... und Start - Russland und die WTO

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domizil
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... und Start - Russland und die WTO

Beitrag von domizil »

... nun ist es soweit, Russland wird in wenigen Tagen Mitglied der Welthandelsorganisation. Damit ein Mensch mündig wird, braucht er 18 Jahre. Genau diesen Zeitraum benötigte Russland, gerechnet vom Antrag auf Aufnahme in die WTO bis zum Beitritt. Wieso waren andere Staaten schneller? Wollte oder konnte Russland nicht? Wollten oder konnten andere Staaten den Beitritt nicht unterstützen? Was bringt uns – die wir in Russland leben – der Beitritt Russlands in die WTO? Wie wirken sich die erleichterten Steuersätze beim Import von Erzeugnissen nach Russland aus? Muss der Exporteur/Importeur seine Waren weiterhin zusätzlich zertifizieren oder werden internationale Zertifikate anerkannt. Wie könnten sich die erleichterten Importbedingungen für ausländische Waren, auf die Verschärfung der Wettbewerbssituation in Russland auswirken? Die Meinungen zu all diesen Fragen sind in Russland geteilt. Besonders aktiv wird in den bisher noch existierenden Sonderwirtschaftszonen darüber diskutiert – diese müssen nämlich abgeschafft werden. Der erleichterte Zugang von Waren und Dienstleistungen zum russischen Markt dürfte auch mit einem erhöhten Reiseaufkommen westlicher, südlicher, nördlicher und östlicher Geschäftsleute einhergehen. Könnte sich dies auf die Bemühungen zur Visafreiheit zwischen Russland und anderen Ländern auswirken? Eine Unmenge neuer Fragen warten auf Antwort.
Uwe Niemeier
Andy
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Re: ... und Start - Russland und die WTO

Beitrag von Andy »

Ich denke, jede Branche hat ihre Eigenheiten und wird unterschiedlich betroffen sein. In unserer Branche sind die Zölle bereits seit einiger Zeit niedrig oder Null, die Zollverfahren wenig kompliziert und die ausländischen Zertifikate (CE oder ANSI Standarts) werden zwar nicht anerkannt aber auf deren Grundlage werden russische Zertifikate preisgünstig erstellt. Ich sehe daher keine Auswirkungen bzw. Verbesserungen für den Import von Maschinen/Anlagen.
Eher kann es einen indirekten Effekt geben, indem unsere Kunden ihre Fertigprodukte besser oder schlechter am Markt absetzen können. Letztlich entscheidend wäre also ein Gesamteffekt für die russische Wirtschaft mit Auswirkung auf die allgemeine Kaufkraft.

In der Presse wird gerne geschrieben, dass Importeure aufgrund geringerer Zölle mehr verdienen können - das ist natürlich ein Trugschluss, da im harten Wettbewerb solche Vergünstigungen meist an den Kunden weitergegeben werden müssen.

Außerdem gibt es wohl für alle Vereinbarungen sehr lange Übergangsfristen - mal sehen, was aus diesem WTO Beitritt in zwanzig Jahren geworden ist .....
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GIN
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Re: ... und Start - Russland und die WTO

Beitrag von GIN »

"Wieso waren andere Staaten schneller? Wollte oder konnte Russland nicht? Wollten oder konnten andere Staaten den Beitritt nicht unterstützen? Was bringt uns – die wir in Russland leben – der Beitritt Russlands in die WTO? Wie wirken sich die erleichterten Steuersätze beim Import von Erzeugnissen nach Russland aus? "


Im Bereich Chemie wird Russland noch bis 2016 zugestanden seinen Markt zu schützen, in der landwirtschaftlichen Produktion sind es sogar 2018 bis alle Schranken abgebaut werden sollen.
Nach meiner Meinung wurde wegen dem hohen Oilpreis zwischen 2002 und 2009 die Bemühungen von Russland auf 0 gesetzt, durch hohe Einahmen musste die russische Wirtschaft nicht modernisiert werden, es gab kaum Bemühungen Russlands in diesen Jahren, den es gab keinen Zwang.
Erst durch die Krise ums Jahr 2008-2009 wurde Russland bewusst das Modernisierung der Wirtschaft neue Chancen bringen können, das grösste Hinderniss was aber das löstige Problem mit Georgien und dem Konflikt um Abchasien und Südossetien. Da Einstimmigkeit in der WTO wichtig ist, blockierte das Land die Beitrittswünsche der Russen mit grossem Erfolg. Erst als durch massiven Druck der USA und unter Vermittung der Schweiz diese Lösung zwischen Russland und Georgien gefunden wurde ist eine Mitgliedschaft erst öglich geworden. Unter anderem beinhaltete der Vertrag zwischen Georgien und Russland die Lösung des Zollproblems von Wareneinfuhr aus Russland nach Abchasien und SüdOssetien. Russland lässt jetzt durch eine schweizerische Firma die Waren auflisten und sendet diese Daten in die Schweiz. Von dort wird sie von den Georgien abgefragt. Jede Lieferung aus Russland nach Abchasien oder SüdOssetien bekommt einen GMP sender, so kann man verfolgen wo der Endverbraucher sitzt. Die Abchasen und SüdOseten waren sauer, doch musste Moskau Folgenabwgungen machen und ist zu diesem Schluss gekommen. Übrigens werden diese lästigen Sender an der Grenze von den Abchasen zerstört, viele Warenbewegungen gehen jetzt per Schiff via Türkei und so umgeht man die lästige Informationsweitergabe an Tiflis via Bern.


Positiv: ich sehe grosse Chancen in der russischen Landwirtschaft, man könnte durch westlichen Wissen in kurzer Zeit schon in der Roggen und Weizenproduktion die weitere Nr. 1 sein.
Des Weiteren werden viele Maschinen billiger, alles was zbs. mit Fermentern zu tun hat oder zum Bereich Biotechnologie gehört wird etwa 5% bis 10% billiger. Der Zucker sollte sich verbilligen, so könnte nach einer gewissen Zeit auch eine Fermentationsindistrie in Russland gebildet werden.
Russische Banken könnten ans internationale Bankennetz angeschlossen werden, viele neue FInanzprodukte sind wohl dann billiger und ohne westliche Mittlerbanken kann gearbeitet werden. Ausländische Banken könnten in Russland einen Fuss fassen.
Bei den Versicherungen könnten auch neue Player im Land erscheinen, was die Preise nach Unten bringen könnte.

Negativ: Ich sehe nach 2018 grosse Probleme bei den Ausrüstern. Gerade Maschinenbauern und Anlagenbauer in Russland könnten von den Asiaten und Europäern geschluckt werden und es fallen viele Arbeitsplätze weg. Ich lass in einer Branchenzeitung das in der Maschinenbauindustrie bis zu 55.000 Arbeitsplätze gefährdet sind.
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