Hallo Zejtnot,
zunächst einmal danke für all' die interessanten und vorallem anregenden Inputs hier (abgesehen von den Klovorlegern

- ich kann's immer noch nicht vergessen

)
Ich bin wirklich dankbar für die vielen Hinweise und Ratschläge - aber in erster Linie weiß ich zu schätzen, dass es hier einen vernünftigen Diskurs zu Sachthemen gibt.
Zejtnot hat geschrieben:Markus, ich weiß, dass dies überheblich klingt, aber mit deutschem Qualitätsmanagement kommt man in Russland nicht weit. Ich habe in mehreren internationalen Firmen gearbeitet und gesehen, wie da die Vorgesetzten kamen und europäische Ordnung in ein russisches Unternehmen bringen wollten - und gescheitert sind. Der russische Personalmarkt, ebenso der Absatzmarkt und Immobilienmarkt, haben eine ganz eigene Dynamik, da man nicht unterschätzen sollte.
Gut - die will ich kennen lernen. Es wäre ja auch überheblich von mir, da hinzukommen und da ein neues System aus dem Boden stampfen zu wollen - bzw. das deutsche System kopieren zu wollen. Das klappt ja schon innerhalb Europas nicht. Hier kann ich auf Erfahrungen mit zwei großen Unternehmen aus Luxemburg zurückblicken (keine Banken!

).
Zejtnot hat geschrieben:Klassische Wirtschaftstheorien sind quasi außer Kraft gesetzt und viele Entscheidungsprozesse sind mit Vernunft nicht zu begreifen. Wenn nun Dein Kunde plötzlich objektiv betrachtet vernünftig entscheidet, wird dies für ihn eher zu einem Nachteil als Vorteil.
Verstehe. Es steht also wirklich die Personalschulung im Vordergrund (Personal = alles ab und incl. Führungsebene 2) - mit den Theme Qualitätssicherung und -steigerung ... und das, wenn ich recht verstehe, in begrenztem Rahmen.
Zejtnot hat geschrieben:Klassische Konzepte lassen sich definitiv nicht 1:1 übernehmen. Gewisse Grundzüge natürlich schon - aber wenn Du bislang keinerlei Erfahrung mit Russland hast, dann fehlt Dir quasi viel Wissen, wo Anpassungen an die europäischen Denkweisen nötig sind.
Eigentlich eine sehr gute Ausgangslage: Dann fallen die großen und nach eben diesem Schema arbeitenden Unternehmensberatungen auf die Nase. (Es gibt hierzu übrigens ein schönes, kurzweiliges Buch: "Beraten und verkauft: McKinsey & Co. - der große Bluff der Unternehmensberater").
Genau deshalb suche ich nach Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln - jedenfalls war meine bisherige Erfahrung: Kein Konzept, das Du im Unternehmen A erarbeitet hast, lässt sich ohne weiteres auf Unternehmen B übertragen. Wenn man sich nicht die Zeit nimmt, auf jedes Unternehmen einzeln einzugehen, handwerklich gut zu analysieren und mal richtig Zeit aufwendet, dann geht es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Hose!
Da liegt aber auch das Problem: Je mehr Zeit ich aufwende, desto niedriger wird im Grunde mein Stundensatz. Nur gehört es eben zu meiner Arbeitsethik, dass ich meine Zeit lieber mit meinem "Handwerk" verbringe, als auf dem Golfplatz oder sonstwo abzuhängen. Das ist aber leider das Problem vieler Berater - dann muss bei Versagen eben das Unternehmen als Schuldiger herhalten. Genau das aber würde ich weder in Deutschland noch in irgendeinam anderen Land machen - aber: Es gibt viele, die genau das tun.
Zejtnot hat geschrieben:Wenn Du also unvorbereitet - oder nur nach ein paar Lektüren oder Vorträgen - direkt im russischen Markt Deinen Service anbieten wirst, solltest Du Dich auf einige Fehlschläge einstellen.
Also das werde ich bem besten Willen nicht tun! Wahrscheinlich würde ich auf diese Weise eh' keine Aufträge bekommen: Da wird dann lieber McKinsey gebucht, man macht schlechte Erfahrungen und dann ist wieder der Ruf aller Berater schlecht. Ich denke, der Weg führt eher über den Dialog, der noch nicht auftragsgesteuert ist - vielleicht auch über die Qualifizierung von Mitarbeitern in diesen Themen und einer sich anschließenden Umsetzungsbegleitung. Ich gehe da ganz unvorbelastet ran, denn ich will ja selbst lernen - außerdem behaupte ichmal, dass ich genau das habe, was die großen Freibeuter der Bertungsbranche nicht haben: Die nötige Bescheidenheit. Allerdings sehe ich darin auch wieder einen neuen Zwiespalt: Einerseits steht man in Russland wohl darauf, wenn jemand beeindruckt andererseits lässt man sich nicht gerne für dumm verkaufen.
Mein Maxime ist es jedenfalls (und das hat sich bewährt): Nicht kurzfristig am, sondern langfristig mit dem Unternehmen verdienen!
... und das hat schließlich mit einer Sache zu tun, die Du in der Beratungsbranche sehr, sehr selten finden wirst: mit Loyalität!
Herzliche Grüße,
Markus