bauplan hat geschrieben:Warum ist denn der soziale Frieden in Skandinavien so viel besser? Weil dort die Einkommensunterschiede lange nicht so groß sind.
.....oder weil dort Rentenerhöhungen in absoluten Beträgen gemacht werden?
Was ist für dich in dem Zusammenahng der "soziale Friede"?
Bei einer "Anpassung" zum Beispiel der Sozialhilfe an das schwedische System würde hier in Deutschland wohl ein Proteststurm losbrechen, aufgrund der "sozialen Kälte" der Vorschläge.
Im Gegensatz zu Deutschland ist eine Grundvoraussetzung für den Erhalt von Sozialhilfe, dass man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Wer dies nicht tut, weil er zum Beispiel chronisch krank ist, bekommt von der Försäkringskassa anderweitig Geld. Die Regelleistung, also der Betrag für einen 1-Person.Haushalt, liegt bei monatlich 3.680 SEK, also cirka 391 € plus Wohnkosten (die Staffelungen für Lebenspartner und Kinder entsprechen in etwa den deutschen). Beim derzeitigen Wechselkurs sind das 27 € über dem deutschen Regelsatz. Praktisch ist das aber weit weniger, weil Lebensmittel und Kleidung - gerade im unteren Preissegment - wesentlich teurer als in Deutschland sind. Außerdem gibt es keine Ermäßigungen für Sozialhilfeempfänger (also weder im ÖPNV oder irgendwo anders), zahnmedizinisch bekommt man nur Notbehandlungen finanziert. "Aufstocker" bekommen die Hilfe nur bis zum Regelsatz, es gibt keine Hinzuverdienstmöglichkeit. Wer länger als drei Monate auf dieses Geld angewiesen ist, muss, so vorhanden, Stuga und Auto verkaufen, den Erlös daraus verbrauchen und kann sich dann wieder beim Amt melden. Man darf überhaupt über keinerlei finanzielle Reserven verfügen, wenn man Sozialhilfe in Anspruch nehmen will. Schlecht hinsichtlich der Altersversorgung, vor allem wenn man bedenkt, dass es kein obligatorisches ALG 1 gibt und nichts, was dem ALG 2 entsprechen würde.
http://www.schweden-heute.de/index.php/sozialhilfe.html
Und auch die anderen Dinge (Krankenkasse, Arbeitslosenhilfe, etc.) aus dem angeblichen Vorbildland lesen sich irgendwie nicht so toll...
P.S. Damit wir uns an der Stelle nicht missverstehen: Ich bin absolut gegen alle möglichen Steuerausnahmen für Leute mit viel Geld. Wenn die in Schiffe oder ähnlichen Quatsch investieren wollen: Bitte sehr. Aber erst nachdem sie ihre 42% (oder auch 45% oder meinetwegen 49%) abgedrückt haben.
Aber alle Versuche einer Vereinfachung werden stets nicht etwa von rechts oder aus der Mitte, sondern von links abgeblockt.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)