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... aber was war der von Dir (wie ich finde zu Recht) gelobte Rheinische Kapitalismus wenn nicht die totale Austeritätspolitik?
Gerade die Bundesbank ist vermutlich die letzte Bastion dieser Austeritätspolitik die Du einerseits verdammst und andererseits aber ersichtlich herbeisehnst?!
Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat den nachlassenden Sparwillen in vielen Ländern des Euro-Raums und die aus seiner Sicht zu flexible Anwendung der Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts kritisiert. "Regeln helfen nicht, wenn nicht der Wille da ist, sie strikt umzusetzen
Die Bundesbank steht für Stabilität - nicht Austerität um jeden Preis.
Im Rheinischen Kapitalismus gibt es politisch eingeschränkte und auf das Gemeinwohl getrimmte Finanzmärkte und stärkere Machtbalance zwischen den Teilnehmern - Arbeitnehmer, Unternehmen, Kapitalgeber, Staat, Umwelt ... , er soll damit gerechter, effizienter und weniger gewalttätig sein. Löhne, die sich an die Produktivität anlehnen, und nicht durch Marktmacht gedrückt werden ... Medien, Bildungswesen, Wohnungswesen, Gesundheits- und Rechtswesen unterliegen nur bedingt Marktgesetzen ... die Politik ergibt sich nicht bedingungslos dem Marktgeschehen, sondern erstellt Vorgaben, die auf das Gemeinwohl abzielen. Der alleingelassene Markt belohnt etwa das rücksichtslose Ausbeuten ökologischer oder menschlicher Ressourcen für das die Staaten nachträglich zahlen müssen ... im Rheinischen Kapitalismus werden diese Gemeinwohl gefährdenden Entwicklungen verhindert. Dennoch werden überall, wo sie nicht das Gemeinwohl gefährden, die leistungs- und wachstumsfördernden Prinzipien der Marktwirtschaft genutzt.
In der Krise sparen, ist immer grob kontraproduktiv und gerade in GR verheerend. Das hat nicht einmal DEU gemacht, sondern im Gegenteil Schulden vermehrt, die USA sogar ganz gewaltig und stehen heute viel besser da als die EU.
Sparpolitik in der Krise, dadurch niedrige Zinsen, höhere Investitionen und mehr Wachstum ist krachend gescheitert.
Wachstum, die Steigerung von Produktion, Geldmenge kann im unserem System ohnehin nur durch Schulden entstehen.
Schuldenfreie Staaten kann es nicht geben. Schulden werden aber nie bezahlt. Bisher wurden sie immer durch Inflation, Sondersteuern, Kriege o.ä. Transformationen, Schuldenschnitte wieder egalisiert.
Einseitig nur die Angebotsseite, die Wirtschaft fit machen (Lohnsenkungen) - Wachstum - funktioniert nur, wenn sich andere Länder verschulden.
GR exportiert kaum ... wenn man die inländische Nachfrage auch noch abwürgt, bleibt gar nichts mehr ...
GR selbst ist so schwach, dass sich einheimische Waren selbst in GR nicht mehr verkaufen, geschweige denn exportieren lassen ... sie müssten mind. um die Hälfte billiger werden. Die Löhne können aber nicht so gesenkt werden. Sollte DEU zudem seine restriktive Politik des Lohndumpings und Sozialabbau beibehalten, bleibt mMn für das schwache GR nur der Grexit. Die überlegene Deutsche Produktivität könnte in einem gemeinsamen Währungsraum nur mittels Zinsen, höherem Lohnniveau, .. einigermaßen ausgeglichen werden. Zinsen sind aber schon bis zum Anschlag gesenkt. Und die Hochzinsphase in GR, ES, IRL hat ja nur zu Scheinwachstum geführt, auf Pump gebaut. Kapital floß in diese Länder ohne Substanz, platzende Blasen, die Krisen waren die Folge. Jeffrey Sachs, der Guru der Austerität fordert in solchen Krisenzeiten die stärkere Belastung von Reichen, was aber genau gegenteilig realisiert wurde (Bankengeschenke). Aber nicht nur GR wird bei einem Weiter-So in die Knie gezwungen, auch FR kann es sich nicht lange leisten, jährlich 50 Mrd. EUR Schulden bei DEU zu machen.
Ich sehe nicht, wie GR, ES, .. ohne eigene Währung 50% billiger, produktiver, .. und DEU so viel teurer (höhere Löhne) werden könnten.
DEU exportiert schließlich auch fast die Hälfte ausserhalb des gemeinsamen Währungsraumes.
Hier ist eine empfehlenswerte und gut geschriebene Wochenend-Lektüre für alle, die sich ein Bild vom aktuellen Griechenland machen möchten. Verfaßt von einem Halbgriechen (deutsch-griechisch)....
Vor dreizehn Jahren verteilte ein Postbeamter auf einer Insel in der Ägäis den Euro. Unser Reporter, ein deutsch-griechischer Journalist, war damals Zeuge. Nun ist er wieder hingefahren. Hier rechnet er ab: Mit Klischees, Lügen und einem falschen Spardiktat. von Michalis Pantelouris
"[n]o set of mutually inconsistent observations can exist for which some human intellect cannot conceive a coherent explanation, however complicated."
Das Märchen der sparsamen schwäbischen Hausfrau, an der sich GR ein Beispiel nehmen soll.
Wer spart, hat weniger Schulden. Das kann jeder Privathaushalt unmittelbar nachvollziehen. Deshalb wurde ja auch die schwäbische Hausfrau zur Ikone der Sparpolitik erwählt. Was für die schwäbische Hausfrau richtig ist, ist aber noch lange nicht gut für eine gesamte Volkswirtschaft.
Wenn in einer schwäbische Familie alle sparen, dann hat der Haushalt mehr Geld (um Schulden zu bezahlen),
wenn aber alle in einem Staat sparen (müssen), hat der Haushalt nur mehr Schulden.
Wenn nur ein Haushalt zu sparen beginnt und der Rest sich gleich verhält, dann gibt dieser Haushalt weniger aus, seine Einnahmen, zumeist wohl in Gestalt von Lohnzahlungen, bleiben gleich. Denn die bislang erwerbstätigen Haushaltsmitglieder bleiben bei ihren Unternehmen unverändert beschäftigt und auch ihre Löhne bleiben von den Sparbemühungen ihres eigenen Haushalts unberührt. Unter diesen Umständen spart der Haushalt und baut damit möglicherweise zuvor angehäufte Schulden ab.
Was aber passiert, wenn alle Haushalte zugleich sparen? Die Ausgaben der Haushalte und des Staates sind die Einnahmen der Unternehmen. Wenn die Unternehmen aber weniger einnehmen, weil alle anderen weniger ausgeben, müssen auch sie sparen. Das können sie kurzfristig nur, wenn sie von ihren Beschäftigten verlangen, sich mit niedrigeren Löhnen zufriedenzugeben oder diese gar entlassen. Oder indem sie ihre Lieferanten unter Preisdruck setzen, sodass auch diese sparen müssen.
Wenn also alle schwäbischen Hausfrauen gleichzeitig sparen, verlieren sie mehr Einkommen als sie sparen können, oder gleich ihren ganzen Job.
Das Sparen wird zum Bumerang. Es kehrt zu den Haushalten und zum Staat zurück, denn deren Einnahmen bleiben nicht mehr konstant. Entweder das Gehalt sinkt aufgrund der Lohnkürzungen oder noch stärker, wenn Arbeitslosigkeit in den Haushalt einzieht. Beim Staat sinken die Steuereinnahmen. Unter diesen Umständen ist in der Regel trotz oder besser wegen der allgemeinen Sparbemühungen an einen Abbau der Schulden nicht zu denken, denn die sparsame schwäbische Hausfrau ist arbeitslos.
Was für den einzelnen Haushalt gut und richtig ist, kann volkswirtschaftlich zum Desaster werden.
Wenn in einer Volkswirtschaft alle sparen, dann breche die Wirtschaft zusammen, weil die Ersparnisse auf der Bank liegen blieben und nicht investiert würden. Jedes Vermögen brauche auch Schuldner.
„Sparen“ ist in der deutschen Sprache positiv besetzt. Wer Geld spart, verbessert seine finanzielle Lage. Was für den einzelnen Haushalt gilt, lässt sich jedoch nicht auf die Gesamtwirtschaft übertragen. Wenn ein Haushalt spart, kann ihm die Bank nur deshalb Zinsen gutschreiben kann, weil andere Haushalte, Firmen oder eben der Staat sich verschulden. Wenn niemand Schulden macht, kann also auch niemand sparen.