ausgehend von hier: http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?f ... 79#p155379
wollte ich hier von meinen Erfahrungen berichten. Die Visabeschaffung
war etwas problematisch. Das ganze war etwas kurzfristig. Ich wollte am
13.5 abends in Frankfurt starten und bin am 3.5 mit meinen Unterlagen
zum Konsulat in Bonn. Der Beamte war ziemlich unfreundlich und erst nach
langem hin und her meinte er okay, das geht zeitlich noch und ich musste
nur noch bezahlen. Also EC Karte ins Lesegerät und .... Karte konnte
nicht gelesen werden. Mein, ob ich denn vielleicht bar bezahlen könne,
lehnte er mit einem kategorischem Nein ab. Ich solle den Betrag
überweisen und dann zurück kommen und ihm den Beleg vorlegen. Das war
Freitag 11:40 und um 12:00 schloss das Konsulat.
Lange Rede, ich hab's überwiesen aber natürlich nicht geschafft bis
12:00 wieder im Konsulat zu sein. Habe dann den Beleg gefaxt.
Dazu kamen meine Zweifel ob ich das richtige mache. Habe noch nie eine
Frau übers Internet kontaktiert geschweige denn auch getroffen, und
jetzt ausgerechnet in Minsk. Naja, ich hab mir dann gesagt wenn es mit
dem Visa klapt dann fliegst du, wenn nicht ist es ein Wink des
Schicksals und du bleibst hier. Flug hatte ich aber schon gebucht, aber
was solls, denn hätte ich dann halt unter Erfahrungen ausbuchen müssen.
So kam der Montag morgen und ich mit ziemlichen Bammel zum Konsulat. Vor
mir zwei Frauen von einem Visa Beschaffungs Service mit etlichen Pässen
und Anträgen. Es dauerte dann auch eine gute halbe Stunde bis ich
schliesslich an der Reihe war. Bevor ich auch nur einen Ton sagen
konnte, lächelte mich der gleiche Beamte wie bei meinem ersten, etwas
unerfreulichem Besuch an und hielt mir ebenfalls ohne Worte meinen
Reisepass mit Visa entgegen. Ich war total perplex, hatte ich mich doch
schon auf weitere Diskussionen eingestellt, und habe nur ein Danke
gestammelt und ja, dann sollte es so sein. Jetzt gab's kein Zurück mehr
:-)
Auf nach Frankfurt und nach kurzem Flug (2 H) pünklich kurz vor
Mitternacht in Minsk gelandet. Da ich nur Handgepäck hatte war ich
schnell am Ausgang an der Passkontrolle. Kleines Problem, ich sollte
noch eine Krankenversicherung abschliessen (obwohl ich eine vom ADAC
habe). Also Treppe hoch und bei einer freundlichen Dame eine KV für 5
Tage für 2 € abgeschlossen, daran sollte es nicht scheitern :-)
Also raus aus dem Flughafen und erst mal eine geraucht und dabei
Ausschau nach Olga gehalten, die mich am Flughafen abholen wollte. Dazu
muss ich sagen wir kannten uns vielleicht seit drei Wochen, aber
irgendwie war da immer eine Übereinstimmung und wir waren uns bald einig
dass nichts über ein persönliches Treffen geht, da kann man Monate lang
schreiben, es ist nicht das gleiche.
Olga hatte mir eine Unterkunft von Privat organisiert und so stand ich
also jetzt einer erfreulich lauen Nacht in Minsk vor dem Terminal, und
während ich so meine Zigarette rauchte, kamen mir dann doch Zweifel. Was
wenn Olga sich das noch anders überlegt hatte und ich mir hier die Beine
in den Bauch stehe???
Also Telefon angeschmissen und SMS geschickt: stehe vor dem Terminal, wo
bist du? Da kam sie auch schon aus dem Terminal, wir hatten uns drinnen
wohl verpasst. Sie hatte ein Taxi geordert und so sind wir dann nach
Minsk gefahren. Die Unterhaltung lief locker und flüssig ( ich bin jetzt
auch nicht so der small Talker und hatte davor schon ein wenig Bammel)
und nach vielleicht einer halben Stunde waren wir dann in Minsk, wie ich
heute weiss im südlichen Teil der Stadt. Ich hatte am Flughafen noch
Geld wechseln wollen, aber sie meinte das wäre jetzt nicht nötig, ich
solle das morgen in der Stadt machen. Ein wenig stockte mir dann doch
der Atem als sie am Ende der Fahrt der Fahrerin mal eben so 450.000,00
Rubel auf den Tisch legte. Ich habe natürlich sofort gesagt ich
übernehme die Fahrt aber darauf wollte sie sich nicht einlasse.
Jetzt hatte ich aber überhaupt keine Ahnung wo ich hier war und sie
lotste mich in eines der typischen Plattenbauhochhäuser. Der
Eingangsbereich sah, nett formuliert, nicht sehr einladend aus. Rein in
den Aufzug und ab in den achten Stock. Auch hier der Flur nicht sehr
einladend und nach einer weiteren Zwischentür standen wir dann vor
meiner zukünftigen Bleibe. Hier wurde ich aber sehr erfreulich
überrascht. Eine sehr gepflegte zwei Zimmer Wohnung mit Küche, Bad und
extra WC. Alles mit Laminat ausgelegt, neue Fenster und die Einrichtung
auch sehr gepflegt. Waschmaschiene im Bad, in der Küche alles was man so
braucht. Der Vermieter wollte 40$ pro Nacht, also ca 30€ und da konnte
man wirlich nicht meckern, im Gegenteil.
Olga hatte für alles gesorgt, der Kühlschrank war voll mit allem was man
zum Leben braucht, damit hätte ich eine Woche überleben können. Sie hat
sich dann für heute verabschiedet und ich war allein in einer mir
unbekannten Wohnung in einer unbekannten Gegend in Minsk, da war mir
dann doch etwas mulmig zumute. Es war mittlerweile 3 Uhr morgens und ich
habe erst einmal geschlaffen.
Am nächsten Morgen dann erstmal ein Blick aus dem Fenster:

Wie ich jetzt weiss eine typische Wohngegend in Stadtrandlage, irgendwie
sieht das hier überall so aus. Olga hat mich dann mittags abgeholt und
ich habe erstmal Geld gewechselt und war zum ersten mal in meinem Leben
zweifacher Millionär :-) Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Beträge,
200.000 Rubel sind keine 20 Euro, aber anfangs war das schon
erschreckend :-)
Lange Rede kurzer Sinn, es waren wunderschöne 5 Tage in Minsk und all
meine anfänglichen Bedenken und Zweifel erscheinen mir nun geradezu
lächerlich. Ich habe Olga als eine sehr gebildete und interessierte Frau
kennen gelernt und wir hatten jede Menge Spass. Sie hat sich unheimlich
Mühe gegeben mir ihre Stadt zu zeigen. Minsk brauch sich hinter
europäischen Grosstädten in keinster Weise zu verstecken. Alles ist
sehr grosszügig angelegt, riesige Plätze, ewig breite Strassen
und Alleen, riesige sehr schöne Parkanlagen usw.
Ein Höhepunkt war am letzten Abend ein Besuch in der Grossen Oper von
Minsk mit einem Auftritt des Khoroshki Ensembles. Eine wohl über die
Grenzen hinaus, mir bis dato jedoch unbekanntes, Musik und Tanz Ensemble
mit sehr stimmungsvollen Musik, Gesang und Tanzdarbietungen. Nach diesem
Abend hatte ich das Gefühl ein klein wenig in die russische Seele
geschaut zu haben.
Ich denke dies war nicht mein letzter Besuch. Hier noch einige
Schnappschüsse.








