Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

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Saboteur
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Saboteur »

Klaupe, bitte lade doch deine Sachen nicht in jedem Therad ab. Was soll das ? Sei so nett und lösche deinen Beitrag. Danke!
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Saboteur
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Saboteur »

Vor 1,5 Jahren haben wir auch einen Todesfall gehabt. Darüber kann ich berichten - ich denke, man kann das alles nicht verallgemeinern und ob das , was ich erlebt habe immer was der Orthodoxie zu tun hat weiß ich nicht. Aber hier kommt mein sehr persönlicher Erlebnisbericht, der recht lang geworden ist. Ich hole recht weit aus und schreibe wie ich es erlebt habe.

Es fiel mir nicht leicht das zu schreiben. Es war sogar schmerzhaft - aber in solch eine Situation kann jeder von (die mit Russland verheiratet sind) uns ganz schnell geraten. Ich wünsche es keinem aber es ist wahrscheinlich unausweichlich. Wenn es so weit ist wünsche ich Kraft und ich möchte Mut machen. Gemeinsam mit seinen Liebsten bewältigt man diese Aufgaben, die einem das Leben stellt.


...Im Sommer vor 1,5 Jahren ereilte uns recht überraschend die Nachricht, dass es dem Opa meiner Frau schlecht geht. Das örtliche Krankenhaus konnte/wollte ihn nicht behandeln. In die Stadt fahren wollte er nicht mehr. Es war ein Problem mit der Leber. Möglichweise der versorgenden Gefäße. Auf jeden Fall wurde das Bilirubin nicht mehr abgebaut sondern hat sich im Körper angereichert. (Das kennt man von einer Gelbsucht). Es war also wie eine Vergiftung die zum Tode führt. So war es uns allen klar, was ansteht.

Wir sind dann nach Russland geflogen und haben Deduschka am Abend noch bei Bewusstsein angetroffen. Wir haben uns begrüßt und uns ein wenig unterhalten. Er sah allerdings schon sehr schlecht aus und wir waren schon erschrocken... Er hat wenig gegessen und sehr viel geschlafen. Wir hatten ein paar Schokoküsse (weich, süß, hochkalorisch) und Produkte aus der Pflege (Schnabeltasse, Matrazenschutz, was sich als sehr nützlich herausstellte) und so weiter mitgebracht.

Am nächsten Tag war Deduschka nur wenig bei Bewusstsein. Er ist ab und an zu sich gekommen, hat nach Wasser verlangt. Es wurde Zeit um Abschied zu nehmen. Nicht wie in Filmen persönlich (da war er nicht der Typ für) sondern eher innerlich. Am Abend hat sich der Zustand rapide verschlechtert. Er wurde bewusstlos. Und hat schwer nach Luft geschnappt. Wir haben uns dann zusammengesetzt und überlegt was wir tun können. Wir haben (so blöd das auch klingen mag) uns fürs Schlafen gehen entschieden, da wir alle nicht unendlich viel Energie hatten und keiner wusste wie lange der Todeskampf gehen wird. Dazu muss ich sagen, dass sich alles auf dem Dorf abgespielt hat. Mit sämtlichen Verpflichtungen die man hat, wenn man dort kein Stadtleben lebt.

Der nächste Morgen und Tag wurde endlos lang. Das röcheln wurde langsam schwächer und schwächer. Es wurde kein überflüssiges Wort gewechselt. Alle waren mit sich und dieser Situation beschäftigt. Eine merkwürdige Stille im Haus mit eigentlich vielen Menschen. Nur unterbrochen durch das schwere Atmen von Deduschka welches man in jedem Winkel des Hauses vernehmen konnte. Komisch war für mich, dass man sich auch daran irgendwie gewöhnt. Obwohl, dass vielleicht das falsche Wort ist. Abfinden trifft es wohl eher.

Alle Angehörigen wurden natürlich nach und nach informiert. Einige haben sich dann bereit gehalten. Einige haben bewusst ihr Kommen abgesagt.

Der Zustand verschlechterte sich langsam aber sicher, sodass wir am 2. Abend schon mit dem schlimmsten gerechnet haben. Er sah nochmal wesentlich schlechter aus und langsam trat Schaum aus dem Mund aus. Aber es sollte die Nacht hindurch andauern. Wir schliefen im gesamten Haus mit offenen Türen (Wir im Zimmer gegenüber). Im Haus herrschte wieder Stille bis auf Deduschka - der immernoch überall zu hören war. Eine schauderhafte Atmosphäre in der (wie sich später herausstellte) zwar jeder in seinem Bett lag doch fast niemand ein Auge zubekommen hat. Nur irgendwann ganz früh vor völliger Erschöpfung. Gegen 2 Uhr bin ich nochmal austreten gegangen und habe nach ihm gesehen. Da dachte ich schon, dass es nicht mehr lange
dauert bis er erlöst ist.

Natürlich tat uns Deduschka Leid und wir haben versucht sein Leid so gut wie es ging zu lindern. Alleine die Zusprache, das Berühren und die Anwesenheit bei Sterbenden soll ja schon helfen. Ich vermute, dass es ihm auch geholfen hat.

Dann habe ich gegen 5.00 Uhr gehorcht und dann um 7 Uhr trat mein Schwiegervater in unser Zimmer und teilte uns mit, dass er nun aufgehört zu atmen hat. Wahrscheinlich klingt es komisch, aber wir waren neben der Trauer auch erleichtert da unsere Nerven bis zum zerreißen gespannt waren und uns das lange sterben psychisch zermürbt hat.

Am Morgen kamen dann recht schnell 2 Cousins, die Deduschka in unser Schlafzimmer getragen haben. Dort wurde er von ihnen gewaschen, rasiert und angekleidet. Molodzi! Er sah friedlich und ruhig aus. Ein verhältnismßig schöner Anblick. Wir haben dann Bänke reingetragen und die Aufbahrung vorbereitet.

Während die Jungs sich um Deduschka gekümmert haben, sind wir in den Nachbarort gefahren. Zum Bestattungsdienst. Es wurde kurz alles besprochen (Aufgrund der Hitze wurde die Aufbahrung nur 1 Nacht gemacht). Dann haben wir den Sarg bestellt, die Kränze, ein Grabtuch und Kerzen eingekauft. Das Grabtuch war schön bedruckt. Kerzen wurden in einer bestimmten Anzahl gekauft die ich nicht mehr erinnere. Die Schleifen der Kränze wurden von einer dem Alkohol nicht abgeneigten Frau mit Edding bekrakelt. Leider mangelte es nicht an Rechtschreibfehlern. Aber was tun... Das Bestattungswesen ist auch in Russland vor allem ein Geschäft. Das wurde doch ganz schnell deutlich. Besonders beim Bezahlen. Dann sind wir noch in die Kirche gefahren wo mit dem Batuschka der nächste Tag besprochen wurde. Die Befürchtung, dass er wie andere Batuschkas mit seinen Preisen übertreibt war unbegründet.

Zurückgekommen, haben wir den Raum in dem die Aufbaahrung stattfand noch zurecht gemacht. Wir haben einen Tisch (gedeckt mit Teller Brot, ein Gläschen Schnaps und Kerzen reingestellt). Deduschka lag nun auf der Bank. Gegenüber stand der Tisch und am Fußende in kurzer Entfernung eine Schlafcouch.

Gegen Mittag kam eine über 80 Jahre hinter sich habende Babuschka die sich daran machte in einem meldoischen Sprechgesang die Bibel zu lesen. Ich erinnere mich nicht an die Stellen, da ich auch nicht immer alles verstanden habe. Diesen Sprechgesang hat die Dame mit Unterbrechungen 12 Stunden am Stück bis MItternacht durchgeführt. Das hatte wirklich eine schöne beruhigende Wirkung. Davor hat sie noch beraten. Was muss wie wo stehen und wie muss alles ablaufen. ZUm Beispiel müssen die Spiegel abgehängt werden. Eine große Hilfe, dass Sie so viel Erfahrung hatte!

Als wir nun das organisatorische Hinter uns bebracht hatten haben wir (meine Frau, Schwägerin und ich) am Nachmittag begonnen den nächsten Tag vorzubereiten. Wir haben die Eltern soweit es möglich war entlastet und vor allem der Mutter Zeit gegeben sich um nichts weiter als um ihren Abschied kümmern zu müssen. Ich denke, dass hatte für sie einen unschätzbaren Wert.

Am nächsten Tag sollten also Gäste kommen. So langsam sprach sich auch herum wer alles kommt, sodasss wir genügend Essen (für ca. 20 Leute) vorbereiten konnten und bis kurz vor Mitternacht damit beschäftigt waren. Am Abend kam auch die Schwester von Deduschka angereist die sich auf die Couch zu ihrem Bruder setzte.

Gegen Mitternacht hörte das Mütterchen auf zu singen/beten und legte sich schlafen.

Die Tradition verlangt, dass die Nacht bis Sonnenaufgang an dem verstorbenen gewacht werden muss. Diese Aufgabe übernahm die Schwester von Deduschka. Allerdings wollte meine Schwiegermutter sie nicht alleine lassen. Ich wollte meine Schwiegermutter nicht alleine lassen und meine Frau mich nicht. Also kam es, dass wir die Nacht gemeinsamt durchgewacht haben. Natürlich fiel bei einigen ab und an mal ein Auge zu. Aber richtig ein-und durchgeschlafen ist/hat keiner. Jetzt könnte man denken, dass es etwas komisch ist neben einer Leiche zu sitzen oder zu schlafen. Was ich im Vorfeld auch angenommen hätte. Aber ich habe während der gesamten Zeit nichts gruseliges oder komisches gefühlt. Schliesslich war es nicht irgendeine Leiche sondern Deduschka, der nur nicht mehr lebte.

Als wir uns gegen 5 Uhr erschöpft ins Bett gelegt haben, blieb seine Schwester weiterhin bei ihm. Sicherlich indem Bewusstsein, dass es für immer die letzten Stunden der Gemeinsamkeit sind.

Gegen 8:00 Uhr sind wir dann wieder aufgestanden. Wir haben uns schnell fertig gemacht, da wir wussten dass bald die ersten Gäste angereist kommen. Einige sind über 1000km weit gefahren.

Das Großmütterchen hatte schon ihren Dienst angetreten und das vertraute Singsang erfüllte wieder den Raum. Ich mochte das sehr.

Die Gäste trafen zwischen 9 und 11 ein. Sodass gegen Mittag die Abscheidszeremonie beginnen konnte.

Gegen 10 Uhr hat schlagartig der schwere, grauenhafte Geruch des Todes das Haus erfüllt. Ein Zeichen für die Richtigkeit nicht länger mit der Beerdigung zu warten. Einige Gäste konnten den Geruch nicht aushalten und sind recht schnell wieder aus dem Haus gestürmt. Der Batuschuka kam angefahren und hat die Zeremonie begonnen. Er hat die Gäste zeitlich orientiert (ca. 45 Minuten) und sehr verständnisvoll vorgschlagen, dass die Gäste den Raum verlassen können/sollen die schon jetzt an der Grenze sind und später nicht quälend auf das Ende der Zeremnonie warten. Nach einer kurzen (für mich) ziemlich unpassenden Anspreche/Predigt (unpassend weil er unter anderem den Unsinn künstlicher Blumem unterstrich) wurden dann brennende Kerzen an die anwesenden verteilt. Es begannen dann die Gebete und die Segnungen. Der Weihrauch strömte in den Raum. Es war tatsächlich sehr heiß, stickig und besonders für die Älteren recht anstrengend. Aber es war eine schöne und würdevolle Zeremonie.

Nach den letzten Segnungen war der offzielle Akt beendet.

Das schäbige Auto des Bestattungsinstitutes stand schon vor der Tür. Mitgereist waren noch schäbigere Mitarbeiter des Bestattungsdienstes. Wirklich abgerissene Gestalten. Das hatte leider nichts Würdigendes.

Da auf Grund der Architektur des Hauses nicht die Möglichkeit bestand den Sarg ins Haus zu bringen stand der Sarg draußen an der Tür. Deduschka musste nun also herausgebracht werden. Jeder der kräftig war und wusste was nun anstand war plötzlich verschwunden, sodass mein Schwiegervater, ein Onkel und ich diese Aufgabe übernahmen. Draußen bereiteten wir den Sarg auf Böcken vor. Die Trauernden sammelten sich um den offenen Sarg. Wir gingen den schweren Gang, wissend was nun auf uns zukommt.

Gemeinsam den Leichnam tragend (was uns alles abverlangt hat, da neben der schweren physischen Belastung der mittlerweile bestialische Geruch in die Nase stach) öffnete sich die Tür nach draußen. Sofort brach ein unbeschreibliches, schmerzerfülltes und trauerndes Geschrei und Geweine aus. Wir waren von allen umringt, mit uns und unserer Aufgabe beschäftig. Ich hatte kurz den Punkt, dass ich am Limit - an der absoluten Grenze meiner Belastbarkeit - angelangt bin.

Wir haben Deduschka dann in den Sarg gelegt. Der Batuschka brachte das Band auf der Stirn an, dass zum Abschied geküsst wird. Das hatten aber nur die beiden Töchter gemacht. Auf eine weiteren küssenden Abschied wurde verzichtet.

Dann haben wir nach ca. 7-10 Minuten den offenen Sarg vor das Auto getragen. Die Mitarbeiter des Bestattungsdienstes machten nun den Deckel drauf und begannen den Sarg zuzunageln. Eine weitere herzzerreißende Szene, die die endgültigkeit zeigt.

Normalerweise wird der Sarg im Auto begleitet. Wir haben unsere Schwiegermutter allerdings zu uns ins Auto geführt, da das tatsächlich niemand ausgehalten hätte.

Der Autokonvoi bewegte sich zum ca. 10 Kilometer entfernten Friedhof ins Heimat von Deduschka. Dann haben wir den Sarg langsam und andächtig zum bereits geöffneten Grab getragen. Keine leichte Aufgabe übrigens. Dort wurde der Sarg nochmal abgestellt und weitere Gebete gesprochen bevor er an dicken Stricken heruntergelassen und neben seiner Frau bestattet wurde. Nach dem Wurf mit Erde durch die Gäste wurde das Grab recht schnell zugeschüttet. Danach bekamen die Mitarbeiter vom Bestattungsdienst einen Wodka den sie gierig hinunterstürzten.

Wir sind dann wieder nach Hause gefahren. Dort hatte eine da gebliebende Cousine den Raum der Aufbahrung in einen Raum mit gedeckten Tischen verwandelt. Unser vorbereitetes Essen stand auf dem Tisch. Dazu trinken, Wodka und Obst. Die Stimmung war da schon leichter, es wurden die ersten Anekdoten und Geschichten erzählt und erinnert. Nach und nach kamen noch einige Nachbarn dazu und die ersten weiter gereisten Gäste reisten bereits ab. Ein altes Mütterchen mit der ich kurz geredet habe gab mir noch etwas mit auf den Weg: "Viele Grüße nach Deutschland! Wir nehmen es euch nicht übel". (Ob das auch die Toten des Krieges sagen würden glaube ich eher nicht.)

Ich hatte für Deduschka noch einen Wodka aus Polen mitgebracht, der ihn nicht mehr erreicht hatte. Den haben wir dann geleert. Ich habe 3 Schnäpse getrunken (ich trinke sehr sehr selten) und bin dann nachdem die Gäste verabschiedet waren gegen 15 Uhr ins Bett gegangen und habe erstmal 2 Stunden geschlafen. Dann haben wir den Raum mit der Tafel und das Haus aufgeräumt, wir hatten unseren Schlafraum wieder. So klang der Tag langsam aus. Wir waren alle erschöpft, erleichtert und auch irgendwie froh das alles vorbei war - und das alles neben der Trauer.

Der Schlaf an dem Abend stellte sich bei mir erst spät ein. Ich hatte noch damit zu tun, was wir erlebt haben, wie der Tag verging und vor allem hing der Geruch in den Raum fest. Ich habe alles ausprobiert. Orangenschalen, Lavendel, Nelken - bis ich Begriff, dass der Geruch nicht im Raum war sondern in meinem Gehirn. Das habe ich dann akzeptiert und auch ich konnte irgendwann einschlafen.

Wir als Familie sind da gemeinsam durch. Diese Tage haben allen alles abverlangt aber ich bin froh, dass wir da waren. Wir haben uns gegenseitig Kraft gegeben und sind als Familie zusammengewachsen. Wir waren eine große Hilfe und ganz viele Dinge die wir gemacht, erlebt und durchlebt haben brauchen sehr wenig Worte. Manchmal sagen Blicke und der Instinkt genau was richtig und wichtig ist.

Die Schockstarre und das hektische Organisieren wich dann etwas später Raum für bewusste gefühlte und erlebte Trauer. Einige Tage später wurde im Amt der Totenschein ausgestellt. Eine ärztliche Begutachtung war nicht nötig. Er war ja nicht mehr jung und vorher im Krankenhaus vorstellig. Es gab auch eine staatliche Unterstützung für die Kosten Beerdigung.

9 Tage später sind wir wieder zu ihm gefahren. Allerdings ohne große Zeremonie und großer Worte. Jeder hat das so gefüllt wie er wollte. Am 40. Tag waren wir schon nicht mehr in Russland haben ihm aber auch gedacht. Genau 1 Jahr später wurde das Kreuz mit Namen aufgestellt.

In einem Jahr davor haben wir in Deutschland meine Großmutter zu Grabe getragen. Ich werde die Rechnung wo was besser und schlechter ist nicht aufmachen. Ich finde die Bestattungsriten und Kulter unser beider Länder würdevoll und schön. Ich sehe bei beiden Ländern Dinge die besser oder schlechter sind aber in der Summe kann man diese schweren Gänge in Russland und in Deutschland in angemessener Art und Weise gehen.

Ähnlich wie bei Hochzeiten und anderen Festen sind es für mich weniger die Rituale die wichtig sind, sondern die Menschen, die diese Rituale mit ihren Herzen füllen.
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Wladimir30 »

Vielen Dank für diese ergreifende Geschichte.

Du hast meinem persönlichen Empfinden nach genau das wiedergegeben, was ich mit meinen zuvor angeführten eher nüchtern gehaltenen Worten vermitteln wollte. Dieses Nebeneinander von vielen Emotionen, die alle gleichzeitig da sind, sich zu widersprechen scheinen, und doch da sind. Dieses Vermengen von weltlichen und religiösen Momenten. Dieser innere Ärger über Dinge, die nicht richtig zu sein scheinen, die man aber schluckt (bei Euch der Priester und die Platikblumen), die aber nur zeigen, dass nicht richtig der Tod eines uns nahe stehenden Menschen ist und wir dieses Gefühl nur projizieren auf äußere Momente. Die lange innere Verarbeitung des Erlebten. Das alles hast Du sehr tief empfunden und es vermocht und den Mut gehabt, es auszudrücken. Hut ab vor so viel innerer Stärke!

Du hast bewußt darauf verzichtet, eine Wertung bei der Gegenüberstellung der Zeremonien in Deutschland und in Russland vorzunehmen. Ich versuche in der Regel auch zumeist, nur die Fakten zu nennen und diese einfach als solche hinzunehmen. Hier möchte ich jedoch davon abweichen und meine eigene, ganz persönliche Meinung darlegen: diese Art des Abschiednehmens, wie sie in Russland (soweit ich es beurteilen kann) üblich ist, empfinde ich als viel menschlicher (ein anderer Ausdruck als diese in solchen Fällen meist schon recht abgedroschene Phrase) als ich es in Deutschland erlebt habe. Das spiegelt einen der Momente wider, warum ich mich in Russland wohler fühle als in Deutschland.
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Zejtnot »

Saboteur, danke für die Wiedergabe des von Dir Erlebten. Meine Wahrnehmung deckt sich in weiten Teilen. Auch ich war erstaunt, wie die Sorge "vor einem toten Menschen" schnell dem Wunsch einer "Würdigung der Person" weicht.
Saboteur hat geschrieben:Ich werde die Rechnung wo was besser und schlechter ist nicht aufmachen. Ich finde die Bestattungsriten und Kulter unser beider Länder würdevoll und schön. Ich sehe bei beiden Ländern Dinge die besser oder schlechter sind aber in der Summe kann man diese schweren Gänge in Russland und in Deutschland in angemessener Art und Weise gehen.
Auch das habe ich so empfunden. Meine Oma ist vor einigen Monaten verstorben und auch ich fand die Abläufe in Deutschland in keiner Weise schlechter oder besser - nur anders.
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Axel Henrich »

Sehr intensiv beschrieben, Saboteur und kann alle deine Empfindungen, Gefühle und Eindruecke nur bestätigen, ging mir genau so!

-ah-
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von fugen »

Sehr rührend beschrieben und bis auf die "Gestalten" vom Bestatter, ich kenne es eher, dass gerade mit dem Tod so Figuren nicht geduldet werden und man diese wegschickt, auch so öfters von mir erlebt.

Wie wird es bei euch gehandhabt mit der wörtlichen Anteilnahme. Hoffe ihr wisst was ich meine
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Wladimir30 »

fugen hat geschrieben:Пусть земля ему будет пухом, царствие небесное, вечная память или вечная душа ....
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Jenenser »

Den Erlebnisbericht von Saboteur habe ich erst gestern Abend ausführlich gelesen. Alle Achtung! Von meiner guten Bekannten am Ural ist ebenfalls der Opa im Alter von 89 Jahren gestorben. Dank Eurer Ausführungen habe ich nun eine bessere Ausgangslage in Gesprächen über so ein trauriges Ereignis. In Erinnerung bleibt mir aus dem letzten Kontakt jedoch auch noch folgender Satz: но жизнь продолжается....
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Saboteur »

Danke für eure netten Rückmeldungen. :blumen2:
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