Eine Tüte Höflichkeit..........

Für alle, die mehr über "Piter" wissen wollen.
achimH

Eine Tüte Höflichkeit..........

Beitrag von achimH »

Eine Tüte Höflichkeit für St. Petersburg, bitte!

Ich war in St. Petersburg und das ist passiert: Am ersten Tag war ich überwältigt von den unzähligen wunderschönen alten Gebäuden, Kathedralen und Schlössern. In St. Petersburg steht wirklich ein historisches Gebäude neben dem anderen – ich wusste gar nicht, was ich als erstes fotografieren sollte. Im Katharinenpalast, wo u.a. das Bernsteinzimmer zu sehen ist, war ich etwas enttäuscht. Da, wo einst Blattgold war, ist jetzt goldene Farbe, und das wirkt leider ein wenig wie ein Rubinring aus Plastik – kitschig und angemalt. Das nachgebildete Bernsteinzimmer ist auch nicht annähernd so schön, wie das verschollene Geschenk Deutschlands an Russland, von dem ja noch Fotos existieren.

Am zweiten Tag wurde meine Aufmerksamkeit plötzlich auf ein ganz anderes Phänomen als die wunderschönen Gebäude gelenkt. Ich wurde zum Detektiv auf der Suche nach den netten Menschen der Stadt. St. Petersburg könnte so viel mehr Charme haben, wenn die Menschen freundlicher wären. Viele halten St. Petersburg für die schönste Stadt Europas. Ich sage: Ja, wenn ein paar lebenslustige Italiener durch die Straßen liefen!

Angefangen hat mein Detektiv-Dasein bei einer Bootstour auf der Newa. Ich habe extra ein paar klassische Worte in Russisch gelernt: Bitte, danke, guten Tag und auf Wiedersehen. Auf dem Boot sage ich freundlich "sdrastwujtje" – keine Antwort. Also lege ich nach, sage zu der Frau dahinter: "dobry djen". Wieder nichts. Ich setze mich neben den Eingang, um zu sehen, ob es nur mir als Ausländer so geht – aber nein. Russen kommen und gehen und sagen kein Wort. Sie setzen sich und lauschen anderthalb Stunden der Frauenstimme, die ganz vorn vom Boot die Sehenswürdigkeiten der Stadt beschreibt. Am Ende der Tour verabschiedet sie sich mit den Worten: "Einen schönen Tag noch in St. Petersburg". Und – nichts. Kein Applaus, kein Danke, kein Mucks. Alle strömen raus – aber stumm! Selbst der Bootsjunge, der den Frauen über die wacklige Schwelle hilft, hört kein Danke. Nur ich, als kleiner Höflichkeits-Detektiv, sage es immer und immer wieder: "spassiba, spassiba, spassiba" – doch Antwort gibt es nicht. Mit jedem ignorierten Danke verliert St. Petersburg für mich an Glanz. Umso mehr freue ich mich, als ich wieder am Flughafen in Deutschland ankomme und fast alle Menschen super nett sind.

Dann überkommt mich der Gedanke: Würde ich auch so werden? Hält man Höflichkeit durch, wenn man sie nur gibt und nie zurückbekommt? Und warum sind die Menschen dort so merkwürdig drauf? Gab es für sie einmal bessere Zeiten, die sie sich zurückwünschen? Wie den Zarismus oder gar den Kommunismus? Oder liegt es vielleicht am oft so rauen Wetter? Für mich ist St. Petersburg nicht die schönste Stadt Europas – eher Barcelona, Hamburg, Dresden oder Florenz. Denn für die Schönheit zählt nicht nur das Äußere, sondern auch die inneren Werte! Wie im richtigen Leben, so auch bei einer Stadt.

Liebe Grüße und einen schönen Tag noch!
Ihre Joey Grit Winkl

Quelle: Bunte
Stefan

Beitrag von Stefan »

Habe auch schon gehört, daß die Höflichkeit und Freundlichkeit in Piter etwas merkwürdig ist.

Aber ich sage mir immer: Erst einmal selber erleben bevor man urteilt.

Piter steht bei mir als nächstes auf dem Plan. :D
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Saboteur
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Beitrag von Saboteur »

man sollte halt nicht mit seinen Regeln in fremde Klöster gehen...
mal ehrlich...ist denn ein "einen schönen Tag noch" was sowieso meist gelogen bzw. nur gesagt wird weil man es erwartet, von jeder Verkäuferin und jedem Hans Wurst in deutschland das Maß aller Dinge? Mal abgesehen davon ist es kein Piter "Problem" sondern ein russisches...Mir zumindest ist es egal ob mir wildfremde Menschen irgendwas schönes wünschen oder nicht...

PS: Ich glaub die Freaks von der Maski Show haben dieses Bitte und Danke Zeugs mal parodiert...
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...
Paul

Beitrag von Paul »

Na ja, grundsätzlich erleichtern Umgangsformen das Leben.
Saboteur hat geschrieben: Mal abgesehen davon ist es kein Piter "Problem" sondern ein russisches...
Das ist wohl war. Eine russische Bekannte von mir dazu: "Wir haben ein zu schlechtes Leben, um höflich zu sein". :roll:
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Xottabych
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Beitrag von Xottabych »

Paul hat geschrieben:Eine russische Bekannte von mir dazu: "Wir haben ein zu schlechtes Leben, um höflich zu sein". Rolling Eyes
Tsss. Das ist ja lächerlich.

Übrigens ist mein Eindruck nicht, dass die Leute dermaßen unhöflich wären.
Stefan

Beitrag von Stefan »

Also ich hatte keine Probleme mit der "Unhöflichkeit" der Leute dort.

Ich denke mal das es mir nicht aufgefallen ist, da ich ja der russischen Sprache nicht mächtig bin.
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Mein Mann findet die Leute in SPB viel netter und freundlicher als hier in Moskau. Es ist halt einfach nicht üblich, dass man Fremde grüßt. Aber es stimmt schon, lieber ein "Bitte" oder "Danke" zu viel als zu wenig. Heute hab ich in der Metro beim Losfahren eine Frau angerempelt und mich - eigentlich selbstverständlich - entschuldigt. Sie meinte nur "Ach was, das ist doch die Metro" und lächelte. Auch Moskauer können nett sein.
Du erntest, was du säst.
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7punkt
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Beitrag von 7punkt »

manuchka hat geschrieben:Mein Mann findet die Leute in SPB viel netter und freundlicher als hier in Moskau. .
Na in Moskau sind leider auch zu wenig Stammmoskauer geblieben :roll: Und "Gaeste der Haupstadt" bringen leider eigene Hoefflichkeitsvorstellungen mit :wink:
manuchka hat geschrieben:Auch Moskauer können nett sein.
Je nachdem, wen wir als Moskauer bezeichnen :P

Gruss,
7punkt
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
achim

Beitrag von achim »

7punkt hat geschrieben:Na in Moskau sind leider auch zu wenig Stammmoskauer geblieben :roll: Und "Gaeste der Haupstadt" bringen leider eigene Hoefflichkeitsvorstellungen mit :wink:
Ja, dass habe ich mir auch schon immer so gedacht. An der Unhöflichkeit der "Moskauer" sind eigentlich die Nichtmoskauer Moskauer schuld... Die echten Moskauerer sind da ganz anders. Die freuen sich über jeden neuen Nichtmoskauerer Moskauer. :D
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7punkt
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Beitrag von 7punkt »

achim hat geschrieben:....Die echten Moskauerer sind da ganz anders. Die freuen sich über jeden neuen Nichtmoskauerer Moskauer....
Ja klar freuen sie sich, na die echten Moskauerer, ueber jeden neuen gut erzogenen ausgebildeten toleranten Einwohner :D

LG,
7punkt
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