Hallo Simone,
ich bin in vielen Punkten mit Deinen Ausführungen nicht einverstanden.
Simone hat geschrieben:Die Frage ist doch, wie manövrieren sich die Leute aus der Situation SELBST wieder heraus und was sind sie bereit zu opfern dafür. Ich rede hier insbesondere von Langzeitarbeitslosen, Trinkern, jungen Leuten...
Nein. Die Frage ist: KÖNNEN sich die Leute aus ihrer Lage selbst herausmanövrieren? Das geht oft einfach nicht.
Simone hat geschrieben:Das wird eben alles bezahlt von den Steuer+Abgabenzahler und der, der arbeitet, ist der Dumme!
Und das führt dazu, daß unsere Intelligenz und tatkräftige Generation abwandert ins steuerlich optimalere Ausland - lese dazu die ausführlichen Artikel der letzten Monate (z.B. manager-magazin.de)
Dass man so etwas in einem "Manager-Magazin" lesen kann, wundert mich wenig. Solche Publikationen bedienen doch lediglich eine Klientel, die unter den gegenwärtigen Bedingungen bestens zu recht kommt, also erfolgsverwöhnt ist, sehr gut verdienend etc. Nirgendwo ist das Dogma weiter verbreitet, dass Leistungsbereitschaft zu gesellschaftlichem Aufstieg führe (ist ja logisch, denn für DIESE Leute hat es funktioniert).
Dass dies aber schon längst keine Gültigkeit mehr hat, sondern ein Mythos der Mittelstandsgesellschaft ist, zeigt doch diese ganze Unterschichtendiskussion. Ja, die Mittelschicht spürt eben sehr deutlich, dass mit Leistungsbereitschaft alleine nichts zu machen ist, wenn die Firma entschieden hat, die Produktion in ein anderes Land zu verlegen! Da bringt alles ackern nichts.
Und noch eine Anmerkung am Rande: Ich kriege jedesmal einen dicken Hals, wenn ich solche Polemiken wie im Managermagazin von Autoren lese, die im Monat wahrscheinlich so viel Geld für Maniküre ausgeben, wie andere Leute im Monat verdienen.
Das jährliche recherische pro-Kopf-Einkommen ist in Deutschland auf über 22000 Euro gestiegen, hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht und steigt sogar noch schneller. Und wohin wandert der ganze Mehrwert? In die Taschen von Anteilseignern und von denjenigen, die noch geregelter Arbeit nachgehen können. Und dann tritt man mit dem Lügenmärchen an Arbeitslose heran, sie müssten sich nur anstrengen, also z.B. Spargel stechen gehen für 3 Euro die Stunde, dann würden sie schon bald Arbeit bekommen?
Ich stelle hier mal eine alternative These auf: Wenn die Leute Aussicht darauf hätten, dass Leistung belohnt würde, dann würden sie auch Leistung erbringen.
Simone hat geschrieben:Es ist daher die große Frage, ob Deutschland mit den höchsten Aufwendung für Sozial-hilfe und -Unterstützung auf dem richtigen Wege ist. Es gewühnen sich immer mehr Menschen an diesen Tropf und werdne dem Leistungsprinzip entwöhnt bzw. kennen dies gar nicht!
Ich finde den Sozialstaat, der Solidarität füreinander einfordert (und deren Erbringung sich die tatkräftige, oft auf Kosten der Allgemeinheit an Hochschulen ausgebildete Generation durch Abwanderung entzieht), eigentlich eine prima Sache. Und nur die Tatsache, dass es ein paar wenige Parasiten gibt, ist doch kein Grund, den Sozialstaat abzuschaffen. Der Sozialstaat gibt keineswegs für den EINZELNEN zu viel aus, sondern INSGESAMT, und das ganz einfach deshalb, weil es zu viele Menschen gibt, die (tatsächlich) auf ihn angewiesen sind.