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Reiseberich Transsib VI: Jekaterinburg - Moskva - Elk - Graz

Verfasst: 09 Mai 2004, 14:45
von Helmut Uttenthaler
Fr 2.8.2002
JEKATERINBURG


In Jekaterinburg (1,6 Mio. Einwohner) stehen zwei Übernachtungen auf festem Boden auf dem Programm. Obwohl es nicht extrem viele Sehenswürdigkeiten gibt, hat die Stadt irgendwie einen eignen Reiz. Touristen scheinen hier selten zu sein, zumindest drehen sich die Leute nach uns um, wenn sie merken, dass wir nicht russisch sprechen....

Jekaterinburg:
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Neben einem kleinen U-Bahnnetz gibt es auch etliche Straßenbahnlinien:

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In einem Park gibt es auch eine sogenannte „Kindereisenbahn“. Derartige gibt es überall im ehemaligen Ostblock. Es handelt sich damit um Schmalspurbahnen (meist 750 mm) in Parks (vergleichbar evtl. mit der Liliputbahn im Prater), deren Betrieb teilweise von Kindern und Jugendlichen (Schaffner, Fahrkartenverkauf) organisiert wird. Der Nachwuchs sollte so spielerisch das Eisenbahnwesen kennen lernen und auf eine spätere einschlägige Berufsausbildung vorbereitet werden.

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Leider waren wir an diesem Tag zu spät für die letzte Fahrt, aber immerhin durften wir uns dank der Freundlichkeit einiger anwesender Mitarbeiter im Bahnhofsgebäude umsehen.


Sa 3.8.2002
Swerdlowsk Passaschirskij (km 11958) 7:10 (MZ = 9:10 Ortszeit) - (D 15EJ)
Im Zug: Swerdlowsk - Krasnoufimsk – Kazan


Um 7:10 Moskauer Zeit (9:10 Ortszeit) fährt unser Zug nach Moskau ab. Der Bahnhof von Jekaterinburg wird gerade renoviert, die Arbeiten am Bahnhofsgebäude sind schon abgeschlossen und konzentrieren sich nun auf die Bahnsteige.

Bahnhof Swerdlowsk Passaschirskij am Morgen des 3.8.:
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Ankunfts- und Abfahrtstafel in Swerdlowsk:
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In der Schalterhalle zeigt ein Display die Anzahl der freien Plätze in den nächsten abfahrenden Zügen an:
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Mit dem „firmenij poezd“ Nr. 15 „Ural“ geht es nach Moskau:
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Diesmal sind wir wieder zu viert im Abteil. Eine Informatik-Lehrerin aus Jekaterinburg fährt mit uns mit. Sie ist unterwegs zu einem Kururlaub im Kaukasus, in Moskau muss sie umsteigen.
Westliche Touristen treffen wir in diesem Zug nicht. Diese findet man – von Ausnahmen abgesehen – nur in den bekannten Transsibzügen 1/2 (Moskau – Wladiwostok), 3/4 (Moskau – Peking über Ulan Bator), 5/6 (Moskau – Ulan Bator), 9/10 (Moskau – Irkutsk) und 19/20 (Moskau – Peking), sowie zwischen Moskau und St. Petersburg sowie den internationalen Verbindungen Richtung Europa.

Der Zug befährt eine andere Strecke als Zug Nr. 4 bei der Hinfahrt Moskau – Irkutsk. Statt über Nischnij Nowgorod fahren wir jetzt etwas südlicher über Kazan. Ddiese Strecke ist auch um etliche Kilometer kürzer (1668 km statt 1778 km).
Ausserdem gibt es auf dieser Strecke bei der Überquerung des Ural sogar einige Tunnels. Auf der Hinfahrt gab es zwischen Moskau und Irkutsk keinen einzigen.

Druschinino ist Systemwechselbahnhof: Lokwechsel
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Die Strecke ist eigentlich durchgehend zweigleisig, aber die beiden Gleise verlaufen abschnittsweise mehrere Kilometer voneinander entfernt. Eher sind es zwei eingleisige Strecken, aber es wird jedes Gleis nur in eine Richtung befahren.

Brücke über den Fluss Sarana:
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Noch eine Brücke, schon nach dem Ural. Ich weiss aber nicht mehr, wie der dazugehörige Fluss heisst:
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Am Abend um 21:09 (Orts- und – jetzt wieder – Moskauer Zeit) erreichen wir Kazan. Hier beginnt unsere längste planmässige Nonstopfahrt: 587 km bis Wekowka, Fahrzeit 8:13.
Davon merken wir recht wenig, denn es ist ja Nacht.


So 4.8.2002
- Moskva Kazanskaja (km 13626) 9:11
Moskva Belorusskaja 18:00 - (D 77SZ)


Zirka. eineinhalb Stunden vor Moskau wache ich auf. Draussen zieht anfangs noch die russische „Standardlandschaft“ (flach, Wald und Wiesen , ab und zu ein kleines Dorf) vorbei, schön langsam wird die Besiedelung aber dichter und schliesslich sind wir pünktlich um 9:11 in Moskau am Kazaner Bahnhof.

Mit der U-Bahn-Ringlinie („Kolzewaja“), die alle wichtigen Bahnhöfe Moskaus verbindet, geht es zum Weissrussischen Bahnhof, wo wir bis zur Weiterfahrt um 18:00 unser Gepäck deponieren.

Vorortzüge und „Moskva-Express“ nach Berlin am Weissrussischen Bahnhof:
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Die Zeit bis zum Abend vergeht schnell, u.a. statten wir dem Park „Kolomenskoje“ im Süden der Stadt einen Besuch ab.

Gegen 17:15 sind wir wieder zurück am Weissrusssichen Bahnhof. Wir holen unser Gepäck und begeben uns zum Abfahrtsbahnsteig von Zug 77 „Neman“ nach Grodno in Weissrussland (nahe der polnischen und litauischen Grenze)
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Die Route über Grodno wurde einerseits der Abwechslung wegen, andererseits weil um Abschluss noch ein Tag in den Masuren in Norostpolen eingeplant war gewählt.

Die Schaffnerin kennt sich anfänglich mit unserer Bettkarte (steht ja nichts auf kyrillisch drauf) nicht so recht aus, erst nachdem wir ihr erklären, wo Zug-, Wagennummer und Datum stehen, dürfen wir einsteigen.
Wie bereits bei den anderen Zugfahrten haben wir den Eindruck, dass sich für die Fahrkarte niemand interessiert. Nur die Bettkarte scheint wichtig zu sein, wohl deshalb weil es in Russland in der Regel nur kombinierte Fahr- und Bettkarten gibt. Wer weiss, vielleicht hätten wir uns die Fahrkarte (Soarpreis Russland) sparen können...

Auch diesmal sind wir nicht allein im Abteil; unser Mitreisender ist – na ja, sagen wir – etwas gewöhnungsbedürftig: Ein betrunkener, pensionierte Soldat (das stellt sich im Laufe des Abends heraus), der nach einem Flug von Wladiwostok nach Moskau nun das letzte Stück nach Lida in Weissrussland per Bahn zurücklegt.
Trotz sprachlicher Differenzen möchte er uns allerhand erzählen, eine richtige Unterhaltung kommt aber nicht zustande, weshalb er dann am Gang russischsprechenden Mitreisenden seine Leidensgeschichte erzählt.
Offenbar infolge des Alkohols und des Jet-Lags (Wladiwostok ist 7 Zeitzonen entfernt) wird er aber recht bald müde und legt sich zum Schlafen hin....

In Wjasma hat unser Zug einen längeren Lokwechselaufenthalt, den ich zum Proviant kaufen in einem kleinen Geschäft am Bahnsteig sowie für ein Foto vom Fussgängerübergang nutze:
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Mo 5.8.2002
- Grodno (BY) (km 14714) 10:11
Grodno (BY) 14:00 - Kuznicka Bialostocka (PL) 13:55 (135)
Kuznicka Bialostocka (PL) 14:13 - Bialystok 15:23 (R 77628)
Bialystok 15:40 - Elk 17:21 (km 14902) (R 15841)
ELK


Gegen 3 Uhr (Osteuropäische Zeit, wir sind ja nun wieder in Weissrussland, in der Nähe von Minsk) wache ich auf, weil unser „Kämpfer“ meint, jetzt frühstücken zu müssen. Immerhin ist es nach Wladiwostoker Zeit bereits 11 Uhr.
Glücklicherweise legt er sich nachher wieder hin und schläft bis kurz vor Lida (Ankunft um 7:25), wo der dann aussteigt.
Versuche nach Lida noch mal einzuschlafen scheitern, stattdessen schaue ich mir die Gegend an.
Unser Zug hat in Minsk die Hauptstrecke Moskau – Brest – Warschau in Richtung Norden verlassen. Die Strecke nach Grodno verläuft über Molodetschno und Lida, sie ist grossteils eingleisig und nicht elektrifiziert. Gezogen wird unser Zug von einer Diesellok der Baureihe TEP-70. Mit 70, 80 km/h geht es durch die grüne Landschaft.


Mit ca. 5 Minuten Verspätung kommen wir am Bahnhof von Grodno an. Als wir aussteigen, werden wir von diversen Taxifahrern umringt, die uns anbieten, sofort über die Grenze nach Polen zu fahren (der Anschlusszug fährt ja erst um 14:00, der letzte Zug (ab 10:00) fährt dem Zug aus Moskau (an 10:11) planmässig um ein paar Minuten davon...).
Bis Bialystok (ca. 85 km) würde das Taxi 12 Euro kosten. Wir lehnen aber dankend ab, und erklären dem Taxifahrer, dass wir lieber mit dem Zug fahren und ausserdem schon eine Fahrkarte dafür besitzen...

Bahnhof und Bahnhofsvorplatz in Grodno:
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Eine Verschublok der Baureihe ChME-3 zieht unseren Zug aus dem Bahnhofsbereich
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Dieseltriebwagengarnitur für den Nahverkehr:
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Den Aufenthalt in Grodno nutzen wir für eine kleine Stadtbesichtigung. Grodno ist eine der ältesten Städte Weissrusslands (gegründet im 11 Jahrhundert) und somit auch touristisch nicht ganz uninteressant.
Zuvor deponieren wir jedoch unser Gepäck, für die Gepäckaufbewahrung muss ich zuerst bei einer Bank am Bahnhofsvorplatz ein paar Russische Rubel in Weissrussische Rubel umtauschen.

Russisch-orthodoxe Kirche in Grodno
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Nach dem Stadtrundgang bleibt noch genug Zeit für einen kleinen Imbiss im örtlichen Bahnhofsbuffet.

Der Bahnhof Grodno liegt an der einstigen Hauptstrecke Warschau – Vilnius – St. Petersburg. Durch zahlreiche neue Staatsgrenzen wurden die Fernzüge alle eingestellt oder umgeleitet (von Warschau nach Vilnius fährt man heute über einen direkten raktivierten polnisch-litauischen Grenzübergang um so den Tranist durch Weissrussland zu umgehen, die Direktverbindungen nach St. Petersburg machen den Umweg über Minsk).
Von Grodno nach Vilnius verkehren keine Reisezüge mehr, die bis St. Petersburg durchgehend zweigleisige Strecke ist heute eher verschlafen. Nach Polen gibt es aber 4 Regionalzugspaare im kleinen Grenzverkehr Grodno – Kuznicka Bialostocka, die vor allem dem florierenden Handel und dem Schmuggel von Zigaretten etc. dienen.
Die Regionalzüge werden mit polnischen Nahverkehrstriebwagen auf Normalspurgleisen geführt. Zwischen Grodno und Kuznicka Bialostocka ist die Stercke zweigleisig: Ein Breitspur- (nicht elektrifiziert) und ein Normalspurgleis (elektrifiziert). Das Breitspurgleis diente früher den Fernzügen, welche in Kuznicka Bialostocka umgespurt wurden (gleiches System wie in Brest, siehe Hinfahrt), und wird heute nur mehr von Güterzügen befahren.
Im Bahnhof Grodno gibt es etliche Vierschienengleise (1. und 3. Schiene Normalspur, 2. und 4. Schiene Breitspur oder umgekehrt), die Oberleitung wird aber nur von den polnischen Zügen benutzt, denn die zulaufenden Breitspurstrecken sind alle nicht elektrifiziert.


Ca. eine halbe Stunde vor der Abfahrt kommt der Zug aus Polen an. Einsteigen kann man aber nicht, da der Bahnsteig von ein paar uniformierten Typen abgeriegelt wird. Die aussteigenden Fahrgäste laufen Richtung Bahnhofsgebäude und verschwinden in diesem. Wozu der Stress dient erfahre ich erst später.

PKP-Nahverkehrszug:
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10 Minuten vor der Abfahrt ist der Zugang zum Zug noch immer nicht möglich. Mir kommt das merkwürdig vor. Auf einem Erkundungsgang ins Bahnhofsgebäude, bemerke ich, dass sich dort Fahrgäste bei einer Tür in einen anderen Raum anstellen. Ein Schild wo „Zollabfertigung“ oder so etwas ähnliches auf Russisch draufsteht, lässt den Schluss zu, dass man hier durch muss, wenn man nach Polen will.
Ich hole meine Mitreisenden und wir stellen uns an. Zuerst werden die Fahrkarten kontrolliert, und obwohl auf unserer Sparpreis-Fahrkarte die Route über Grodno für die Rückfahrt aufgelistet ist, müssen wir zurück zum Auslandsschalter um noch irgendeinen Zuschlag zu kaufen...
Das kostet dann 3659 weissrussische Rubel pro Person, ungefähr 2 Euro, wenn ich den Wechselkurs richtig in Erinnerung habe. Was das für eine Abzocke sein soll, weiss ich nicht, möglicherweise handelt es sich um Zählkarten, denn auf den zwei Ausdrucken (je drei Mal 1832 bzw. 1827 Rubel) stehen jeweils auch Nummern von 87 bis 89 und von 90 bis 92 dabei. Warum da doppelt gezählt wird und der Preis für um 5 Rubel abweicht, weiss ich nicht, vielleicht hat das was mit dem Gepäck zu tun.
Oder vielleicht dient es einfach nur der Geldbeschaffung der örtlichen Eisenbahner...
Nachher folgt noch eine genaue Kontrolle der Reisepässe und der Visa, dann dürfen wir in den Zug. Jetzt wird mir auch klar, warum die Fahrgäste des Gegenzuges es so eilig hatten: Jeder wollte der erste bei der Kontrolle sein, um nicht lange warten zu müssen.
So knapp vor der Abfahrt waren wir aber ziemliche die letzten und müssen uns deshalb nicht anstellen. Der Zug wartet freundlicherweise, bis die Grenzkontrollen abgeschlossen sind.
Der vordere Teil (es sind zwei dreiteilige Einheiten) des Zuges ist schon ziemlich voll, im hinteren ist es angenehm leer.
Eine andere Fahrgästin möchte uns überreden, dass wir für sie ein paar Stangen Zigaretten einpacken. Sicherheitshalber lehnen wir ab, und sie beginnt dann die Zigaretten in diversen Hohlräumen im Zug (bei den Sitzen, WC, Dachabdeckungen, etc.) zu verstecken.
Mit ca. 15 Minuten Verspätung fährt der „Schmuggel-Express“ los. Der vordere Zugteil ist voll mit Händlern und deren Waren.
Laut Fahrplan werden die 27 km bis Kuznicka Bialostocka ohne Halt in 55 Minuten (eigentlich –5 Minuten wegen der Zeitumstellung) zurückgelegt.
Tatsächlich gibt es aber unmittelbar vor der Grenze, die übrigens mit Stacheldraht gesichert ist, noch einen Halt. Zahlreiche Uniformierte inspizieren den Zug von aussen und innen, die Kontrolle hat aber eher alibihaften Charakter, es scheint als würde der Schmuggel stillschweigend toleriert werden. Möglich, dass auch die Kontrollorgane vom Schmuggel „indirekt“ profitieren...
Irgendwo hab’ ich mal über Russland gelesen: „Im Prinzip schmiert jeder jeden und das System funktioniert eigentlich ganz gut...“ – das scheint auch auf Weissrussland zuzutreffen.

Nach der Ankunft in Kuznicka Bialostocka dürfen wir noch nicht aussteigen, da wir noch die polnische Kontrolle abwarten müssen. Da wir im hinteren Zugteil sind, dauert dies etwas und wir fürchten schon um unseren Anschlusszug nach Bialystok.
Dieser (ebenfalls eine PKP-Triebwageneinheit) wartet aber.

In Bialystok müssen wir schnell Geld wechseln und die Fahrkarten für die Stichstrecke nach Elk in den Masuren kaufen. Das klappt problemlos. Weiter geht es wieder mit einem PKP-Nahverkehrszug.

Bahnhof Bialystok
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Die Landschaft hier ist leicht hügelig, teils bewaldet, teils gibt es Felder und Wiesen. Auch kleinere Teiche und Seen sind zu sehen – immerhin ist das hier ja die „Masurische Seenplatte“.

Pünktlich erreichen wir um 17:21 Elk. Dabei fällt auf, dass die Bahnhöfe in Polen meist in einem wesentlich schlechteren Zustand als in Russland oder Weissrussland sind.
Die Übernachtung findet in einer Jugendherberge statt (ca. EUR 5 pro Person).


Di 6.8.2002
ELK
Elk (km 14902) 18:14 - Warszawa Wschodnia (EX 51410)
Warszawa Wschodnia 23:00 -


Bis zum Abend bleibt Zeit sich auszurasten und die kleine Stadt und den dazugehörigen See zu erkunden.
Ausserdem gibt es hier eine Schmalspurbahn zu besichtigen, die zwar sogar modernisierte Triebwagen besitzt, diese aber nur für Sonderzugverkehr verwendet.

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Um 18:14 geht es dann mit einem polnischen Expresszug los nach Warschau. Wir haben Plätze in einem 8er-Abteil reserviert (Reservierungspflicht), der Zug ist aber nicht besonders voll, und so haben wir unser Abteil für uns allein.

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In Warschau fahren wir nicht bis zum Zentralbahnhof (Warszawa Centralna), sondern steigen bereits am Ostbahnhof aus, um so früher in den Nachtzug nach Berlin einsteigen zu können. Dieser Zug (D 344) kommt eigentlich von Kiew in der Ukraine, für Reisende von Polen nach Berlin gibt es aber eigene Wagen (1 WL, 2 Bc; alle PKP) Warschau – Berlin.

Abfahrt sollte um 23:00 sein, aber der Stammzug von Kiew (planmässige Ankunft 22:27) hat ca. 45 Minuten Verspätung. Die Wagen Warschau – Berlin stehen aber schon früher zum Einsteigen bereit, so können wir es uns in unserem 3er-Abteil des Schlafwagens bequem machen. Das ist erfreulich, denn der Bahnhof Warszawa Wschodnia macht einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck; man ist froh, wenn man wieder im Zug sitzt.
Nachdem der Zug aus Kiew angekommen ist und die Rangierarbeiten erledigt sind, geht es mit ca. halbstündiger Verspätung los nach Berlin.


Mi 7.8.2002
- Berlin Lichtenberg (km 15755) 6:56 (D 344)
Berlin Lichtenberg 7:08 - Berlin Ostbf 7:16 (S7)
Berlin Ostbf 8:27 - München Hbf (km 16462) 15:09 (ICE 1515)
München Hbf 15:25 - Bischofshofen 18:00 (EC 193)
Bischofshofen 18:08 - Graz Hbf (km 16916) 21:12 (IC 613)


Nach den Grenzkontrollen (ca. 5 Uhr) schlafe ich nicht mehr lange, ausserdem bringt der Schaffner schon das inkludierte Frühstück. Der Zug hat die Verspätung aufgeholt und wir kommen pünktlich in Berlin Lichtenberg an.


Die ukrainischen Wagen unseres Zuges in Berlin Lichtenberg:
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Auch wenn wir hier im Ostteil der Stadt sind, ist es ein ziemliches Kontrastprogramm zu Russland. Die Ruhe, die bei Bahnfahrten in Russland aufkommt, ist hier vorbei; alle Leute scheinen es eilig zu haben und irgendwie merke ich leider, dass der Alltag wieder begonnen hat – obwohl es noch über 1000 km bis Graz sind...

Zunächst geht es mit der S-Bahn nach Berlin Ostbahnhof, dort wird dann noch etwas Proviant besorgt.
Mit dem Neige-ICE 1515 geht es von hier nach München, vorsorglich haben wir Plätze in der „Lounge“ reserviert und zumindest von Leipzig bis Nürnberg (dort wird jeweils gestürzt) geniessen wir die Aussicht nach vorne. Da ist auch landschaftlich der interessanteste Teil, und auch die Neigetechnik kommt in diesem Abschnitt voll zur Geltung.
Ab Jena Paradies (der Bahnhof heisst wirklich so) sind wir nur noch zu zweit, Dorothea verlässt uns hier.
Pünktlich kommt der Zug in München an, für Marcus ist hier Endstation, den Rest der Strecke bis Graz fahre ich alleine.
Dazu gibt es nicht mehr viel zu sagen, EC 193 (München – Klagenfurt/Zagreb) bis Bischofshofen, weiter mit IC 613 (Innsbruck – Graz).
Graz wird pünktlich um 21:17 erreicht.

Eine Reise über 16916 Bahnkilometer geht leider zu Ende. Es war aber sicher nicht meine letzte Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, zumal sie ja nur bis Irkutsk führte. Das nächste Mal geht es dann entweder nach Wladiwostok am Pazifik oder nach Peking, hoffentlich kann ich wen überreden mitzufahren...


Zum Abschluss noch ein paar Internettipps:

http://www.rzd.ru (Russische Eisenbahn)
http://www.mps.ru (Russisches Eisenbahnministerium)
http://www.mza.ru (Moskauer Eisenbahnagentur)
http://train.mza.ru (Fahrplan, freie Plätze und Fahrpreise)
http://www.trans-sib.de (gute Seite über die Transsib, wird leider nicht mehr aktualisiert)
http://kbzd.irk.ru/Eng/index.htm (Baikal-Bahn)
http://www.oesgreisedienst.info/ (ÖSG-Reisedienst)
http://www.parovoz.com/index-e.html (gute Seite über Eisenbahnen in Russland)
http://russlandonline.ru/ (deutschsprachige Online-Zeitung über Russland)
Falls wer noch spezielle Fragen hat, kann er sich jederzeit bei mir melden: helmut.uttenthaler@gmx.at

Verfasst: 03 Mär 2006, 18:23
von Anonymous
oh really? :) :) :)

Re: Reiseberich Transsib VI: Jekaterinburg - Moskva - Elk -

Verfasst: 03 Mär 2006, 23:28
von Ragnar Schluchtmann
Auch wenn wir hier im Ostteil der Stadt sind, ist es ein ziemliches Kontrastprogramm zu Russland.

Und Du dachtest, der Ostteil von Berlin waere so wie Russland, wenigstens fast :reiter: