Fragen an die Geschichte Russlands

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Jenenser
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Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von Jenenser »

Entstehung und Entwicklung des privaten Wohneigentums in Russland

Wer sich schon einmal geschäftlich oder als Tourist in Russland aufgehalten hat, kommt meist nicht um die Frage herum: Wie ist das heute eigentlich mit den Immobilien und speziell mit den Wohnungen geregelt? Welche Eigentumsformen gibt es? Warum gibt es im Stadtgebiet so viele graue Wohnblocks? Und kurioserweise hat ein einziger dieser Blocks unterschiedliche Fenstervarianten und Balkone, was den Gesamteindruck irgendwie stört! Die Wohnungen selbst sind modern eingerichtet, im Treppenhaus sieht es jedoch oft aus wie Sau. Wie wird heute eigentlich Wärme und Wasser abgerechnet u.s.w....?

Um die Fragen zu beantworten, lohnt sich ein Rückblick in die wilden 1990er Jahre, als nach dem Ende der Sowjetunion überlegt oder unüberlegt u.a. Privatisierungen von ehemals staatlichen Wohnungen durchgeführt wurden...

Uwe Niemeier betreibt im russischen Kaliningrad eine Informationsagentur und widmet sich in 3 Teilen diesem wichtigen Thema. Ich erhielt übrigens von ihm nicht den Auftrag, hier im Russlandforum zu posten. Bin mir jedoch sicher, dass es den einen oder anderen interessiert. Eine Diskussion könnte mögliche Unklarheiten noch ausräumen. Und vielleicht beteiligt sich der Uwe auch wieder an dieser Runde...

Teil 1
http://kaliningrad-domizil.ru/portal/in ... ad-teil-i/
Teil 3
http://kaliningrad-domizil.ru/portal/in ... d-teil-ii/
Teil 3
http://kaliningrad-domizil.ru/portal/in ... -teil-iii/
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CSB_Wolf
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von CSB_Wolf »

Danke das ist sehr informativ 8)

Gruss
wolf
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GIN
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von GIN »

Die Betriebskosten dieser Wohnungen steigen. Ich merkte über die Jahren das die Russen immer kälter in ihren Wohnungen leben. Gas und Strom sind in den letzten 10 Jahren merklich oberhalb der Inflation gestiegen.
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Zejtnot
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von Zejtnot »

Neu ist ab sofort, dass Wohneigentümer verpflichtet werden, 6 Rubel pro Quadratmeter in einen Fond für Wohnungsreparaturen einzuzahlen (капитальный ремонт). Dieser Fond ist staatlich und nur Genossenschaften (ТСЖ) haben die Möglichkeit, einen eigenen Fond zu organisieren, wenn dies 2/3 der Eigentümer entscheiden (2/3 der Wahlberechtigten, nicht nur der an der Wahl teilnehmenden Eigentümer). Aber auch über die Verwendung dieses Fonds entscheidet eine staatliche Kommission.

Die Empörung der Eigentümer ist natürlich groß - aber es geht in die richtige Richtung. Denn es kann nicht sein, dass immer der Staat einspringen muss, wenn irgendwo das Dach einer Chrustschowka einstürzt (mehrfach in Nowosibirsk passiert).

Zu befürchten ist natürlich, dass sich um diese neuen Strukturen gleich wieder Korruption ansiedelt. Die Kommission genehmigt beispielsweise nur Arbeiten, die von Firma XY ausgeführt werden ...
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Dietrich
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von Dietrich »

Zejtnot hat geschrieben:Neu ist ab sofort, dass Wohneigentümer verpflichtet werden, 6 Rubel pro Quadratmeter in einen Fond für Wohnungsreparaturen einzuzahlen (капитальный ремонт).
Kommt da überhaupt eine Summe zustande, mit der irgend etwas sinnvolles gemacht werden kann?
Rechnen wir mal.... Nehmen wir mal einen 9-etagiges Haus, 5 Eingänge. Jede Etage 4 Wohnungen, im Schnitt 50qm.
5x9x4x50 = 9000qm x 6p = 54.000 Rubel im Monat (ist doch Monat, oder?) = 1.300 Euro

10 Jahre x 12 Monate x 1.300€ = 150k...

Ist bei so einem Haus nicht sehr viel Geld. Wenn da mal ein Lift den Geist aufgibt, dann ist das Geld schnell weg.

Aber immerhin schon mal ein Anfang, dass sich die Leute gefälligt selbst um die Häuser zu kümmern haben und nicht meinen, nachdem sie die Wohnung schon geschenkt bekommen haben, würde jetzt auch der Staat weiterhin alles zahlen.

Gibt es da für Rentner eigentlich einen Ausgleich?
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Zejtnot
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von Zejtnot »

Ich finde die Summe fast zu hoch, angesichts der Inflation und Korruption. Ich habe ein unwohles Gefühl dabei, dass in unserer Genossenschaft irgendwann ein Idiot die Oberhand gewinnt und sich diese Summe zuschustert.

Unser Haus hat 12.754 qm, davon 10.220 qm Wohnungen, der Rest sind Büros. Das sind also pro Jahr 490.673 Rubel, knapp eine halbe Million. Die letzte Sanierung der Heiztrasse hat etwa das Doppelte gekostet und war eine riesige Diskussion. Es wäre ein erster Schritt, wenn für solche Dinge in Zukunft automatisch Mittel da wären.

Jetzt schon für den Lift in 20 Jahren zurückzulegen, wäre in meinen Augen auch wahnsinnig - siehe meinen ersten Satz.

Man muss auch bedenken, dass die sonstigen Nebenkosten in unserem Haus unter 15 Rubel liegen - Hausmeister, Hausverwaltering, Buchhaltung, kleinere Reparaturen, Grünanlagenpflege, Hausflur alle fünf Jahre streichen, Glühbirnen, Heizungsanlage warten, etc. Wenn nun plötzlich fast die Hälfte dieser Summe in einen staatlichen Fond ohne sichtbare Ergebnisse fließt, so ist das nicht gerade populär. Mehr wäre also in keinem Fall realistisch gewesen.
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Dietrich
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von Dietrich »

Zejtnot hat geschrieben:Jetzt schon für den Lift in 20 Jahren zurückzulegen, wäre in meinen Augen auch wahnsinnig - siehe meinen ersten Satz.
Das mit dem Idioten müsste eben alles wasserdicht geregelt werden... (ist schwierig, sehe ich ein)
Aber davon abgesehen, was willst du denn sonst machen, wenn plötzlich der Lift komplett den Geist aufgibt? Von jedem mal eben 200.000p "verlangen"?
Was sagen dann die, die in der ersten Etage wohnen?
Dann wird (wieder) nach dem Staat geschrien.

Ich halte auch in D nichts davon, wenn Städte plötzlich meinen, die müssten den Anliegern die Kanalsanierungskosten aufbürden. Aber in RU stellen selbst kleinere Summen (1-2T€) viele vor riesige Probleme.

Und Renovierung etc. sind ja keine Versicherungsleistungen, die nur eventuell notwendig sind. Diese Kosten kommen auf jeden Fall. Und wenn der Staat es mit Privatisierung ernst meint, dann müssen die "Hausbesitzer" eben auch dafür aufkommen.
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GIN
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von GIN »

"Ich halte auch in D nichts davon, wenn Städte plötzlich meinen, die müssten den Anliegern die Kanalsanierungskosten aufbürden. Aber in RU stellen selbst kleinere Summen (1-2T€) viele vor riesige Probleme."

Was ist den die Rechtsgrundlage das man Kanalsanierungskosten den Anliegern übergibt??? gibt es wirklich diese Praxis?
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Dietrich
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von Dietrich »

GIN hat geschrieben:Was ist den die Rechtsgrundlage das man Kanalsanierungskosten den Anliegern übergibt??? gibt es wirklich diese Praxis?
Die Rechtsgrundlage kann ich dir leider nicht nennen. Aber man liest es immer wieder, dass Kosten für Kanal- oder Straßensanierungen auf die Anlieger umgelegt werden.... ja wohl sogar teilweise umgelegt werden müssen.
Z.B. hier
http://www.shz.de/lokales/ostholsteiner ... 76066.html

Manchmal fragt man sich echt, wofür man dann eigentlich seine Steuern zahlt?!
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GIN
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Re: Fragen an die Geschichte Russlands

Beitrag von GIN »

Ich stelle mir gerade den Eigenheimbesitzer vor mit 70+ an Jahren und eine Rente von ca 1000 Euro im Monat zur Verfügung hat und mal schnell eine Rechnung von 50'000 Euro + bekommt mit Zahlungsfrist zum 31.12.XX.
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