Nun kenne ich die Gegend nicht perfekt, aber relativ gut, da ich mehrmals einige Wochen (bis zu 6) dort verbrachte und auf den Bildern viele Lokalitäten wiedererkenne. Da ergibt sich schon eine abweichende Dimension. Auch die Anzahl der "Täter" auf beiden Seiten ist ja im Vergleich zur Bevölkerungszahl eher mickrig.Zejtnot hat geschrieben:Im Grunde ist dies nun die große Frage, die niemand von uns wirklich beantworten kann: Wie groß ist der wirkliche Rückhalt in Donezk für einen eigenständigen Staat?
Ich kenne aber aus der Besuchszeit auch etliche Menschen dort, mit denen ich gerade in letzter Zeit viel Kontakt habe. Deren Meinung ist zwar nicht repräsentativ, aber symptomatisch. Die Meisten halten es für gefährlich, beängstigend, günstigenfalls für störend oder lästig. Es ist nicht ihre Sache, sondern die Aktion von Polit-Rowdys und Spinnern. Es betrifft nicht Millionen, sondern schlimmstenfalls ein paar Plätze und umliegende Straßen. Die sehen zwar auch Flugzeuge und Hubschrauber, aber haben auch noch Vertrauen, dass die die richtigen Ziele finden.
Weniger die Autonomie, als der Wunsch innerhalb der Ukraine als autonome Sprach- und Kulturgruppe respektiert zu werden. Föderalismus innerhalb der Ukraine mit Blick nach Westen scheint mir eher die Wunschvorstellung zu sein.Wenn bei der Besetzung des Flughafens offensichtlich ein größerer Teil der Kämpfer aus Russland herangekarrt werden musste, so scheint mir doch, dass das Volk vielleicht grundsätzlich für eine gewisse Autonomie ist, aber keinesfalls mit Waffen dafür kämpfen will.
Ich hatte nie den Eindruck, dass die Leute im Donbass sich von der Ukraine besetzt fühlten, wie eine Kolonie von Kiew. Seit Generationen wohnen sie dort, Sprachprobleme hatten kaum eine Bedeutung im täglichen Miteinander, man ist/war stolz, einen Betrag zum Staat zu leisten und fühlt sich nach wie vor als Ukrainer -- bis auf die paar Abtrünnigen.
Das wäre in Russland absolut kein Thema und würde gerade mal irgendwo ganz nebenbei in den erwähnt werden. Bevor da die Presse anreisen kann, ist das Problem schon im Sinne Moskaus erledigt.Wie soll man aber als Regierung darauf reagieren, wenn ausländische Kämpfer einen Flughafen besetzen? (Angenommen Vermummte in Sturmmasken würden nun plötzlich friedlich den Flughafen von Kyzyl besetzen und sagen: "Alle russischen Polizisten müssen sofort das Gebäude verlassen! Dies ist tuwinisch-mongolische Erde!" Würde Russland dies auch nur 1 Tag lang hinnehmen?)
An diesem ukrainischen Medienrummel ist alleine die labile Regierung und das marode Ordnungssystem Schuld, dass auf solche Angriffe nicht angemessen und blitzschnell reagieren kann.
Bombenkrieg wird es erst durch die verbreiteten Übertreibungen.Und der sonstige Artikel klang auch nicht nach einem "Bombenkrieg". Im Gegenteil.
Ich teile die Hoffnung, bis auf die Amnestien.Wo kommen wir dahin, wenn in Zukunft Verbrecher dann pauschal amnestiert werden, wenn sie nur genug Klamauk und Schaden angerichtet haben? Es wäre die Aufgabe eines international bestückten, neutralen Untersuchungsausschusses, der die Justiz kontrolliert, um da Mauscheleien oder Racheakte zu verhindern.Natürlich hoffe ich bei jeder neuen Nachricht über abziehende Truppen, Gesprächsangebote und Amnestien, dass es eine friedliche Lösung gibt. Bis heute.
Man stelle sich mal vor, der "Nürnberger Prozess" hätte nicht stattgefunden oder hätte alle Verbrecher amnestiert. Schlimm genug, dass denen damals noch zu viele durch die Lappen gegangen sind, die blutige Hände hatten.

