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Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 14 Aug 2009, 01:00
von bamboo
Hallo,
inzwischen hab ich die verschiedensten und abenteuerlichsten Geschichten zum Thema Schmiergelder in Russland gehört. Meine Russischlehrerin meinte z.B., sie hätte bei der Einreise immer einen kleinen Geldschein in ihrem Pass, um die Bearbeitung zu "vereinfachen", andererseits kann ich sowas irgendwie nicht so recht mit meiner Auffassung von Recht und Moral vereinbaren.
Wie handhabt ihr dieses heikle Thema? Ich würde mich über ein paar Einschätzungen aus erster Hand freuen!
Viele Grüße
b
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 14 Aug 2009, 09:15
von Sibirier
Also ich habe noch nie bei der Einreise einen kleinen Geldschein im Pass benötigt, da bei mir alles offiziell ist. Anders ist es vielleicht, wenn Du Ware verzollen musst....
Normal: Einfach an der Passkontrolle Ausweis, Migrationskarte und evtl. Bordkarte vorlegen. 3-4 warten schon bekommst Du alles abgestempelt zurück.....
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 14 Aug 2009, 09:24
von achim
Meine Einschätzung: Deine Russischlehrerin kokettiert ein wenig mit der Verruchtheit der Russen (ich habe manchmal das Gefühl, das sich einige in der Rolle als Volk von Halbverbrechern und Mafiosis gut gefallen).
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 14 Aug 2009, 09:34
von Simone
Ich habe ein Upgrade in Business bei Aeroflot nach Thailand ab SVO2 bekommen auf diesen Weg. Habe gefragt, ob ein Upgrade möglich ist und die Check-In-Dame antwortete, das hängt davon ab, was ich in den Pass reinlege... Für 2 Personen reichten vor fünf Jahren 70 USD!
An der Passkontrolle gibt es keinen Nutzen, warum sollte dort gezahlt werden.
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 14 Aug 2009, 11:54
von bella_b33
ja Upgrades sind Ermessensspielraum der Angestellten! Da lassen sie sich sicher gern mit ein wenig Trinkgeld auf die Sprünge helfen

ich hab meine Upgrades aber bis heute immer kostenfrei erhalten

war aber auch nicht in Russland wo man für Wunschkennzeichen am Auto schon teils mehrere hundert Euro verlangt(okay, wers zahlt ist dümmer, muss man ja nicht

)
gruß Silvio
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 14 Aug 2009, 12:20
von Nikolaus
bella_b33 hat geschrieben:ja Upgrades sind Ermessensspielraum der Angestellten! Da lassen sie sich sicher gern mit ein wenig Trinkgeld auf die Sprünge helfen

ich hab meine Upgrades aber bis heute immer kostenfrei erhalten

war aber auch nicht in Russland wo man für Wunschkennzeichen am Auto schon teils mehrere hundert Euro verlangt(okay, wers zahlt ist dümmer, muss man ja nicht

)
gruß Silvio
Nun, bei den "Trinkgeld-upgrades" handelt es sich wohl ganz eindeutig um Korruption, evtl. verbunden mit Veruntreuung...
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 14 Aug 2009, 16:13
von Simone
Nun, bei den "Trinkgeld-upgrades" handelt es sich wohl ganz eindeutig um Korruption, evtl. verbunden mit Veruntreuung...
Sehr kluge Feststellung... nützt hier nur nix, weil das Volkssport in Russland ist.
War kürzlich bei Freunden auf der "Datsche" (Villenviertel) und sie schilderten mir, wer die Nachbarn sind bzw. was sie beruflich machen. Da hat kaum einer das Geld auf legalen Wege verdient. Meine Freunde, übrigens, haben sich für den Sommer einen Teil eines Hauses gemietet, weil sie sich kein Haus+Grundstück 20km südlich vom MKAD für 2 Mio USD leisten können.
Das Ergebnis der unbändigen Korruption schlägt sich dann halt in den täglichen Wirtschaftsnachrichten und letztlich auch in den nach wie vor unrealistischen Immobilienpreisen (nur wer sein Geld nicht ehrlich verdient hat, wird es aus dem Fenster werfen) nieder.
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 15 Aug 2009, 14:44
von Nikolaus
Nun, zur Teilnahme an diesem "Volkssport" wird man nicht genoetigt, sondern entscheidet selbst, ob man sein "ehrlich verdientes Geld" so nicht aus dem Fenster werfen, sondern entgegen klarer rechtlicher und ethischer Normen "effektiv einsetzen" will...
Die grossen Vermoegen werden ja wohl eher in einer rechtlichen Grauzone "verdient"; unsere Spitzenmanager demonstrieren uns das zur Zeit wieder mal sehr eindrucksvoll...
Sobald die Beteiligten etwas kleiner sind und "interessierte Seiten" vorhanden sind, muss das aber auch nicht immer aufgehen, wie z.B. die Bauernopfer unter den Siemens-Managern, auch in Russland, lernen mussten...
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 15 Aug 2009, 16:06
von m1009
Nikolaus hat geschrieben:Nun, zur Teilnahme an diesem "Volkssport" wird man nicht genoetigt, sondern entscheidet selbst
meiner Erfahrung nach...
wird man oft regelrecht genoetigt.
sicher ist es eine freie entscheidung, ob gezahlt wird, oder eben nicht.
beispiel?
Bitte zahlen sie 20.000 rubel, fuer ein zweibettzimmer im Krankenhaus. nun ist es DEINE freie entscheidung... zahlen oder das zimmer mit 8 bis 10 anderen "mitbewohnern" teilen.
oder
du faehrst mit (ehrlichen) 95km/h .. wirst angehalten. das radar zeigt 123km/h. 700 rubel strafe "vor ort", ich weigere mich. nun geht das theater los, ab zum gericht. du verlierst viele stunden und musst am ende doch zahlen. wie ist dann die "freie entscheidung"

zahlen? ja/nein? ich tendiere da eher zu ja....
Re: Bakschisch bzw "Trinkgelder"
Verfasst: 15 Aug 2009, 17:02
von Nikolaus
Hm, wir sprachen aber doch von "Geld im Pass" beim Zoll fuer zuegigere Abfertigung bzw. "Trinkgeld-upgrades"?!
Natuerlich handelt es sich bei GAI haeufig um offene oder indirekte Noetigung, eine etwas andere Situation...
Aber was sollte es fuer Auslaender fuer einen Sinn machen, 20.000 Rubel/Tag (?) fuer ein ordentliches Krankenhauszimmer inoffiziell zu bezahlen, wenn offiziell nur 1000-2000 Rubel/Tag (in Moskau, "Diplomaten"-Klinik) berechnet werden und man diese problemlos von der deutschen Krankenkasse erstattet bekommt? Und alle sonstigen Arzt-Kosten ja auch...
Ich glaube an Korruption im Gesundheitswesen leiden nur die Russen, die auf die staatliche Versicherung angewiesen sind, weil sie die offiziellen Privat-Tarife eben nicht bezahlen koennen... Die koennen wirklich in Situationen vergleichbar mit der GAI geraten. Auslaender (zumindest in Moskau) kaum.