Liebe Susanne,
schade, dass ich Deinen Beitrag erst heute entdeckt habe. Gerne hätte ich Dich dann schon früher zu Eurer Entscheidung beglückwünscht und Dir Mut zugesprochen.
Wahrscheinlich sind die Kinder jetzt schon da, und Du wirst alle Hände voll zu tun und viel um die Ohren haben. Vielleicht findet sich aber doch noch ein bisschen Zeit zum Lesen.
Vor fast 7 bzw. vor 3 einhalb Jahren sind wird diesen Weg ebenfalls gegangen, um damals im "hohen" Alter über 50 doch noch eine Familie zu gründen. Um es kurz zu sagen: wir haben es nie bereut! Es ist die spannendste Zeit unseres Lebens!
Natürlich war und ist diese Zeit auch mit viel Aufregung verbunden.
Unsere Kinder waren zum Adoptionszeitpunkt 5, 8 einhalb und 13 einhalb Jahre alt. Jetzt sind sie fast 12, 15 und fast 17. Und es sind wunderbare Kinder!!!
Besonders wird Euch sicher interessieren, wie es mit unserem Ältersten läuft, der unser jüngst adoptiertes Kind ist. Er ist jetzt 3 einhalb Jahre bei uns. Er spricht gut Deutsch, mit russischem Akzent und der russischen Spracheigenschaft, keine Artikel zu verwenden ;-). Die jüngeren sprechen akzentfrei und haben leider die russische Sprache auch vergessen. Wir haben es leider nicht geschafft, sie zweisprachig aufzuziehen, auch weil wir Eltern selbst kein Russisch sprechen.
Schule ist sicherlich das Thema, das im normalen Familienleben einen sehr breiten Raum einnimmt und nicht immer zu den angenehmsten Themen gehört.
Unser Großer hat in der Schule zunächst für ein halbes Jahr eine "Intensivklasse Deutsch" besucht. Unser Bundesland ist Hessen, das ist die Intensivklasse Deutsch vorgeschrieben. Da er in Russland (Schwarzmeer-Region) bis zu seiner Adoption wenig Englischunterricht hatte, haben wir für ihn beim Staatlichen Schulamt den "Wechsel der Sprachenfolge" beantragt. Das wurde uns auch gestattet. So hatte unser Großer Russisch statt Englischunterricht. Wir waren der Auffassung, dass er eine eine neue Familie kennenlernen muss, ein neues Umfeld, die Deutsche Sprache, da wollten wir es ihm ersparen, auch noch Englisch aufholen zu müssen. Er verließ Russland mit Ende des 5. Schuljahres, wurde aufgrund seines Alters nach der Intensivklasse Deutsch dann in die 7. Klasse eingeschult, hat also gegenüber Russland eineinhalb Schuljahre übersprungen.
Er ging auf die Hauptschule und konnte dem Unterricht recht gut folgen. Seinen Russischunterricht hat er auf dem Gymnasium erhalten. Lass Dich nicht abschrecken, wenn Euch der Hauptschulbesuch nahegelegt wird. Für uns war es in Ordnung. Angesichts von G8 ist der Einstieg auf ein Gymnasium nur zu vertreten, wenn das Kind eine ausgesprochene Sprachbegabung hat und nach der Intensivklasse die deutsche Sprache beherrscht.
Unser Sohn hat mittlerweile die Schule abgeschlossen und macht seit August eine Ausbildung zum Tischler. Sein Lehrherr war sehr berührt von unserer Familiengeschichte und ist der Auffassung, dass man solchen jungen Menschen eine Chance geben muss. Unser Sohn ist allerdings auch sehr motiviert und hat große Freude an seinem Beruf.
In unserem Umfeld haben wir viel Wohlwollen für unsere Kinder erlebt.
In den ersten beiden Jahren sind wir jedes Jahr nach Russland geflogen, damit unser Sohn sein Heimweh stillen konnte. Er hat dann einige Tage bei seiner Erzieherin gelebt und frühere Kameraden getroffen. Dieses Jahr wollte er nicht mehr so dringend nach Russland reisen. Es war ihm wichtiger, die Sommerferien vor Beginn der Berufsausbildung zu Hause zu verbringen und beliebig lang zu schlafen. Mit Heimweh und jährlichen Russlandreisen solltet Ihr in den ersten Jahren aber vielleicht rechnen.
Wir haben uns sehr gefreut, wie selbstbewußt unser Sohn bei Gericht zum Adoptionstermin aufgetreten ist. Denn er wurde gefragt, ob er adoptiert werden möchte. Zu schade, dass wir seine Aussage nicht verstanden haben. Aber ihr könnt Euch freuen, dass Eure Tochter sich für die Adoption entschieden hat. Kinder in diesem Alter sind sich nicht nur bewußt, dass sie etwas gewinnen werden, sondern durchaus auch, dass sie viel aufgeben.
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Ich hoffe, wir erfahren bald Weiteres von Euch und Eurem großen Familienabenteuer
Herzliche Grüße
Monika