Norbert hat geschrieben:Inzwischen hört man hier schon einige Stimmen, die sagen, dass die Eiszeit zwischen Europa und Russland zu großer Zurückhaltung bei Investitionen führt. Also nicht die Sanktionen selbst, sondern die russische Unberechenbarkeit im Allgemeinen. Das wollen immer weniger Firmen riskieren und selbst Touristen bleiben inzwischen aus. Ich sehe es auch an meiner eigenen Familie - die plötzlich von Besuchen Abstand nimmt.
Obwohl ich anfangs die Sanktiönchen auch belächelte, da sie sich ja primär nur gegen ein paar exponierte Putinfreunde richteten und vielleicht den internationalen Zahlungsverkehr erschwerten, scheinen sich doch inzwischen die Nebenwirkungen bemerkbar zu machen.
Probleme mit der russischen Wirtschaft gab es ja schon vorher. Gerade im Zusammenhang mit den großzügig investierten Olympiamilliarden gab es ja schon entsprechende Diskussionen. Da waren Probleme mit der Ukraine noch nicht so brisant und Sanktionen noch nicht beschlossen. Erst jetzt verlagert sich die Aufmerksamkeit deutlich.
daveg hat geschrieben:Kann ich bestätigen. War die letzten Tage intensiv auf Reisen (bevor alle Kunden endgültig in die Sommerferien verschwinden) und die Stimmung ist nicht unbedingt rosig. Ausländer bremsen Investitionen, weil niemand so recht einzuschätzen mag, wie es weiter geht. Und russische Firmen leiden mit, aber eher wegen der insgesamt schlechten Wirtschaftslage. Produktions-/Umsatzeinbrüche von 25-40% sind eher die Regel, denn die Ausnahme. Damit trifft es dann auch uns :-(
Es ist schon hochinteressant, solche "privaten" Einschätzungen zu erfahren. Jenseits aller Pressemitteilungen geben sie ein besseres Bild von der Stimmung ab, auch wenn es sicherlich keine globalen Urteile sind. Von meinen Freunden werden mir ähnliche Beobachtungen zugetragen. Dazu kommen natürlich auch ganz nackte Wirtschaftsdaten und die fast hektischen Aktivitäten der russischen Regierung, die lange währende Verhandlungen zum schnellen Abschluss zu bringen (China, Eurasische Union usw.)
Leider sieht man noch wenig Aktivitäten, das Großmachtgehabe und die putinsche Selbstbeweihräucherung auf ein angemessenes Maß zu reduzieren. Noch sonnt er sich in landesweiter Zustimmung.
Aber wie lange kann diese Begeisterung noch anhalten?
Wie lange kann man noch die bösen westlichen Staaten für die zunehmende Misere verantwortlich machen und zum Buhmann in der Propaganda küren?
Wann wird das Volk trotz gefilterter Informationspolitik begreifen, wie Ursache und Wirkung miteinander spielen?
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.