so, daß es schon reicht, wenn ein Elternteil nicht in DE geboren wurde.
Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 12:01
von manuchka
Naila, ich verstehe dein Anliegen, aber wenn du für Kasachen russischer Abstammung die Bezeichnung "Kasachstaner" forderst, müsstest du eigentlich auch für Deutsche russischer Abstammung eine alternative Bezeichnung gutheißen - Deutschländer vielleicht? Aber das sind Würstchen... Wenn du dagegen trotz deiner russischen Abstammung einfach nur Deutsche sein willst, weil du einen deutschen Pass hat, dann sind auch Russen mit kasachischem Pass einfach nur Kasachen. Leider lässt sich sprachlich - und erst recht umgangssprachlich - nicht immer so gut darstellen, was genau dahintersteckt. Viele wollen sich auch die Mühe nicht machen. Und es gibt ja auch das Gegenbeispiel USA, wo viele Angehörige irgendwelcher ethnischen Minderheiten eben nicht mehr sagen: Wir sind Chinesen, Italiener, Puertoricaner etc, nein, wir sind Amerikaner! (Und stolz drauf.)
In Deutschland gibt es das nun mal nicht, was es in der Sowjetunion lange gab - man hat den Pass eines Landes, und im Pass steht dann die Nationalität. Das würde vielleicht einiges erleichtern - aber leider auch Tür und Tor für Diskriminierung öffnen. Aber genau so wie du die Situation für Russland und Kasachstan beschrieben hast - man hat die russische oder kasachische Staatsangehörigkeit, ist aber Armenier, Georgier oder was auch immer - ist es auch in Deutschland - ein deutscher Pass gibt einem die deutsche Staatsangehörigkeit, aber der Abstammung nach ist man deswegen noch lange kein Deutscher. Und das ist auch nicht schlimm, wenn auch manchmal etwas unangenehm, sondern normal. Blut kann man nun mal nicht wie einen Pass wechseln. Ich werde auch nie Russin sein, selbst wenn ich eine russischen Pass hätte, mein Mann wird nie Deutscher sein, selbst wenn er einen deutschen Pass bekommt. Aber wir können uns trotzdem in die jeweilige Kultur so weit wie möglich integrieren - und das können auch deine und unsere Kinder, und dann wird man sie auch als vollwertige Deutsche oder Russen (je nachdem) akzeptieren. Der Elternteil, der sein Heimatland verlassen hat, hat wahrscheinlich immer ein wenig damit zu kämpfen, dass der neue Pass ihm zwar die gleichen staatsbürgerlichen Rechte verleiht, aber dass er in den Augen der "Ureinwohner" noch lange nicht zu den "Seinen" dazugehört.
Und nochwas: Ich glaube, Bayern haben ein mindestens so großes National- oder Volkszugehörigkeitsbewusstsein wie Armenier. Und die Franken, deren Region ja zum Bundesland Bayern gehört, werden auch immer sagen, dass sie Franken sind und keine Bayern. Neulich hat eine Freundin von mir - Fränkin - einen jungen Mann aus dem Allgäu geheiratet. Ich denke schon, dass das auch eine Art Mischehe ist - verschiedene Traditionen, unterschiedliche Religion (wenn auch nur protestantisch und katholisch), Riesenunterschiede in der Sprache, wenn die beiden ihren Heimatdialekt sprechen.
Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 12:39
von Naila
Nee, in Rußland ist es so, daß alle Einwohner mit russischem Paß inclusive Russischstämiger als Rußländer bezeichnet werden. Ebenso in Kasachstan- da sind alle Kasachstaner: Russen, Kasachen, Ukrainer etc. Diese Begriffe bedeuten für mich Integration. Die Kasachen erkennen einen Russen schon aufgrund dessen Aussehens und sagen trotzdem, es ist ein Kasachstaner, so wie wir es auch sind. Sein Recht auf Heimat wird eben anerkannt. Ich bin nicht in Kasachstan geboren, aber ich habe dort einige Zeit gelebt und hatte kasachischstämmige Freunde. Nach 23 Jahren haben wir uns gesehen, und für sie war es selbstverständlich, mich als Kasachstanerin anzusehen. In Deutschland ist der Begriff "Migrationshintergrund" ab- und ausgrenzend. Damit wird dem Menschen signalisiert: du kannst machen, was du willst, du wirst nie einer von uns, auch deine Kinder werden es nie schaffen, auch wenn du sie von einem Deutschen in der 500. Generation bekommst. Das heißt ein Mensch mit dem sogenannten Migrationshintergrund darf auch nicht so sein, wie er früher mal war. Er soll sich anpassen, sich "integrieren", weil er ja kein Russe, Georgier, Kasache und sonst was mehr ist! (Laut Definition) Aber auf der anderen Seite ist er auch kein Deutscher (laut öffentlicher Akzeptanz). Das ist doch blamabel. Für mich wäre es eben besser und gerechter, wenn man als (Ex)Russe offiziell eben nicht Deutscher mit Migrationshintergrund, sondern Russe, und zwar unabhängig von der Staatsbürgerschaft, heißen würde. Und dann könnte man einen solchen Menschen fragen: "Sie sind Russe. Aber welche Staatsbürgerschaft haben Sie? ". Das wäre doch viel natürlicher.
Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 13:04
von manuchka
Da gebe ich dir vollkommen recht. Dieses "mit Migrationshintergrund" ist schon doof, aber meiner Meinung nach ein Ausdruck der Hilflosigkeit, wie man denn sprachlich das rüberbringen kann, was dahintersteckt - jemand ist Deutscher (denn er hat den deutschen Pass), aber eben nicht der Abstammung nach.
Ich würde es deswegen so sehen wie harald63:
Das Wort "Migrationshintergrund" ist eigentlich nur was für die Statistik.
Insofern nimm es nicht zu ernst, Statistik ist Statistik, da braucht man eben irgendein griffiges Wort. (Und es würde mich nicht wundern, wenn es in der russischen Statistik auch sowas gibt.) Und ich glaube auch kaum, dass sich deine Kinder auf dem Schulhof als Schimpfwort mal anhörenh müssen: "Du hast ja einen Migrationshintergrund!" Das wird auch dein Nachbar nie zu dir sagen. Das ist kein Wort für den täglichen Sprachgebrauch, würde ich meinen, sondern Fachvokabular, das ab und zu mal in den Medien auftaucht.
(Entschuldigung, ich muss gerade lachen bei der Vorstellung, dass ein eingebürgerter Ausländer zum Arzt kommt und der ihn fragt: "Na, Herr Hosseini, was macht denn Ihr Migrationshintergrund?" "Och Herr Doktorr, gehen schon viel besserr, isse fast weg.")
Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 13:24
von Naila
So kaufe ich Gemüse auf dem Markt. Ich frage immer mit toternster Miene: "Sind es deutsche Karotten, oder haben sie einen Migrationshintergrund?"
...Man könnte aber das Blut auch austauschen: russisches Blut raus, deutsches Blut rein:)
Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 13:38
von Zeppelin
Naila,
ich verstehe Dein anliegen in gewissem Maße durchaus.
Aber ich teile
nicht Deine Meinung, dass der Begriff "Migrationshintergrund" primär diskriminierend wirkt oder verwendet wird. Es mag sein, dass Du und manch andere Zuwanderer bzw. deren Nachkommen das so
empfinden.
Des weiteren kann man schwer zwischen der Situation in Deutschland, der Russischen Föderation und den weiteren ehem. GUS-Staaten nicht vergleichen.
Richtig ist da schon, dass Du Dich für die korrekte Bezeichnung der jeweiligen Staatsangehörigkeiten einsetzt, also z.B. Russländer(innen), Kasachstaner(innen) etc.
In Deutschland, USA, der Schweiz, bedingt auch in "Frank"reich und Großbritannien ist man da klar im Vorteil. (Das Thema hatte ich schon mal aufgeworfen, als ich begann, mich an diesem Forum hier zu beteiligen.)
Dieser Vorteil besteht darin, dass die jeweiligen Staatsbürger(innen) einen Oberbegriff verwenden können, der nicht eine einzige ethnisch-kulturelle Gruppe in den Vordergrund stellt.
Deutsche sind wir eben alle: Egal ob Sachsen, Bayern, Preußen, Hessen, Pommern oder Westphalen etc. etc. Es hat schließlich jahrhundertelange Kriege gedauert, bevor sich die zahllosen ehemaligen Kleinstaaten dazu entschließen konnten, sich in einem übergeordneten Nationalstaat zusammenzuschließen.
Deswegen können wir den Begriff Deutschländer getrost eine Würstchenmarke überlassen.
Analog verhält es sich mit den Amerikanern - die ja bekanntlich "aus aller Herren Länder" kamen. Ja ich weiß, die "Indianer", aber auch die sind irgend wann in grauer Vorzeit mal zugewandert.
Doch wie Du ja sicher schon bemerkt hast, setzten sich hier nicht einmal die Begriffe Russländer(innen) und Russische Föderation durch. Statt dessen verwendet man in Wort und Schrift die Begriffe Russen und Russland - was natürlich die Abkömmlinge anderer Ethnien mit (ehemals) russischer oder sowjetischer Staatsangehörigkeit empört.
Aber wozu führt das? Ganz einfach: Es führt zu einer Reproduktion von Diskriminierungsansätzen und Minderwertigkeitskomplexen.
Mit Verlaub! Das pochen auf einen Pass und auch eine noch so gute Integration bringt rein gar nichts außer der Beschädigung des eigenen Selbstwertgefühls. Und mir erschließt sich bislang noch immer nicht, warum jemand wie Du sowas nötig haben sollte.
Immerhin hast Du einiges an Lebensleistung vorzuweisen, wovon Leute, die aus ihrer teutschen Kleinstadt nie herausgekommen sind, nur träumen können.
Oder anders ausgedrückt: Mir scheint es fast so, als liefst Du hier mit einem T-Shirt durchs Leben auf dem gaaanz groß steht
"Ich bin verdammt noch mal keine Russin!"
Was hast Du davon?
(Ich will hiermit nicht meiner noch ausstehenden Antwort auf Deine PM vorgreifen. Das ist etwas anderes.)
Naila hat geschrieben:So kaufe ich Gemüse auf dem Markt. Ich frage immer mit toternster Miene: "Sind es deutsche Karotten, oder haben sie einen Migrationshintergrund?"
Da solltest Du aber aufpassen, dass der Verkäufer auch den feinen Bedeutungsunterschied der Schreibung von
Sie und
sie auch kennt.
Man kann das ja mit aller Gewalt (zumal mündlich) auch so auslegen: "Sind das Karotten von einem Deutschen?"

Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 19 Aug 2008, 13:57
von Marco
Ich denke, diese unterschiedliche Sichtweise von Staatsangehörigkeit und Bevölkerungsgruppenzugehörigkeit ist ziemlich schwierig darzustellen, da man es in jeder Sendung erwähnen müsste, die einen Beitrag ausstrahlt, da dies für einen Deutschen nicht direkt transparent ist, was alleine zig Minuten in Anspruch nehmen würde.
Aber es gab schon immer solche Ungenauigkeiten auch im Russischen. Wir Deutschen werden im Russischen ja auch nicht als "Deutsche" bezeichnet, sondern als "Stumme". Denn das Wort nemez stammt vom Wort nemoj ab, was nichts anderes heißt als "stumm". Früher wurden alle Leute, die kein Russisch sprachen so bezeichnet. Erst im Laufe der Zeit hat es sich auf die Bedeutung "Deutsche(r)" reduziert.
Da möchte ich doch mal einen Russen/Kasachen etc. erleben, wenn man sie so bezeichnen würde.......
Re: "Kasachen", "Russen" und andere
Verfasst: 20 Aug 2008, 06:54
von Zejtnot
Ich finde die Bezeichnung "Migrationshintergrund" gut. Denn sie drückt ein Phänomen aus, mit dem man sich in Deutschland auf jeden Fall beschäftigen muss. Viele neue Deutsche (also eingebürgerte) sind nicht so gut integriert wie Du und dadurch kommt es zu Spannungen oder Missständen - soziale Probleme an Schulen, um nur ein Beispiel zu nennen. Dieser Problematik muss man einen Namen geben. "Die vielen Ausländerkinder an den Schulen ..." wäre, um beim Beispiel zu bleiben, eindeutig falsch, denn es sind keine Ausländer mehr. Migrationshintergrund ist ausreichend formal, um nicht zum Schimpfwort zu werden, und dennoch trifft es die Sachlage.
Naila hat geschrieben:Ebenso in Kasachstan- da sind alle Kasachstaner: Russen, Kasachen, Ukrainer etc. Diese Begriffe bedeuten für mich Integration.
Moment, wie drückt man "Kasachstaner" im russischen (zweite Amtssprache in Kasachstan) aus? Казахстанец? Nie gehört.
Im Grunde müsste man mich in Russland ja auch als германец bezeichnen, aber man sagt немец. Mag sein, dass historisch mein Volk in Russland als немцы bezeichnet wurde, aber heute lebe ich in Германия und bin demzufolge ein германец. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich sehr verwundert war, als ich letztens las: В Новосибирск приехала германская молодёжь. War sicher korrekt, klang aber total blöde. Insofern sage ich auch, um zum Thema zurückzukommen, ohne schlechtes Gewissen "Russe" - weil Russländer einfach bescheuert klingt.