Festnahme eines Künstlers in Novosibirsk
Verfasst: 19 Mai 2009, 08:29
Die Zeit der freien Meinungsäußerung ist nun auch in Novosibirsk vorbei. Letzte Woche wurde Artjom Loskutow, Künstler und Initiator vieler Projekte in der Stadt ("Monstracia"), festgenommen. Er hätte Straftaten begannen, hieß es bei (!) der Festnahme - die Straftat besteht darin, dass nach (!) der Festnahme bei ihm im Rucksack Haschisch gefunden wurde. Den Rucksack hatte wenige Minuten vorher eine Begleiterin wegen anderer Dinge durchsucht, die versichert, dass der Rucksack keine entsprechende Tüte enthielt. Wenige Stunden vor der Festnahme erhielt Artjom Loskutow nach eigenen Angaben Drohanrufe vom Leiter des Amtes gegen Terrorismus und Extremismus.
Details auf Russisch: http://kissmybabushka.com/?p=2083 (Presseerklärung)
Diese Methoden kenne ich bislang nur aus zentralasiatischen Staaten und nicht aus Russland. Ich bin wirklich schockiert.
Ich habe über die Aktionen von Artjom mehrmals Artikel in deutschen Zeitungen geschrieben, zu diesem Thema möchte ich jedoch nichts riskieren. Ich habe keine Akkreditierung als Journalist in Russland - die Gesetze, ob man eine solche benötigt, sind widersprüchlich. Wenn Ihr das Thema weitergeben wollt, stehe ich als Ansprechpartner oder Kontaktperson jederzeit zur Verfügung (PM).
Zur Information:
Die "Monstracia" - die bekannteste Aktion unter Mitwirkung von Artjom Loskutow - findet seit fünf Jahren am 1. Mai in Novosibirsk statt. Die Parade soll Emotionen und Gefühle zeigen - statt platter politischer Floskeln. Die Organisatoren rufen traditionell zu Transparenten auf, die Emotionen statt sinnvoller Sprüche enthalten sollen. "Tanja weine nicht!" "Папа не пей! Мама не ешь!" "Что-нибудь такое"
Über die Jahre wurde die Monstration gedultet, es gab vereinzelte Festnahmen wegen pornografischer Plakate oder Verstößen gegen das Versammlungsrecht - aber nie ernsthafte Probleme. Meist liefen die 500 bis 800 bunten, jungen Monstranten direkt hinter den Kommunisten und erfreuten alle Journalisten, die schöne Bilder machen konnten.
Dieses Jahr wurden alle Demos im Stadtzentrum abgeblasen, die Kommunisten in einen benachbarten Stadtbezirk verlagert - denn auf dem zentralen Leninplatz fand ein Staffellauf (ohne Zuschauer) statt. Artjom Loskutow, aber auch der Kurator der jungen Künstler, der bekanntere Konstantin Skotnikow, wurden von der Polizei vorgeladen und angehalten, die geplante Monstration abzusagen. Studenten der Architekturakademie haben mir erzählt, dass man ihnen zu verstehen gab, dass eine Exmatrikulierung drohe, wenn man sie auf der Monstration sehe.
Aufgrund eines Aufrufs im Internet fand dennoch eine kleine Monstration statt, auch wenn Artjom Loskutow und Konstantin Skotnikow beide am Vortag verkündeten, dass die Veranstaltung abgesagt sei.
Details auf Russisch: http://kissmybabushka.com/?p=2083 (Presseerklärung)
Diese Methoden kenne ich bislang nur aus zentralasiatischen Staaten und nicht aus Russland. Ich bin wirklich schockiert.
Ich habe über die Aktionen von Artjom mehrmals Artikel in deutschen Zeitungen geschrieben, zu diesem Thema möchte ich jedoch nichts riskieren. Ich habe keine Akkreditierung als Journalist in Russland - die Gesetze, ob man eine solche benötigt, sind widersprüchlich. Wenn Ihr das Thema weitergeben wollt, stehe ich als Ansprechpartner oder Kontaktperson jederzeit zur Verfügung (PM).
Zur Information:
Die "Monstracia" - die bekannteste Aktion unter Mitwirkung von Artjom Loskutow - findet seit fünf Jahren am 1. Mai in Novosibirsk statt. Die Parade soll Emotionen und Gefühle zeigen - statt platter politischer Floskeln. Die Organisatoren rufen traditionell zu Transparenten auf, die Emotionen statt sinnvoller Sprüche enthalten sollen. "Tanja weine nicht!" "Папа не пей! Мама не ешь!" "Что-нибудь такое"
Über die Jahre wurde die Monstration gedultet, es gab vereinzelte Festnahmen wegen pornografischer Plakate oder Verstößen gegen das Versammlungsrecht - aber nie ernsthafte Probleme. Meist liefen die 500 bis 800 bunten, jungen Monstranten direkt hinter den Kommunisten und erfreuten alle Journalisten, die schöne Bilder machen konnten.
Dieses Jahr wurden alle Demos im Stadtzentrum abgeblasen, die Kommunisten in einen benachbarten Stadtbezirk verlagert - denn auf dem zentralen Leninplatz fand ein Staffellauf (ohne Zuschauer) statt. Artjom Loskutow, aber auch der Kurator der jungen Künstler, der bekanntere Konstantin Skotnikow, wurden von der Polizei vorgeladen und angehalten, die geplante Monstration abzusagen. Studenten der Architekturakademie haben mir erzählt, dass man ihnen zu verstehen gab, dass eine Exmatrikulierung drohe, wenn man sie auf der Monstration sehe.
Aufgrund eines Aufrufs im Internet fand dennoch eine kleine Monstration statt, auch wenn Artjom Loskutow und Konstantin Skotnikow beide am Vortag verkündeten, dass die Veranstaltung abgesagt sei.