Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

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Berlino10
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von Berlino10 »

Gunnar hat geschrieben: ... und sind einem die einzelnen Menschen, Bürger, die Umwelt, die Nachhaltigkeit usw. scheissegal
Das hört sich sehr nach den USA und ihrem Finanzkapitalismus an.
Gunnar
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von Gunnar »

wir wissen alle, wie sehr Du die Amis liebst.

Ich kann nur wiederholen: Viel Spass mit den Putinisten, Nordkorea, China, Syrien & Co.
Berlino10
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von Berlino10 »

Gunnar hat geschrieben:wir wissen alle, wie sehr Du die Amis liebst.

Ich kann nur wiederholen: Viel Spass mit den Putinisten, Nordkorea, China, Syrien & Co.
Dämlicher Reflex und dümmliche Propaganda.

Soziale Marktwirtschaft, Demokratie, das Wohl einzelner Menschen, Nachhaltigkeit u.a. auch für die Umwelt, wird durch Russischen Kapitalismus gleichermaßen verunmöglicht wie durch anglo-amerikanischen Finanzkapitalismus.

Es ist unbestreitbar, dass "die Ungleichheit in Deutschland und vielen anderen relativ reichen Ländern im vergangenen Vierteljahrhundert zugenommen hat. Sie stellt ein Problem dar, weil sie eine ungleiche Verteilung von Freiheit und politischen Einflusschancen mit sich bringt, zu makroökonomischer Instabilität beiträgt und Teilhabechancen untergräbt. Somit ist die Ungleichheit gleich mit drei Krisen verwoben, die nicht getrennt voneinander betrachtet werden können: eine Krise der Demokratie, der sozialen Teilhabe und der ökonomischen Stabilität – eine Melange mit Sprengkraft, wie am wachsenden Erfolg demokratie- und menschenverachtender Ideologien deutlich wird. "
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klaupe
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von klaupe »

Berlino10 hat geschrieben:Es ist unbestreitbar, dass "die Ungleichheit in Deutschland und vielen anderen relativ reichen Ländern im vergangenen ... "
Hört sich richtig gebildet an.

Hey Leute, klar gibt es hier und dort was zu meckern. Alles sind die bösen Buben.
Ich komme in Deutschland noch einigermaßen gut klar, leide unter Übergewicht und kann sagen, was ich will. Logisch ist nicht alles Gold, was glänzt.

Aber bisher warte ich immer noch auf den heißen Tipp, wohin ich umziehen soll, damit ich im perfekten Land mit idealen Bedingungen, Frieden und Gerechtigkeit leben kann.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von Berlino10 »

klaupe hat geschrieben: Aber bisher warte ich immer noch auf den heißen Tipp, wohin ich umziehen soll, damit ich im perfekten Land mit idealen Bedingungen, Frieden und Gerechtigkeit leben kann.
Warum immer gleich umziehen? Warum jede Kritik mit "geh doch nach drüben" (siehe Gunnar) kontern? Ich will auch bei uns bleiben. ;)
Warum sich nicht einfach wünschen, dass wir HIER wieder mehr Soziale Marktwirtschaft und weniger Finanzkapitalismus bekommen?
Das wäre HIER mit einer anderen Politik wieder möglich.

Dass sich das nachvollziehbar und klug anhörte, lag vielleicht daran, es von der Bundeszentrale für politische Bildung kam, wie diese Aufforderung auch:
Vor diesem Hintergrund ist es für uns nicht nachvollziehbar, hinsichtlich Verteilungsfragen einen wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf abzustreiten.
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von Wladimir30 »

Ich halte das Festmachen von Lebensqualität an solchen Fachbegriffen wie Marktwirtschaft, Finanzoligarchie usw. usf. für wenig hilfreich. Jeder lebt in seinem Mikrokosmos, den er sich zum beträchtlichen Teil selber erschafft. Wie Klaupe ganz richtig schreibt. Er leidet z.B. unter Übergewicht. Ich auch. Hat nix mit dem System, aber viel mit dem inividuellen Wohlbefinden zu tun. Ob ich nun in der Morgenzeitung meinen Springer- oder sonstwie gefärbten Journalismus kriege oder von Gasprom gesponserten macht nur einen unwesentlichen Unterschied. Ob ich als Unternehmer erfolgreich bin, hängt natürlich zum großen Teil von den staatlich vorgegebenen Regeln und deren Einklagbarkeit ab. Aber ein schlechter Unternehmer wird auch in der besten Marktwirtschaft nicht besser werden. Und ein guter findet auch in RUS eine Nische. In Wladimir merkst Du wenig bis gar nichts von der großen Politik, die hier immer so breit und emotionsgeladen diskutiert wird. Wir machen unser Zeug, lösen die Probleme, die wir haben, genauso wie überall auch. Suche nach Lieferanten, Zoff mit dem FA, endlose Gespräche mit der Bank und dem Zoll, worin unterscheidet sich das von DEU? Wir haben uns das selbst aufgebaut und eingerichtet, unabhängig davon, ob es nun hier ist oder sonstwo. Ich sage hier auch, was ich denke und habe keine Angst, deswegen benachteiligt zu werden.

Die Aussage, dass dies alles durch den russischen Kapitalismus unmöglich gemacht wird, halte ich aufgrund eigener Erfahrungen für Demagogie.

Natürlich kann man vieles verbessern. Die Leute anlernen, durch eigenes Beispiel wirken, hinweisen, dass Befolgen oder auch Nichtbefolgen Konsequenzen hat, über die sie sich von vornherein im Klaren sein müssen. So was fängt immer im Kleinen an! Es bleibt dann den Russen selber überlassen, inwieweit sie diese Hilfe zur Selbsthilfe (und was anderes kann es nie sein) übernehmen wollen. Diese Entscheidung treffen sie selber, ob sie uns passt oder nicht ist dann UNSER Problem.

Also was soll diese akademische Diskussion? Also Klaupe, wenn Du umziehen willst, dann komm hierher, herzlich willkommen! wenn nicht, bleib in Brandenburg, so wie ich mich hier eingelebt habe, wird es Dir auch gelingen. Nur mit dem Übergewicht wirste hier auch keine Lösung finden...
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von klaupe »

Wladimir30 hat geschrieben:Es bleibt dann den Russen selber überlassen, inwieweit sie diese Hilfe zur Selbsthilfe (und was anderes kann es nie sein) übernehmen wollen. Diese Entscheidung treffen sie selber, ob sie uns passt oder nicht ist dann UNSER Problem.
Das sagt sich so leicht und ist theoretisch auch völlig korrekt. Ich habe es aber schon etliche Male erlebt, das man das Erfolgsgeheimnis verraten hat. Es wurde aber sehr 'lässig' umgesetzt, ignoriert oder gar als Einmischung/Bevormundung abgelehnt. Ja, man will es so haben, wie es bei uns ist, aber möglichst nichts dafür tun. Als Gipfel kommen dann Unterstellungen, dass die Errungenschaften unrechtmäßig ergaunert wurden, vielleicht durch krumme Geschäfte, Ausbeutung, Kriegsbeute, Ausplünderung russischer Ressourcen usw. Neid kann manchmal kuriose Formen annehmen.

Nun sollen diese Beispiele keinesfalls verallgemeinert werden, da täte man vielen russischen rechtschaffenden Menschen Unrecht.
Ich sehe auch viele, die trotz härtester Maloche nicht auf den grünen Zweig kommen, weil der Baum schon abgefressen ist.

Fakt ist jedoch, dass gerade die Faulsten das Maul am weitesten aufreißen und der Krach übertönt vieles. Vorurteile werden ja nicht erfunden, sondern von bestimmten Gruppen quasi produziert.

Also Klaupe, wenn Du umziehen willst, dann komm hierher, herzlich willkommen! wenn nicht, bleib in Brandenburg,
Vielen Dank für die Einladung, die ich einerseits gerne annehmen würde. Aber mit angenehmen Menschen und herrlicher Umgebung habe ich schon viele tolle Erfahrungen gemacht. Wenn es manchmal auch nicht so perfekt war, so war es dennoch eine interessante Erfahrung.

Mein Problem wäre eher im System zu finden, dass mir nun mal nicht in mein Weltbild passt. Das muss ich mir wirklich nicht antun. Da sehe ich mich hier mit dem geringeren Übel konfrontiert.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von Wladimir30 »

klaupe hat geschrieben: Es wurde aber sehr 'lässig' umgesetzt, ignoriert oder gar als Einmischung/Bevormundung abgelehnt.
Tja, das ist gerade die große Kunst. Russen sind in diesem Punkt seit Urgedenken sehr empfindlich. Da den richtigen Ton zu treffen ist ein Problem, viel größer, als in DEU beispielsweise. Ich habe in meiner Zeit, wo ich mir als Dolmetscher gut dazu verdient habe, sehr oft erleben müssen, wie deutsche absolut hochrangige Spezialisten wirklich und zutiefst aufrichtig den russischen Partnern helfen wollten. Sie haben sehr genau erkannt, was wie läuft und was wie zu machen wäre.

Leider haben sie dann immer wieder diese Phrasen gebraucht wie "Ich an ihrer Stelle würde.." oder "Sie sollten ..." usw. Ich habe das beim Dolmetschen einfach ignoriert oder abgeschwächt. Leider war ich nicht der einzige Dolmetscher, andere haben einfach wörtlich übersetzt und das ist dann immer sehr sauer aufgestoßen.
Ich sehe auch viele, die trotz härtester Maloche nicht auf den grünen Zweig kommen, weil der Baum schon abgefressen ist.
Solche gibt es auch in Deutschland haufenweise.
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von klaupe »

Wladimir30 hat geschrieben:
klaupe hat geschrieben: Es wurde aber sehr 'lässig' umgesetzt, ignoriert oder gar als Einmischung/Bevormundung abgelehnt.
Tja, das ist gerade die große Kunst. Russen sind in diesem Punkt seit Urgedenken sehr empfindlich. Da den richtigen Ton zu treffen ist ein Problem, viel größer, als in DEU beispielsweise.
Ach Gott, empfindlich sind Andere auch und gerade die Deutschen waren eine Zeit lang so überheblich und selbstverliebt, dass man sich schnell im Ton vergreifen konnte.
Aber es kam einmal der entscheidende Knall, der vieles radikal veränderte.
Da muss ich gerade mal an die Weizsacker Rede zum 8. Mai 1985 erinnern, wo er die Deutschen als befreite Sieger bezeichnete. Nach meiner Meinung und Erfahrung, ich habe ja die "Nachwehen" noch hautnah mitbekommen, war das der große Knackpunkt. Den ganzen Nationalstolz und die Überlegenheit der Rasse konnte man sich total in den A... schieben. Da musste man ganz klein und bescheiden wieder anfangen und das Handeln und Denken wurde von den Besatzern bestimmt. Eine harte, aber sehr wirkungsvolle Rosskur, die uns tatsächlich den Sieg brachte. Im Westen siegten nach kurzer Zeit Wirtschaftswunder und Wohlstandsbauch und der Osten feierte bis zur Wende den Sieg des "real existierenden Sozialismus". Auf jeden Fall hatten Andere den Kurs bestimmt und nicht nach unseren Be- & Empfindlichkeiten gefragt.

Doch was ich damit sagen will: So typische Volkseigenschaften, die als statisch und "gottgegeben" gerne dargestellt werden, sind durchaus massiv veränderbar. Es braucht nur den Auslöser, der den Funken ins Pulverfass der Revolution schmeißt. In Russland hat es bei der Oktoberrevolution kräftig gefunkt und alles wurde auf den Kopf gestellt. Perestroika und Glasnost wären ein guter Ansatz gewesen, aber da war Gorbatschow nicht brutal genug und musste einfach scheitern.

Nur mit Verstand, Einsicht und dem Willen zur Veränderung ist das schwer zu realisieren. Putins Zündfunke ließ am Anfang ein kleines Feuerchen auflodern, aber es verlosch zu schnell und jetzt bleibt Qualm und Gestank. Lieber zündelt er woanders herum.
Leider haben sie dann immer wieder diese Phrasen gebraucht wie "Ich an ihrer Stelle würde.." oder "Sie sollten ..." usw. Ich habe das beim Dolmetschen einfach ignoriert oder abgeschwächt.
Einen so ähnlichen Ansatz hatte ich auch mal und hörte dann in etwa: "Ich bin aber hier und nicht an Ihrer Stelle". Als ich dann "durchgegriffen" hatte, klappte es vorzüglich und ich habe dabei nicht einmal Freunde verloren.

Ein Beispiel ist symptomatisch und sicherlich auch auf Russen übertragbar:
Als Kreuzfahrtdirektor (Deutsche Gäste auf der sowjetischen "Ivan Franko") musste man die Augen überall haben und 7/24 eingreifen können.
So entstand in einem Hafen bei der Ausschiffung vor der Gangway ein wüstes Gedränge und man wartete, dass die Luke aufging. Dazwischen war eine Frau im Rollstuhl. Ich bat nun die Passagiere höflich, etwas Platz zu machen, damit die Dame ungefährdet voraus konnte. Das wurde einfach überhört oder bestenfalls mit millimeterweitem Ausweichen befolgt. Da platzte mir der Kragen und ich brüllte wie am/der Spieß: "Alle rechts und links zur Seite!" Schon öffnete sich eine Gasse und der Rollstuhl stand im Nu vorne.
Ich war beschämt, dass man sich manchmal wirklich nur mit Gebrüll und Gewalt durchsetzen kann. Der Gipfel war eine Bemerkung "Gratuliere, sie können sich wirklich gut durchsetzen -- tolle Organisation". Wohl gefühlt habe ich mich dabei nicht.
Wladimir30 hat geschrieben:
Ich sehe auch viele, die trotz härtester Maloche nicht auf den grünen Zweig kommen, weil der Baum schon abgefressen ist.
Solche gibt es auch in Deutschland haufenweise.
Gibt es, aber das soziale Netz verstreut trockenes Laub und man muss schon einen starken Willen haben, wenn man verhungern will. Unseren "Armen" (per amtlicher Definition) geht es so gut, dass viele "Zuwanderer" es vorziehen, in Deutschland arm zu sein, als in der Heimat zu malochen.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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Re: Russland ohne Putin = ein "besseres" Russland?

Beitrag von Wladimir30 »

klaupe hat geschrieben: Eine harte, aber sehr wirkungsvolle Rosskur, die uns tatsächlich den Sieg brachte. Auf jeden Fall hatten Andere den Kurs bestimmt und nicht nach unseren Be- & Empfindlichkeiten gefragt.
Ich weiss nicht, wie man jetzt RUS solch eine Rosskur antun könnte...... Irgendwie sind die Ausgangsbedingungen andere, denke ich mal.
So typische Volkseigenschaften, die als statisch und "gottgegeben" gerne dargestellt werden, sind durchaus massiv veränderbar. Es braucht nur den Auslöser, der den Funken ins Pulverfass der Revolution schmeißt. In Russland hat es bei der Oktoberrevolution kräftig gefunkt und alles wurde auf den Kopf gestellt. Perestroika und Glasnost wären ein guter Ansatz gewesen, aber da war Gorbatschow nicht brutal genug und musste einfach scheitern.
Was Du sagst, betrifft den Staatsaufbau, das System,. wenn man so will. Jahrundtealte Denkstrukturen werden nicht so schnell über Bord geschmissen.
Leider haben sie dann immer wieder diese Phrasen gebraucht wie "Ich an ihrer Stelle würde.." oder "Sie sollten ..." usw. Ich habe das beim Dolmetschen einfach ignoriert oder abgeschwächt.
Einen so ähnlichen Ansatz hatte ich auch mal und hörte dann in etwa: "Ich bin aber hier und nicht an Ihrer Stelle". Als ich dann "durchgegriffen" hatte, klappte es vorzüglich und ich habe dabei nicht einmal Freunde verloren.
Das geht, wenn man eine Vorgesetztenposition inne hat.
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