Obschon hier wahrscheinlich niemand rufen wird: "Was?! Russland? Spinnst du jetzt komplett? Russland ist gefäääährlich!" erzähle ich euch mal, wie es zu meinem Auswanderungswunsch kam. Ich war eines von den Kindern, die in der Schule immer auf den Deckel bekamen; von Mitschülern und einigen Lehrern. Als wir Teenager wurden, schwärmte auf einmal die halbe Klasse von den USA. "Mann, also Amerika ist schon mega cool und wenn ich gross bin, ziehe ich dort hin!" Logische Konsequenz für mich: 'Wenn diese Affen nach Amerika verduften, gehe ich nach Russland'
Ich beschaffte mir ein Wörterbuch und versuchte, damit Russisch zu lernen. Ihr könnt euch ausrechnen, ob das funktioniert hat.
Schon viel früher erzählte meine Mutter aus ihrer Kindheit. Sie ist in Österreich aufgewachsen, im Krieg. Mama hat erzählt, dass die russischen Soldaten sehr freundlich waren. Ich hatte also schon früh eine gute Meinung über "die Russen".
Bald nach der Lehre habe ich geheiratet und war einige Jahre Hausfrau und Mutter. Leider ging diese Ehe in die Brüche und ich bin, nach ein paar Beziehungen, so richtig allein. Im Januar 2015 begann ich mich zu fragen, ob's das jetzt gewesen sein soll. Alle Träume geplatzt usw. Das konnte ich nicht akzeptieren und so sagte ich mir, dass ich jetzt etwas tun kann, das ich schon immer gewollt und nie getan hatte. Und da fiel mir mein Wunsch wieder ein, Russisch zu können. Ich begann zuerst selber zu lernen und später fand ich einen Kurs. Es dauerte nicht lange und ich machte mir ernsthaft Gedanken, in Russland zu leben und zu arbeiten. Meine Kinder sind erwachsen und es gibt für mich keinen Grund, in der Schweiz zu bleiben, wo ich mich die letzten 47 nicht zu Hause gefühlt habe.
Dadurch, dass jetzt eine berufliche Veränderung ansteht, ist das Thema für mich über Nacht akut geworden.
Ich wünsche euch allen eine gute Nacht! Хороших снов!
Verena


