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Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 09 Mai 2009, 18:33
von Apollo
Der Spiegel berichtet über die Ereignisse des heutigen Tages in Moskau.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 30,00.html

Ich persönlich habe mir die Parade angesehen und muss sagen, bis auf 2 Waffentypen wäre die Bundeswehr auch in der Lage eine deartige Show zu bieten.

Lässt "Moskau" wirklich die Muskeln spielen und beeindruckt jemanden mit dieser Veranstaltung oder dient das Ganze eher einer inneren Beruhigung ?

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 09 Mai 2009, 20:19
von harald63
Die großen anderen (USA, China, Indien, ...) beunruhigt das wohl weniger. Die wissen genau, wie es wirklich um Russlands Kampfkraft bestellt ist. Den anderen (Georgien u.ä.) ist die Kampfkraft wohl egal. Von den Klitschen kann ja keiner ernsthaft annehmen, militärisch gegen die Russen bestehen zu können.
Ich denke, es geht hauptsächlich um ein Signal nach innen. Der Sieg über Hitlerdeutschalnd ist das große, einigende Element in der jüngeren Geschichte Russlands. Ansonsten bleibt nicht viel übrig, worauf sich das Land als Summe seiner Nationen stützen könnte. Darum wird es auch noch lange dauern, bis es zu einer echten Aufarbeitung des Stalinismus kommt - müsste man doch dabei die ganze Art und Weise, wie der Sieg errungen wurde, kritisieren.

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 09 Mai 2009, 21:28
von CSB_Wolf
Apollo hat geschrieben: Lässt "Moskau" wirklich die Muskeln spielen und beeindruckt jemanden mit dieser Veranstaltung oder dient das Ganze eher einer inneren Beruhigung ?
Als Muskelspiel würde ich die Parade nicht bezeichnen, es ist Tradition und vermittelt dem Rusischen Volk gleichzeitig eine gewisse Sicherheit, dass wenn mal der Fall eintreten sollte auch eine Armee da ist die sich zu wehren weiss. Die Franzosen haben ja am 14.Juli auch ihre Parade 8) Vor einigen jahren ist ein Panzerbatalion der Bundeswehr mit Leo 2 gemeinsam mit den Franzosen über die Champs Elysées gerollt und die Franzosen haben auch den Deutschen zu gejubelt.

Ich habe die Parade leider nicht ansehen können, da unser TV ja so etwas aus Prinzip nicht komplett überträgt. Eine Parade der Amis würde ich mir nicht mal gegen Bezahlung ansehen, wenn ich nur denen ihre schreckliche Marschmusik schon höre :roll:

Gruss
wolf

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 10 Mai 2009, 07:28
von Naila
@Harald
Was gibt es da zu kritisieren? Daß Millionen junger Männer (und Frauen auch) mit ihrem Leben bezahlt haben? Oder stinkt es den westlichen Alliierten, daß sie sich mit einem totalitären Staat zusammentun mußten, um ein anderes totalitäres Systhem zu besiegen? Und diese kleineren Staaten, die heute so gerne meckern und sich dabei wichtig machen, war für ihre Völker im Nazi-Deutschland nicht etwa eine Rolle als Schweinehirten und Zimmermädchen ohne eigene Kultur und Sprache vorgesehen?! Und was haben sie heute der wWelt zu bieten, nach jahrzehntelanger "Okkupation" durch die Sowjets? Jawohl, eigene Schriftsteller, Dirigenten, Gelehrte, Regisseure usw.
Ich finde die Paraden wichtig und sinnvoll. Unter anderem deswegen, weil russische Veteranen, diese armen lieben Opas, die schon uralt sind, endlich mal ihre Medalien zur Schau tragen dürfen und geehrt werden. Wenigstens einmal im Jahr. Und das haben sie wahrlich verdient! Männer, denen die russische Nation ihre weitere Existenz zu verdanken hat, Männer, die auch nach dem Krieg oft ein sehr schweres Leben hatten. Ich kenne persönlich noch 2 Leute, die im Krieg waren. Ich rufe sie an dem Tag an und sage: "Danke".

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 10 Mai 2009, 12:23
von Marco
Naila hat geschrieben:@Harald
Was gibt es da zu kritisieren? Daß Millionen junger Männer (und Frauen auch) mit ihrem Leben bezahlt haben? Oder stinkt es den westlichen Alliierten, daß sie sich mit einem totalitären Staat zusammentun mußten, um ein anderes totalitäres Systhem zu besiegen?
Wie liest du denn das aus Haralds Post?
Er hat doch geschrieben, dass den anderen Nationen die Parade ziemlich egal ist, was auch meine Meinung ist.
Er sagt lediglich, dass der Sieg über Nazi-Deutschland sehr wichtig war/ist, um den Vielvölkerstaat Russland zusammenzuhalten.
Harald kritisiert lediglich, dass aufgrund des Sieges der unter Stalin stattfand, die "dunklen" Seiten von Stalin gerne beiseite geschoben werden, sprich insbesondere die Stalinschen Säuberungen, denen je nach Schätzung eine bis sechzig Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind.
Naila hat geschrieben: Und diese kleineren Staaten, die heute so gerne meckern und sich dabei wichtig machen, war für ihre Völker im Nazi-Deutschland nicht etwa eine Rolle als Schweinehirten und Zimmermädchen ohne eigene Kultur und Sprache vorgesehen?! Und was haben sie heute der wWelt zu bieten, nach jahrzehntelanger "Okkupation" durch die Sowjets? Jawohl, eigene Schriftsteller, Dirigenten, Gelehrte, Regisseure usw.
Ich beziehe mich jetzt mal auf die baltischen Staaten:
Was war es dann, wenn nicht eine "Okkupation"? Als erstes wurden sie von den Sowjets okkupiert, dann von den deutschen "befreit", um danach wieder von den Sowjets "befreit" zu werden.
Stalin hat dort ja auch Russifizierungspolitik betrieben, in dem er Bürger der Staaten nach Sibirien deportieren ließ und Russen zur Ansiedlung in das Land schickte. Sollten die Staaten glücklich darüber sein? Und darin sind ja die häufigen diplomatischen Verstimmungen zwischen Russland und den baltischen Staaten begründet.

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 10 Mai 2009, 19:46
von Naila
Stalin hat viel Schlimmes gemacht, keiner sagt was. Auch die Rußlanddeutschen wurden deportiert nach Kasachstan, sogar Polen kamen dahin. Doch mich stört, daß die Suche nach der Wahrheit leider keine historische oder wissenschaftliche Sache ist, sondern ein Teil des geopolitischen Spiels. Und bei diesem Spiel geht es um einen augenblicklichen Vorteil. Wenn man die Sowjets als Okkupanten bezeichnet, sollte man auch die Amis, die ihre Soldaten immer noch in Deutschland haben, auch als Okkupanten bezeichnen. Die Tatsache ist, daß 1945 Europa zwischen den Siegesmächten geteilt wurde und die UdSSR bekam ehrlich ihren Anteil. Ja, dabei mußte eine Reihe kleinerer Länder leiden, doch so etwas passiert immer als Folge eines Krieges. Und die Sowjetunion war da keine Ausnahme.

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 11 Mai 2009, 00:14
von Marco
Naila hat geschrieben:Stalin hat viel Schlimmes gemacht, keiner sagt was. Auch die Rußlanddeutschen wurden deportiert nach Kasachstan, sogar Polen kamen dahin.
Bloß das die Russlanddeutschen Bürger der Sowjetunion waren und die baltischen Bürger, Bürger eines vor der Besetzung souveränen Staates waren.Zudem wurde dort die Russifizierung vorangetrieben.
Daher kommt die jetzige "Meckerei" der kleinen baltischen Staaten. Ob sie dann immer berechtigt ist, ist dann eine andere Frage.

Naila hat geschrieben: Doch mich stört, daß die Suche nach der Wahrheit leider keine historische oder wissenschaftliche Sache ist, sondern ein Teil des geopolitischen Spiels. Und bei diesem Spiel geht es um einen augenblicklichen Vorteil.
Das mag vielleicht auf die ersten Jahre/Jahrzehnte nach einem Ereignis zutreffen, da viele Quellen dann noch unter Verschluß sind. Mittlerweile ist das mMn bezüglich WW2 anders.
Naila hat geschrieben: Wenn man die Sowjets als Okkupanten bezeichnet, sollte man auch die Amis, die ihre Soldaten immer noch in Deutschland haben, auch als Okkupanten bezeichnen. Die Tatsache ist, daß 1945 Europa zwischen den Siegesmächten geteilt wurde und die UdSSR bekam ehrlich ihren Anteil. Ja, dabei mußte eine Reihe kleinerer Länder leiden, doch so etwas passiert immer als Folge eines Krieges. Und die Sowjetunion war da keine Ausnahme.
Na da lehnst du dich auch ein wenig aus dem Fenster.
Die Okkupation von D durch die Amis wurde 1954 durch die Pariser Verträge beendet. Die daraus resultierenden Stationierungsverträge und der NATO Beitritt wurden von der Bevölkerung nicht in frage gestellt. Lediglich als die Friedensbewegung aufkam, wurde darüber teilweise sehr kontrovers diskutiert.
Auch als Frankreich 1965/66 aus der NATO ausscherte, wurde das akzeptiert. Da kann man wohl kaum von Okkupation reden.
Dementgegen hat die Sowjetunion die annektierten Staaten unter seiner Knute behalten und Aufstände der Bevölkerung anderer Staaten ihrer Interessensphäre mit militärischen Mitteln niedergeschlagen (DDR 1953, Ungarn 1956 und Prager Frühlling 1968).
Daraus resultiert eben, dass die westeuropäischen Staaten den Amis immer noch mehr oder weniger positiv gegenüberstehen, während fast alle anderen europäischen Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes sich aufgrund dieser aggressiven Politik von der Sowjetunion bzw. Russland abgewandt haben, als sie zusammengebrochen ist.

Die asiatischen Gebiete/Staaten klammer ich beim gesamten Post aus, da ich darüber zuwenig weiß.

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 11 Mai 2009, 00:34
von Kundun
Es gibt in diesem Spiegel-Beitrag einen einzigen Satz, der den Unsinn vielleicht ungewollt komisch beschreibt, den der Autor da verbreitet. Und der lautet:
Mit Recht reagieren Russen mit Unverständnis, wenn ihnen Ausländer, insbesondere Deutsche, vorschreiben wollen, wie sie einen Sieg zu feiern haben, der das Land einen unvergleichlich hohen Blutzoll kostete.
Hätte er doch danach gehandelt, der Herr "Spiegel-Reporter"..... :roll:

Ach so, und noch was:
Wenn heutzutage schon der Anschein eines Widerspruchs gegen Israel mit dem Argument niedergemacht wird, daß im letzten Krieg 6 Millionen Juden umkamen, dann frage ich mich:
Wer erhebt sich dann heute "verbal" über ein Volk, welches mit allen damaligen Republiken zusammen damals wohl zirka 27 Millionen Menschen verlor ?
Für mich sind solche Berichte wie der des Herrn vom Spiegel zu einem solchen Tag absolut so notwendig wie ein Kropf.

Gruß
Kundun

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 11 Mai 2009, 07:44
von willi
Vielleicht hat es in den Nachkriegsjahren was mir Kräftezeigen zu tun gehabt aber heute ist es eher traditioneller Bestandteil eines Feiertags und nicht mehr. Wieso muss man den Russen dauernd was unterstellen.
Ich lese auch täglich Spiegel online aber muss mitunter auch einiges in Frage stellen. War letztes Jahr auf Urlaub in Russland als der Georgienkonflikt ausbrach und und konnte mir dann beide Seiten der Berichterstattung ansehen. Die ersten paar Tage hat der Spiegel noch die diversen Aktionen von Sarkaschwili in den Vordergrund gestellt aber dann auch schnell die Seiten gewechselt.

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 11 Mai 2009, 09:40
von Nikolaus
Kundun hat geschrieben:[/b]Für mich sind solche Berichte wie der des Herrn vom Spiegel zu einem solchen Tag absolut so notwendig wie ein Kropf.
Fuer mich auch, aber wenn da jemand die "Marktluecke" nach Weggang von Herrn Roth fuellen will ...