Zu dem Artikel:
Es ist wirklich schon merkwürdig. Aber man muss nur oft genug die gleichen Phrasen verbreiten, dann werden sie Allgemeingut.
Zitat:
„Putin ist der wohl mächtigste Mann in Russland, zurzeit bekleidet er aber, aus verfassungsrechtlichen Gründen, offiziell nur das Amt des Premierministers.“
Das ist doch eine beliebte Dauerdarstellung der Journalisten.
Jahre vor der Medwedewwahl wurde spekuliert, dass Putin die Verfassung ändert um ewig Präsident zu sein.
Nichts passierte.
Als Medwedew gewählt wurde, schrieben alle, nach einem Jahr tritt die Marionette Medwedew zurück, damit Putin wieder Präsident wird.
Nichts passierte.
Zitat:
„Putin war Geheimdienstler“
Ein beliebtes Todschlagargument.
Warum wird der Zusammenhang George H. Bush und Direktor des CIA nie hervorgehoben?
Zitat:
„Ist damit vielleicht das Wort des Altkanzlers Schröder vom lupenreinen Demokraten Putin gemeint?“
Schröder hat nie gesagt, dass Putin ein lupenreiner Demokrat ist. Vielmehr lief das Interview so ab, dass im Jahre 2004, Schröder war Kanzler, Putin Präsident, in der ARD-Sendung "Beckmann" die wenig kritisierte Frage des Moderators, ob Putin "ein lupenreiner Demokrat sei", von Schröder bejaht wurde mit dem Zusatz, er sei sicher, daß Putin Rußland "zu einer ordentlichen Demokratie machen will und machen wird". Das Land habe 75 Jahre kommunistischer Herrschaft hinter sich sowie zehn Jahre, in denen alle Staatlichkeit zerfallen sei. "Putin schafft es jetzt, den Staat wieder in seine Funktion zu setzen." Es sei klar, "daß dabei nicht alles idealtypisch laufe".
Auf die damalige Stellung von Schröder und auf das Jahr 2004 bezogen eine richtige Antwort.
Was hätte er sonst sagen können, wenn eine derart merkwürdige Frage gestellt wird.
Auch wenn nach Bush so gefragt worden wäre hätte er „ja“ sagen müssen. Es sind immerhin Staatsmänner, mit denen man diplomatischen Kontakt hat und die Einschränkung von Schröder finde ich schon hart an der diplomatischen Grenze.
Zitat:
„Wie Putin mit Minderheiten umzugehen versteht, veranschaulichen seine Feldzüge im Nordkaukasus, und wie er zur Opposition in Moskau steht, kann man am Fall des kremlkritischen Unternehmers Chodorkowski studieren.“
Mit Tschetschenien hat sich Russland Probleme ans Bein gebunden, die so nicht nötig waren. Aber es dürfte wohl zu vereinfacht sein, alles nur Putin in die Schuhe zu schieben. Dazu ist das Problem zu komplex und zu viele, auch ausserrussische Interessen stecken da mit drin.
Und wäre nicht die Alternative ein extrem islamischer Staat vor Europas Haustür, gegen den die Taliban noch Waisenkinder gewesen wären?
Zu Chodorkowski nur eines:
1990 nutzte Chodorkowski seine Handelsgewinne zur Gründung der Menatep-Bank.
Ein CIA Report von 1995 bezeichnete die Menatep-Bank als eine der korruptesten der Welt, mit engen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Für US-Banken waren geschäftliche Kontakte mit der Bank untersagt.
Das soll hier kein Plädoyer dafür sein, dass Putin den Preis bekommt. Ich bin im Allgemeinen gegen solche Preise, aber wenn Obama den Friedensnobelpreis bekommt, Chodorkowski einen Menschenrechtspreis, wo ist dann das Problem mit Putin.