klaupe hat geschrieben:Bis zum letzten Sommer dominierten die Ukrainer als Krim-Urlauber. Das waren mind. 65 % der rund 6 Millionen Besucher, weniger als 1/4 kamen aus Russland, der Rest aus diversen anderen Ländern.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Begeisterung und Liebe der Ukrainer zur Krim auch nur annähernd wieder diese Höhe erreicht. Sie werden vermutlich zu den "Exoten" in den Ferienorten gehören.
Es gibt langjährige Touristikfirmen auf der Krim, mit nachweisbar ukrainischer Lizenz, die mehrere Filialen in der gesamten Ukraine betreiben um ihre Urlaubsangebote an den Mann oder die Frau zu bringen. Praktisch ist die „Hauptoffice“ der Firma jetzt in Russland, während die kleinen Zweigestellen sich im Ausland, in der Ukraine befinden. Bürokratisches gibt es, denke ich, einiges zu klären, zum Beispiel: was ist die „ukrainische Lizenz“ auf der Krim noch wert? Doch die entscheidende Frage stellt sich in Bezug auf ihre bisher treue Kundschaft in der Ukraine. Eine bekannte Firma aus Simferopol/Krim
http://www.gintur.com/ macht scheinbar einfach weiter, als sei nichts geschehen.

Hier im Russlandforum ist der Bereich Politik ja auch einfach abgekoppelt worden.

Sofort fallen mir Sprüche aus der Ukraine ein, wie: die Politiker machen ihr Business untereinander und wir machen auch unsere Geschäfte, aber in einem anderen Bereich...
Urlauber aus der Ukraine sehen, glaube ich, keinen Grund, ihren geplanten Urlaub auf die Krim abzusagen. Eine gewisse Aufregung Anfang/Mitte März ist verflogen. Sie interessieren sich mehr für den Preis und die Leistung und natürlich für das Wetter. Was soll sich auch geändert haben im Vergleich zum vergangen Jahr. Selbst die Preise sind auf der Krim weiterhin in Griwnya ausgeschildert. Die Anreise mit der Bahn durch die Ukraine auf die Krim wird zur Zeit verhandelt.
http://www.segodnya.ua/economics/transp ... 14732.html
Es stimmt allerdings auch, dass einige junge, rebellische, Ukrainer lautstark gegen getroffene politische Entscheidungen protestieren und die Krim jetzt absichtlich meiden. Der Zelturlaub am „wilden Strand“ von Sudak fällt deshalb ab sofort aus!!! Von ihren Eltern und Großeltern erhalten sie dafür nur mitleidige Blicke, die jedoch leider bewirken, dass die innere Wut sich noch weiter steigert....
klaupe hat geschrieben: Aus dem "restlichen Ausland" sind auch nur wenige Gäste zu erwarten.
Das war so und wird so bleiben.
klaupe hat geschrieben:
Nun muss der Hauptstrom aus Russland kommen, um die Quartiere, Strände, Gastronomie und weit über 100.000 Beschäftigte in der Tourismusbranche auszulasten. Man hofft jetzt auf mind. 4,5 Millionen Besucher in 2014. Das wären überwiegend Touristen, die inzwischen Ziele wie Türkei, Ägypten und andere Mittelmeerländer oder gar exotische Fernreisen vorziehen.
Ich kenne einige Russen, die fahren mittlerweile mehrmals im Jahr in den Urlaub. Warum also nicht im Frühjahr eine Woche auf die Krim und im Sommer 2 Wochen nach Antalya oder umgekehrt?
klaupe hat geschrieben:
Was hat die Krim zu bieten? Zweifellos eine schöne Landschaft mit bezaubernder Küste und einer nahezu nolstalgischen Sammlung an Kurhotels, ehemaligen Ferienheimen und Gruppenunterkünften mit dem etwas verstaubten und abgebröckelten Charme des Sowjetreichs.
Wer sucht, der findet! Die Architektur der Stalinzeit ist zum Beispiel immer beeindruckend. Hotels aus den 1970er und 1980er Jahren unterscheiden sich optisch kaum von Bettenburgen, die in diesem Zeitraum zum Beispiel in Spanien errichtet wurden. Im Gegenteil, manchmal sind sie auf der Krim nicht so zahlreich nebeneinander...
klaupe hat geschrieben: Moderne Hotels und Ferienanlagen sind eher die Rarität. Die Privatquartiere sind extrem unterschiedlich.
Auch hier wird man fündig nach kurzer Suche. Eine Rarität sehe ich nicht als negativen Punkt und modern ist es allemal. Ich bevorzuge auf der Krim meist die neu entstandenen Minihotels. Das hier kann ich empfehlen von unserem Urlaub 2010 in Jewpatorija:
http://www.russkoemore-hotel.com/
klaupe hat geschrieben: Den Standard beliebter ausländischer Feriendomizile wird man insgesamt kaum erreichen können. Auch russische Feriengäste sind inzwischen verwöhnt.
Man wird viel Patriotismus im Gepäck haben müssen, um den Mangel an Komfort und Service zu akzeptieren. Ein ideales Ziel für Sowjet-Nostalgiker.
Naja, mit „all inklusive“ ala Türkei oder Ägypten wird sich die Krim nie messen können. Es fehlen zum Beispiel auch lange Sandstrände. Mangel an Service und Komfort kann ich persönlich nicht bestätigen. Für Russen, auch für Deutsche ist ein Urlaub im Ausland immer exotischer und deshalb auch meist erstrebenswerter. Doch irgendwann zieht es einen auch wieder an die heimischen Strände. Die Ostseeküste habe ich zum Beispiel nach der Grenzöffnung 1989 lange gemieden. Heute ist es dort wieder schön. Natürlich ist die Krim auch geschichtlich interessant. Die Sowjetzeit war jedoch vergleichbar nur eine kurze Periode...
klaupe hat geschrieben: Russische Urlauber kamen bislang gerne mit eigenem PKW, Bus oder Bahn, meist via Ukraine. Diese Anreise verspricht inzwischen nicht mehr sehr angenehm zu werden und man wird den teuren, längeren und umständlichen Weg via Kertsch wählen müssen, sofern die Fährkapazitäten bald ausreichend erweitert werden.
Die russische Eisenbahn hat gerade ein Sonderticket entwickelt für die Anreise auf die Krim, inklusive Fährüberfahrt nach Kertsch und weiter mit dem Bus.

Mehr Informationen:
http://pass.rzd.ru/static/public/ru?STRUCTURE_ID=5282
klaupe hat geschrieben: Als ruhiges, naturnahes Urlaubsziel mit langer Geschichte ist die Krim sicherlich empfehlenswert, wenn man keine politischen Bedenken hat.
Hast Du Angst, mit Deinen politischen Bedenklichkeiten irgendwo auf der Krim anzuecken? Am besten, Du hältst Dich an die ersten Punkte Deines Satzes und geniest es einfach, auf der Krim.
