Dietrich hat geschrieben:Wer nicht auf derart einfache schwarz-weiße Erklärungsmuster steht, der hat hier die Chance, ...
Es ist manchmal eine Erfrischung, wenn man bei allen Horrormeldungen und Hasstiraden auch Meinungen liest, die etwas distanzierter und ausgewogener sind.
Doch hier sind einige total auf "Gegner" eingestellt, nur die Himmelsrichtung unterscheidet sich hin und wieder. da werden mit großem Fleiß Indizien gesammelt, aufgearbeitet und mit Parolen und Titeln wie "Nazi", "Faschisten", "Völkermord", "Imperialisten", "Terrooristen" usw. gewürzt.
Da frage ich mich, ob es einfach nur lächerlich oder frech ist.
Das geht von ganz unten bis hoch in die Regierungen, die inhaltlich ähnliche Beurteilungen haben, es aber etwas eleganter umschreiben.
Auch dadurch ist die ganze, ehemals eher friedliche Geschichte des Euromaidan so eskaliert. Spätestens als sich das Ausland einmischte (auch Russland ist noch Ausland für Ukrainer,) nahm das Chaos seinen Lauf und wurde dann für themenfremde Interessen ausgenutzt.
Schon Euromaidan war wegen der fragwürdigen Assoziierungsverträge höchst problematisch, aber immerhin eine Meinung und Vision, die relativ friedlich eingefordert wurde. Auslöser war sicherlich das fragwürdige Kuschel-Muschel-Kredit-Rabatt-Abkommmen zwischen Janukowitsch und Putin, das nichts einbrachte, außer viel Ärger und jetzt sogar Krieg.
Wenn das einigermaßen stimmt - und da glaube ich vor Ort Anwesenden wesentlich eher als den Vorverurteilungen hier auf den letzten 6 Seiten - dann dürften wohl beide Seiten schuld an dieser Gewaltexplosion sein. Die prorussischen "Krieger", die sich entschlossen hatten, die Veranstaltung der proukrainischen Seite gewaltsam aufzumischen, wie auch der kriegerische Teil der proukrainischen Seite, die sich ebenfalls bewaffnet dem Gegner entgegenstellten und dann nachsetzten, um das Lager der anderen zu "räumen".
Alles in allem eine sehr bedauerliche Eskalation der Gewalt bei der man natürlich je nach Interessenlage jeweils die Schuld dem jeweils Anderen geben kann, bei der aber wohl beide Seiten weit über alle Ziele hinausgeschossen sind und bei der wahrscheinlich am Ende sehr viele selbst geschockt waren, wie die Sache endete.
Nun bleibt noch die Frage, ob die Ukraine mit ihren Menschen als Staat überhaupt noch ein Existenzrecht hat oder sich den prorussischen Kämpfern und ihren Hintermännern zu ergeben hat. Abgesehen von den total unprofessionellen Auswüchsen bei manchen Aktionen und der Schwäche der provisorischen Regierung wird ja auch das Recht des Staates auf Verteidigung und das Gewaltmonopol der Staatsmacht bestritten. Ein Bewaffneter und Geiselnehmer Besetzer ist scheinbar ein Held der Freiheit, ein bewaffneter Polizist oder sonstige "Ordnungskraft" des Staates wird pauschal zum Terroristen usw. (siehe Synonyme oben)
Dietrich: Ich habe mal die Zitate korrekt kenntlich gemacht. Da fehlten ein paar tags.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.