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Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 13 Okt 2008, 19:17
von Simone
Unterdessen trat am Tag, da der Börsenindex um neunzehn Prozent fiel, im Staatsfernsehen Milliardär Michail Fridman auf und verkündete Präsident Medwedjew, der globale Kursrutsch eröffne russischen Firmen Chancen im Ausland. Die Fernsehanstalten waren instruiert worden, bei Berichten über das Finanzdrama Vokabeln wie „Krise“ nicht zu benutzen, verriet der stellvertretende Chefredakteur des Radiosenders „Echo Moskwy“, Wladimir Warfolomejew. Solche Eingriffe seien im allgemeinen Interesse, erklärt der Vorsitzende der LEFF-Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit, Wladimir Frolow. Das Letzte, was das Land brauche, sei ein Publikumsansturm auf die Banken. Die Informationsabschnürung bringt Dividenden. Mehr Russen als noch im Sommer halten jetzt die wirtschaftliche Lage ihres Landes für zufriedenstellend, ergab die jüngste Umfrage der staatlich kontrollierten „Stiftung öffentliche Meinung“. Ein Viertel der Befragten will von der globalen Krise nichts gehört haben. Ein Fünftel sah in der Liquiditätskrise eine Chance für Russland, weil der Heimat alles nütze, was Amerika schade....
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE6496 ... ntent.html

Economic Crisis Will Not Be Televised, 09 October 2008, Moscow Times
"Specifically, the blacklist includes the words 'collapse' and 'crisis.' It recommends that 'fall' be replaced with the less extreme 'decrease,'" Varfolomeyev said in comments posted on his LiveJournal blog late last week....

http://www.moscowtimes.ru/article/1010/42/371531.htm

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 14 Okt 2008, 06:40
von Zejtnot
Ja, das macht die deutsche Regierung ja auch. Die Journalisten sollten doch beim letzten Rettungspaket keine allzu detaillierten Fragen stellten, bat der Pressesprecher. 8)

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 14 Okt 2008, 11:44
von Sibirier
Aber ich habe eine Idee für Merkel & Co.

Aber dem 01.01.09 eine neue Steuer: "Bankensolidaritätszuschlag". Damit die Vorstände und Aufsichtsräte auch im Jahr 2009 für 2008 eine satte Tantieme in Millionenhöhe einstreichen können. Denn sonst können sie die geplanten Yachten nicht kaufen und das gibt wieder Arbeitslosigkeit in den Werften, schlechte Stimmung in der Wirtschaft usw.

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 14 Okt 2008, 19:47
von AM_77
Simone hat geschrieben:
Die Fernsehanstalten waren instruiert worden, bei Berichten über das Finanzdrama Vokabeln wie „Krise“ nicht zu benutzen, verriet der stellvertretende Chefredakteur des Radiosenders „Echo Moskwy“, Wladimir Warfolomejew. Solche Eingriffe seien im allgemeinen Interesse, erklärt der Vorsitzende der LEFF-Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit, Wladimir Frolow. Das Letzte, was das Land brauche, sei ein Publikumsansturm auf die Banken.
Nicht umsonst wurden früher Provokateure und Unruhestifter sofort erschossen. ;)

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 15 Okt 2008, 08:43
von Sibirier
Heute in der FAZ:

500.000 Euro für mehr Demut
Von Carsten Knop

14. Oktober 2008 Die Zahl lautet 500.000 Euro. So viel sollen führende deutsche Banker höchstens noch verdienen dürfen, wenn ihr Institut Hilfen in Anspruch nimmt, für die künftig der Staat zahlt oder garantiert. Auch Bonuszahlungen sollen gestrichen werden. Nach den unüberschaubar vielen Milliarden Euro und Dollar, die die Finanzinstitute durch ihre hochriskanten Geldgeschäfte in aller Welt vernichtet haben, ist es möglicherweise erst diese sehr greifbare Zahl, die den Bankern zeigt, dass sie das Rad überdreht und alle an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds geführt haben. Denn aus den bisherigen Reaktionen aus der deutschen Finanzwirtschaft auf die Krise und ihre Ursachen lässt sich nicht erkennen, dass die großen Marktverwerfungen die Manager schon Demut gelehrt haben.

Kritik am Verhalten der Banker wird aus der Branche bisher mit dem gewiss berechtigten Hinweis darauf klein gehalten, Pauschalurteile seien nicht sinnvoll. Danach wird dann - und stets mit gönnerhafter Großzügigkeit - eingeräumt, man habe Finanzprodukte leider tatsächlich so konzipiert, dass der Kunde sie nicht mehr verstanden habe. Auch habe man sich zu sehr auf die Urteile der Rating-Agenturen verlassen. Natürlich hätten auch die staatlichen Aufsichtsbehörden einfach viel zu viel zugelassen. Und der amerikanische Staat selbst habe obendrein den politischen Willen gehabt, mehr oder weniger jeden Amerikaner zum Eigentümer eines eigenen Hauses zu machen, wird vorgetragen.

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 15 Okt 2008, 08:53
von Dietrich
Sibirier hat geschrieben:Denn aus den bisherigen Reaktionen aus der deutschen Finanzwirtschaft auf die Krise und ihre Ursachen lässt sich nicht erkennen, dass die großen Marktverwerfungen die Manager schon Demut gelehrt haben.
Mit ein paar Millionen irgendwo sicher "abgelegt", waere mir die Demut auch egal.....

Da kann man auch mal ein paar Tage Verdienstausfall verkraften!

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 16 Okt 2008, 13:27
von Simone
Sibirier hat geschrieben:...die Vorstände und Aufsichtsräte auch im Jahr 2009 für 2008 eine satte Tantieme in Millionenhöhe einstreichen können. Denn sonst können sie die geplanten Yachten nicht kaufen und das gibt wieder Arbeitslosigkeit in den Werften, schlechte Stimmung in der Wirtschaft usw.
Eine Neiddebatte war und ist überhaupt nicht zielführend. Man sollte ernsthaft die Frage nach Haftung der Verantwortlichen klären und neu regeln. Einen interessanten und lehrreichen Artikel vom Präsidenten des ifo-Institus, Prof. Dr. Hans-Werner SInn, zum Thema findet man hier:http://www.cesifo-group.de/portal/page/ ... -10-08.htm

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 16 Okt 2008, 14:53
von manuchka
Warum gleich "Neiddebatte"? :idea:
Ich verstehe auch nicht, warum die Vorstände und Aufsichtsräte dicke Bonuszahlungen bekommen sollen, wenn es ihren Banken mies geht - Bonus kriegt man schließlich für Erfolge und nicht für Krisen. Und

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 16 Okt 2008, 19:02
von Sibirier
Ich habe eigentlich schon lange gewartet, dass Simone darauf antwortet.

Nur ich finde es wirklich nicht normal, dass ein Arbeitnehmer (das ist nämlich auch der Bankvorstand), der meistens auch noch nicht mal selbst in das Unternehmen investiert hat (wie vielleicht ein Herr von Siemens, Herr Bosch in der Gründungsphase) mehr als 1 Million Euro verdient. Ich persönlich finde das nicht korrekt.

Das interessante finde ich z. B. dass die Banken von Ihren Kunden vor Jahren "Basel IV" aufgedrückt haben. Wo spezielle Berater/Wirtschaftsprüfer die Firmen überprüfen sollten, auf Kreditwürdigkeit, Aktiva (Vermögenswerte in der Bilanz müssen Stichhaltig sein) usw. Die Firmen mussten dafür z. T. extra Leute einstellen und beschäftigen und die Berater bezahlen, damit die Banker zufrieden waren.

Dies galt aber anscheinend für die Banken selbst nicht.

Ich frage mich ebenfalls, alle Banken werden doch jedes Jahr von Wirtschaftsprüfern geprüft z. B. Ernst & Young, KPMG, Coperprice Waterhouse etc. Haben die diese Mißlage nicht früher erkannt? Warum haben die Banken (und letztlich die Bankkunden) millionen-, wenn nicht soger milliardenhohe Wirtschaftsprüfungskosten abgesetzt und bezahlt? Bei Yukos waren ja auch die Wirtschaftsprüfer schuld.... Was haben damals doch die Banken deswegen geschrien......

Aber bei den Bankern selbst zählt ja nun Mal nicht "Basel IV", enge Testatsregelung für Wirtschaftsprüfung....

Warum muss z. B. im Vorstandsbüro von der Commerzbank (ich glaube) ein Picasso-Bild im Wert von 1,5 Mio. Euro hängen? Es bezahlen ja die Bankkunden und die Aktionäre. Es ist ja nicht mein Geld!! So denken doch die Vorstände!

Ich hatte mal einen Dozenten, der hatte den Ausspruch: Der Kapitalismus ist die moderne Form des Kommunismus. Ich glaube irgendwie hatte er nicht ganz unrecht.....

Re: Das Wort ist Krise ist nicht gut für Russland

Verfasst: 16 Okt 2008, 23:14
von Will
Sibirier hat geschrieben: Warum muss z. B. im Vorstandsbüro von der Commerzbank (ich glaube) ein Picasso-Bild im Wert von 1,5 Mio. Euro hängen? Es bezahlen ja die Bankkunden und die Aktionäre. Es ist ja nicht mein Geld!! So denken doch die Vorstände!

Ich hatte mal einen Dozenten, der hatte den Ausspruch: Der Kapitalismus ist die moderne Form des Kommunismus. Ich glaube irgendwie hatte er nicht ganz unrecht.....
Also ich halte ein Picasso Bild derzeit für eine bessere Investition als ein paar Lehmann-Zertifikate :D

Der Dozent hatte vermutlich keine Ahnung. Die Krise wurde zum großen Teil durch den Staat herbeigeführt. Die Menschen in den USA wollten keine Rezessionen mehr, niedrige Zinsen, große Häuser für jeden, ja, DAS PARADIES, die Politiker haben entsprechende Versprechen gemacht und entsprechend gehandelt. Jetzt versprechen sie, jeden zu retten. Mal schaun, was noch kommt ...

Und gegen Dummheit hilft eben auch ein bischen Kapitalismus nix.

Gruss, Will