Da haben wir ja wieder mal eine der hier typischen Birnen-mit-Äpfeln-Vergleichsdebatte
Ist das eigentlich auch in, sagen wir mal, Deutsch-Kanadischen oder Deutsch-Australischen oder Deutsch-Norwegischen Foren so, dass dauernd versucht wird, sich gegenseitig nachzuweisen, dass der andere Staat doch keinesfalls besser sei als der dem man selbst zugetan ist? Wenn die Antwort 'Nein' lauten sollte, gäbe es zumindest eine Vermutung dafür, dass das Problem nicht so sehr an den Deutschlandfreunden als an den Russlandfreunden (besser: Russlandpolitkfreunden) liegen könnte, denn die schlagen sich (ich behaupte es jetzt mal) garantiert auch im Russland-Kanada Forum, im Russland-Australien Forum und im Russland-Norgwegenforum mit solchen Debatten herum. Offensichtlich gelingt es also den Russlandfreunden einfach nicht, die sog. Westeuropäer davon zu überzeugen, wie liebens- und lebenswert Russland unter Putin geworden sein soll...
Diese Betrachtung belegt strenggenommen natürlich gar nix, aber die Erfahrung lehrt halt immer wieder: Wo Rauch ist ist auch Feuer.
Dass in diesem Forum trotzdem mit Händen und Füßen bei praktisch jedem Thema versucht wird, die Rechtmäßigkeit und Richtigkeit der putinschen Staatsdoktrin zu belegen (und dazu gehört ja leider auch 'seine' Justiz), hat daher irgendwie was von Don Quichote. Niemand wird sich davon überzeugen lassen, dass das russische Staatswesen in seiner Qualität nur annährend auf westlichem Niveau wäre. Putin selbst nennt das erreichen westlicher Demokratiestandards ja auch gar nicht sein Staatsziel. Er erklärt doch sogar mehr oder minder offen, das der Westen nicht als Vorbild für ihn tauge. Trotzdem zeigt er zugleich auch immer wieder auf Defizite, die er im Westen entdeckt hat. Was will er (und seine Verfechter) eigentlich? Soll Russland in vorderster Demokratiefront in Stellung gebracht werden um dem Rest der Welt zu zeigen wo es tatsächlich lang geht? Oder nervt einfach nur das westliche Geheule, weil es so unfair und bösartig ist?
Irgendwie erinnert mich Putins Rethorik und die einiger Leute hier immer wieder an Walter Ulbrich: Überholen ohne Einzuholen!
Um nicht nur OT zu sein will ich aber auch meinen Senf zum Pussy Riot Thema abgeben:
Natürlich soll ein Gebäude, das der Religionsausübung geweiht ist, nicht für provozierende Handlungen mißbraucht werden dürfen, denn das kann die öffentliche Ordnung erheblich stören. Es ist daher verboten und entsprechend auch irgendwie zu sanktionieren. Vermutlich sind sich darüber ja (fast) alle einig. Es geht hier aber mal wieder (wie eigentlich immer) um die Art und Weise.
Im Vergleich zum deutschem Recht:
Richtig ist, dass § 167 Abs. 1 Nr- 2 StGB ein vergleichbares Verhalten ebenfalls unter Strafe stellt, und zwar Geldstrafe oder bis zu 3 Jahren Haftsstrafe. Genauso richtig ist aber, dass bei unbescholtenen Ersttätern geradzu ausgeschlossen werden kann, dass mehr als eine Geld- oder Bewährungsstrafe herauskommen würde. Also der berühmte 'Denkzettel'. Eine monatelange Untersuchungshaft stünde schlichtweg in keinem Verhältnis zu der zu erwartenden Strafe (§112 Abs. 1 S. 2 StPO), sie wäre daher rechtswidrig. Darüber hinaus läge nach deutschem Recht auch schlichtweg kein Haftgrund vor, denn eine Vedunkelungsgefahr für die Tat besteht nicht, ist sie doch sogar auf Video aufgenommen und von den Täterinnen auch eingeräumt worden. Für eine Fluchtgefahr sind mir auch keine Anhaltspunkte bekannt, mindestens eine Täterin hat ja sogar ein Kind in Russland. Eine U-Haft wegen eines solchen Vergehens wäre hier daher schlichtweg undenkbar. Ich möchte auch nicht erleben was in unseren Medien los wäre, wenn 3 Mädels wegen so einer Aktion monatelang im Gefängnis einsäßen. Es wäre ein Skandal an dessen Ende vermutlich eine Änderung von Gesetzen stünde, wenn sich alles als formal unumgänglich herausstellen sollte.
Nicht so in Russland. Die U-Haft ist quasi selbstverständlich. Offensichtlich musste die Staatsanwaltschaft ja monatelang das wenige Minunten dauernde Videomaterial auswerten um zu ihrer Anklage zu kommen. 3 weitere Beteiligte bekommen dafür überhaupt keinen Prozess, wohl aus politischer Angst, weil mindestens einer auch eine Kanadaische Staatsbürgerschaft hat.
Kurzum, allles verursacht wie immer nur Kopfschütteln.....