So unterschiedlich finde ich die Vorstellungen gar nicht ...Berlino10 hat geschrieben:Es fällt hiesigen Demokraten anscheinend schwer zu akzeptieren, dass nur 20% der Russen eine Demokratie nach unserem Vorbild wünschen.
Россияне о демократии
-ah-

So unterschiedlich finde ich die Vorstellungen gar nicht ...Berlino10 hat geschrieben:Es fällt hiesigen Demokraten anscheinend schwer zu akzeptieren, dass nur 20% der Russen eine Demokratie nach unserem Vorbild wünschen.

Er ist von allen schlechten Optionen nun einmal die beste. So wird es gesehen, und diesem Urteil würde ich mich sogar anschliessen.klaupe hat geschrieben:Das würde ja heißen, dass a) Russland mit Putin optimal bedient wäre, b) es sich keine Persönlichkeiten in der Position zeigen, die es besser machen könnten.Zejtnot hat geschrieben:Das halte ich für vollkommen unwahrscheinlich. Weder gibt es diese Politiker, noch haben die weiten Teile des Volks einen Bedarf nach ihnen.
Ich persönlich finde das sehr traurig oder als Zeichen, dass die Regierung die Opposition voll im Griff hat.
Angenommen, im Dezember 2012 hätten sich die Demonstrationen nach den Wahlfälschung zur Parlamentswahl ausgeweitet. Denkst Du, dies wäre ohne OMON-Einsätze (analog Berkut in Kiew) abgegangen? Denkst Du, Putin hätte wie Janukowitsch einen Friedensvertrag unterschrieben? Ich hatte einige Freunde, die in diesen Momenten syrische Zustände befürchteten. Und allein deswegen niemals auf so eine Demo gegangen wären, selbst wenn ihnen diese Pseudowahlen auf den Keks gingen.klaupe hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob man das vergleichen kann. Da gibt es sehr unterschiedliche Voraussetzungen.Und sie sehen ja auch im TV, wohin Revolten wie in Kiew oder Syrien führen.
Genau. Aber dann sagen sich halt die Russen: Warum sollen wir denn wie die Georgier alle vier Jahre etwas Neues ausprobieren, wenn uns Putin in den letzten 16 Jahren einen merklichen Wohlstandsschub gebracht hat? Schau Dir doch an, wie in Russland Wohnungen gebaut werden, wie sich die Zahl der Autos verzehnfacht hat (offizieller Wert in Novosibirsk), ...! Sicher ist vieles nicht ideal, aber man lebt jedenfalls solider als oft zuvor. Wozu sollte man das riskieren?klaupe hat geschrieben:Das soll in Demokratien vorkommen, dass man nach gründlichem Versagen nicht wiedergewählt wird. Auch Iwanischwili hat wohl gute Chancen, bei der nächsten Wahl abgelöst zu werden.Selbst wenn man eher gelungene Beispiele wie Georgien nimmt - die Wahrnehmung ist ja selbst da über das russische TV, dass man Saakschwili nach einigen Jahren lieber wieder abgewählt hat.

Es ist schon traurig, dass das Angebot an Alternativen so dürftig ist. Liegt es am System?Zejtnot hat geschrieben: Denn anders, als "Klamauktruppe", kann man die genannten Alternativen (Pussy Riot, Chodorkowski, Kasparow, Nemzow) leider nicht nennen - publikumswirksame Schreihälse, machthungrige Milliardäre, von Soros finanzierte Thinktank-Mitarbeiter, ... das nimmt in Russland keiner Ernst. Vielleicht sollte man da sogar sagen: Zum Glück!
Sicher wird es die geben und da stellt sich die Frage, warum sie so ausgebremst sind. Da sähe ich eine sinnvolle Aufgabe des Auslands, das jetzt ja gerne einen Systemwechsel sähe, solche Kandidaten gezielt zu unterstützen und zu fördern. Manchmal reicht es ja schon, wenn man mit diesen Leuten gezielt einen Dialog beginnt, sie ernst nimmt und ideell fördert. Wer so mehr in den Blickwinkel gerutscht ist, kann nicht so leicht zur Seite gedrängt werden.Es mag vernünftige Leute geben, der in Ungnade gefallene ehemalige Finanzminister Kudrin zum Beispiel. Und es ist natürlich traurig - da gebe ich Dir Recht -, dass sich solche Personen zurückhalten, aus welchen Gründen auch immer.
Theoretisch war ja der Wechsel vorgesehen, aber dieser inszenierte Pseudo-Machtwechsel mit Medwejew war ja eher eine drittklassige Politposse.Genau. Aber dann sagen sich halt die Russen: Warum sollen wir denn wie die Georgier alle vier Jahre etwas Neues ausprobieren, wenn uns Putin in den letzten 16 Jahren einen merklichen Wohlstandsschub gebracht hat? Schau Dir doch an, wie in Russland Wohnungen gebaut werden, wie sich die Zahl der Autos verzehnfacht hat (offizieller Wert in Novosibirsk), ...! Sicher ist vieles nicht ideal, aber man lebt jedenfalls solider als oft zuvor. Wozu sollte man das riskieren?
Ich auch, aber man muss neidlos anerkennen, dass es trotzdem bergauf geht. Mit Aussitzen ist es nicht mehr so, seit die SPD ihr direkt an den Fersen hängt. Die gegenseitige Erpressung der Großen Koalition zeigt erstaunliche Wirkung.Schau Dir doch die CDU an ... wie unzufrieden sind die einzelnen Flügel mit Merkel....

Gerade so etwas schafft in Russland aber auch Misstrauen.klaupe hat geschrieben:Sicher wird es die geben und da stellt sich die Frage, warum sie so ausgebremst sind. Da sähe ich eine sinnvolle Aufgabe des Auslands, das jetzt ja gerne einen Systemwechsel sähe, solche Kandidaten gezielt zu unterstützen und zu fördern. Manchmal reicht es ja schon, wenn man mit diesen Leuten gezielt einen Dialog beginnt, sie ernst nimmt und ideell fördert. Wer so mehr in den Blickwinkel gerutscht ist, kann nicht so leicht zur Seite gedrängt werden.Es mag vernünftige Leute geben, der in Ungnade gefallene ehemalige Finanzminister Kudrin zum Beispiel. Und es ist natürlich traurig - da gebe ich Dir Recht -, dass sich solche Personen zurückhalten, aus welchen Gründen auch immer.
Absolut richtig, und die muss im Russischen Interesse sein, und nicht in dem fremder Staaten oder des Geldes.Zejtnot hat geschrieben: Und damit schließt sich der Kreis: Eine Wandlung muss immer von innen kommen.
Und du behauptest immer, ich würde dir nie zustimmen! ;-)Berlino10 hat geschrieben:Ich fürchte ja, die derzeitige Konfrontation nützt Putin im Inneren nur - RUS soll sich fest den Angriffen von aussen stellen -
die inneren Probleme werden zweitrangig.

Mein Gott, man kann doch nicht immer nur mit bunten Wattebäuschlein werfen.Zejtnot hat geschrieben:Gerade so etwas schafft in Russland aber auch Misstrauen.
Manchmal gibt es innere Blockaden, da braucht es dann schon die passende Medizin (zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker)Und damit schließt sich der Kreis: Eine Wandlung muss immer von innen kommen.

Irgendwann ist das maß voll. Auch das ist selbst in Russland keine absurde Erscheinung, auch da ist es mal aus mit der Geduld und der Leidensfähigkeit.Dietrich hat geschrieben:Ob die inneren Probleme aber für die Bevölkerung wirklich auf Dauer zweitrangig werden? Ich wäre mir da nicht so sicher....
Ja, Putin ist scheinbar unfähig und unwillig, sein Machtsystem zum Wohle des Volkes zu ändern.Dietrich hat geschrieben:Und du behauptest immer, ich würde dir nie zustimmen! ;-)Berlino10 hat geschrieben:Ich fürchte ja, die derzeitige Konfrontation nützt Putin im Inneren nur - RUS soll sich fest den Angriffen von aussen stellen -
die inneren Probleme werden zweitrangig.
Aus dem Grund hat Putin die Konfrontation ja auch überhaupt erst provoziert.
Ob die inneren Probleme aber für die Bevölkerung wirklich auf Dauer zweitrangig werden? Ich wäre mir da nicht so sicher....
Mist! Erwischt!Berlino10 hat geschrieben:Lange halten die Gemeinsamkeiten aber nicht an![]()
Naja, zumindest bei DER Formulierung kann ich wirklich nur mit dem Kopf schütteln. "Angriff des Westens"? Berechtigten Interessen der Russen? In der Ukraine oder wo? Weil die Ukraine ja eigentlich "gar nicht so richtig souverän" war?Berlino10 hat geschrieben:Putin hat "nur" auf den Angriff des Westens in der Ukraine reagiert - ebenfalls völkerrechtswidrig und zusätzlich auch noch militärisch völkerrechtswidrig,
aber dass der Westen sich die Ukraine einverleibt, dabei die berechtigten Interessen RUS und der vieler Millionen Russen mit den Füssen getreten hat ...
dass der Westen quasi RUS selbst mit angegriffen hat ... diese Aggression konnte nicht ohne Reaktion bleiben ..
Er kann die Entbehrungen, die so und so auf die Leute zugekommen wären, jetzt erstmal auf den bösen Westen schieben. Die Frage ist, wie lange die Leute mit dieser Erklärung zufrieden sind....Berlino10 hat geschrieben:Ich bin mir auch nicht so sicher, wie lange die Russen die inneren Probleme dulden,
aber durch die entstandene Konfrontation hat Putin zumindest zusätzliche Möglichkeiten, die nationale Karte zu spielen,
und mit notwendigen Entbehrungen zur Verteidigung RUS zu operieren ...