Hilfe, meine Freundin trinkt

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!
rieben47
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Re: Hilfe, meine Freundin trinkt

Beitrag von rieben47 »

Dem letzten Beitrag kann ich eigentlich nur Recht geben, ich bin jetzt schon alkoholkrank ohne übermässig zu trinken, aber ihre mittlerweile dauernden Ausfälle machen mich auch kaputt. Sie ist jetzt seit 4 Wochen in Deutschland, aber außer dem Bett, was sie selten und wenn dann gegen späten Nachmittag verlässt, hat sie eigentlich nicht viel gesehen hier, doch, zweimal waren wir schon im Krankenhaus wegen Entzugserscheinungen, respektive Symptomen des fortgeschrittenen Alkoholabusus (einmal 2,2, einmal 2,7 Promille!!!). In der Psychatrie hat mir der Arzt, der sich viel Zeit genommen hat, geraten, sie kontrolliert mit Bier auf einen erträglichen Alkoholpegel zu bringen, auch in Anbetracht der Tatsache, dass sie in einer Woche wieder zurückfliegen muss. Immer wieder verlangt sie aber nach was hartem, was ich ihr verweigere. Sie sagt, sie hat keine Lust mehr auf dieses "Leben", will eine Therapie machen, jedoch ist diese in Deutschland aufgrund ihrer nach wie vor nicht vorhandenen Sprachkenntnisse nicht ohne weiteres möglich und ich bin oft genug in Russland, um zu ahnen, dass die Qualität der Entzugseinrichtungen nicht wirklich erfolgversprechend ist. Sie ist auch nach wie vor so naiv zu glauben, dass sie nach der Therapie wieder so trinken könnte, wie normale Menschen und nicht nur das, sie wundert sich, dass sie früher doch auch mal eine ordentliche Menge Cognac trinken konnte, ohne dass es ihr so schlecht ging wie jetzt, das kann doch nur schwarze Magie sein, jemand hätte sie verhext. Ich kann dieses dumme Zeug, diesen verdammten Aberglauben nicht mehr hören, das macht mich so wütend. Ich bin da realistisch, meine Prognose ist ganz schwarz, aber ich lasse mich gerne überraschen. Da es in der "sowjetischen" Klinik ja offenbar das Krankheitsbild Alkoholismus nicht gibt, muss ich mich jetzt netzmässig mal auf die Suchen nach was Privatem machen und dann da bei meinem nächsten Besuch hinfahren und mich von dem Zustand der Einrichtung überzeugen, ich denke, ich kann mich mittlerweile, dank ihrer Totalverweigerung ein paar Worte Deutsch zu lernen, halbwegs verständigen. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp.
Rainer Horstmann
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Re: Hilfe, meine Freundin trinkt

Beitrag von Rainer Horstmann »

Hallo,

[amazon]3888975859[/amazon]obwohl ich selbst mit anderen Problemen zu kämpfen habe, aber nicht mit Alkohol, habe ich vor einigen Monaten ein sehr interessantes Buch gelesen. Ein amerikanischer Arzt beschreibt seine Selbst Therapie. Trotz großem beruflichen Erfolg gelang es ihm auch mit Hilfe von Kliniken und Freunden nicht, seinen Alkohol Konsum in den Griff zu bekommen.
Mehr durch Zufall hörte er von einer Substanz, welche eigentlich gegen andere Beschwerden eingesetzt wird. "Baclofen". Durch dieses Medikament ist es ihm gelungen, das sogenannte Craving, also das Verlangen nach Alkohol, vollständig zu beenden.
Der Weg dahin wird sehr gut und eindringlich beschrieben. Nebenwirkungen gab es fast keine.
Dr. Olivier Ameisen " Das Ende meiner Sucht".
Seit Erscheinen dieses Berichtes wird auch zunehmend in Fachkliniken mit der Substanz geforscht.
Ich kann die Lektüre nur empfehlen und daraus ergibt sich auch ein Weg, die nötigen Schritte einzuleiten!
Gruß aus Mecklenburg
Man muß, wenn von Freiheit gesprochen wird, immer wohl achtgeben, ob es nicht eigentlich Privatinteressen sind, von denen gesprochen wird." (Georg Wilhelm Friedrich Hegel)
brasco

Re: Hilfe, meine Freundin trinkt

Beitrag von brasco »

Hallo "rieben47",
ich habe deine Posts gelesen und muss sagen, ich bin tief bewegt und musste erst einige Zeit nachdenken, was ich dir raten kann.
Denn so wie ich das sehe, ist das ganze ein Teufelskreis, bei dem die Frage ist, wo man am besten ansetzt.
Ich denke, du musst das Alkoholproblem unbedingt im Kontext mit ihrer Exbeziehung und dem Sohn sehen. Ich vermute mal, dass der Hauptauslöser der Verlust bzw. die Drohung der endgültigen Entziehung ist. Ich weiss zwar nicht genau, wie das in der RF geregelt ist, aber gibt es dort nicht auch sowas wie Familiengerichte und Jugendämter?
Bitte sei mir nicht böse, aber ich denke, da die Verbindung zwischen Mutter und Sohn stärker sein dürfte als ihre Bindung an dich, müsst ihr unbedingt die Situation an dieser Front klären.
Auch wenn da sicher die Sucht wieder entgegenstehen dürfte.
Du hattest geschrieben, sie war hier bereits in einer Klinik hier in D. Kann man nicht an der Stelle ansetzen? So nach dem Motto, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht zum jetzigen Zeitpunkt zurück kann u deswegen die (allgemein üblichen) 6 Wochen in der Klinik bleibt? Das würde zum einen einen gewissen Aufschub und zum anderen einen wichtigen Schritt in Richtung Entgiftung bedeuten.
Auch wenn ich mir den letzten Monat ihres Besuchs in D hinsichtlich der Promillewerte vor Augen halte, glaube ich offen gestanden nicht, dass ihr beiden das ohne professionelle Hilfe von aussen hinbekommen könnt - und auf eine so grosse Entfernung wird es noch schwieriger.
Man sagt ja allgemein, dass man sich von Suchterkrankten nicht beeinflussen u manipulieren lassen soll (Stichwort Co-Abhängigkeit), daher meine provokative Frage, was passieren würde, wenn du versuchst mit klaren Grenzen zu arbeiten? Du sollst ihr jetzt natürlich nicht drohen, andererseits muss sie aber einsehen, dass auch deine Hilfe Grenzen hat und sie etwas tun/ ändern muss, damit ihr geholfen werden kann.
In Punkto Therapie und Sprachkenntnisse möchte ich dich bitten, dich genauer umzuschauen, da ich von 2 Rehakliniken (Psychosomatik) in D weiss, die Therapiestunden in Fremd- bzw. Muttersprachen anbieten. Deswegen kann ich mir durchaus vorstellen, dass das auch in eurem Fall möglich sein dürfte (einfach mal bei KV u KK nachfragen).
Oder du schaust mal hier http://tu-dresden.de/internationales/in ... in_dresden und telefonierst mal mit einem der dort aufgeführten russischsprachigen Mediziner. Da ich nicht weiss, wo du in Dtl. zu Hause bist, habe ich jetzt einfach mal ein verzeichnis meiner Heimatstadt rausgesucht, ich hoffe, das ist für den Anfang i.O.
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