Einen "Schwarzen", den ich schon zu schaetzen gelernt habe, bevor er durch das Raster der "Freien Presse" gefallen ist...
Quelle..FB... Kanal Serdar Somuncu
Die Taktik des Westens gegenüber Russland in der Ukraine Frage ist ein einziger Offenbarungseid. Sie folgt dem uralten Prinzip imperialistischer Großmächte, ihre eigenen Machtinteressen zu vertreten, indem sie Krisen schüren, Konflikte riskieren und am Ende resigniert feststellen müssen, dass sie mit ihren Ansprüchen das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich beabsichtigen.
Der russische Präsident Wladimir Putin mag ein Antidemokrat sein. Aus Sicht der Europäer aber ist er ein Worst Case. Ein Russland, das auf seine Autonomie beharrt und sich nicht als Teil Europas sieht, sondern als Achsenmacht zwischen Europa und Asien fungiert, ist zugleich eine unberechenbare Bedrohung und eine logische Folge der Ausgrenzungs- und Erweiterungspolitik der NATO.
Es ist ein grober Fehler zu denken, dass ein transatlantisches Bündnis und die Fortsetzung der NATO Osterweiterung ausreichen würden, um die Territorialinteressen der Russen zu hintergehen. Dass man dabei die Ukrainer zum Instrument und ihnen indirekt Versprechungen macht, die man nicht einhalten kann, ist schon längst durchschaubar. Das Interesse des Westens liegt nicht darin, der Ukraine eine Perspektive auf eine wirtschaftliche Unabhängigkeit von Russland zu geben, sondern zunächst einmal nur darin Zugriff auf die Gasleitungen Russlands Zugriff zu gewinnen und den Nordstream 2 in seine eigenen Hände zu bekommen.
Ähnlich, wie seinerzeit Barack Obama den arabischen Frühling initiierte und damit katastrophale Folgen in Kauf nehmen musste oder aber auch die beiden Golfkriege gegen den Irak, den man zuvor im Kampf gegen den Iran zu einer Stellvertretermacht installieren wollte, haben sich die westlichen Alliierten in diesem Fall in ihre Idee verrannt. Zumal mit dem weißrussischen Diktator und Putin Vasallen Lukaschenko eine zusätzliche unberechenbare Komponente existiert, in der wir, wie schon im vergangenen Herbst gesehen, ein Schleusentor für den internationalen Flüchtlingsverkehr haben, das wir weder kontrollieren können, noch können wir durch angedrohte Sanktionen verhindern, dass sowohl Lukaschenko als auch Putin die Flüchtlinge als Faustpfand einsetzen.
Die Ausgrenzung Putins, die 2015 auf dem G-7 Gipfel in Elmau begonnen hat, und in der offiziellen Erzählung des Westens auf althergebracht Motive aus Zeiten des kalten Kriegs beruht, ist ein kapitaler Fehler, dessen Folgen für niemanden wünschenswert sind. Die NATO Osterweiterung ist ein Projekt, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Und auch, wenn es so wirkt, dass das westliche Verteidigungsbündnis stabil genug wäre, sich auf einen Konflikt mit Putin einzulassen, bleibt dabei außer Acht, dass die Allianzen, die sich daraus bilden eine dauerhafte Bedrohung für den Weltfrieden bedeuten würden. Mit China ist nämlich eine weitere Weltmacht daran interessiert, dass der Westen sich nicht zu weit ausdehnt und seine Märkte in den Osten verlagert. Daher wäre es jetzt dringend an der Zeit, in den Dialog zu gehen und Brücken zu bauen.
Ob dies der neu gewählten Bundesregierung gelingt, und angesichts ihrer Unerfahrenheit im Geschick mit diplomatischen Verhandlungen dazu führt, dass der Konflikt entschärft und das Verhältnis zu Russland mittelfristig wieder normalisiert wird, ist offen. Die letzten Entwicklungen und versöhnliche Töne, lassen jedoch erkennen, dass diese Einsicht bereits eingetreten ist, denn niemand kann daran interessiert sein aufgrund durchschaubarer Interessen, sowohl wirtschaftlich, als auch politisch, sich so quer zu stellen, dass am Ende ein Flächenbrand entsteht, dessen Dimension das Vorstellbare übersteigt.
Wir haben in den vor uns liegenden Jahren eine Zeit der Instabilität, insbesondere auch in der europäischen Union, den USA und weiten Teilen der westlichen Welt zu erwarten, in der es vor allem zur Wahrung des Weltfriedens um eine Balance zwischen Vernunft und Verantwortung geht.

Serdar Somuncu 2022