Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

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domizil
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Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von domizil »

Dieses, vor 10 Jahren noch etwas heikle Thema wird nun - und nun gerade in den letzten Tagen sehr aktiv - wieder diskutiert. In der täglichen Praxis wird die Stadt schon so genannt "wie einem der Schnabel gewachsen ist" und es wird auch allgemein so akzeptiert. In den russischen Massenmedien steht natürlich "Kaliningrad" aber schon sehr häufig in Klammern dazugesetzt "Königsberg". Auch Politiker schalten sich natürlich in diese Diskussion ein. Vor ca. 2 Jahren hat der ehemalige Gouverneur von Kaliningrad (Georgii Boos) zum Thema "Umbenennung der Stadt "Sowjetsk" in "Tilsit" geäußert das dies durch die Bevölkerung selber entschieden werden muß, z.B. durch ein Referendum. Danach ist dann aber nichts weiter passiert. Das Thema ist einfach eingeschlafen. Jetzt, vor drei Tagen hat der jetzige Gouverneur (Zjukanov) im Rahmen einer internationalen Veranstaltung in Polen auf die Frage eines deutschen Bundestagsabgeordneten geantwortet: (sinngemäß) ... das ist z.Zt. nicht die wichtigste Frage, ... Frage sollte im Rahmen eines Referendums durch die Kaliningrader Bürger entschieden werden, ... ich persönlich bin gegen die Umbenennung."
Mit diesem Auftritt und dem Andeuten einer Möglichkeit der Umbenennung scheint er in Russland eine heftige Diskussion ausgelöst zu haben - für mich etwas unverständlich, da dies ja absolut kein neues Thema ist. Wie "Russland-Aktuell" zu entnehmen ist sollen sich sowohl die national eingestellten Russen wie auch die Kommunisten kritisch geäußert haben.
Wenn wir mal die Politik außen vor lassen und auch mögliche Kosten im Zusammenhang mit der Umbenennung so steht doch u.a. die Frage: "Wem nützt die Umbenennung der Stadt?" Ich behaupte hier nun einfach mal das es den Kaliningrader nützen KÖNNTE (Möglichkeitsform) und auch der Entwicklung des Gebietes. Denn es besteht der Wille der hiesigen Verantwortlichen und auch der Zentralregierung in Moskau das Kaliningrader Gebiet zu einer Tourismussonderzone zu entwickeln. Und eine Umbenennung der Stadt würde zumindest weltweite Aufmerksamkeit erzeugen und vielleicht auch eine gewisse Neugier auf die "UMBENANNTE" erwecken. Das ganze noch gepaart mit einer klugen Stadt- und Gebietsentwicklung bringt vielleicht vielen Vorteile für ein besseres Lebensniveau.
Also lange Vorrede. Es ist ein neues Thema und mich würden sachliche Meinungen - egal in welcher Richtung sie tendieren - mal interessieren.
Mit besten Grüssen
Uwe Niemeier
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Sibirier
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von Sibirier »

Also, ich muss sagen, sinnlos.

Ich habe "ostpreußisches Blut" in meinen Adern, denn mein Vater ist geboren in dem damaligen Preußisch Eylau (ca. 30 km von Kaliningrad). Mein Vater ist bereits verstorben, obwohl es immer sein Wunsch war, die Stadt noch einmal zu sehen. Ich habe dazu als Sohn kein Bezug. D. h. ich meine, diejenigen die noch unter den Namen "Königsberg" dort gelebt haben und das noch "mitbekommen" haben (ich meine damit sie müssten schon mind. 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein) sind heute über 70 oder mehr Jahre alt und das werden wohl die wenigsten aus der Bevölkerung sein, die jetzt in Kaliningrad leben.

Ich finde Kaliningrad ist nicht so ein "schrecklicher" Name, der in Westeuropa nicht ausgesprochen werden könnte (wie z. B. Syktyvkar). Also sollen die Kaliningrader das beste aus ihrer Stadt machen und stolz auf ihr Kaliningrad sein. Ich denke, es ist nun eine russische Stadt und wird es auch hoffentlich bleiben (ich meine nur damit, dass kein neuer Krieg kommt!). Lasst es bei den russischen Namen.

Anders fand ich die Umbenennung der Städte, die aufgrund des Kommunismus umbenannt wurden (Leningrad, Stalingrad). Das fand ich vollkommen in Ordnung, damit man den Ausdruck Nachdruck verleiht, dass man sich von dem Kommunismus trennen möchte....
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von domizil »

... naja Sibirier, Ihr letzter Absatz ist eben so ein wunder Punkt in der Diskussion. Natürlich kann man mit den neuen russischen Bezeichnungen leben, ABER:
1. Kaliningrad wurde benannt nach dem sowjetischen Politiker Kalinin (gestorben 1946), der in der Stalinähra für die Repressionspolitik Stalins verantwortlich zeichnete
2. Sowjetsk - naja, eine eigentlich im täglichen Gebrauch kommunistische Benennung
3- Preußisch-Eylau ist heute Mamonowa - das könnte doch i.O. sein
Wenn also Königsberg 1946 umbenannt worden wäre in "Zarengrund" oder "Korolewskaja Gora" hätten wir wahrscheinlich weniger Diskussionen.
Uwe Niemeier
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von Sibirier »

Was würde denn bei einer Umbenennung passieren?

Aus Königsberg würde Кёнигсберг und da im internationalen Gebrauch das ё als e geschrieben würde, würde aus Königsberg letztendlich Kenigsberg....kein Koenigsberg, weil das ö im internationalen Gebrauch ebenfalls nicht geschrieben würde...

Ich meine, da müsste die Debatte überall bei den dt. Städten (nicht nur in der RF, sondern auch in Polen, Tschechien sein) geführt werden, die DE verloren hat. Da kräht nämlich schon kein Hahn hinterher....
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von domizil »

... völlig richtig, was die Schreibweise anbelangt,
... völlig richtig das nach ehemals deutschen Städten in Polen "kein Hahn mehr kräht". Deshalb steht eben auch die Frage warum die "Hähne nach der ehemaligen deutschen Stadt Königsberg krähen" - denn immerhin hat ja ein Bundestagsabgeordneter - also Politiker - die Frage im internationalen Rahmen gestellt.
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von Sibirier »

Der Politiker hat das nur gemacht, damit er wieder ein paar Oma's und Opa's, die im damaligen Königsberg geboren wurden, bei der nächsten Wahl bei sich hat..... ;)
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von domizil »

... möglich.
Übrigens handelt es sich hier um Herrn Werner Schulz von den Grünen.
Uwe Niemeier
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von Sibirier »

Ich finde es sowieso komisch. Was wollen Sie? Ostpreußen zurück? Was mischt sich die dt. Politik in die inneren Angelegenheiten Russlands?

Wie schon vermutet, desto öfter die Politiker in die Presse kommen, desto mehr werden sie bekannter und machen damit kostenlose Werbung.... ;)
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von domizil »

... auch das Thema wurde in den letzten Monaten in den russischen Medien mal wieder angesprochen. Angeblich sollte es vertrauliche Verhandlungen zwischen Gorbatschow und "Deutschland" gegeben haben über den "Verkauf" des Kaliningrader Gebietes (Gespräche waren in den Jahren 1990/91).
Und es steht wirklich die Frage was denn das letztendliche Ziel ist bei solchen Diskussionen durch Politiker.
Schon bei einem ganz ganz kurzen Gedankenspiel, das Kaliningrad vielleicht irgendwann nicht mehr russisch sein wird (selbständig) stehen mir schon die Haare zu Berge, ganz zu schweigen von anderen Gedankenspielen in diesem Zusammenhang ...
Ich möchte lieber darüber nachdenken welche Veränderungen - kleine oder große - dem Kaliningrader Gebiet mehr Aufmerksamkeit, mehr Investitionen, mehr Lebensniveau, mehr, mehr, mehr ... bringen. Ich lebe hier seit 22 Jahren und (wenn mir DER DA OBEN die Chance gibt) will noch weitere 22 Jahre hier leben - allerdings jedes Jahr besser ...
Uwe Niemeier
Jochen
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Re: Umbenennung Kaliningrad in Königsberg

Beitrag von Jochen »

domizil hat geschrieben: ... völlig richtig das nach ehemals deutschen Städten in Polen "kein Hahn mehr kräht".
Finde ich nicht! Ostpreussen, Schlesien, Pommern-das war und wird immer deutsche Geschichte bleiben, auch wenn es jetzt nicht mehr zu Deutschland gehört.
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