Ich halte das Referendum insgesamt für eine Politposse, die auch allgemein so angelegt war, dass das gewünschte Ergebnis erreicht wird. Hätte es eine ordentlich organisierte, kontrollierte Wahl (im Sinne von Auswahl, nicht nur Ja/Nein) gegeben, hätten sich die Organisatoren einen guten Dienst erwiesen, denn dann hätte das Ergebnis einen Wert. Spekulationen über ein "echtes" Ergebnis sind ziemlich absurd und dürfen zwischen überzeugende Zustimmung und blamable Ablehnung liegen.kamensky hat geschrieben:Das wäre dann wortwörtlich "Glück im Unglück" oder eher umgekehrt?Sibirier hat geschrieben:Es ist doch klar, dass niemand das Referendum akzeptieren wird, aber wem wird dies helfen? Weder Kiev noch Donezk. Aber vielleicht Donezk mehr, weil sie die Steuern nicht mehr an Kiev abfuehren werden. Aber hoffentlich ist die Regierung dort keine 2. Timoschenko oder Janukowitsch...
Auch die Bestätigung durch "Umfragen" ist lächerlich, denn zwischen einer mehr oder minder zufälligen Befragung und hier üblichen demoskopischen Erhebungen seriöser Institute gibt es gravierende Unterschiede. Auch 200 oder mehr Zufallsstimmen sind kaum repräsentativ. An anderer Stelle mit anderer Personenauswahl (oder zufällig Befragten) könnte das Ergebnis genau das Gegenteil erbringen. Letztendlich zielen auch solche Befragungen auf ein gewünschtes Ergebnis. Falls es nicht passt, ist es nicht verwertbar.
95 % Zustimmung halte ich bei der Art des Referendums für durchaus realistisch. Die hohe Wahlbeteiligung halte ich eher für einen Witz. Offenbar hat man die "Wahllokale" vorzugsweise an Punkten installiert, die ein passendes Ergebnis erwarten ließen. Meine Bekannte, die in einer "gutbürgerlichen" wohnt, hat im gesamten Viertel kein Wahllokal gesehen. Zudem wurde auch in der Nachbarschaft das gesamte Referendum überwiegend ignoriert.
Wenn ich vor Berliner Fußballstadien ein Referendum über freie Eintrittspreise veranstalte, habe ich vermutlich fast 100 % Beteiligung und fast 100 % Zustimmung.
Interessant wird nun die Wirkung für die Zukunft sein.
- Wird Russland die Träume der Separatisten anerkennen und sie bald in die Arme schließen als neues, willkommenes Mitglied der RF?
- Wird die Autonome Volksrepublik zum neuen Kleinstaat, der sich nun nazi- und faschistenfrei etablieren kann, sich frei von Forderungen aus Kiew entwickelt und aufblüht und keinem EU- oder US-Diktat unterliegt?
- Bringt es eher einen Zuwachs der Anhängerschaft rechtsradikaler Gruppen in der Ukraine (incl. Donbass), die sich übergangen fühlen und nun die militante Opposition unverdient verstärken? Ich vermute, jetzt eskaliert der Kampf und der Schuss geht voll nach hinten los.
- Ist eine halbwegs geordnete Wahl am 25. überhaupt noch möglich? Falls ja, halte ich einen unverdienten Stimmenzuwachs der rechtsradikalen Parteien für wahrscheinlich (aus Wut, Opposition) und die überproportional hohe Repräsentanz in der aktuellen Übergangsregierung würde sich legitimieren. Eine schlimme Vorstellung!
- Möglicherweise bleibt es eine Politposse, die momentan für viel Wirbel sorgt, weitere blutige Opfer fordern wird und irgendwann zerbröselt.


