Kultgrieche, ich denke auch, dass die WELT wohl kaum den Brief manipuliert hat. Dass der Brief natürlich mit Freude von der deutschen Presse aufgegriffen wird, ist klar. Aber es ändert nichts daran, dass der russische Strafvollzug menschenunwürdig ist. Und es ist gut, wenn prominente Häftlinge die Möglichkeit nutzen, aus Ihrer Position darauf hinzuweisen. Gewöhnliche Häftlinge haben diese Möglichkeit leider nicht.Dietrich hat geschrieben:Du hast aber schon mitbekommen, dass es sich dabei um die Übersetzung des Briefes handelt, oder? Gibt es Hinweise, dass die Spingerpresse bei der Übersetzung gemogelt hat? Oder hätte sich die Übersetzung der gleichen Quelle in der Taz, der Jungen Welt oder einer beliebigen anderen Zeitung nicht vielleicht sehr ähnlich angehört?Kultgrieche hat geschrieben:Das ist die Zeitung DIE WELT. In puncto Russland ist DIE WELT propagandistisch wie der VÖLKISCHE BEOBACHTER.Dietrich hat geschrieben:Hier übrigens die Übersetzung des Briefes.
Alle Themen sind nur noch Strohfeuer. Nenne mir ein Thema, welches KEIN Strohfeuer ist? Nie geht es in die Tiefe, nie wird ein Thema länger behandelt. Logisch, weil die Nachfrage dafür nicht da ist. Wir wissen alle, dass SPON nur Strohfeuer publiziert und es besser wäre, tiefgründige Hintergrundartikel in der Le Monde Diplomatique zu lesen. Und dennoch schauen wir uns täglich SPON an und haben kein Abo von LMD. Wollen wir mal eine Umfrage machen, wie viele Forenteilnehmer Nachrichten auf tiefgründigen Seiten wirklich lesen?Kultgrieche hat geschrieben:Mal ne andere Frage: Hat das Pussy-Thema nicht mittlerweile einen Bart? Wen juckt das noch? Das war doch in unseren Medien genauso ein Strohfeuer wie Ehec in den Gurken.
Das Pussy-Riot-Thema interessiert weiterhin die Familien der Damen. Ganz egal, ob deren Aktion bescheuert oder notwendig war (ich tendiere subjektiv zu ersterem), als Ehemann würde ich mich für meine Frau auch dann engagieren, wenn sie mal Blödsinn gemacht hat. Immerhin habe ich dies versprochen, "in guten wie in schlechten Zeiten". Und insofern würde ich natürlich als Ehemann auch schauen, dass ein solcher Brief meiner Frau möglichst breite Beachtung findet. Daran sehe ich nichts Verwerfliches.
Ich kann allen nur empfehlen, den Brief wirklich zu lesen. Man kann sich sicher zu Details der Schilderungen seinen Teil denken. Aber jeder, der schon einmal mit russischer Willkür in der Bürokratie zu tun hatte, wird fühlen, was sich in diesen Lagern so abspielt. Und - Pussy Riots hin oder her - was soll denn der Sinn von solchen Lagern sein? Was hat der Staat davon, Menschen über solche Bedingungen derart verrohen zu lassen? (Eine Novosibirsker Autofahrerin, die betrunken einen Polizisten überfahren hatte, ist sieben Jahre in einem solchen Lager gelandet - das Strafmaß finde ich nicht unberechtigt, jedoch die Vorstellung, dass diese Frau nachher in keiner Weise mehr gesellschaftsfähig sein wird, ist erschreckend. Wozu?)


