Putin über Snowden, Assange und Blatter
Die Webseite des Kreml veröffentlichte am Donnerstag ein Interview des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Situation des Fußballweltverbands FIFA:
(…) Wie wir alle wissen, wird die FIFA am Freitag ihren Präsidenten wählen, und Herr Blatter hat große Chancen, wiedergewählt zu werden. Wir wissen, welcher Druck auf ihn ausgeübt wurde, die Weltmeisterschaft 2018 in Russland zu verhindern. Wir kennen diese Ansichten, die nichts mit irgendwelchen besonderen Beziehungen zwischen der FIFA und Russland zu tun haben. Dies ist seine prinzipielle Position dazu: Es ist nicht richtig, Sport und Politik zu vermischen. Darüber hinaus glaubt er, dass Sport einen positiven Einfluss auf die Politik haben und als Plattform für Dialog, Versöhnung und die Suche nach Lösungen dienen sollte. Ich glaube, dies ist die richtige Position.
Was die Verhaftungen betrifft, scheint es doch zumindest sehr ungewöhnlich zu sein, dass sie von der US-amerikanischen Seite auf der Grundlage von Korruptionsvorwürfen veranlasst wurden. Wen beschuldigen die USA? Internationale Funktionäre. Es kann möglich sein, dass einige von ihnen etwas falsch gemacht haben, das weiß ich nicht, aber die USA haben definitiv nichts damit zu tun. Diese FIFA-Funktionäre sind weder Bürger der Vereinigten Staaten noch hat sich das, was ihnen vorgeworfen wird, auf dem Territorium der Vereinigten Staaten ereignet, die USA haben also nichts damit zu tun. Dies ist ein weiterer offensichtlicher Versuch, ihre Rechtsprechung auf andere Staaten auszudehnen. Ich habe keinen Zweifel, dass dies offensichtlich ein Versuch ist, die Wiederwahl von Herrn Blatter in das Amt des FIFA-Präsidenten zu verhindern, was eine schwere Verletzung der Prinzipien darstellt, auf deren Grundlage internationale Organisationen funktionieren.
Nach Berichten unserer Medien hat die Justizministerin der USA inzwischen erklärt, dass diese Funktionäre des FIFA-Exekutivkomitees ein Verbrechen begangen haben, als ob sie sich als Staatsanwältin nicht des Prinzips der Unschuldsvermutung bewusst wäre. Nur ein Gericht kann eine Person schuldig oder nicht schuldig sprechen, und erst dann kann man sich dazu äußern, selbst wenn wir davon ausgehen, dass die Vereinigten Staaten einen Grund haben werden, die Auslieferung dieser Menschen zu verlangen, denn sie wurden schließlich auf dem fremden Territorium einer dritten Partei verhaftet.
Wir sind uns der Position der Vereinigten Staaten in bezug auf den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter, Herrn Snowden, bewusst, der ein Mitarbeiter der »National Security Agency« war und der praktisch der ganzen Welt gegenüber die illegalen Praktiken der Vereinigten Staaten offenlegte, einschließlich des Abhörens von Telefonen ausländischer Regierungschefs. Das hat überall zu Diskussionen geführt, auch in Europa, aber niemand will ihm Asyl gewähren und seine Sicherheit garantieren, weil niemand einen Streit mit seinen Partnern und Seniorpartnern riskieren will.
Auf Herrn Snowden bezogen mag das noch verständlich sein, weil er ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter und ein Bürger der Vereinigten Staaten ist. Was ist aber mit Herrn Assange, der seit mehreren Jahren gezwungen wird, sich in einer ausländischen Botschaft zu verbergen? Das kommt fast einer Inhaftierung gleich. Weshalb wird er verfolgt? Wegen Sexualverbrechen? Niemand glaubt das, auch Sie glauben das nicht. Er wird für die Verbreitung von Informationen verfolgt, die er vom US-Militär über die Aktionen der USA im Nahen Osten, einschließlich Irak, erhalten hat.
Warum erwähne ich das jetzt? Weil unsere US-amerikanischen Partner diese Methoden für ihre eigenen verborgenen Zwecke nutzen. Sie verfolgen Menschen zu Unrecht. Und ich kann nicht ausschließen, dass das Gleiche nun auch für die Vorgänge um die FIFA gilt. Auch wenn ich nicht weiß, worauf das am Ende hinausläuft, drängt sich angesichts der Tatsache, dass dies am Vorabend der Wahl des FIFA-Präsidenten geschieht, der Gedanke einfach auf.
[Übersetzung aus dem Englischen: Jürgen Heiser]
http://www.ag-friedensforschung.de/them ... katar.html