Im Februar ist die Durchführung eines „Runden Tisches“ zur Thematik der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland geplant. Veranstalter ist das „Institut für strategische politische Forschungen der RF“. Die Veranstaltung (nur auf Einladung) findet im Deutsch-Russischen Haus statt.
Aus dem Vorbereitungsprotokoll habe ich ein wenig gefiltert und wollte Interessierte bitten, hier eine Meinung einzustellen:
Die deutsch-russischen Beziehungen sind in der letzten Zeit erkaltet. Stimmen Sie dieser Aussage zu und wenn ja, worin sehen Sie die Gründe.
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind wesentlich besser als die politischen Beziehungen. Stimmen Sie dieser Aussage zu und wenn ja, warum sind die ökonomischen Beziehungen besser?
Welchen Einfluss hat die Berichterstattung deutscher Massenmedien über Russland auf die persönliche Meinungsbildung. Glauben Sie an eine objektive Berichterstattung durch die Journalisten oder unterliegen Artikel über Russland einer gewissen politischen Tendenz.
Ich kenne den Begriff Runder Tisch aus der Wendezeit in der ehem. DDR, aber fast rund ist auch die Welt. Es ist leichter, wirtschaftliche Kontakte in andere Länder, in andere Regionen der Welt zu bekommen als menschliche oder gar privat menschliche Kontakte. Wenn es um Geschäft, Gewinn und Geld geht, ist einiges anscheinend leichter, viel leichter, das habe ich in meiner über 20 jährigen ehrenamtlichen Vereinsarbeit in einem kleinen auch international tätigen Verein gemerkt. Wir wollen eigentlich nur menschliche- familiäre und vereinsmässige Begegnungen ermöglichen, organisieren, nicht staatlich unterstützt oder gefördert, das klappte nicht oder nur bedingt. Die Menschen hatten immer Vorbehalte, sich privat zu sehr zu öffnen, viel Misstrauen dabei, wie kann man eigentlich nichts geschäftliches oder böses wollen...! Wenn man dann mal auf Geschäft und Möglichkeiten hier und da zu sprechen kam, wurde manches leichter, kam man eher ins Gespräch.
Auch als Familie haben wir das gemerkt, wenn man ehrliche und freundschaftliche Kontakte ins Ausland suchte, da kam fast nichts, wurde oft nicht reagiert oder es war keine Zeit oder Interesse vorhanden. Auch unsere Söhne mit jetzt 28 und 25 Jahren haben das gemerkt, suchen Mailpartnerinnen, sind ehrlich, offen, fair, eigentlich anders wie viele andere in diesem Alter....., aber es nutzt nichts.
Wirtschaftliche Kontakte funktionieren auch in Spannungszeiten, klappten auch im kalten Krieg, es war ein Nehmen und geben irgendwie, es gab da auch zwischen sogenannten Klassenfeinden ein gewachsenes Vertrauen.
Ja, die negativen Berichte über Russland tun auch einiges, das Schlechtreden von Putin, der aktuellen Politik, das ganze Gegenteil zu damals und Gorbatschow, der im Ausland hofiert wurde und seine lieben Brüder, auch die DDR dann gerne mit verkauft hat. Hier kann Kaliningrad punkten, ist zwar Russland, aber auch fast in der EU, umgeben von der EU, man hat viele engagierte Menschen mit unterschiedlicher Geschichte, hier kann Kaliningrad vielleicht so einen Status bekommen zu Russland wie damals zu DDR- Zeiten Westberlin zur alten BRD, man war da was besonderes, allein schon wegen Transit, Verkehrswege, der Verbindung von Behörden und Unternehmen. Das mag übertrieben klingen, aber ist eine Chance, Kaliningrad kann für Russland Brücken nach und mit Europa bauen, besonders auch menschlicher Art. Natürlich müssen das die Menschen hier und da begreifen, es einfach wollen.
ad 1)
Ich stimme nicht zu. Woran sollte die Temperaturveränderung "in der letzten Zeit (?)" zu erkennen sein?
ad 2)
Ich stimme zu, aber das gilt im Allgemeinen überall. Wirtschaftliche Beziehungen sind konkret und auf ein bestimmtes, kurz- bis mittelfristig erreichbares Ziel ausgerichtet. Politische Beziehungen sind 'virtuell' und haben unkonkrete Ziele wie Krieg und Frieden, Menschenrechte, Umweltschutz, Bündnisverpflichtungen. Darunter versteht jeder etwas anderes, dies im Gegensatz zu Vereinbarungen über Lieferung von 10.000 Tonnen Kohlrabi. Ich stimme insoweit auch den Ausführungen des vorigen Beitrags zu.
ad 3)
Rund um den Globus gibt es aus der Natur der Sache heraus gar keine objektive Berichterstattung ohne 'politische' Tendenz. Deswegen kann man solche Frage zwar stellen, aber nicht 'objektiv' beantworten.
Eine Berichterstattung wird von jemandem geschrieben, der das Thema durch die Brille seiner Biographie, seiner Erziehung und Ausbildung, seiner Erfahrungen, seines kulturellen, sozialen, politischen, wirschaftlichen, religiösen Umfeldes betrachtet. Und dann kommt es noch darauf an, wer den Berichterstattungsauftrag erteilt hat. Derjenige hat eine (un-)bewusste Erwartungshaltung an den Bericht, sei es nun über das halbvolle oder das halbleere Glas. Auch jedes Massenmedium verkörpert eine gewisse politische Tendenz und ist genötigt, um nicht wirtschaftlich unterzugehen, den ebenfalls tendenziösen Informationssuchenden (Lesern, Hörern, Sehern) Berichte mit dieser Tendenz zu liefern (egal wie stark ausgeprägt im Einzelnen).
Falls nach meiner persönlichen Meinungsbildung gefragt wird: Die Begriffe "Massenmedien" und "Meinungsbildung" sind eine contradictio in adiecto. Sie schließen sich gegenseitig aus. Um eine Meinung zu bilden, benötigt man fundierte Informationen. Ein Massenmedium hat im Allgemeinen weder Zeit noch Geld noch Volumen für gründliche Informationen. Es hat seinen Zweck erfüllt, wenn es massenhaft zur Kenntnis genommen wird, und die 'Massen' erreicht es nur dann, wenn es Klischees und Vorurteile mit wenig Buchstaben und viel buntem Gedöns bedient.
Mal wieder zu lang geschrieben von:
Armin
PS:
Ich finde es schön, dass so ein runder Tisch veranstaltet wird, und stimme auch den hoffnungsvollen Worten im Vorbeitrag zu. Damit aus der Hoffnung auch im Westen ein zartes Pflänchen wüchse, müsste Kaliningrad massig Imagepflege betreiben. Wer außer uns 'Lokalmatadoren' hier weiß denn überhaupt, wo und was Kaliningrad ist?
Es stimmt, Meinungsbildung ist immer subjektiv und Berichterstattung über dies und das ist auch abhängig von den Medien, die das gerade tun, verkaufen, wer deren Geldgeber ist, Meinungsbildung wird immer politisch gesteuert, beeinflusst auch von Mächtigen. Eine unabhängige Berichterstattung gibt es meiner Meinung nach nicht. Was nicht sein soll, darf nicht sein, das war so und ist auch so, das wird einfach schlecht gemacht oder geredet. Massenmedien haben immer auch einen politischen Auftrag, werden gelenkt und gesteuert. Ob das stimmt, was da berichtet wird, ist nicht immer wichtig. Wenn Putin gebraucht wird, dann wird er auch gelobt, wenn er schlecht geredet werden soll, passiert das eben. Kaliningrad wird sich im Image bald vorwärts entwickeln, auch der Treff Deutschstämmiger oder deutschsprechender Menschen kann dazu einen Beitrag leisten. Wir in der DDR zumindest wussten, wo Kaliningrad liegt, die Vertriebenen- Verbände mit etwa noch 200 000 Königsberg- Kennern und deren Nachfahren wissen sicher auch, wo das damalige Königsberg heute noch mit welchem Namen aktuell liegt. Die Menschen müssen es dort nur wollen und als Chance begreifen.