Die Vergiftung von Alexey Navalny

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kamensky
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von kamensky »

Klaus hat geschrieben: 24 Jan 2021, 20:14
Ich habe seit sechs Jahren keine deutschen Nachrichten mehr gesehen - und ich vermisse nichts.
Dafuer scheinst du im Austausch der/den kremlgesteuerten Medien erlegen zu sein, welche deiner Meinung nach wohl darum kaempfen, um zu 100% ehrliche und der Wahrheit entsprechende Informationen zu suggerieren und indoktrinieren. Dankbare Opfer und Gutglaeubige sind ja anscheinend leicht zu finden. Wie heisst es doch so schoen "Liebe macht oft blind!" Was angeblich bei YT unehrlich ablaeuft, erledigen in Russland die von der russischen Regierung beschaeftigten Trolle aus St. Petersburg. Somit haetten wir dann eine Pattsituation. ;)

Deshalb noch einmal: Versuche zuerst einmal in Russland Fuss zu fassen und dann lebe einmal 5,6 Jahre da und moeglicherweise revidierst du danach einen Teil von der naiven Einstellung und deine Meinung aendert sich teilweise von selbst.
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
Axel

Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Axel »

Russischer Polizist zeigt Solidarität mit Nawalny – und wird entlassen !!!
https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 03932906ca

Kennen wir schon aus Belarus !
Putins Sympathie schmilzt mittlerweile selbst bei ehemaligen Anhängern.

Kremlsprecher Peskow lügt wie gedruckt !
"Es sind nur sehr wenige rausgegangen, viele unterstützen Putin !"
https://www.forbes.ru/newsroom/obshches ... rotesty-23
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Norbert
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Norbert »

Ich habe auch am Wochenende viel in der Familie über Nawalny gesprochen. Ich finde beide Sichtweisen hier im Forum nachvollziehbar und dennoch beide zu kurz gedacht.

Auf der einen Seite die Nawalny-Freunde. Ja, er deckt auf, dass etwas offensichtlich nicht gut läuft. Er macht dies sehr ansprechend und weckt die Leute auf. Zugleich fehlt mir bei ihm ein wirkliches Ziel. Nur "dagegen" zu sein ist keine Agenda. Das ist ein Programm wie in den 90ern, als den Leuten das Blaue vom Himmel versprochen wurde und alles im Chaos endete. Genau aus dieser Erfahrung heraus fehlt Nawalny auch immer noch die breite Rückhalt in der Bevölkerung. Sie sehen in ihm den Unruhestifter, der die Leute auf die Straßen treibt, aber ohne ein Ziel. Einfach nur eine nach außen stabile Regierung gegen etwas völlig Ungewisses auszuwechseln, ist für den Großteil der Bevölkerung keine attraktive Perspektive.

Auf der anderen Seite die Nawalny-Skeptiker. Na klar, er macht aktuell nur Unruhe. Er gefährdet auf diese Weise jene Stabilität, die Russland nun seit 20 Jahren genießt, nach 15 wirklich gruseligen Jahren "freier Demokratie" zuvor. Der Großteil der Bevölkerung erinnert sich mit großen Sorgen an diese Jahre, die zwar politisch völlige Freiheit bedeuteten, aber für den einfachen Mann vor allem Not. Damals Existenzängste (wirtschaftliches Überleben, Kriminalität), heute Auto + Wohnung + Urlaub im Inland oder Ausland. Viele haben Angst, dass es zu einer Revolution kommt wie 1990 mit denselben Folgen wie 1990. Die Problematik ist jedoch - wenn man mit diesem Argument jegliche Proteste im Keim erstickt, wird dies zum Freifahrtschein für jeglichen Machtmissbrauch. Wo zieht man dann die Linie? Ist ein mysteriöser Privatpalast im Umfeld des Präsidenten noch ok? Wären es dann auch offensichtliche Wahlfälschungen wie in Minsk? Wären dann auch Massenverhaftungen und Folter wie in Damaskus legitim? Und so weiter.

Natürlich, so lange man nicht selbst betroffen ist, ist man als Skeptiker "auf der sicheren Seite". Es geht einem ja im Moment nicht schlecht. Aber ganz plötzlich kann sich die Lage umdrehen. Aus irgendwelchen Gründen leidet man unter einer konkreten Entscheidung des Machtapparats, da ja aber jegliche Proteste nur Instabilität bedeuten und aus diesem Grund unterbunden werden, wird man zum Feind. Für den einen reicht hier ein Verdacht aus Nawalnys Videos, für einen anderen wäre die Grenze woanders.

Was ich jedoch an Westeuropa mag: Wenn ich einen solchen Verdacht habe, dann kann ich ohne Gefahr ein Video dazu machen oder demonstrieren gehen. Ich riskiere dafür weder Freiheit noch Leben. Ich riskiere höchstens meine gesellschaftliche Position - aber das liegt in der Natur der Sache. Aber ich finde es gut und richtig, dass in meiner Heimatstadt montags Demonstrationen stattfinden dürfen, selbst wenn ich deren Inhalte falsch finde.

Und ja, ich finde den Umgang mit dem bereits genannten Beispiel Uwe Steimle sehr bedenklich. Seine Wortwahl in diversen Interviews finde ich in der Tat grenzwertig - aber eine Aussage von ihm finde ich absolut richtig: "Eine Gesellschaft, die dem Hofnarren das Wort verbietet, ist an einem bedenklichen Punkt angekommen." Der Unterschied in Russland: In Russland wird nicht nur dem Hofnarren das Wort verboten.
Axel

Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Axel »

Putin reagiert: Der Palast gehört mir nicht
https://www.youtube.com/watch?v=I40valrW_X0
Aber dann wem ?
Schwache Antwort.
paramecium
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von paramecium »

@Norbert: Sehr gut zusammengefasst. Einer der Momente, an dem mir hier im Forum der "Like-Button" fehlt. [Danke]
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Okonjima
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Okonjima »

Auch von mir "Daumen hoch", selbst als Skeptiker
kann ich das voll unterschreiben.
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lausi
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von lausi »

@Norbert: Da bin ich völlig Deiner Meinung.
“Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!”
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Wladimir30
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Wladimir30 »

Zu Norberts Ausführungen.

Nawalnyj ist kein Politiker, und ich kenne niemanden, der ihn ernsthaft als solchen wahrnimmt. Er definiert sich meinem Empfinden nach auch nicht als solcher, sondern als jemand, der informieren will. Damit ist seine Rolle grundsätzlich eine andere, der Maßstab, mit dem er gemessen wird, ein anderer. Damit ist auch die Fragestellung nach seinem Ziel hinfällig.

So wie Norbert von seinen persönlichen Eindrücken spricht, möchte ich dies ebenfalls tun. Ich habe im Gegensatz zu ihm nicht den Eindruck gewonnen, dass die Leute wegen der Aktivitäten von N. Angst vor der Rückkehr der 90er Jahre haben. Zu unterschiedlich waren die politischen und wirtschaftlichen Konstellationen, zu breit gefächert war damals das politische Spektrum, zu groß war das Machtvakuum, dass sich nach dem Zerfall der UdSSR und der politischen Harakirizeit gebildet hatte. All das ist heute noch mal nicht ansatzweise vorhanden.

Ich habe ebenfalls nicht mitbekommen, dass die 90er Jahre mit Hunger und Kleinkriminellen, die durch Erpressungen bis hin zu Kleinstunternehmern Angst und Unsicherheit verbreiteten mit der Situation im heutigen Russland verglichen werden. Ja, die Angst vor Senkung des Luxus ist da, aber dass hier Angst herrscht, dass die Revolution der 90er Jahre wiederkehrt? Hab ich nichts von mitbekommen. Auch wenn es jetzt wieder heißen wird, dass es bis Wladimir nicht durchgedrungen sei. Bitte, wem es beliebt, auf diesem Niveau kann man auch diskutieren.

Was allerdings in der Tat als Gefahr angesehen wird, ist die zunehmende Beschneidung der Bürgerrechte, an die man sich gerne gewöhnt hat. Wie weit das noch gehen wird? Eine Frage, die zu beantworten sich viele nicht trauen, aus Angst, es dadurch erst heraufzubeschwören. Die Unsicherheit, wie es weitergeht, ist da, aber ob sie die breite Masse erfasst hat? Hier möchte ich Zweifel anmelden. Viele sehen in N. einen bezahlten Unruhestifter (von wem auch immer, da gibt es unterschiedliche Versionen), wobei ich diese Meinung nur wiedergebe, ohne sie zu bejahen oder zu verneinen.

Ja, klar ist es ein sicheres Gefühl, wenn man seine Meinung (und selbst wenn sie größter Blödsinn ist) offen herausposaunen kann. Hier gebe ich Norbert unumwunden recht. Russland steckt hier in anderen Traditionen, die sich nicht so schnell aufbrechen werden. Egal, ob ich jetzt gleich wieder als Putinversteher oder gar -freund verschrieen werde (schwarz-weiß Malerei betreibt der, der nicht differenzieren kann), aber die Tradition und die Geistesgeschichte zeigen einen anderen Weg, andere Werte. Mehrfache Versuche, diese hier zu beschreiben, sind allesamt im Sande verlaufen, also lasse ich es. Ich möchte aber zum Andenken anregen, indem ich darauf verweise, dass es andere Traditionen, eine gänzlich andere Geistesgeschichte gibt. Das möchte nicht jeder akzeptiere, es ist aber so. Und sie führen zu anderen Reaktionen, vor allem in Extremsituationen. Wiederum, ohne diese zu verteidigen oder beschönigen.

Damit will ich mit Sicherheit nicht die Menschenrechtsverletzungen, die es letztes Wochenende gegeben hat, und die in jedem der einzelnen Fälle eine persönliche Katastrophe sind und immer bleiben werden, rechtfertigen. Ich würde mich nur freuen, wenn es gelingt, auch mal die andere Seite in ihrer Andersheit zu sehen.
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kamensky
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von kamensky »

Axel hat geschrieben: 25 Jan 2021, 18:53 Putin reagiert: Der Palast gehört mir nicht
https://www.youtube.com/watch?v=I40valrW_X0
Aber dann wem ?
Schwache Antwort.
In einigen Medien behauptet Putin ja, dass weder er, noch seine Verwandtschaft Etwas mit dem Prunkpalast zu tun haben. Daher stellt sich mir die Frage, weshalb und wieviel der Infos im nachstehenden Link der Tatsache und Wahrheit entspricht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Residenz_am_Kap_Idokopas

Zitat: " Bei ihnen handelt es sich um den Schwiegervater und den damaligen Ehemann von Putins Tochter Katerina Tichonowa. "

Wen dem so ist, dann waere Putins Aussage eine weitere Unehrlichkeit gegenueber der Bevoelkerung, denn ich erkenne im Zitat geposteten Satz, einen zumindest indirekten Verwandtschaftsgrad.
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von kamensky »

@Norbert

Danke, sehr gute Zusammenfassung

Auch den sich im nachstehenden Link befindender Bericht hat meines Erachtens Wahres im Inhalt. Wir waren am 23. hier in Eburg ausserhalb der Hauptdemo, doch auch uns ist sofort aufgefallen, dass das Gros der Teilnehmer nicht zu den Teenager und Jugendlichen gehoert, sondern wesentlich aelter als 30 Jahre war.

https://www.bbc.com/russian/features-55802391
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