achim hat geschrieben:... Aus der Tatsache, dass im 1. und 2. Weltkrieg Millionen Deutscher in den Tod geschickt wurden und sich schicken ließen, leitest Du doch auch kein außergewöhnliches (volksspezifisches) Verhalten der Deutschen im Bezug auf den Tod ab. Oder etwa doch?...
Es war ja zu erwarten, dass so eine sinnlose Anmerkung fällt. Wer nichts beizutragen hat, versucht halt gelegentlich zu provozieren.
Das ist schließlich immer so, wenn jemandem gewisse Tatsachen nicht gefallen.
Doch das ist noch längst keine Entschuldigung, etwa der Holocaust zu leugnen, nur weil einem dieser gigantomanische Massenmord einfach 'nicht gefällt'! Und in D ist es zum Glück starfbar, wenn man so etwas machen würde.
Ich konnte dem Beitrag bzw. der Frage des TO nicht entnehmen, dass es ihm um einen Vergleich zwischen D und RUS ging, sondern ob und warum es in RUS ein besonderes Verhältnis zum Tod gäbe.
Und diese Frage habe ich eben aus guten Gründen bejaht. Es gibt ja auch zahllos viele weitere Beispiele dafür, als ich oben angeführt hatte.
Nehmen wir nur die in RUS sehr hohe Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Gewaltverbrechens, eines Verkehrs- oder Arbeitsunfalls, eines Polizeieinsatzes (mit tödlichem Ende) oder eines "terroristischen Anschlages" zu werden.
Es ist schon richtig, dass in RUS - wie Apollo schrieb - ein relativ hoher Totenkult betrieben wird. Die Überlebenden machen da halt eine Party draus und monumentale Grabmäler sollen dann posthum die 'ach so große' Trauer dokumentieren.
In Italien war das ja bis in die jüngste Vergangenheit (vllt. auch noch heute) nicht viel anders und auch in Bayern sind solche Einflüsse ja recht ausgeprägt.
Unterschied zu RUS bei Italien ist allerdings das relativ 'pazifistische' Verhalten der Leute während der Kriege des 20. Jh. und vor allem beim zivilen Widerstand der Bevölkerung Italiens gegen die Judenverfolgung.
Letzteres ist u.a. durch eine qualitative vergleichende Studie von Lea Rosh unterlegt, die in den späten 1980er Jahren entstanden ist. In dieser Studie untersuchte die Autorin die Kollaborationsbereitschaft der Bevölkerung der von Nazideutschland annektierten europäischen Nazis bei der Verfolgung und ausrottung der jüdischen Bevölkerung.
Die Ergebnisse sind frappierend. Wer hätte schon gedacht, dass ausgerechnet in den Niederlanden prozentual gesehen die meisten Denunziationen stattgefunden haben, hingegen in Italien nur sehr geringe Bereitschaft bestand, jüdische Bürger an die Nazis zu verraten oder gar auszuliefern?
Aber das führt zu weit weg von der Eingangsfrage.
Anhand zahlreicher Belege (die jedem offiziell zugänglich sind, der mehr Interesse am Thema hat, als nur Kneipengelaber) vertrete ich die Meinung, dass die Bevölkerung der Russischen Föderation (darunter sowohl die ethnischen Russen selbst, als auch ein gewisses Spektrum anderer darunter befindlicher Volksstämme) den Tod weniger scheut, als in westlicheren Staaten.
Dabei gibt es sowohl die relativ hohe Risikobereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, als auch die Bereitschaft, u.U. ein anderes auszulöschen.
Nach wie vor rätselhaft und nahezu ungeklärt ist in krassem Gegensatz dazu der relativ hohe Stellenwert, den der Erhalt und die Pflege der physischen Gesundheit (im Rahmen der Möglichkeiten) bei der russ. Bevölkerung genießt.
M.a.W.: Man kann RUS zwar nicht eine ausgeprägte 'Kamikazemetalität' zuschreiben, aber Todesfälle - aus welchem Anlass auch immer - werden eher riskiert, als in Westeuropa.
Dafür wird dann halt der tote Held bzw. das 'unschuldige' Opfer entsprechend intensiver betrauert, welche ihr Leben für vermeintlich höhere Ziele eingesetzt haben und
natürlich auf jeden Fall nicht den geringsten Eigenanteil an ihrem Tod haben.
In RUS als "Weichei" zu gelten ist allem Anschein zur Folge nicht gerade eine gute Strategie zum Überleben und soziale Anerkennung.
Daran ändert auch der eine oder andere Bericht über Ausnahmefälle nichts, die es immer wieder gibt.
Die Mortalitätsrate in RUS ist nun einmal deutlich höher als z.B. in den EU-Staaten.