nationalsozialistische Argumentationsmuster?

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Gunnar
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von Gunnar »

Auch das was der Spiegel da schreibt ist meiner Meinung nach nix anderes als ein in Euphemismen verpackter Nazizeitvergleich. Denn der Artikel beschreibt ja den Nährboden, auf dem sich der Nazionalsozialismus in Deutschland ausbreiten konnten als in maßgeblichenTeilen identisch mit dem Nährboden, auf dem sich Putin ausbreitet. Dass da kein gekloonter Hitler heranwächst ist ja allen klar. Dazu fehlt es ja schon an dem Rassenwahn der Nazis (ich kann ihn jedenfalls so nirgends erkennen, wenn auch Rasissmus ein Problem sein dürfte). Eben dieser Rassen- und Vernichtungswahn der Nazis dürfte ja das sein, was einen AH so viel monströser erscheinen lässt als andere historische (und auch megabrutale) Kriegstreiber und Feldherren.

Aber sonst: die Propaganda, die hinterpfozigen Olympischen Spiele, das Beschimpfen des Westens und der Demokratien allgemein, die Märtyrerrolle, das vornerum Reden und hintenrum Fakten schaffen, die ideologische Gleichschaltung der Legislative bei vorgeschobener Aufrechterhaltung der formalen Mechanismen einer Gesetzgebung usw., das ist (leider) sehr stark vergleichbar.

Hut ab übrigens, vor dem türkischen obersten Gericht:
Das türkische Verfassungsgericht hat die von der Regierung verhängte Sperrung des Kurznachrichtendienstes Twitter für illegal erklärt.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpoli ... 62237.html

Ähnliches möchte ich derzeit mal in Russland erleben 8)
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GIN
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von GIN »

Berlino10 hat geschrieben:Und die Frage ist auch wieder - was sagt uns das? Welche Gefahren wollen wir an die Wand malen?
Wie das Deutsche Reich nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg sieht sich Russland nach dem Ende des Kalten Krieges als gedemütigtes Land, das sich mit einer schmachvollen Niederlage abfinden muss. Es musste die Verkleinerung seines Herrschaftsgebiets hinnehmen, es sieht sich isoliert, von Feinden umgeben, deren Ziel es ist, Russland weiter zu schwächen. Millionen Russen - wie damals Deutsche - finden sich außerhalb der Landesgrenzen.
Wie im Deutschland der dreißiger Jahre ist die Demokratie weithin diskreditiert. Denn die ersten demokratischen Gehversuche Moskaus in den neunziger Jahren gingen - wie im Deutschland der Weimarer Republik nach dem Ende der Monarchie - mit wirtschaftlichem Niedergang und finanziellen Krisen einher. Die meisten Russen fühlten sich aus der relativen Sicherheit des sowjetischen Systems in genau jenen Raubtierkapitalismus entlassen, den die sowjetische Propaganda als Schreckbild gemalt hatte. Demokratie wurde zum Synonym für politische Schwäche, die eine kleine Gruppe von Oligarchen zur Bereicherung nutzte, während ein Großteil der Bevölkerung verarmte.
Wie das damalige Deutschland reagiert Russland mit einer Rückbesinnung auf das Nationale, einem nationalen Sendungsbewusstsein, das die westliche Moderne als dekadent ablehnt.
Bringt zum Nachdenken
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Norbert
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von Norbert »

Gunnar hat geschrieben:Dazu fehlt es ja schon an dem Rassenwahn der Nazis ...
Aber einen Wahn gegen "andere", seien es nun Schwule, Amerikaner oder Oppositionelle, kann man in Ansätzen auch erkennen. So kenne ich nicht wenige Russen, die meinen die sinkenden Geburtenzahlen (und damit das Aussterben der "arischen Slawen") hänge an den Schwulen (das in diesem Zusammenhang wirklich benutzte Wort verkneife ich mir).

Ich will damit nicht das Schicksal der Juden mit der aktuellen Situation der Schwulen in Russland vergleichen, um Gottes Willen. Aber Wahnvorstellungen erkenne ich leider auch, übrigens auch gegen Juden.
Nikolaus
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von Nikolaus »

Naja, auch wenn die "Schoene neue Welt" ja nicht mehr fern zu sein scheint, bis jetzt tragen freilich selbst bei uns, im scheinbaren Heimatland der Schwulen und Lesben, wenn man nach ihrer Allgegenwart in den Medien urteilt, diese noch wenig zum Bevoelkerungswachstum bei. Scheint mir.
:)
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von Kultgrieche »

Vielleicht sollte man auch die Einstellung der Russen gegen Schwule nicht als Wahnvosrstellung abtun, sondern als weitverbreitete gesellschaftliche Norm akzeptieren. "Wahn" bedeutet - ich habe Recht, der andere nicht, denn er ist psychisch krank und nicht in der Lage, ein eigenes Urteil zu fällen. Somit ist er von vornherein disqualifiziert.
Wir könnten den Spieß auch umdrehen: Leidet nicht vielleicht auch die deutsche Gesellschaft an der Wahnvorstellung oder an der kulturmissionarischen Hybris, ihr Maßstab sei an andere Gesellschaften anzulegen?
"Eines der zentralen Probleme heutzutage ist, dass die Politik so eine Schande ist. Gute Menschen gehen nicht in die Politik." (Donald Trump)
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Norbert
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von Norbert »

Die Schwulen für den Bevölkerungsrückgang verantwortlich zu machen, und dann auch noch zu schlussfolgern, dass genau deswegen der Westen die Schwulen in Russland so unterstützt, empfinde ich persönlich als eine Wahnvorstellen. Sicher setzen sie keine Kinder in die Welt, aber auch wenn Homosexualität verboten wäre, hätte dies in meinen Augen keinen Einfluss auf die Geburtenzahlen.

Ich sage nicht, dass man Homosexualität zwingend tolerieren muss. Es geht mir einzig darum, dass Bevölkerungsgruppen für Dinge verantwortlich gemacht werden, an denen sie nicht Schuld sind. So etwas ist gefährlich.
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klaupe
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von klaupe »

Vorab muss ich zugeben, dass ich 100 % lesbisch bin! Nur Frauen mag ich und nie kommt ein Kerl kommt mir in die Nähe! Ich bitte um Verständnis!
Norbert hat geschrieben: Aber einen Wahn gegen "andere", seien es nun Schwule, ..., kann man in Ansätzen auch erkennen. So kenne ich nicht wenige Russen, die meinen die sinkenden Geburtenzahlen (und damit das Aussterben der "arischen Slawen") hänge an den Schwulen
Biologisch ist der Mensch nun mal so konstruiert, dass Männlein und Weiblein sich erfolgreich vermehren und damit die Art erhalten können. Andere Erscheinungen und Kombinationen sind da naturgemäß nicht erfolgreich. Das kann ja vielleicht ganz lustig sein, aber sie sind halt anders. Auch "Tierfreunde" sind manchmal sehr extrem und genau so wenig erfolgreich.
Hier wird oft so getan, als wäre das total normal, ja sogar eine privilegierte Klasse. Das ist ebenso absurd, wie die Verfolgung der "Anderen". Lasst sie einfach da wo sie sind und basta!
Am Aussterben der Menschheit sind die "Anderen" sicherlich nicht Schuld, eher der Drang nach einem dickeren Auto, dem feinen Haus und tollem Urlaub verhindert, dass man Zeit und Geld mit Kindern verplempert. Schon seit der Frühzeit sind Hochkulturen ausgestorben und "die Wilden" haben sich so vermehrt, dass sie auf einmal die Oberhand hatten.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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Dietrich
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von Dietrich »

klaupe hat geschrieben:Hier wird oft so getan, als wäre das total normal, ja sogar eine privilegierte Klasse. Das ist ebenso absurd, wie die Verfolgung der "Anderen".
Diese "privilegierte Klasse"-Geschichte ist in der Hinsicht auch mein Hauptkritikpunkt an der Sache und das was man (etwas übertrieben) als Schwulenhype in unserer Gesellschaft bezeichnen könnte.
Das ist leider so eine typische links-grüne Überreaktion auf die üblichen Ungerechtigkeiten dieser Welt. Als heterosexueller, weißer, deutschstämmiger Mann ist man ja mittlerweile quasi schon fast ein Mensch zweiter Klasse.

Andererseits fängt aber der Wahn bereits an, wenn - wie in Russland sogar per Gesetz - quasi behauptet wird, Schwulsein sei ansteckend und deshalb müsste man die Schwulen isolieren und ihnen ihr verderbliches Tun in der Öffentlichkeit verbieten. Wenn dann noch so Schwachsinnsargumente wie das Bevölkerungswachstum damit vermischt werden, dann wird der Wahn langsam gefährlich.

Ich schaue mir auch nicht gerne 2 Männer an, die sich in der Öffentlichkeit gegenseitig die Zunge in den Mund stecken und sich aneinander reiben.... (bei 2 Frauen wäre ich da wohl toleranter ;- ). Aber wieso sollten die nicht Hand in Hand gehen oder sich meinetwegen wie ein normales Paar auch beim Abschied einen Kuss geben, wenn ihnen danach ist. Ich glaube nicht, dass meine Kinder dadurch plötzlich umgepolt werden. Vielleicht kommt ein Kind, welches in seiner sexuellen Entwicklung mit dem anderen Geschlecht irgendwie nichts so richtig anstellen kann, eher auf die Idee, dass es vielleicht homosexuell ist. Aber ist das schlimm?
Da ist mir ein(e) zufriedene(r) und sexuell glückliche(r) Homsexuelle(r) doch lieber, als ein(e) frustrierte(r), die der Welt eine nicht vorhandene Heterosexualität vorspielt.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von Berlino10 »

Norbert hat geschrieben: Die Schwulen für den Bevölkerungsrückgang verantwortlich zu machen, und dann auch noch zu schlussfolgern, dass genau deswegen der Westen die Schwulen in Russland so unterstützt, empfinde ich persönlich als eine Wahnvorstellen. Sicher setzen sie keine Kinder in die Welt, aber auch wenn Homosexualität verboten wäre, hätte dies in meinen Augen keinen Einfluss auf die Geburtenzahlen.

Ich sage nicht, dass man Homosexualität zwingend tolerieren muss. Es geht mir einzig darum, dass Bevölkerungsgruppen für Dinge verantwortlich gemacht werden, an denen sie nicht Schuld sind. So etwas ist gefährlich.
Der Westen? Krass, noch nie gehört :)

Ich lehne das Gesetz auch ab, weil es statt Minderheiten zu schützen, sie offiziell zu etwas macht, wovor man seine Kinder schützen muss. Ein Gesetz im Traditionalismus-Reigen der Misulina.

Es gab 2013 erstmal wieder einen Anstieg der Bevölkerungszahlen. Der wird aber nicht lange anhalten, das die sehr schwachen 90er Jahrgänge jetzt Kinder bekommen (müssten)

Die Denke ist doch so: In RUS wird betont, man wird nicht schwul geboren, zumindest nicht alle und nicht zu 100%,
die sexuelle Orientierung zur Homosexualität steckt bei sehr vielen, fast bei allen Menschen, mal mehr, mal weniger drin
Erziehung, Erfahrungen besonders als Kind/Jugendlicher entscheiden nun darüber (mit), ob und wie man die sexuelle Orientierung auslebt, (das, was Dietrich als ansteckend bezeichnet)
"schützt" man Kinder/Jugendlicher während ihrer prägbaren Phasen vor homosexuellen Einflüssen, erhofft man sich, dass viele nicht ausleben, was in ihnen (auch) steckt,
sondern sich für ein gesellschaftlich förderliches Familien-Modell entscheiden. Die gesellschaftliche Ächtung wirkt da ja zusätzlich unterdrückend.

Die Bevölkerungs-Entwicklung bewegt sich in Ländern wie RUS oder DEU sehr knapp bei -0,04 bzw -0,19.
Wird durch "Einflußstop" und den Repressionen für die normal zu 2-3% auslebenden Homosexuelle nur 10% davon in ein Familien-Modell mit Kindern gelenkt,
kommt es schon zu wichtigen Änderungen in der Demographischen Entwicklung von +0,2%,
die man allerdings mit besserer Kinder- und Familienförderung auch ohne Repressionen und Verfolgung erreichen könnte.

Bei den ganzen Diskussionen mit Russen darüber, habe ich immer wieder zu hören bekommen,
dass die gesellschaftliche Verantwortung schwerer wiegt als persönliche Freiheitsrechte.
Soll er doch schwul leben, aber er muss nicht andere davon überzeugen, es auch zu tun, das schade der Gesellschaft.
Niemand muss über seine sexuelle Orientierung offen reden, und die Russen tun das ohnehin ja auch nicht.
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klaupe
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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Beitrag von klaupe »

Berlino10 hat geschrieben:die sexuelle Orientierung zur Homosexualität steckt bei sehr vielen, fast bei allen Menschen, mal mehr, mal weniger drin
Wenn ich so in letzer Zeit Putin in den großen Kreml-Saat tänzeln sehe, habe ich das Gefühl, der ist auch schon umgestiegen. Dagegen wirken ja die Auftritte von Westerwelle und Wowereit echt männlich.
Bei den ganzen Diskussionen mit Russen darüber, habe ich immer wieder zu hören bekommen,
dass die gesellschaftliche Verantwortung schwerer wiegt als persönliche Freiheitsrechte.
Zur Gesellschaft gehören alle, auch die, die Anders sind.
Soll er doch schwul leben, aber er muss nicht andere davon überzeugen, es auch zu tun, das schade der Gesellschaft.
Genau das ist das Problem.
Hierzulande ist man nun fast gezwungen, vor der Regenbogenflagge zu salutieren und man gilt bald als rückständig und weltfremd wenn man noch keine homosexuellen Erfahrungen hat.
Die Propagandamaschinerie für die homosexuelle Gesellschaft würde ich auch unterbinden, aber Achtung vor jedem Menschen, auch wenn er/sie anders denkt und fühlt, sollte ein Bestandteil der Erziehung sein.
Niemand muss über seine sexuelle Orientierung offen reden, und die Russen tun das ohnehin ja auch nicht
Darüber plappert man nicht, man macht es! Man muss nicht darüber reden, aber auch nicht die Anderen verfolgen und diskriminieren.
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Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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