Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

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inorcist
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von inorcist »

_RGP_ hat geschrieben:Eine Krditkarte, die zunächst nur im Inland funktioniert, wäre bereits ein Start. Ob ein Laden eine bestimmte Kreditkarte akzeptiert hängt dann eben von dem Laden ab (tut es aber heute auch schon), und davon, ob dessen (in der Regel russische) Bank das System mitmacht.
Es sollte ja kein Problem sein, ein nationales Netzwerk zu entwickeln, dass dennoch mit dem Standard von Visa und MasterCard kompatibel ist. Das wird meines Wissens in den meisten Ländern auch so praktiziert.
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Norbert
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von Norbert »

Nikolaus hat geschrieben:Und, um bei Deinem Spruch zu bleiben, deshalb versucht man Russland jetzt den Arm zu brechen!?
Nein, eben nicht. Greift Europa nun Russland aktiv an? Dieses "wenn Ihr Kiew aufmischt, dann nehmen wir uns die Krim" spielt dann doch eher Russland.

Aber man kann ja dennoch nicht verlangen, dass nun Europa jauchzt und einfach mal sagt: "Ja, ihr habt schon Recht, Kiew war etwas arg, wir sehen das ein. Nehmt die Krim und alles ist wieder gut!"

Und da sind wir wieder beim Kindergarten: Auto wegnehmen kann man machen, als Revanche nimmt dann der andere den Brummkreisel weg. Und zum nächsten Kindergeburtstag lädt man sich halt jemanden anderes ein. Dann wird der andere neidisch. "Soll doch der Wladimir auf den Kindergeburstag von Xi gehen. Dort ist es eh doof!"

Harte Fakten würden dafür sprechen, dass man sich an einen Tisch setzt und eine Lösung sucht, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert. Das sehe ich hier nicht, auch wenn Du (Nikolaus) es Dir wünschst.
inorcist hat geschrieben:Es sollte ja kein Problem sein, ein nationales Netzwerk zu entwickeln, dass dennoch mit dem Standard von Visa und MasterCard kompatibel ist. Das wird meines Wissens in den meisten Ländern auch so praktiziert.
Gibt es ja: Золотая корона - war bis weit in die 2000er die Basisvariante für russische Karten (wenn man nicht extra für Visa, Visa Electron, Mastercard oder Maestro zahlen wollte).
Nikolaus
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von Nikolaus »

Norbert hat geschrieben:
Nikolaus hat geschrieben:Und, um bei Deinem Spruch zu bleiben, deshalb versucht man Russland jetzt den Arm zu brechen!?
Nein, eben nicht. Greift Europa nun Russland aktiv an?
Das ist doch wohl aus demTopf "War zuerst die Henne oder das Ei?" ... :)
Sanktionen sind natuerlich ein Angriff und keine Anbahnung von Gespraechen zu einer Verstaendigung. Und verbunden mit militaerischen Drohungen ... erst recht.

Nun, gestern gab es ja nun die ersten noch unbedeutenden Botschaften von deutschen Firmen, wie sich die bisherigen Sanktionen auswirken:
- Stada: russischer Export bricht ein - Gewinnwarnung
- deutsche Autoindustrie: Absatz in Russland erschwert durch schwachen Rubel - Gewinnwarnung
- Rheinmetall verliert (vorerst) 100Mio Umsatz wegen Lieferstop + Vertragsstrafe steht ggf. ins Haus
Es ist voellig klar, dass das gar nichts ist, im Vergleich zu dem, was passiert, wenn die "entschiedenen" Sanktionen in Kraft treten. Oder glaubt hier etwa jemand, Russland wird die Krim zurueckgeben?! Ich waere ueberrascht.
Klar, grosser Erfolg - russische Boersen fallen seit der Krimkrise um ca. 10%, welch ein Erfolg. Ich lach' mich tot, haben wir denn schon voellig die Probleme aus der amerikanisch initiierten Finanzkrise bzw. die der EU-Problemstaaten vergessen?

Erstaunlich, wie "flexibel" sich wohl die Franzosen zeigen
- lauthalse Kritik, aber Stop der Waffenlieferungen (insbesondere Mistral) vorerst nein
Vielleicht ist Holland aber nur vorsichtig, weil die franzoesischen Rechten Wahlgewinne haben!? Da waeren naemlich weitere Schwaechungen der Wirtschaft und entsprechende Hiobsbotschaften kontraproduktiv, scheint mir.

Insgesamt konnten sich wohl ja vorerst beim "G7-Treffen" die Scharfmacher nicht durchsetzen, danke, Gott bewahre ihnen weiterhin etwas Verstand.
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Norbert
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von Norbert »

Am schwachen Rubel sind ja nun aber nicht die aktuellen Sanktionen Schuld, oder? Im Gegenteil - nach deren Verkündung und der offensichtlichen Symbolhaftigkeit stabilisierte sich der Rubel.
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GIN
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von GIN »

Ich weiss das in unserer Branche ein Deutscher in Russland rausgefallen ist und das Ausschreiben durch den Südkoreaner gemacht wurde. Er hatte den Vertrag schon in der Hand und mehre Jahre investier. Handelt sich um einen 4.0+ Millionen Euro Vertrag. Unmittelbar ist dieses wohl die Folge durch diese Krise.
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von kamensky »

Nikolaus hat geschrieben:Nun, gestern gab es ja nun die ersten noch unbedeutenden Botschaften von deutschen Firmen, wie sich die bisherigen Sanktionen auswirken:
- Stada: russischer Export bricht ein - Gewinnwarnung
- deutsche Autoindustrie: Absatz in Russland erschwert durch schwachen Rubel - Gewinnwarnung
- Rheinmetall verliert (vorerst) 100Mio Umsatz wegen Lieferstop + Vertragsstrafe steht ggf. ins Haus
Es ist voellig klar, dass das gar nichts ist, im Vergleich zu dem, was passiert, wenn die "entschiedenen" Sanktionen in Kraft treten. Oder glaubt hier etwa jemand, Russland wird die Krim zurueckgeben?! Ich waere ueberrascht.
Klar, grosser Erfolg - russische Boersen fallen seit der Krimkrise um ca. 10%, welch ein Erfolg. Ich lach' mich tot, haben wir denn schon voellig die Probleme aus der amerikanisch initiierten Finanzkrise bzw. die der EU-Problemstaaten vergessen?
Nun wen es den der Wirklichkeit entspricht, dann sind Ihre Aufzählungen eher ein Trinkgeld versus den Verlust RU`s betreffend Kapitaflucht

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/eur ... y/27291212

.... doch Alles Negative könnte möglicherweise auch Etwas Positives mit sich bringen

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindt ... rimkriegs/
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
Nikolaus
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von Nikolaus »

Ja, sinkende Kurse und Kapitalflucht passen gut zusammen. Und zu erwartende Sanktionen fuehren natuerlich zunaechst zur Schwaechung des Rubels und weiterem Sinken der Kurse; wenn die (zeitweiligen) Sanktionen dann schwaecher als erwartet ausfallen, ist eine (zeitweilige) Gegenbewegung durchaus normal, warum nicht!?
Sofern die abfliessenden auslaendischen Investitionen tatsaechlich der Modernisierung der russischen Wirtschaft dienten, ist der Schaden sicherlich deutlich. Aber man darf sich durch grosse Zahlen nicht taeuschen lassen; auslaendische Investitionen sind doch keine Geschenke - im Gegenteil: der Investor erwirtschaftet Gewinn; er hat also auch einen Schaden zu verzeichnen.
Viel schlimmer fuer die russische Wirtschaft ist eigentlich generell der Verlust von eigenem Kapital durch die raeuberische Taetigkeit russischer Oligarchen, insbesondere wenn diese ihre Gewinne im Ausland "versteuern" oder gleich dorthin verlagern. Wenn durch die Sanktionen das Risiko hierbei steigt, dann wird moeglicherweise auch mehr russisches Kapital in Russland bleiben (muessen).
Das ist aber Sache der Russen; ich als am Russlandgeschaeft interessierter Deutscher interessiere mich in erster Linie dafuer, welche Auswirkungen die Sanktionen letztlich auf unser Russlandgeschaeft haben werden. Und als Anleger in europaeische Aktien sorge ich mich, wie sich meine Anlagen entwickeln werden. Und bis jetzt sehe ich da keine guten Aussichten und zwar um so weniger, je schaerfer die Sanktionen gegen Russland sind. Die Statements unserer Politiker "naja, fuer die Durchsetzung 'unserer Werte' in der Ukraine, muss eben jeder einen Beitrag leisten" befriedigen mich auch in dieser Hinsicht keineswegs. Sorry, so egoistisch bin ich nun mal. Sicherlich als einziger hier im Forum. Sorry, nochmals.
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von kamensky »

Nikolaus hat geschrieben:Ja, sinkende Kurse und Kapitalflucht passen gut zusammen. Und zu erwartende Sanktionen fuehren natuerlich zunaechst zur Schwaechung des Rubels und weiterem Sinken der Kurse; wenn die (zeitweiligen) Sanktionen dann schwaecher als erwartet ausfallen, ist eine (zeitweilige) Gegenbewegung durchaus normal, warum nicht!?
Sofern die abfliessenden auslaendischen Investitionen tatsaechlich der Modernisierung der russischen Wirtschaft dienten, ist der Schaden sicherlich deutlich. Aber man darf sich durch grosse Zahlen nicht taeuschen lassen; auslaendische Investitionen sind doch keine Geschenke - im Gegenteil: der Investor erwirtschaftet Gewinn; er hat also auch einen Schaden zu verzeichnen.
Viel schlimmer fuer die russische Wirtschaft ist eigentlich generell der Verlust von eigenem Kapital durch die raeuberische Taetigkeit russischer Oligarchen, insbesondere wenn diese ihre Gewinne im Ausland "versteuern" oder gleich dorthin verlagern. Wenn durch die Sanktionen das Risiko hierbei steigt, dann wird moeglicherweise auch mehr russisches Kapital in Russland bleiben (muessen).
Das ist aber Sache der Russen; ich als am Russlandgeschaeft interessierter Deutscher interessiere mich in erster Linie dafuer, welche Auswirkungen die Sanktionen letztlich auf unser Russlandgeschaeft haben werden. Und als Anleger in europaeische Aktien sorge ich mich, wie sich meine Anlagen entwickeln werden. Und bis jetzt sehe ich da keine guten Aussichten und zwar um so weniger, je schaerfer die Sanktionen gegen Russland sind. Die Statements unserer Politiker "naja, fuer die Durchsetzung 'unserer Werte' in der Ukraine, muss eben jeder einen Beitrag leisten" befriedigen mich auch in dieser Hinsicht keineswegs. Sorry, so egoistisch bin ich nun mal. Sicherlich als einziger hier im Forum. Sorry, nochmals.
Das kam noch aktuell auf FuW

16:36 Uhr
Russland kommt schwerer zu neuem Geld: Ausgabe von Staatsanleihen abgesagt
Russland hat eine für Mittwoch geplante Ausgabe von Staatsanleihen abgesagt. Beobachter gehen davon aus, dass der Entscheid wegen der Krim-Krise fiel.

Offiziell begründete das russische Finanzministerium den Schritt mit «ungünstigen Marktbedingungen». Es ist die vierte Woche in Folge, dass die reguläre Anleihen-Auktion abgesagt wurde.
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
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Norbert
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von Norbert »

Nikolaus, mich interessiert das alles ebenso. Am Ende sind bestimmt die Hälfte der Diskussionsteilnehmer direkt oder indirekt betroffen.

Solche Auswirkungen sind ja die Idee einer Sanktion. Es soll gezeigt werden: Mit dieser Außenpolitik sind wir nicht einverstanden. Das war vorher klar angesagt. Nun kann man sagen: Ihr seid nicht im Recht, deswegen mache ich es dennoch. Aber man muss dann auch mit den Konsequenzen rechnen. Man hätte auch sagen können: Ihr seid nicht im Recht, aber meine Wirtschaft ist mir wichtiger und ich suche einen Kompromiss. Hat man aber nicht.

Am Ende sehe ich aber nicht die Sanktionen als die aktuelle Flaute, sondern die allgemeine Lage. Wer vertraut aktuell dem Kreml? Wer ist sich sicher, dass Investitionen sicher sind, wenn die Duma Gesetze zur Enteignung vorbereitet? Wenn Redaktionen zum Wechsel der journalistischen Linie gedrängt werden, Webseiten abgeschaltet werden? Ferner war die Krisen-Stimmung schon Ende 2013 spürbar, nicht erst jetzt nach der Krim. Der Kurs zum Euro wirbelte schon vor der Krim im 50er Bereich.
Nikolaus
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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland

Beitrag von Nikolaus »

Norbert hat geschrieben:Nikolaus, mich interessiert das alles ebenso. Am Ende sind bestimmt die Hälfte der Diskussionsteilnehmer direkt oder indirekt betroffen.
Nach den Sanktions-bejahenden Beitraegen und teilweise sogar Jubelschreien zu urteilen, sind wohl darunter etliche "Masochisten"!?

Neben den noch nicht vollstaendig bewaeltigten Auswirkungen der globalen Finanzkrise wirken natuerlich sich seit laengerem fuer Russland auch die Risiken eines wahrscheinlichen Zerfalls der seit Jahrzehnten bestehenden Arbeitsteilung mit der Ukraine aus. Und selbstverstaendlich ist schon seit Monaten sichtbar, dass die resultierenden Instabilitaeten sich hochschaukeln werden, hoffentlich nur bis zu den angekuendigten wirtschaftlichen Sanktionen. Die Maerkte haben das wie immer natuerlich teilweise schon vorweggenommen. Bisher gab ja in dieser Hinsicht noch nichts, ausser voellig unbedeutenden Einzelaktionen, das dicke Ende soll nach den Vorstellungen unserer Politik aber noch kommen ... Sicherlich fuer Russland, aber auch ganz empfindlich fuer Europa, und besonders fuer den deutschen Michel. Und das letztere begeistert mich eben gar nicht.
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