Eine Frage an alle die in Russland leben

Hier findest Du Insiderinformationen zum mittel- oder langfristigen Aufenthalt in Russland die Dir helfen das Leben in Russland zu meistern. Du lebst (noch) nicht in Russland? Dann könnte dieses Unterforum für Dich besonders interessant sein, damit Du von unseren Erfahrungen profitierst. Expats are welcome!
Stefan

Eine Frage an alle die in Russland leben

Beitrag von Stefan »

Hallo Zusammen,

ich habe da mal an eine Frage an alle, die in Russland leben:

Habt Ihr eigentlich "Heimweh"??

Ich spiele mit dem Gedanken, daß wenn ich hier in D keinen Job bekomme, einen Intensivsprachkurs Russisch machen möchte und mich bei der Deutschen Botschaft nach erfolgreichem Abschluss vorstellen möchte.

Aus sicherer Quelle habe ich gehört, daß Botschaftsangestellte gerne aus den Reihen ehemaliger oder noch arbeitenden Behörden recrutiert werden.

Meine Frau sagte schon, dass sie niemals mitkommen würde, da sie froh ist nichts mehr mit diesem Land zu tun zu haben.

Wie ist es denn bei Euch? Vermisst ihr das gute alte Germany? Falls ja, was vermisst ihr denn?
Ragnar Schluchtmann

Beitrag von Ragnar Schluchtmann »

Heimweh kann ich das nicht nennen, eher "Komfort"weh manchmal,
eigentlich bin ich hier zuhause, mit Frau, Kindern

und wenn ich die lezten 2 Saetze lese, muss das Thema wohl bald zu "Beziehungskrisen" verschoben werden,

muss man sich genau ueberlegen. Wo kommen denn die Erfahrungen deiner Frau her? Es hat sich ja doch viel veraendert.
Stefan

Beitrag von Stefan »

Tja, meine Frau ist eine Spätaussiedlerin. Sie hatte zwar nicht in Russland selber, sondern in Kasachstan gelebt, aber ihr ist seit der Jugend nur negatives entgegengeschwappt.

Sie sagte, daß sie dort nie als Mensch richtig akzeptiert wurde. Sie war dort eine Faschistin hat es auch recht oft zu spüren bekommen. Gut, sie hat sich zwar gewehrt, war aber nicht so ihr Ding.

Auch auf den hiesigen Komfort will sie nicht mehr verzichten.

Sie kommt auch nicht damit klar, daß alles dort verfallen ist.

Mein Traum hingegen ist es einmal in Russland eine Zeit zu leben. Ich denke von dem kurzen Einblick, den ich dort in meinem Urlaub gewonnen habe, kann man noch nicht viel sagen. Ich denke, erst wenn ich die Probleme richtig in Augenschein nehmen kann und Lösungen suche, dann kann ich sagen, daß es mir gefällt oder nicht.

Meine Frau hingegen kann sagen, daß es ihr dort nicht gefällt, da sie ja zwei Leben kennt.
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werner
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Beitrag von werner »

@ Stefan...Du kannst mit Deiner Frau auch 3 Monate Urlaub dort verleben.

Wenn ich in Russland bin ( mehr als 3 Wochen ), will ich wieder nach Dt.

In der Heimat angekommen, will ich wieder nach Russland, ist das nicht
komisch ? Wahrscheinlich fasziniert Dich dort diese Ruhe und unendliche
Weite der Landschaft und der Herzen.

LG. Werner
https://www.tripadvisor.de/members/Baranowka

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Wylly

Beitrag von Wylly »

[quote="Stefan"]Tja, meine Frau ist eine Spätaussiedlerin. Sie hatte zwar nicht in Russland selber, sondern in Kasachstan gelebt, aber ihr ist seit der Jugend nur negatives entgegengeschwappt.

Sie sagte, daß sie dort nie als Mensch richtig akzeptiert wurde. Sie war dort eine Faschistin hat es auch recht oft zu spüren bekommen. Gut, sie hat sich zwar gewehrt, war aber nicht so ihr Ding.

Auch auf den hiesigen Komfort will sie nicht mehr verzichten.


Deine Frau sagt falsch. Ich bin auch ein Spätaussiedler und 50( davon 15 Jahre in Kasachstan) Jahre lang in Russland gelebt. Die letzte 10 Jahre lebe ich in Deutschland. Niemand hat mich in Russland Faschist genannt.
Im Gegenteil haben fast alle russische Leute Russlanddeutsche respektieren. Fast alle meine Verwandte( ich auch) und deutsche Bekannte Fachhochscule absolviert. Als ich mich auf irgendeine Arbeisplatz
beworben habe, sagte Arbeitsgebern: ich nehme dich gern, da Russlanddeutsche zuferlässige, arbeitsfähige und gute Leute sind.

Ja, früher im kleinen Dorf in Kasachstan- wo deine Frau gelebt hat, war kein Komfort. In Russland hatte ich alles- eine gute Arbeit, gute Wohnung, viele Freunde und Komfort. Nur Polizisten waren waren wie schreckliche Tiere.

In Russland kannst du viel interessante, gut bezahlte Arbeit und gute Freunde finden. Das Leben in Russland ist viel interessante, als in Deutscland. Du brauchst kein Angst zu haben.
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werner
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Beitrag von werner »

@...Wylly...danke für Deine aufklärenden Worte !
Auch ein Willkommen an einen " Russlanddeutschen " hier im Forum !

Man kann Deine Liebe zu Russland spüren, zu den Menschen...

LG. von Werner
https://www.tripadvisor.de/members/Baranowka

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Wylly

Beitrag von Wylly »

werner hat geschrieben: Man kann Deine Liebe zu Russland spüren, zu den Menschen...

LG. von Werner
--------------
Zu Deutschland auch. Wenn ein Mensch gut ist, fühlt er sich überall gut.

Aber zur Zeit kann man in Russland viel leichter eine gute Arbeit finden,als in D, besonders wenn jemand ein deutscher Fachmann ist und ein wenig russisch spricht.
Wylly

Re: Eine Frage an alle die in Russland leben

Beitrag von Wylly »

Stefan! Deiner Frau kann ich erklären,dass das Leben in Russland und in Kasachstan in letzten 10 Jahren in die gute Seite sich geändert wurde.

Selbstverständlich auf russisch. Für mich ist es zimmlich schwer, deutsch zu schreiben. Liebe Stefans Frau- schreib doch einfach russisch und stell ihre Fragen.
Zeppelin
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Re: Eine Frage an alle die in Russland leben

Beitrag von Zeppelin »

Wylly hat geschrieben:Stefan! Deiner Frau kann ich erklären,dass das Leben in Russland und in Kasachstan in letzten 10 Jahren in die gute Seite sich geändert wurde.

Selbstverständlich auf russisch. Für mich ist es zimmlich schwer, deutsch zu schreiben. Liebe Stefans Frau- schreib doch einfach russisch und stell ihre Fragen.
Ja Wylly,
ich glaube auch nicht, dass man als (Russland-)Deutsche(r) automatisch als Faschist bezeichnet wird.
Ich selbst war sehr überrascht, dass die Menschen mich dort ohne jeden Vorbehalt und sehr herzlich aufgenommen haben, obwohl die Familie meiner Frau in der Nazi- und Stalinzeit enorme Opfer zu erleiden hatte.

Aber ich weiß auch, dass es gelegentlich passiert, dass man Leute diffamiert, wenn diese etwas aus dem Rahmen fallen, um ihre Rechte kämpfen oder sich aus irgend einem Grund den Hass ihrer Umgebung zugezogen haben. Dazu wird dann oft die größt mögliche Beleidigung gewählt.
Und wenn man dass sehr intensiv in seiner Kindheit erlebt, wird man dieses Gefühl wahrscheinlich nie mehr los.
Stefans Frau mag es womöglich so ergangen sein, wie meiner tatarischen Frau.
Letztere hat sich öfter mal gewehrt, die Willkür von Kindergärtnerinnen oder Lehrerinnen zu befolgen und war dann stets ein "kleines tatarisches Miststück". Das ist etwa genau so zu bewerten, als wenn eine Deutscher als Faschist bezeichnet wird. [frust]

Es mag auch sein, dass sich in Kasachstan schon vieles zum Besseren verändert hat. Ein großer Teil unserer Familie lebt dort, aber die berichtet immer wieder, dass die Verhältnisse noch immer sehr schwierig sind, vor allem für Frauen.

Ich habe schon oft mit Auswanderinnen aus der ehemaligen GUS, die hier in Deutschland leben, darüber gesprochen, was sie an diesem Land hier besonders schätzen. Und fast alle sagten, dass sie sich hier sehr viel sicherer ubd geachteter fühlen, als in der Gesellschaft, in der sie aufgewachsen sind.
Mit sicherer ist dabei nicht die wirtschaftliche Sicherheit gemeint, sondern dass es hier deutlich weniger Gewalt gibt. Und diesen Grund kann ich schon sehr gut verstehen.

Gruß,
Zeppelin
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Stefan

Beitrag von Stefan »

Danke für die zahlreichen Antworten.

Ich habe es ihr auch schon versucht klar zu machen, aber wenn ein Mensch einmal eine schlechte Erfahrung gemacht hat, dann wird er sich absolut dagegen aufbäumen, dort nochmals zu leben. Schade eigentlich.

Aber Werner, du hast schon recht, ich habe mein Herz wirklich in Russland verloren.

Mich haben nicht nur die Menschen dort, sondern auch die Weite und die Schönheit des Landes fasziniert.
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