Sochi ohne Gauck

Russlands beliebtestes Reiseziel und Austragungsort der Winter-Olympiade "sochi 2014"
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Dietrich
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Dietrich »

Berlino10 hat geschrieben:Und schaue mal auf den Beifall, den RUS in den 90ern im Westen gefunden hat.
RUS war genauso wenig oder viel demokratisch und rechtsstaatlich wie heute.
Und Jelzin mindestens genauso korrupt und gewalttätig wie Putin.
Aber RUS war schwach, westhörig und instabil, als potentieller Gegenspieler weg ..
das hat dem Westen und der USA gefallen.
Dem Westen und der USA hat es gefallen, dass Russland in den 90ern auf dem Weg weg von der (für Europa, die USA und die ganze Welt) gefährlichen kommunistisch ideologiegesteuerten UdSSR zu einer neuen Staatsform war, die mehr Demokratie versprach und damit seinen Bürgern mehr Freiheit und Mitbestimmung und dem Rest der Welt einen berechenbareren "Partner".
Wenn der Westen und die USA ein verkrüppeltes Russland gewollt hätten, dann hätten Sie nicht versucht, Russland auf dem Weg in eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu helfen. Europa und die USA sind und waren (aus eigener Erfahrung) der Meinung, dass eine Demokratie nach westlichem Vorbild auch für Russland die beste Staatsform darstellt, die sowohl den Russen selbst, wie auch dem Rest der Welt durch Stabilität und Berechenbarkeit das Leben so angenehm wie möglich macht.

Der gewaltige Absturz nach dem Ende des Kommunismus liegt doch nicht an den demokratischen Reformen, sondern am dem, was der Kommunismus in Russland übriggelassen hatte: Bruch und Klotten. Damit hätte auch ein Putin mit seiner Methode die gleiche Bruchlandung hingelegt.
Und eine Fortführung der angefangenen Reformen - mit entsprechenden Korrekturen an etlichen Stellen - hätte Russland mindestens den gleichen Aufschwung gebracht, den Putin nun richtigerweise für sich in Anspruch nimmt. Nur ist es eben nicht so, dass die Demokratie nur Elend brachte und erst Putin wieder Ordnung. Es war eben eine (zeitliche) Notwendigkeit, dass Russland erstmal am Boden lag. Daran ist nicht "die Demokratie" schuld, sondern der Kommunismus. Nicht Jelzin, sondern Lenin und Stalin und wer da noch so kam. Klar hat Jelzin auch Fehler gemacht und man hätte viele Sachen besser machen können. Vor allem im Nachhinein betrachtet.
Aber ich bin mir sicher, ein stärkeres Augenmerk auf Korruptionsbekämpfung und Rechtsstaatlichkeit in wirklich allen Bereichen hätte dazu geführt, dass Russland heute besser dastehen würde. Wenn Putin Korruption und Gerichte nicht dazu nutzen könnte/würde um seine Macht zu sichern, sondern Korruption, Wahlbetrug, staatliche Kontrolle der Medien, etc. durch unabhängige Gerichte auch bis ganz nach oben bekämpft würde, dann wäre er vielleicht nicht mehr an der Macht... das mag sein, ist aber in einer Demokratie ein ganz normaler Vorgang. Aber Russland ginge es mit Sicherheit besser.....
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Berlino10 »

Dietrich hat geschrieben: Dem Westen und der USA hat es gefallen, dass Russland in den 90ern auf dem Weg weg von der (für Europa, die USA und die ganze Welt) gefährlichen kommunistisch ideologiegesteuerten UdSSR zu einer neuen Staatsform war, die mehr Demokratie versprach und damit seinen Bürgern mehr Freiheit und Mitbestimmung und dem Rest der Welt einen berechenbareren "Partner".

Wenn der Westen und die USA ein verkrüppeltes Russland gewollt hätten, dann hätten Sie nicht versucht, Russland auf dem Weg in eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu helfen. Europa und die USA sind und waren (aus eigener Erfahrung) der Meinung, dass eine Demokratie nach westlichem Vorbild auch für Russland die beste Staatsform darstellt, die sowohl den Russen selbst, wie auch dem Rest der Welt durch Stabilität und Berechenbarkeit das Leben so angenehm wie möglich macht.
Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. 1997
Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten Carter und bis heute Vordenker amerikanischer Aussenpolitik.
Seine Gedanken waren/sind repräsentativ für amerikanisches Denken.
Ich lasse die Rezensionen seines Buches einfach mal so stehen:

In dieser Lage gelte es für Amerika, das Aufkommen einer anderen globalen Macht zu verhindern, die die amerikanische Vormachtstellung und die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten in Frage stellen könne.

Eurasien ist für Brzezinski der entscheidende Schauplatz. Den Kern des Buches bildet eine umfassende Analyse der vier euroasiatischen Schlüsselregionen: der "demokratische Brückenkopf", Rußland, Zentralasien und Ostasien mit China. Mit seinem geostrategischen Entwurf will Brzezinski fünf zentrale Fragenkomplexe beantworten: Welches Europa sollte sich Amerika wünschen und mithin fördern? Welches Rußland ist in Amerikas Interesse, und was kann Amerika zur Herausbildung eines solchen Rußlands beitragen? Und alles selbstverständlich nach dem amerikanischen nationalen Interesse.

Europa ist für Brzezinski der für Amerika unersetzliche demokratische Brückenkopf. Hauptinstrument dieser Beziehung ist die Atlantische Allianz. Deren Erweiterung sieht der Autor konsequent als Ausweitung des amerikanischen Geltungsbereiches.

Auf diese Weise sollte auch Rußland an Europa herangeführt werden. Moskau gegenüber sollte Washington deutlich machen, daß ihm die Voraussetzungen für eine globale Partnerschaft mit den USA fehlen. Es gebe für Moskau auch weder die Option der Bildung einen Allianz gegen Amerika, noch einer politischen Re-Integration des Raumes der ehemaligen Sowjetunion. Vielmehr bestehe Rußlands einzige Möglichkeit darin, sich auf ein transatlantisches Europa zuzubewegen. Daher müsse Moskau jeglichen neo-imperialen Träume abschwören. Dies werde von westlicher Seite besonders dadurch verdeutlicht, in dem die Ukraine, ein Schlüsselland in dieser Hinsicht, massiv bei der Stärkung seiner Unabhängigkeit unterstützt werde.

Nicht zuletzt wegen des kaspischen Öls kommt der zentralasiatischen Region erhöhte Bedeutung zu. Hier sollte der Einfluß Rußlands, aber auch des Iran möglichst minimiert und der freie Zugang des Westens zu Erdöl und Erdgas sichergestellt werden.
Dietrich hat geschrieben: Der gewaltige Absturz nach dem Ende des Kommunismus liegt doch nicht an den demokratischen Reformen, sondern am dem, was der Kommunismus in Russland übriggelassen hatte: Bruch und Klotten.
Das sind Märchen, von wegen "Bruch und Klotten" .. aber sicher, es liegt nicht an demokratischen Reformen, sondern an ihrer übereilten und unangepassten Übernahme.
Jedem sollte klar sein, dass RUS einen sehr sehr starken Staat (nicht unbedingt Führer) gebraucht hätte und immer noch braucht, um sich neue Strukturen zu geben ... langsam evolutionär
Dietrich hat geschrieben: Und eine Fortführung der angefangenen Reformen - mit entsprechenden Korrekturen an etlichen Stellen - hätte Russland mindestens den gleichen Aufschwung gebracht, den Putin nun richtigerweise für sich in Anspruch nimmt. Nur ist es eben nicht so, dass die Demokratie nur Elend brachte und erst Putin wieder Ordnung. Es war eben eine (zeitliche) Notwendigkeit, dass Russland erstmal am Boden lag. Daran ist nicht "die Demokratie" schuld, sondern der Kommunismus. Nicht Jelzin, sondern Lenin und Stalin und wer da noch so kam. Klar hat Jelzin auch Fehler gemacht und man hätte viele Sachen besser machen können. Vor allem im Nachhinein betrachtet.
Sicher ist Kommunismus die denkbar schlechteste Form, wirtschaftliche Leistung zu fördern, dennoch ... es sind und bleiben Märchen ...
Jelzin war ein einziger Fehler ... aber wahrscheinlich war in der ersten Euphorie die viel zu schnelle Öffnung und Adaption westlicher Prinzipien unausweichlich ...
2000 Mrd. hat das winzige Ostdeutschland an Transfers benötigt, um diesen schnellen Wandel zu verkraften...
Dietrich hat geschrieben: Aber ich bin mir sicher, ein stärkeres Augenmerk auf Korruptionsbekämpfung und Rechtsstaatlichkeit in wirklich allen Bereichen hätte dazu geführt, dass Russland heute besser dastehen würde. Wenn Putin Korruption und Gerichte nicht dazu nutzen könnte/würde um seine Macht zu sichern, sondern Korruption, Wahlbetrug, staatliche Kontrolle der Medien, etc. durch unabhängige Gerichte auch bis ganz nach oben bekämpft würde, dann wäre er vielleicht nicht mehr an der Macht... das mag sein, ist aber in einer Demokratie ein ganz normaler Vorgang. Aber Russland ginge es mit Sicherheit besser.....
Ich denke auch, RUS könnte und müsste es heute besser gehen ... vor allem den Menschen ... auch wenn erst einmal das Stabilisieren wohl nötig war.
Und ein stärkerer Staat, der langsam evolutionäre Schritte zu einer Marktwirtschaft statt eines Raub-Kapitalismus einleitet.
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Kultgrieche
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Kultgrieche »

Zbigniew Brzezinski ist sowas wie ein amerikanischer Schirinowski, ein ultrakonservativer Nationalist, der eine brandgefährliche Weiterentwicklung der Monroe- und der Truman-Doktrin betreibt.
Nimmt man die beiden Doktrinen und ergänzt dies noch mit den Auslassungen von Zbigniew Brzezinski, so ergibt sich die Kernaussage, dass fremde Mächte nichts auf dem amerikanischen Kontinent zu suchen haben, umgekehrt aber die USA eine moralische Legitimation haben, unter dem Deckmantel der Demokratisierung global intervenieren zu können und potentielle andere Hegemone einzudämmen. Die exemplarische Ausschaltung Allendes zeigt jedoch, dass es hierbei natürlich nicht um Demokratisierung geht, sondern um radikale Umsetzung eigener wirtschaftlicher und geostrategischer Interessen.

Die Katastrophe der russischen Bevölkerung in den 1990er Jahren war nicht eine logische Folge der sozialistischen Misswirtschaft, sondern die Konsequenz eines überhasteten Systemwechsels über Nacht, bei dem Geschaffenes zerstört, aber noch nichts Neues aufgebaut wurde. Es kam zu einem nahezu totalen Fehlen jeglicher staatlicher Kontrolle, die zur Ausbreitung der bandenmäßigen Kriminalität und der Beraubung Russlands durch brutale Oligarchen führte.
Im Gegensatz zu den anderen Ländern des Warschauer Paktes (Polen, Tschechien, Slowakei etc.) stand Russland kein finanzkräftiger Pate zur Seite, der die Verelendung breiter Teile der Gesellschaft linderte.

Der von Dietrich aus der bequemen Distanz geäußerte akademische Satz "Es war eben eine (zeitliche) Notwendigkeit, dass Russland erstmal am Boden lag" würde bei meinen Schwiegereltern Kotzanfälle auslösen, weil sie zu Opfern eines dilletantischen Systemumbruchs geworden waren. Da wurde in den 1990er Jahren der Rubel fünf mal umgedreht, ehe er ausgegeben wurde. Und heute geht es ihnen xfach besser, Wohnungen, Auto, Urlaub, Rente...

Das Systemwechsel auch milder vonstatten gehen, zeigt das Beispiel Chinas, wo seit ca. 20 Jahren ein allmählicher Wechsel von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einem kapitalistsichen System erfolgt.
"Eines der zentralen Probleme heutzutage ist, dass die Politik so eine Schande ist. Gute Menschen gehen nicht in die Politik." (Donald Trump)
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Dietrich
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Dietrich »

Kultgrieche hat geschrieben:Der von Dietrich aus der bequemen Distanz geäußerte akademische Satz "Es war eben eine (zeitliche) Notwendigkeit, dass Russland erstmal am Boden lag" würde bei meinen Schwiegereltern Kotzanfälle auslösen, weil sie zu Opfern eines dilletantischen Systemumbruchs geworden waren. Da wurde in den 1990er Jahren der Rubel fünf mal umgedreht, ehe er ausgegeben wurde. Und heute geht es ihnen xfach besser, Wohnungen, Auto, Urlaub, Rente...
Sorry erstmal, dass ich nicht direkt betroffen war.... liess sich leider nicht einrichten.
Das diese Zeit zum Kotzen war, dass kann ich mir auch aus den Erzählungen meiner Frau denken. Hilft aber trotzdem nix. Schuld am Zusammenbruch war nicht primär Jelzin, auch nicht Gorbatschov oder die USA. Schuld war nunmal das System, welches dort 70 Jahre lang auf der einen Seite eine Negativauslese der Bevölkerung getroffen hatte und auf der anderen Seite sämtliche Substanz aufgebraucht hatte, die irgendwann irgendwo vorhanden war. Zusammen mit wirtschaftlichem Dilletantismus (Planwirtschaft) und einer menschenfeindlichen Ideologie war da nunmal nicht viel übrig, was man auch nur irgendwie eine funktionierende Wirtschaft nenen konnte. Zumindest nach europäischen Maßstäben.

Wie schwer so etwas ist, selbst wenn die Zustände noch besser sind und man dazu noch vom großen Bruder in allen Bereichen unter die Arme gegriffen wird, sieht man ja prima an der ehemaligen DDR. Dort hatte der Kommunismus/Sozialismus nur 40 Jahre lang gewütet und trotzdem war die Wirtschaft in keinem Bereich auch nur annähernd konkurrenzfähig. Mittlerweile haben sich die Lebensverhältnisse sogar fast angeglichen. Wieso? Meinst du mit einem starken Mann an der Spitze oder einem milden Systemwechsel (wie China, siehe unten) würde es den Leuten da noch besser gehen?
Kultgrieche hat geschrieben:Das Systemwechsel auch milder vonstatten gehen, zeigt das Beispiel Chinas, wo seit ca. 20 Jahren ein allmählicher Wechsel von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einem kapitalistsichen System erfolgt.
Und wieviel besser geht es dem chinesichen Wanderarbeiter, der 14-Stunden-Schichten schiebt um irgendwelche Telefone zusammenzuschrauben?
Möchtest du solche Zustände in Russland? Möchten die Russen soviel arbeiten, nur um dann mit Hungerlöhnen abgespeist zu werden?
Ja, in China gibt es mittlerweile auch eine Ober- und sogar eine Mittelschicht. Aber noch viel viel mehr als in Europa, den USA oder auch Russland leben die doch auf dem Rücken der Milliarden, die sogar nach russischen Maßstäben als Bettelarm zu bezeichnen sind.
Was sich die Russen allerdings in manchen Bereichen von den Chinesen abschauen können ist der Kampf gegen die Korruption. Wobei auch im Bereich ganz oben da wohl noch Defizite bestehen und auch dort manche Leute erst dann einen Kopf kürzer gemacht werden, wenn sie die Gunst der Staatsführung verloren haben.
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Berlino10 »

Kultgrieche hat geschrieben: Zbigniew Brzezinski ist sowas wie ein amerikanischer Schirinowski, ein ultrakonservativer Nationalist, der eine brandgefährliche Weiterentwicklung der Monroe- und der Truman-Doktrin betreibt.
Nimmt man die beiden Doktrinen und ergänzt dies noch mit den Auslassungen von Zbigniew Brzezinski, so ergibt sich die Kernaussage, dass fremde Mächte nichts auf dem amerikanischen Kontinent zu suchen haben, umgekehrt aber die USA eine moralische Legitimation haben, unter dem Deckmantel der Demokratisierung global intervenieren zu können und potentielle andere Hegemone einzudämmen. Die exemplarische Ausschaltung Allendes zeigt jedoch, dass es hierbei natürlich nicht um Demokratisierung geht, sondern um radikale Umsetzung eigener wirtschaftlicher und geostrategischer Interessen.
Das war sicher mal so. Brzezinski ist symptomatisch für das Denken der USA. Deshalb eignet er sich bestens dafür, die Aussenpolitik der USA zu verstehen. Und tatsächlich ist er mittlerweile eher gemäßigt und tritt als Kritiker der US-Falken auf: Vor dem Außenpolitischen Ausschuss des amerikanischen Senats kritisierte er in aller Schärfe den Irakkrieg und warnte, die Politik der Bush-Regierung werde unvermeidlich zum Krieg gegen den Iran führen, was unkalkulierbare Folgen für den US-Imperialismus im Nahen und Mittleren Osten wie weltweit hätte.

"Wir stehen jetzt, .. vor einer historischen Herausforderung als Weltmacht, genauso wie wir nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa als Verteidiger der Demokratie gefordert waren. Damals verfolgten wir eine Politik, die unsere Feinde spaltete und unsere Freunde einte. Heute ist es umgekehrt. Wir einigen unsere Feinde und spalten unsere Freunde, was uns isoliert und die Zahl derer erhöht, die uns als Feinde sehen. Die Vereinigten Staaten könnten immer noch den Kern und Anker dieser Zone von Stabilität und Zusammenarbeit bilden. Aber Voraussetzung ist, dass Amerika sich auf seine Wurzeln besinnt, eine andere Richtung einschlägt und seine Rhetorik verändert."

„für Brzezinski stelle es eine Art Hobby dar, Russland Schaden zuzufügen“ und die Fortsetzung des Kalten Krieges mit anderen Mitteln zu betreiben, wichtig war dabei das Vordringen der USA und ihrer europäischen Verbündeten bis nach Zentralasien . Indem die EU sich nach Osten ausdehnen sollte, die Nato gleichfalls Richtung Georgien und Ukraine expandieren würde und Pipelinerouten durch verbündete Staaten bis ins kaspische Becken hinein verlegt werden sollten, hoffte Brzezinski eine Art neue Seidenstraße bis nach China etablieren zu können.

Nun aber nimmt Brzezinski von dieser Vision entschieden Abstand. Er erkennt die zunehmende Schwächung der westlichen Staatengemeinschaft. Gelingt es dem Westen nicht, mit Russland und der Türkei langfristige Kooperationen einzugehen, laufe er Gefahr, in der Welt isoliert zu werden. Angesichts der sichtbaren Annäherung von Russland und China ist das von brennender Aktualität. .. Für ihn steht fest: Die Zeit ist vorbei, da der Westen mit großspuriger Attitüde gegenüber Russland, China, Indien, Brasilien, Pakistan oder Iran auftreten kann.

Weiter spricht Brzezinski sogar davon, dass Russland bereits jetzt demokratischer sei, als unsere Medien es darstellten: „Wenn man in Russland lebt, ist man in der Lage Zeitungen zu lesen, die offen kritisch gegenüber Putin auftreten, ein Umstand, den wir hier zu wenig würdigen.“ Dieser Trend werde sich fortsetzen und eine Einbeziehung Russlands in den Westen könne in verschiedenen Stufen und Varianten erfolgen.

In den westlichen Medien würden sich heutzutage jedoch fast immer die Kriegstreiber durchsetzen und gemäßigte Stimmen kaum Gehör finden. Brzezinskis Kritik bezieht sich dabei keineswegs nur auf die Öffentlichkeit der USA, sondern auf die aller westlichen Länder. Denn auch in Europa wird die öffentliche Diskussion zunehmend von Feindbildern bestimmt, während die außenpolitischen Perspektiven anderer Staaten oft nur verzerrt oder gar nicht wiedergegeben werden.

Außenpolitisch könne eine Lähmung, wie sie die UdSSR in den 80er Jahren erlebte, nur verhindert werden, wenn die Ignoranz überwunden wird, mit der unsere Öffentlichkeit heute andere Länder wahrnehme. Im Vorwort von „Strategic Vision“ führt er folgende sechs Parallelen zwischen der UdSSR der 80er Jahre und den heutigen USA auf:
1. Ein festgefahrenes und reformunfähiges politisches System, 2. Bankrott durch militärische Abenteuer und übermäßige Rüstung, 3. sinkender Lebensstandard der Bevölkerung, 4. eine politische Klasse, die zunehmend unsensibel für die steigende soziale Ungleichheit ist und nur darauf bedacht ist, ihre Privilegien zu verteidigen, 5. Versuche, den innenpolitischen Legitimitätsverlust durch außenpolitische Feindseligkeit zu kompensieren, und 6. eine Außenpolitik, die in die Selbstisolation führt.

Dieses systematische Ausklammern argumentativer Zusammenhänge in unserer Presse gefährdet aus der Sicht Brzezinskis die nationale Sicherheit in mehrfacher Hinsicht. Zum einen kämen dadurch strategisch falsche Entscheidungen zustande. Und zum anderen werde die Einseitigkeit der westlichen Presse in anderen Ländern durchaus registriert. Die westliche Berichterstattung untergrabe auf diese Weise die Ausstrahlungskraft unserer Demokratie und würde so die sich bereits abzeichnende Isolation des Westens weiter verstärken.
Zuletzt geändert von Berlino10 am 19 Dez 2013, 12:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Berlino10 »

Kultgrieche hat geschrieben: Die Katastrophe der russischen Bevölkerung in den 1990er Jahren war nicht eine logische Folge der sozialistischen Misswirtschaft, sondern die Konsequenz eines überhasteten Systemwechsels über Nacht, bei dem Geschaffenes zerstört, aber noch nichts Neues aufgebaut wurde. ... Das Systemwechsel auch milder vonstatten gehen, zeigt das Beispiel Chinas, wo seit ca. 20 Jahren ein allmählicher Wechsel von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einem kapitalistsichen System erfolgt.
Ganz genau, so sehe ich es auch.

Dietrich hat geschrieben: Schuld war nunmal das System, welches dort 70 Jahre lang auf der einen Seite eine Negativauslese der Bevölkerung getroffen hatte und auf der anderen Seite sämtliche Substanz aufgebraucht hatte, die irgendwann irgendwo vorhanden war. Zusammen mit wirtschaftlichem Dilletantismus (Planwirtschaft) und einer menschenfeindlichen Ideologie war da nunmal nicht viel übrig, was man auch nur irgendwie eine funktionierende Wirtschaft nenen konnte.
Das ist schon deshalb Unsinn, weil in den letzten Jahren - nach 10 unnötigen Jahren zusätzlichen Verlustes - genau darauf aufbauend eine halbwegs vernünftige Wirtschaft geschaffen wurde, sicher Dank hoher Rohstoffpreise und immer noch nicht innovativ genug ABER für die meisten Russen lebensfähig.
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Kultgrieche »

Berlino10 hat geschrieben:Das ist schon deshalb Unsinn, weil in den letzten Jahren - nach 10 unnötigen Jahren zusätzlichen Verlustes - genau darauf aufbauend eine halbwegs vernünftige Wirtschaft geschaffen wurde, sicher Dank hoher Rohstoffpreise und immer noch nicht innovativ genug ABER für die meisten Russen lebensfähig.
Und nicht nur das - alle meine russischen Bekannten haben sich in den letzten 15 Jahren materiell nur verbessert, aber deutlich! Und sind mit den Lebensumständen im heutigen Russland zufrieden.
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Dietrich »

Berlino10 hat geschrieben:Das ist schon deshalb Unsinn, weil in den letzten Jahren - nach 10 unnötigen Jahren zusätzlichen Verlustes - genau darauf aufbauend eine halbwegs vernünftige Wirtschaft geschaffen wurde, sicher Dank hoher Rohstoffpreise und immer noch nicht innovativ genug ABER für die meisten Russen lebensfähig.
Das beweist aber überhaupt nicht, dass "mit Putin" diese 10 Jahre nicht ähnlich abgelaufen wären.
Auch ein demokratischerer Präsident hatte genau wie Putin darauf - und auf die hohen Rohstoffpreise - aufbauend einen Wirtschaftsaufschwung hingelegt. Und mit weniger Korruption und mehr Rechtsstaat sehr wahrscheinlich sogar noch "vernünftiger" und lebensfähiger.
Kultgrieche hat geschrieben:Und nicht nur das - alle meine russischen Bekannten haben sich in den letzten 15 Jahren materiell nur verbessert, aber deutlich! Und sind mit den Lebensumständen im heutigen Russland zufrieden.
Schön. Hat hier jemand das Gegenteil behauptet?
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Sibirier »

Also Dietrich, die vermeintlichen Praesidentschaftskandidaten in der RF waren bisher m. E. Alle korrupt. Da waere Die Korruption nur noch gefoerdert worden. Es waren meistens Olligarchen, oder von Olligarchen gefoerderte...die gerade in den 90er abgezockt haben...
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....
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Re: Sochi ohne Gauck

Beitrag von Berlino10 »

Dietrich hat geschrieben: Das beweist aber überhaupt nicht, dass "mit Putin" diese 10 Jahre nicht ähnlich abgelaufen wären.
Auch ein demokratischerer Präsident hatte genau wie Putin darauf - und auf die hohen Rohstoffpreise - aufbauend einen Wirtschaftsaufschwung hingelegt. Und mit weniger Korruption und mehr Rechtsstaat sehr wahrscheinlich sogar noch "vernünftiger" und lebensfähiger.
Nein, aber es zeigt, dass die Zerstörung der UdSSR vorher nicht so total wie hier behauptet gewesen sein kann.
Es ist müssig, was unter einem anderen Präsident passiert wäre. Zu Putin gab es doch aber wohl kaum eine ernstzunehmende Wahl-Alternative?

Aufgrund der Vorgeschichte, der Größe, der Föderalität, aufgrund der mächtigen Bürokratie, des heftigen Umbruchs, der jahrhundertelangen Korruption, des totalen Werteverfalls, aufgrund ... und aufgrund ...
hätten aber demokratische Freiheitsrechte niemals in dieser Form, unangepasst und viel zu früh in RUS eingeführt werden dürfen ... die sind jetzt erstmal auf Jahre hinaus noch verbrannt und negativ belegt.
Ordnung ist das, was sich Russen zu 75% prioritär wünschen, Demokratie 17% und die grosse Mehrheit glaubt auch, dass heute genug oder gar zu viel Freiheiten in RUS herrschen.
Aufgrund der Erfahrungen der 90er, dem hilflosen Staat und dem totalen Chaos und viel zu vieler Freiheiten für Verbrecher und Ausbeuter ... und dem allseitigen Zusammenbruchs ...
waren ja Stabilität, ein starker Staat, Ordnung, Schutz, Sicherheit u.ä. Prinzipien tatsächlich und den Russen viel wichtiger als Demokratie, Sekundär-Freiheiten, ... und auch nur so kann man Korruption bekämpfen ...
Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit ist an begleitende Bedingungen geknüpft, die im RUS der 90er nie vorhanden waren ... erst jetzt entstehen können ...
begrenzte Macht der Oligarchen und der Bürokratie, ein umfassendes Kontrollsystem, funktionierende, unabhängige Medien, eine aktive Zivilgesellschaft, gelebte Werte u.v.m.
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